Die Blaue Fabrik feiert 20+1

Blau. Die ewig inspirierende Farbe der Weite, der Sehnsucht und der bluesigen Melancholie, sie soll es gewesen sein, die im Jahr 1991 die „Gründerväter“ Lutz Fleischer, Thomas Haufe und Sigrid Walter zur Namensgebung der Blauen Fabrik animiert hat.

Finger am Drücker: Holger Knaak
Finger am Drücker: Holger Knaak

Wohl auch in Anlehnung an die Künstlergruppe „Der blaue Reiter“ – dieser Ursprung klingt zumindest schmeichelhafter als die Geschichte von den drei Künstlern, die gerne Eibauer Bier tranken und sich nach der blauen Brauerei auf dem Etikett tauften.

Geschäftsführer Holger Knaak erwartet mich zum Presse-Treffchen in seinem Büro. Die Wände sind tapeziert mit Plakaten vergangener Vernissagen und Konzertveranstaltungen, der Boden aus kleinen Holzblöcken fühlt sich urig an und sieht gemütlich aus. Was nach vorne auf die Straße zeigt ist allerdings nur das Büro und somit Schaufenster der Blauen Fabrik, das von einer langen turbulenten Geschichte kündet. Dieses Jahr feiern Verein und Galerie ihr 20-jähriges Bestehen – plus einen Monat, der einstmals einem chronologischen Fehler versehentlich zum Opfer fiel.

Zu Wendezeiten fanden auf der kleinen blauen avantgardistischen Insel Ausstellungen, Tanzperformances und Konzerte gleichgesinnter, auch systemkritischer Künstler statt. Solange, bis Mietschulden die Existenz des kreativen Pols bedrohten. Im Jahr 1996 wurde sie durch die Gründung des „Künstlervereinigung blaueFABRIK e.V.“ gerettet, der heute mit 15 Mitgliedern besteht. Bis heute ist die Fabrik mit Ateliers, Proberäumen und dem gerade aufgehübschten Saal ein Knotenpunkt kultureller Begegnung. Hier trifft Computerkunst auf Leinwand, Tanz auf Jazz, Synthie auf Posaune, Klassik auf Rock.


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Palais-Sommer

Knaak führt mich in den Innenhof und lässt mir eine kleine Führung angedeihen. Im Hof vor der kleinen Stiege zum Konzertsaal wirft der rauschende Walnussbaum die ersten Nüsse auf die Autos der gerade eingetrudelten Band. Umherstehende Relikte vergangener Jahre, vom verrosteten Eimer bis zum Plüschhasen, erzählen im Dämmerlicht ihre Geschichten, ab und an zieht ein eingeweihter Mensch seine Kreise und grüßt freundlich- und man merkt es an meinem poetischen Schreibstil: hier ist ein Ort, dem ein schrulliger Zauber innewohnt.

Über steinerne Bodenplatten mit eingemeißelten Gesichtern geht es die Treppe hinauf in den mietbaren Saal, wo die Vorbereitungen für das abendliche Konzert schon auf Hochtouren laufen. Es riecht heimelig nach Stall und Wärme, das ist auch dem Ofen im Keller geschuldet, den Knaak vorher noch mit Holz gefüttert hat. Im Saal finden fast jeden Tag Konzerte und Kunst-Aktionen statt. Hier sollen besonders begabte Nachwuchstalente ein bezahlbares Podium und interessiertes Publikum finden.

Soundcheck vor dem Konzert
Soundcheck vor dem Konzert

Heribert Dorsch und Günter Heinz sind mit dem Aufbau ihrer Instrumente emsig beschäftigt, die zweiköpfige Band Helved Rüm aus Frankreich schleppt ihr Equipment herauf und wir müssen mit dem Schießen des illustrierenden Fotos noch warten, bis die Festanzüge angelegt sind. Darauf legen Dorsch und Heinz großen Wert. Bleibt noch Zeit für eine Mate und das Aufsaugen der Atmosphäre. Alles ist hier nicht künstlich, sondern Kunst. Mitfeiern ist erwünscht!

Das ganze Programm unter www.blauefabrik.de

Danke an Johannes für die Fotos

Vorfreude schönste Freude. Rechts Band Helved, vorne Mega-Synthie
Vorfreude schönste Freude. Rechts Band Helved, vorne Mega-Synthie

3 Kommentare zu “Die Blaue Fabrik feiert 20+1

  1. Gratulation dem Künstlerkollektiv und seinen Machern! Noch viele viele Jahre an dem Ort, das wünsche ich der Blauen Fabrik. Und gleichzeitig danke ich für viele schöne Stunden, die ich dort schon verbringen konnte.

  2. feiert die Blaue Fabrik auch dieses Jahr ihren Geburtstag? Oder ist es ihr vergangen – wegen Gerücht um Konzertverbot ab 20:00Uhr?

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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