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Urlaub – alles inklusiv

Das Reisebüro Punkt-Um des Lebenshilfe e.V. ermöglicht Menschen mit Behinderung die Erkundung neuer Welten. Dafür werden stets Begleiter*innen gesucht – auch in dieser Saison. Eine Aufgabe, die sich für alle auszahlt. 

Mobilität – das bedeutet nicht nur den Weg in die Einkaufshalle, sondern auch Reisen. Im Wortsinne sind für viele Menschen mit Handicap dafür die Hürden enorm hoch. Ein barrierearmer Weg von der Haustür bis zum Hotelzimmer? Unwahrscheinlich. Ein Buchungssystem in leichter Sprache? Fehlanzeige.

Gemeinsam im Urlaub. Foto: Punktum
Gemeinsam im Urlaub. Foto: Punktum

Seit 1991 bietet Punkt-Um Tours deshalb maßgeschneiderte Reisen an: Bogenschießen im Spreewald, eine Hundeschlittentour in Neuenkirchen, ein Besuch des Beatles-Musicals in Erfurt, Wandern im Erzgebirge zeigen die Seiten des aktuellen Katalogs. Jährlich sind es 70 Reisen für Gruppen und Einzelne, eine davon mit dem Flugzeug, zum Beispiel nach Kalifornien oder Gran Canaria. „Ganz neu ist die Flußkreuzfahrt auf dem Rhein mit einem barrierefreien Schiff“, sagt Henrike Großmann. Sie und ihr Team ebnen Menschen mit Behinderung den Weg in den Urlaub.

Ein großes Abenteuer

Ehrenamtliche Unterstützung sei hierfür ein Grundpfeiler, denn auf Unterstützung fußt die Freiheit der eingeschränkten Urlauber*innen, sagt Henrike. Über die sogenannte Übungsleiterpauschale können Begleiter*innen für ihre Dienste mit jährlich bis zu 3000 Euro steuerfrei vergütet werden, hinzu kommen freie Kost und Logis, erklärt sie. Eine zehnköpfige Reisegruppe brauche eine professionelle Begleitung und mindestens zwei im Ehren- bzw. Nebenamt.

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Freizeitpark oder Schlittenfahrt – die Reisen im Katalog werden nach Bedarf geplant. Foto: Punktum
Freizeitpark oder Schlittenfahrt – die Reisen im Katalog werden nach Bedarf geplant. Foto: Punktum

Viele nutzten diese Möglichkeit der Assistenz, um in einen sozialen Beruf hinein zu schnuppern – zum Einstieg oder Quereinstieg, oder um ein Praktikum zu absolvieren, erzählt Henrike. Andere wollen schlichtweg eine spannende Zeit verbringen. Im Vorfeld bestehe das Angebot sich schulen zu lassen: Erste Hilfe, ein Kurs zum korrekten Tragen und Heben von Personen, ein Crashkurs in Sachen Pflege. Doch die wahrhaftigsten Vorteile liegen im Zwischenmenschlichen: „Auf den Reisen ergeben sich Freundschaften und Partnerschaften, manchmal lebenslange“, sagt Henrike. Hier warten ungekannte Einblicke, Selbsterkenntnisse, Abenteuer.

Endlich wieder Urlaub!

Die Planung der Fahrten ist eine logistische Meisterleistung, das fängt bei der Zusammenstellung der Gruppen an. Henrike und ihr Team haben ein jahrelang gewachsenes Social Network im Kopf: Wer hat welche Bedürfnisse und Eigenarten? Wer welche Interessen, was schließt sich aus? Die Wartelisten sind lang, das Angebot – gerade im Osten Deutschlands – zu dünn.

Für viele Menschen mit Behinderung ist Punkt-Um Tours die einzige Chance, einmal selbstbestimmt wegzufahren, macht Henrike klar. Teil nehmen hauptsächlich Personen, die individuell wohnen. „Wer in einem Wohnheim wohnt, hat keinen Anspruch auf einen extra vergüteten Urlaub, da dieser ja theoretisch über den Träger abgedeckt ist. Praktisch aber mangelt es häufig an Personal, um diesen dann durchzuführen.“

PunktUm bietet Reisen ins In- und Ausland an. Foto: Punktum
PunktUm bietet Reisen ins In- und Ausland an. Foto: Punktum

Henrike schmerzte es persönlich, als die Reisen aufgrund der Pandemie entfielen. Diese neue Saison bedeute nach endlosen Absagen, Strapazen und Umplanungen: Endlich wieder Urlaub – für die anderen. „Wenn ich die strahlenden Gesichter bei der Abfahrt und der Ankunft sehe, weiß ich, warum ich das hier tue“, sagt sie. Ihr Glanzstück während Corona war die Organisation einer Hochzeitsreise, erinnert sie sich sichtlich stolz. Ihr größtes Ziel für die kommenden Jahre: „Weiterbestehen.“ Die Reisen für dieses Jahr sind bereits restlos ausgebucht, Assistenzen werden allerdings noch dringend gesucht. Anfragen nimmt das Team gern entgegen.

Punkt-Um Tours der Lebenshilfe e.V.

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  • Telefon: 0351 20 69 91 85
  • Mail: PunktUm-Tours@Lebenshilfe-Dresden.de oder Reisebegleitung@Lebenshilfe-Dresden.de
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8 Ergänzungen

  1. Zwar nicht Neustadt, aber sehr begrüßenswert. Macht da mal mit. Ihr tut etwas sehr Gutes, und reift enorm. In nur 1 Woche… Rückfragen gerne über die L i/a une…

  2. Mmm… es gibt in Deutschland ein Gesetz, dass den Staat verpflichtet, Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter oder Behinderung an allen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens teilhaben zu lassen. Da (§1 SGB IX) steht drin: „Niemand darf [unter anderem] aufgrund einer Behinderung benachteiligt werden“.

    Und hier wird um Freiwillige gebettelt und an deren Gewissen appelliert, damit Menschen in den Urlaub fahren können? – Ich sach mal: Krasse Scheiße!

    Wieso können Menschen mit Behinderung nicht wie ich und Du in den Urlaub fahren, sondern sind auf den good will von Dritten angewiesen?
    Wieso wird eine Firma (wie im obigen Artikel) dafür gefeiert, dass sie an dieser Diskriminierung mitverdient?

    „Doch die wahrhaftigsten Vorteile liegen im Zwischenmenschlichen.“ – Wie zynisch. Pfui Teufel!

  3. Ich kann da nur eine klare Empfehlung aussprechen. Wer die Möglichkeit hat sollte es unbedingt ausprobieren. Ich bin selbst vor einigen Jahren mehrfach als Betreuer bzw. Assistent mitgefahren. Ich habe sehr viele tolle Menschen kennengelernt und ne gute Zeit gehabt. Man kann da nur dazulernen, nicht zuletzt über sich selbst.

  4. Wieso feiern sich Menschen noch selber dafür, dass sie den Urlaub anderer Menschen für sich zweitverwerten? Um „dazuzulernen“, „neue Menschen zu treffen“, eine „gute Zeit zu haben“ oder „in einen sozialen Beruf hinein zu schnuppern“?

    Das ist Diskriminierung.

    Wäre diese Arbeit ordentlich bezahlt, hätten alle was davon: Die Menschen mit Behinderung einen selbstbestimmten Urlaub und die AssistentÏnnen ein Gehalt.

  5. Stimme Torsten vollumfänglich zu. Je schlechter es den ehrenamtlich Arbeitenden geht, umso besser ist es für die Menschen mit Behinderung. Zahlt euren Urlaub gefälligst selbst! Und wer sich für die Arbeit mit behinderten Menschen auch noch bezahlen lässt, ist ein ekelhafter Profiteur des handicap-industriellen Komplex!
    Gut auch Torsten, dass du hier für die Menschen mit Behinderungen sprichst. Sie können nämlich nicht selbst entscheiden, wie & mit wem sie ihren Urlaub verbringen & brauchen ganz dringend einen Anwalt, der endlich mal ihre Interessen vertritt. Gott weiß, wie vielen bemitleidenswerten Menschen mit Behinderung hier schon ein schöner Urlaub ermöglicht wurde. Armes Deutschland!

  6. @Christian – Ich kann nicht erkennen, was an Deinem Kommentar ironisch ist, aber „Menschen mit Behinderungen […] können nämlich nicht selbst entscheiden, wie & mit wem sie ihren Urlaub verbringen“ stimmt genau so. Menschen ohne Behinderung dagegen können einfach so ins Reisebüro gehen oder von zu Hause aus buchen, sind jedenfalls, anders als obiges Klientel, nicht auf Gnade und Wohlwollen von Freiwilligen angewiesen.

  7. @Torsten: Sag ich ja, und deshalb müssen wir mit aller Härte gegen diese elenden Freiwilligen vorgehen! Ich frage mich nur, wer schlimmer ist: die exklusive Gesellschaft (gilt dein §1 SGB IX eigentlich auch für den Urlaub in Griechenland?) oder die schmarotzenden Ehrenamtler? Ich weiß es nicht!!!123!

  8. @Christian:
    Meine Kommentare richten sich gegen das Prinzip und nicht gegen die Freuwilligen. Diese werden einfach nur zynisch und dreist ausgenutzt. Aber immerhin dürfen sie als Urlaubsbegleiter „Freundschaften und Partnerschaften“ (wtf?) schließen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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