Bei den Buden

Gestern hab ich es nun endlich mal geschafft, den Schaubudensommer zu besuchen. Kurz vor 20.30 Uhr war ich da und konnte so die erste Schlange vermeiden. Hinter der Scheune empfing mich das typische Marktplatzgefühl.

Zweimal Akkordeon und einmal Bass: Herrlich.
Zweimal Akkordeon und einmal Bass: Herrlich.
Die Combo spielte auf und meine Verabredung blickte ganz verzaubert zu dem Akkordeon-Spieler. Ich schnappe mir ein Bier und sauge Stimmung auf. Unter den vielen Schirmen ist es echt heimelig, dennoch will ich los. Karten kaufen – Stücke sehen. Unterwegs treffe ich Annamateur, die mir von Stücken vorschwärmt, die ich schon verpasst habe. Na, vielen Dank dafür. Wir reihen uns ein ins Gedränge vor der „La Luna“-Bühne. Dort sollen gleich das „Duo Koxka and their Parasite Cirkus“ aus der Schweiz auftreten. Insider kennen die beiden als „The Pumcliks“, nur wiedererkennen würde man sie nicht.

Große Brille und große Show „Duo Koxka and their Parasite Cirkus“
Große Brille und große Show: Die männliche Hälfte des „Duo Koxka“
Vor dem Zelt wird mit Rollstuhl und Brille gearbeitet. Das Publikum will umworben sein. Wir schaffen es gerade noch so hinein. Die Show beginnt – eine bitterböse Satire über Jahrmarktstreiben mit scheinbar tragischem Ausgang. Mir huscht ein Schmunzeln übers Gesicht. Dafür liebe ich die Buden.

Wieder draußen sind wir stark motiviert, noch eine zweite Schau zu besuchen. Doch überall, überall diese Schlangen, dieses Gedränge. Dabei ist heute ein ganz normaler Dienstag, müssen die nicht alle mal ins Bett, weil morgen zur Arbeit? Wir lassen uns nieder und beobachten das vorbeiziehende Volk. Junge Burschen, deren T-Shirts am Oberarm spannen und junge Mädel, die hochhackig durch den Kies stöckeln. Dazwischen ein paar wenige im alternativen Neustadtlook. Was ist los, was hat sich verändert? Noch vor ein paar Jahren waren die Buden der allabendliche Treff der Neustädter. Hier verabredete man sich, hier wurde geschnackt und getratscht. Aber heute kenne ich kaum jemanden. Bin ich zu alt dafür? Ist das der Preis des Erfolges? Wo ist der Notausgang?

Den Notausgang brauchte ich dann doch nicht.
Den Notausgang brauchte ich dann doch nicht.

Wir ziehen wieder nach hinten, geben angesichts des Gedränges einen weiteren Besuch auf und lauschen den Akkordeon-Klängen. Umso später es wird, umso schöner wird es. Plötzlich sind die Halbstarken verschwunden und bekannte Gesichter flanieren vorbei. Den nächsten Besuch werde ich einfach etwas mehr gen Mitternacht legen.


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Einfach mal baumeln lassen, beim Schaubudensommer geht das ...
Einfach mal baumeln lassen, beim Schaubudensommer geht das …

10 Kommentare zu “Bei den Buden

  1. Wir waren gestern und ich hab das gar nicht so empfunden – nur „normale“ alternative Leute… Vielleicht ist Dienstag ja der Prollo-Tag? :)

  2. Wer schreibt denn vor, wie der „klassische“ Neustädter auszusehen hat. Ein bisschen mehr Toleranz bitte. Solange sich alle gut benehmen und Spaß haben sollte das ja wohl noch erlaubt sein.

  3. Schon bezeichnend wie sich die achso offene, bunte Neustadt immer öfter über alles echauffiert was nicht „neustadt“ ist.

    Ganz schön spießig.

  4. @cat: Für den klassischen Neustadt-Look gibt es ein umfangreiches Regelwerk, das hier zu veröffentlichen würde jedoch den Rahmen sprengen. ;-)
    @nulli: Deshalb war wahrscheinlich auch ich da …
    @Jonny Winther: Bitte nicht meine Spießigkeit gleich der ganzen Neustadt in die Schuhe schieben, dass meine Vorstellungen diesbezüglich sehr eingegrenzt sind, sollte aber bekannt sein. Siehe hier: „Von großen Spießerinnen

  5. Heutzutage ist man in der Neustadt schon alternativ, wenn man „NICHT“ kifft.

    „nicht“ bei Facebook ist.

    „kein“ smartphone hat.

    „nicht“ zur BRN geht.

    wenn man von einer „Alternative“ zum üblichen spricht….

  6. Schaubudensommer – wie jedes Jahr eine Mischung aus Glück und Reinfall. Geht zu Mimirichi – die sind super! Parasite Circus war eher eine Reinfall – aber jeder wie ihm beliebt :)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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