Einfach machen – Neustädter Autor Rafael Kühn und sein Buch „Mord am Tiber“

„Das ist wie ein Kind kriegen“, so beschreibt der Neustädter Rafael Kühn die Verwirklichung kreativer Arbeit. Im Gespräch geht es um ihn als Autor, sein neues Buch „Mord am Tiber“ und das Schreiben an sich.

Rafael Kühn, froh über Veröffentlichung - Foto: Jonas Breitner
Rafael Kühn, froh über Veröffentlichung – Foto: Jonas Breitner

Rafael Kühn sitzt freundlich lachend auf dem Sofa am Küchentisch. Er trägt ein paar Dreadlocks und einen Bart. Bilder von stolzen alten Dampfschiffen verzieren die Wand. Ein paar herumstehende Flaschen Bier runden den Charm der WG-Küche ab.

Leidenschaft Kino

Schon als Kind schrieb Rafael Kühn Geschichten, zeichnete Comics, wollte Schriftsteller werden. Da er sich selbst als sehr sozialen Menschen beschreibt, war die oft isolierte Schreiberei nicht ganz das seine.

Kühn sucht und braucht den kreativen Austausch. Da entspricht die Zusammenarbeit und das Zusammenspiel von Ideen beim Filmdreh mehr seiner Veranlagung.

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So drehte er eine ganze Reihe von Kurzfilmen, bis schließlich sein Film „Das Verhör“ 2008 in den Kinos erschien.

Aber das mit dem Kino ist schwer in Deutschland. Vor allem für politische Stoffe. Kühn wollte einen weiteren Film machen. Doch trotz dreijährigem Einsatz traf das Drehbuch „Die 24 Stunden von Berlin“ nie auf die Leinwand, sondern nur auf die Ablehnung der Redakteure.

Vom Film zum Buch

Etwas frustriert darüber meint er: „Es in Deutschland einfach unglaublich schwer ein politisches Thema im Film finanziert zu bekommen“. Die falschen Leute würden entscheiden was gemacht wird und was nicht.

Deshalb entschied er sich, die Geschichte der „24 Stunden von Berlin“ dann eben in Buchform zu erzählen. Erst durch diesen Umweg über den Film wurde er zum Buchautor. Der Film jedoch „bleibt das große Ziel, der große Traum“.

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Ein launischer Buchmarkt

So schwierig der Film sein mag, der Buchmarkt ist deswegen keineswegs einfach. Kühn schrieb eine Dystopie, da Bücher in diesem Genre gerade gut ankamen. Dann floppten ein paar Dystopien, und kein Verleger wollte sie mehr.

Im Gespräch wird klar: ein launischer Markt führt zu gewissen Vorstellungen darüber, wie ein kommerziell erfolgreiches Buch auszusehen hat. Als „sichere Wette“ auf dem deutschen Buchmarkt gelten: Krimis, am besten mit Serienkiller und im mediterranen Setting.

Das Buch „Mord am Tiber“

Folglich ist Kühns neues Buch „Mord am Tiber“ ein Kriminalroman, der in Rom spielt. Die Kommissarin Diana Brandt jagt einen Serienmörder, der seine Opfer nach altrömischen Mordpraktiken umbringt.

Wem an dieser Stelle die Klischee-Glocken klingeln, sei darauf Aufmerksam gemacht: Der Autor ist sich dieser erstmal klischeehaft anmutenden Beschreibung bewusst. Doch Kühn hat den Ansporn, das oft wiederholte Genre um eine persönliche und politische Ebene zu erweitern.

Buch auf Balkon - Foto: Jonas Breitner
Buch auf Balkon – Foto: Jonas Breitner

Er selbst beschreibt es so: Einerseits geht es um den Mordfall an sich und die Jagd nach dem Killer, andererseits um eine Charakter-Reise in die Vergangenheit der Kommissarin.

Für ihn am wichtigsten: Die Morde sind politisch. Die Ermittlungen führen ins Rechte Milieu. Es geht um das Wiedererstarken von faschistischen Strömungen in Italien und Europa. Die Parallelen zu Deutschland sind hier offenkundig.

„Mord am Tiber“ erscheint beim Harper-Colins Verlag und bildet den ersten Teil einer Trilogie. An der Fortsetzung arbeitet der Autor bereits.

Von der Vision im Kopf zur Umsetzung

Auf die Frage, ob ihm das Schreiben Spaß mache, meint Kühn, es sein ein „gutes Gefühl, wenn du Sachen, die nur in deinem Kopf existiert haben, irgendeine Gestalt geben kannst“.

Gleichzeitig freut er sich über jede Meinung, Anregung, kreative Debatte rund um sein Werk. Es „wird dadurch größer, als wenn es nur in meinem Kopf war“.

Auch deshalb schätzt Kühn den kreativen Prozess hinter dem Filmemachen. Seine Augen leuchten, als er beschreibt, wie die Schauspieler*innen einer Rolle Leben einhauchen, die zuvor nur im Kopf des Autors existiert hat.

Reden wir über Geld

Seinen Lebensunterhalt von der Schriftstellerei bestreiten kann Kühn zwar nicht, dabei müsse man jedoch realistisch bleiben. Als Neu-Autor winken nicht die großen Honorare. Ein großer Anteil geht weg an die Agentur und den Verleger.

Dessen ist sich Kühn bewusst. „Ich stehe als Autor erst am Anfang“, und so schön es ist, mir kreativer Arbeit Geld zu verdienen, sei es ein langer Weg, bis man davor leben könne.

Der stolzer Autor und sein Buch - Foto: Jonas Breitner
Der stolzer Autor und sein Buch – Foto: Jonas Breitner

Eine Geschichte, die erzählt werden muss

Dennoch: Es gibt viele Menschen, die ein Buch schreiben wollen, es jedoch nie tun. So viele, dass an einigen Dresdner Bushaltestellen Werbebanner prangen, die dem Betrachter zurufen: „Schreib dein Buch!“.

Davon hält Kühn wenig. Wenn du eine Geschichte wirklich erzählen willst, brauchst du niemanden der dir das sagt. Sie muss förmlich aus dir herausbrechen, danach rufen, erzählt zu werden.

Was man braucht: Mut und Kritikfähigkeit

Auf die Frage was ihn von denen unterscheide, die nie anfangen zu schreiben, meint Kühn man brauche nur den Mut seine Geschichte wirklich erzählen zu wollen. Man müsse einfach daran glauben und dann viel Kritik einholen, diese reflektieren und einbinden.

Dieser Austausch von Meinungen fehlt ihm während der Pandemie. Sobald es wieder möglich ist, freut er sich darauf, sich mit den Leserinnen und Lesern in seinem Viertel auszutauschen und zu diskutieren, vielleiht auch bei der ein oder anderen Lesung.

An diejenigen gewandt, die darüber nachdenken, ein Buch zu schreiben, meint er schlicht: Macht es einfach.

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