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Auf in die Heide II: Der weite Osten

Früh­ling lässt sein blaues Band wie­der flat­tern durch die Lüfte; süße wohl­be­kannte Düfte strei­fen ahnungs­voll das Land.“ (Edu­ard Mörike, 1829). Also zum Tag des Arten­schut­zes: Auf in die Heide!

Laub- trifft Nadelbaum vor blauem Band - Foto: Jonas Breitner
Laub- trifft Nadel­baum vor blauem Band – Foto: Jonas Breitner

Frühling, ja du bist’s! (hoffentlich bald)

Bei dem für die nächs­ten Tage vor­her­ge­sag­ten Tem­pe­ra­tur­sturz und Schnee wäre es noch etwas ver­früht zu froh­lo­cken “Früh­ling, ja du bist’s!”, aber an die­sem son­ni­gen Tag in der Dresd­ner Heide fühlt es sich zumin­dest schon­mal so an.

Denn mit die­ser Jah­res­zeit unver­brüch­lich ver­bun­den ist nun ein­mal das Gefühl von neuer Ener­gie, Fri­sche, Leben, und – in die­sen beson­de­ren Tagen – der Hoff­nung auf das Ende der Pandemie.

Weil's Wurst ist: Eine willkommen Stärkung - Foto: Jonas Breitner
Weil’s Wurst ist: Eine will­kom­men Stär­kung – Foto: Jonas Breitner

Es ist Diens­tag­vor­mit­tag, die Linie 261 ist gut befüllt und zackig unter­wegs, nur rund 30 Minu­ten benö­tigt man vom Albert­platz nach Bühlau. In dem Orts­teil ange­kom­men geht es schnur­stracks zum „Thü­rin­ger Grill“. Mit einer klei­nen Stär­kung im Magen wan­dert es sich dop­pelt so gut, vor­bei an ordent­li­chen Vor­gär­ten im schon dörf­lich anmu­ten­den Idyll, wei­ter Rich­tung Dresd­ner Heide.

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Aktiver Waldumbau in der Dresdner Heide

Die Sonne scheint am blauen Him­mel, die Vögel zwit­schern ihr Lied von den Bäu­men, das Laub raschelt unter den Schu­hen. Ein per­fek­ter Wan­der­tag in einem wun­der­ba­ren Wald. Doch der Schein trügt, denn der Wald ist krank.

Wald und Moos und Sonne - Foto: Jonas Breitner
Wald und Moos und Sonne – Foto: Jonas Breitner

Der Kli­ma­wan­del, die Tro­cken­heit, und der Bor­ken­kä­fer, alle drei sind mit­ein­an­der ver­bun­den und alle drei machen dem Forst zu schaf­fen, ganze Wald­flä­chen ster­ben ab. Wie bei so vie­len deut­schen Wäl­dern trägt der jahr­zehn­te­lange Anbau von Fich­ten und Kie­fern in Mono­kul­tu­ren zur Ver­schär­fung des Pro­blems bei.

Doch es wird gegen­ge­steu­ert. Die Dresd­ner Heide wird lang­sam aber sicher zum Misch­wald umge­wan­delt, der, so die Hoff­nung, den ver­än­der­ten Bedin­gun­gen bes­ser zu trot­zen ver­mag. Nütz­lich hier­bei: Viel macht die Natur von selbst, Buche, Birke, Ahorn und Linde fei­ern ihr Come­back, die Förs­ter müs­sen nur steu­ernd eingreifen.

Hier riecht's nach Holz - Foto: Jonas Breitner
Hier riecht’s nach Holz – Foto: Jonas Breitner

Stausee mit Gully-Abfluss

Ers­ter Stopp der Tour ist der Stau­see, an dem die Über­bleib­sel des Win­ters noch gut erkenn­bar sind. Die Was­ser­ober­flä­che ist von einer Eis- und Schnee­de­cke über­zo­gen, die knarzt und knackt, wenn man sie belastet.

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Einige Men­schen sit­zen auf den am Ufer auf­ge­stell­ten geschnitz­ten Holz­bän­ken, plau­dern mit­ein­an­der und genie­ßen die Son­nen­strah­len. Man grüßt sich herz­lich und geht sei­ner Wege.

Insel im Schnee-See - Foto: Jonas Breitner
Insel im Schnee-See – Foto: Jonas Breitner

So beacht­lich die Größe des Sees für den eher beschau­li­chen Haar­wei­de­bach ist, der ihn speist, so wird doch schnell klar, dass er nur ein recht gerin­ges Stau­vo­lu­men hat. Es genügt ein ver­gleichs­weise klei­ner Gully, um die ange­stau­ten Was­ser­men­gen wie­der abflie­ßen zu lassen.

Der Abfluss eines Stausees - Foto: Jonas Breitner
Der Abfluss eines Stau­sees – Foto: Jonas Breitner

Ein Biergarten liegt brach

Über ver­schlun­gen Pfade läuft man hie du da an schat­ten­la­gig von der Sonne geschütz­ten Schnee­fel­dern vor­bei. Es riecht nach frisch geschnit­te­nem Holz und feuch­tem Moos. Ein Specht klopft hoch in den Wip­feln in dem ihm eige­nen Takt. Über einige mini-Brü­cken, die Bäch­lein über­span­nen, hin­weg, der Prieß­nitz fol­gend, geht es zum nächs­ten Ziel.

Brachliegender Biergarten - Foto: Jonas Breitner
Brach­lie­gen­der Bier­gar­ten – Foto: Jonas Breitner

Die Hei­de­mühle ist wun­der­schön gele­gen, doch abge­se­hen vom herr­lich rus­ti­ka­len Haupt­ge­bäude mit Sei­ten­türm­chen wir­ken die ande­ren Bau­lich­kei­ten etwas reno­vie­rungs­be­dürf­tig. Es stellt sich die bereits erwar­tete und den­noch ernüch­ternde Ein­sicht ein: Der schöne Bier­gar­ten am Fluss­ufer, er ist verwaist.

Räuber Hotzenplotz läd zum Gelage - Foto: Jonas Breitner
Räu­ber Hot­zen­plotz läd zum Gelage – Foto: Jonas Breitner

Immer­hin gibt es einen Imbiss­stand direkt an der Kreu­zung zur Rade­ber­ger Land­straße. Ein­mal Kaf­fee-to-go und zwei­mal falsch abge­bo­gen spä­ter erstreckt sich das nah angren­zende Sau­gar­ten­moor im Sonnenschein.

Das revitalisierte Moor

Es riecht nach abge­stan­de­nem Was­ser und mod­ri­gem Gehölz. Schnee bedeckt die eine Hälfte des Moors, auf der ande­ren ist eine schwin­gende Pflan­zen­de­cke inklu­sive eini­ger Bäume zu bestaunen.

We need Moor! - Foto: Jonas Breitner
We need Moor! – Foto: Jonas Breitner

Hier wird deut­lich: Moore die­nen sel­te­nen Tier und Pflan­zen­ar­ten als Rück­zugs­räume und sind damit wich­tige Fak­to­ren für den Erhalt von Biodiversität.

Jedoch war das Sau­gar­ten­moor nicht immer ein Moor. Es wurde wohl im 16. oder 17. Jahr­hun­dert mit einer Abfluss­gra­ben ver­se­hen und so zu einem “Sau­teich” ver­wan­delt. Dar­über infor­miert eine Tafel des Sach­sen­forst direkt vor Ort am Moor. Der Abfluss­gra­ben wurde 2013 mit einer “Plombe” aus Lehm ver­schlos­sen. Dadurch pro­fi­tierte das Moor heute von einem höhe­ren Was­ser­stand. Das Moor ist revitalisiert.

Hydrant im Mischwald - Foto: Jonas Breitner
Hydrant im Misch­wald – Foto: Jonas Breitner

Unweit vom Moor ent­fernt befand sich das Jagd­haus der Dresd­ner Heide. Es bil­dete den Mit­tel­punkt der wie Spei­chen in einem Rad ange­ord­ne­ten, durch­num­me­rier­ten Wege, „Alte Eins“ bis „Alte Acht“, die sich durch die Heide zie­hen. Das Wege­netz gibt es heute noch, das Jagd­haus selbst nicht mehr.

Kriegerdenkmal im Kontrast

Der „Alten Vier“ fol­gend, an der “Dresd­ner Sand­düne” vor­bei, kommt man schließ­lich fast direkt bis zum Krie­ger­denk­mal für die Gefal­le­nen des Ers­ten (und Zwei­ten) Welt­krie­ges. Ein mäch­ti­ger Schrein aus Stein, der mit Moos über­wach­sen – irgend­wie pas­send – neben einem ehe­mals stol­zen, nun aber abge­stor­be­nen, Baum­stumpf steht.

Hier ist es sehr still. Der Stein samt Inschrift wirkt archa­isch, aus der Zeit gefal­len, an die­sem wun­der­schö­nen Früh­lings­tag im März 2021.

Denkmal aus Stein und Moos - Foto: Jonas Breitner
Denk­mal aus Stein und Moos – Foto: Jonas Breitner

Es geht eine abschüs­sige Schlin­ger­stre­cke für Moun­tain­bikes hinab. Einen unbe­ab­sich­tig­ten Abste­cher zur Sand­grube spä­ter ist der Abstieg zur Prieß­nitz auch schon geschafft und im Hand­um­dre­hen ist man zurück in der Neu­stadt. Der Alaun­park wirkt jetzt sehr belebt, leben­dig-laut. Ein Kin­der­ge­burts­tag mit bun­ten Bal­lons, zwi­schen den Bäu­men gespannte Slack­li­nes, Men­schen die Lachen und die Sonne genie­ßen. Was bleibt zu sagen?

Horch, von fern ein lei­ser Harfen­ton! Früh­ling, ja du bist’s! Dich hab ich ver­nom­men!“ (Edu­ard Mörike, 1829).

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