Edeka zieht Stadtratvorlage zurück

Am Donnerstag sollte der Bebauungsplan für das Einkaufszentrum und Bürgerhaus am Albertplatz im Stadtrat verhandelt werden, Tagesordnungspunkt 24. Daraus wird nun nichts. Wie die Edeka heute mitteilte zieht sie die Vorlage „aufgrund der negativen Voten des Ortsbeirates Neustadt vom 07.05.2012 und des Wirtschaftsausschusses (09.05.2012) sowie der knappen Entscheidung im Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau“ zurück.

Geplante 7.000 Quadratmeter waren dem Ortsbeirat zuviel.
Geplante 7.000 Quadratmeter waren dem Ortsbeirat zuviel.


Der Ortsbeirat hatte deutlich gegen die geplante Verkaufsfläche von 7.000 Quadratmetern votiert (Neustadt-Geflüster vom 8. Mai). Auf Nachfrage erklärte der baupolitische Sprecher der Grünen im Stadtrat heute: „Wir begrüßen die Überarbeitung der Pläne der Edeka und hoffen, dass sie im Ergebnis unserer Forderung von 4.500 Quadratmetern Ladenfläche entsprechen können.“ Er betont, dass den Grünen die Entwicklung der Brache und des Hochhauses am Herzen liegt.

Von der Neustädter CDU kamen heute scharfe Worte in Richtung Edeka: „Das Verhalten der EDEKA ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar, es ist unverschämt und schadet nicht nur der dringend notwendigen städtebaulichen Entwicklung des Albertplatzes, sondern untermauert vor allem den Eindruck, dass die EDEKA mit allen beteiligten Akteuren aus Politik und Verwaltung erneut Katz und Maus spielt“, sagt Patrick Schreiber, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Neustadt.

Außerdem stellt Schreiber eine Beziehung zum Globus-Projekt an der Leipziger Straße. Das soll ebenfalls am Donnerstag verhandelt werden. Laut Schreiber ist mit der Entscheidung der Edeka nun ein gewichtiger Grund, das Globus-Vorhaben abzulehnen, abhanden gekommen. Er schreibt: „Grüne, SPD und Linke haben mit ihrem Gebrüll gegen das Edeka-Projekt erreicht, dass das Hochhaus am Albertplatz weiterhin auf unabsehbare Zeit ein Schandfleck an einem der schönsten Plätze Dresdens bleiben wird.“

Vielleicht kommt nun wieder die kleinere Variante ins Spiel.
Vielleicht kommt nun wieder die kleinere Variante ins Spiel.

Unterdessen hat sich erneut der Neustädter Gewerbe- und Kulturverein gemeinsam mit dem Handelsverband, dem Citymanagement, der IHK und dem Unternehmerverein Pieschen mit einer Pressemitteilung gegen das Globus-Projekt postitioniert. Darin heißt es unter anderem: „Städtebaulich negative Auswirkungen durch Funktionsverluste und das Sterben mittelständischer Einzelhandelsgeschäfte werden die Folge sein.“


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Die Edeka will nun die erheblichen Bedenken und die Änderungsvorschläge nochmals gemeinsam prüfen, um Möglichkeiten zur Verbesserung zu eruieren. Diese sollen im Anschluss erneut den Gremien zur Abstimmung vorgestellt werden. An den Plänen ein Nahversorgungszentrum am Albertplatz zu errichten, in Verbindung mit der Sanierung des DVB-Hochhauses, will die Edeka weiterhin festhalten.

16 Kommentare zu “Edeka zieht Stadtratvorlage zurück

  1. Oh je, die CDU lässt wieder mal jeglichen Respekt und Anstand missen. Wann setzen sich dort endlich Politiker durch, die sich nicht durch scharfmachende Parolen sondern durch kluge Worte auszeichnen?

  2. pÄtrick Schreiber wird es dennoch weiter bringen – seine Vita OBR – Stadtrat – Landtag sieht ja sehr linear aus.

    Aber warum er jetzt wieder so unpassenden Radau schlägt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Irgendwie disqualifiziert er sich immer wieder selbst. Eine Verkleinerung des Projektes bedeutet doch noch lange keine Verhinderung der „dringend notwendigen städtebaulichen Entwicklung des Albertplatzes“…geschweige denn ein „Katz-und-Maus-Spiel“. Im Gegenteil: der Investor reagiert auf Kritik und bessert nach!

    Aber wenn ich mich an PSs Gebaren und Fähnchen-in-den-Wind-Haltungen um das Investitionsvorhaben Kamenzer Straße erinnere, hab ich schon wieder ne eigene These, welches Spiel er hier spielt…

  3. als ob der schreiber irgendeine ahnung von städtebau hätte… um sich aber mit dem großkapital in die kiste legen zu können, ist jeder bluff recht. waaaaachstum… :evil:

  4. Naja, so unberechtigt scheint die Kritik an EDEKA nun nicht zu sein. Das macht keinen besonders vertrauenswürdigen Eindruck, wenn man alle paar Monate das Projekt auf den Kopf stellt. Da frage ich mich, ob die überhaupt eine konkrete Vorstellung davon haben, was sie an dieser Stelle bauen wollen und können.

    Natürlich sind damit die Chancen von GLOBUS am Leipziger Bahnhof gestiegen. Letztlich wird wohl nur das der drei im Raum stehenden Projekte umgesetzt, welches sich als erstes realisieren lässt. Ich hoffe sehr, dass EDEKA noch ernsthafte Pläne für das Hochhaus am Albertplatz hegt und da nicht völlig ins Hintertreffen gerät. Andernfalls wird dort wohl auf absehbare Zeit nichts geschehen.

  5. übrigens ist PS auch vorsitzender vom NSU-untersuchungsausschuss, also da hat er sich was aufgebürdet…

  6. ja eben, wieso ausgerechnet der?
    da gabs ja auch schon vorwürfe wegen der verzögerungstaktik eben dieses ausschusses

  7. @ Stefan: Dieser Vorwurf erscheint mir etwas weit hergeholt – zeigt das Verhalten für mich doch eher den deutlichen Unterschied zwischen privatem und öffentlichen Bauherrn: Während der Öffentliche stur an einmal ausgelösten Planungsideen festhält, auch wenn sich Widerstand abzeichnet, versucht der Private früh eine Konsenslösung herbei zu führen. Am Ende ist er damit allemal schneller am Ziel…

    Für Edeka ist eben gegenwärtig nicht sicher, ob sie durchkommen, die Voten waren knapp bis ablehnend – deswegen ziehen sie zurück und planen um. Das heißt nicht, dass das Projekt gestorben ist – im Gegenteil.

    Die Chancen für Globus verbessern sich nur dann, wenn die Stadträten den Rückzug falsch auffassen (nämlich als endgültig) – diese Interpretation ist aber vollkommen falsch.

  8. @E-Haller: Ich hoffe sehr, dass EDEKA noch an einer Lösung interessiert ist und zukünftig zielstrebiger als bisher agiert.

    Es ist wohl letztlich eine Kostenfrage, die sich da jedem Investor stellt. Entweder man baut eine eher einfache Lösung und kann dafür mit weniger Verkaufsfläche hantieren. Oder man erhöht die Verkaufsfläche und baut dafür auch etwas optisch halbwegs ansprechendes (also z. B. kein klobiges Parkaus mit Supermarkt im Erdgeschoss sondern eine an die Umgebung zumindest angelehnte kleinteiligere Bebauung mit Tiefgarage). Keine Ahnung, ob man es tatsächlich so zuspitzen kann und inwieweit es zwischen den bisher vorgestellten Varianten noch einen Mittelweg gibt. Ich fürchte aber, eine alle Interessen berücksichtigende Konsenslösung wird es nicht geben.

    Letztlich muss man wohl abwägen, was einem die Sanierung des Hochhauses wert ist und welche Kröten man hierfür bereit zu schlucken ist. Man sollte sich aber bei der Beurteilung der Stadtteilverträglichkeit nicht allein auf die Frage „4.500 oder 7.000 m² Verkaufsfläche“ fokussieren. In der zuletzt vorgeschlagenen kleineren Lösung sollte das Hochhaus von einem mehrstöckigen Parkhaus „eingerahmt“ werden. Ich bin immer noch ein wenig irritiert darüber, dass einige tatsächlich bereit waren/sind, diese Lösung zu akzeptieren, nur weil sie die 4.500 m² nicht überschreitet. Gut, vielleicht findet man ja noch eine bessere kleinere Variante…

  9. Ich bin gegen das Edeka Zentrum. Es erinnert mich an die Prager Straße, die durch viel Glas und eine moderne Bauweise kalt und abweisend wirkt.

    Das obere der beiden Bilder ist wegen dem Grün in Ordnung, aber das untere fühlt sich „unangenehm“ an.

  10. Bevor ich hier meine Meinung Schreibe, sollte man wissen, dass ich bei Globus arbeite und daher vielleicht auch etwas voreingenommen bin.

    Mir stellen sich viele Fragen, warum darf ein Familienunternehmen sich nicht vergrößern ?
    Glaubt mir, hier geht es nicht um die Frage, ob EDEKA oder Globus, sonder ob Globus überhaupt in die Stadt einziehen darf!!

    Wusstet Ihr, das wir nun schon seit 21 Jahren versuchen nach Dresden zu kommen ??

    Warum es nicht geklappt hat? Fragt die Stadt!?!
    Ich finde die Aussage lächerlich von EDEKA, wenn Globus da bauen darf, dass sie dann nicht mehr bauen und sanieren wollen. So wird Dresden unter druck gestellt, was soll das ? Hat EDEKA vielleicht angst !?!?!

    Am besten finde ich die Behauptungen, dass wenn Globus da baut, mehr Verkehr aufkommt, mag ja sein, aber mal ganz ehrlich Leute, da wird immer noch viel weniger los sein, als wenn sie dem Albertplatz noch Edeka hinsetzten. da ist doch so oder so schon Chaos….

    Für mich ist das alles eine große Verschwörung gegen Globus!

  11. Globus, Edeka… WTF? Wozu wird denn überhaupt noch ein Einkaufszentrum benötigt? Selbst völlig hirnamputierte Konsumjunkies können doch gar nicht so viel kaufen, wie es Einkaufszentren und große Supermärkte in Dresden gibt.

    Wir sollten stattdessen endlich mal anfangen, ein wenig über Wachstum und unnötigen Konsum an sich nachzudenken. Unsere Kauf+Wegwerfsucht ist doch völlig gaga und ruiniert nicht nur uns, sondern auch noch unseren Planeten. Was bringt das?

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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