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Specialsitter: Im Mittelpunkt der Mensch

Han­nah Fuchs und Linda Lo­renz lei­ten den Dresd­ner Stand­ort des so­zia­len Trä­gers Spe­cial­sit­ter, der Kin­der und Ju­gend­li­che mit Han­di­cap und ihre Fa­mi­lien un­ter­stützt. Spe­cial­sit­ter bie­tet nicht nur Klient*innen Frei­raum zur Ent­fal­tung – und ist des­halb stark im Kommen.

Als Han­nah sich bei Spe­cial­sit­ter in Ber­lin be­warb, war sie ei­gent­lich im Be­griff aus der so­zia­len Ar­beit aus­zu­stei­gen. Sie sah in ih­rem Job zu we­nig Chan­cen dar­auf, Men­schen mit Han­di­cap ein selbst­be­stimm­tes Le­ben zu er­mög­li­chen. "Er­wach­se­nen Men­schen vor­schrei­ben, wie sie ihr Zim­mer auf­zu­räu­men ha­ben", re­sü­miert sie. "Un­glaub­lich."

Hannah und Linda von Specialsitter: "Bei uns flowt es beruflich!" Foto: Philine
Han­nah und Linda von Spe­cial­sit­ter: "Bei uns flowt es be­ruf­lich!" Foto: Philine

Junge Menschen, junges Team

Han­nah wollte sich ei­nen Ne­ben­job su­chen und sich dem Schrei­ben wid­men. Dann nahm Spe­cial­sit­ter sie an und machte ihr di­rekt ein An­ge­bot, das Han­nah ei­gent­lich ab­leh­nen wollte. "Aber dann ist es doch pas­siert …" Sie baute 2017 für den so­zia­len Trä­ger in Dres­den ei­nen Stand­ort auf. Mitt­ler­weile bil­det sie mit ih­rer Kol­le­gin Linda eine Dop­pel­spitze und ko­or­di­niert über 40 Mitarbeiter*innen. "Jetzt habe ich kaum noch Zeit zu schrei­ben, aber das ist okay", sagt sie lachend.

In ei­nem fle­xi­blen Kon­zept ver­mit­telt Spe­cial­sit­ter Be­treu­ung, Be­glei­tung, För­de­rung und Pflege für junge Men­schen mit Han­di­cap. Nach­frage und Be­darf sind enorm, be­rich­ten die Frauen.

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"El­tern und Kin­der fin­den oft keine Hil­fen, die War­te­lis­ten der an­de­ren Trä­ger sind to­tal lang und dann gibt es noch ge­setz­li­che Be­treu­ungs­lü­cken. Die Kran­ken­kas­sen in­for­mie­ren nicht ge­nü­gend vor, was al­les mög­lich ist …", zählt Han­nah auf.

Kooperation mit Sozialamt und Vereinen

An­fangs war für jede An­frage noch eine Ab­stim­mung mit dem So­zi­al­amt und eine Ein­zel­ver­ein­ba­rung nö­tig. Mitt­ler­weile hat sich eine Ko­ope­ra­tion auf der Ba­sis von Rah­men­ver­ein­ba­run­gen ein­ge­spielt. Das ist Linda zu ver­dan­ken, die 2019 da­zu­stieß und ent­spre­chende Kon­zepte mit­ent­wi­ckelte. In re­gem Aus­tausch steht Spe­cial­sit­ter mit Ver­ei­nen, die sich für die Rechte und die Be­tei­li­gung von jun­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung ein­set­zen. Ein wich­ti­ger Part­ner ist auch die Au­tis­mus­am­bu­lanz des Universitätsklinikums.

Fa­mi­lien wen­den sich an Spe­cial­sit­ter, wenn sie Un­ter­stüt­zung in All­tag, Frei­zeit und Schule brau­chen. Es geht darum, El­tern zu ent­las­ten und ih­ren Kin­dern Selbst­be­stim­mung zu er­mög­li­chen. Im Fo­kus steht die Teil­habe: "Wir schauen: Woran kann man noch ar­bei­ten? Wo ist noch mehr Teil­habe an Bil­dung oder im so­zia­len Be­reich mög­lich?", er­klärt Hannah.

Selbstbestimmung für Klient*innen und Mitarbeiter*innen

So un­ter­schied­lich die Be­dürf­nisse der ein­zel­nen Fa­mi­lien sind, so viel­fäl­tig ist der Pool der Mitarbeiter*innen. Sie kom­men aus den Be­rei­chen Szi­al­ar­beit, Heil­päd­ago­gik, Er­go­the­ra­pie oder sind Quereinsteiger*innen. "Wir ha­ben al­les von der Mini- bis zur Voll­zeit­stelle", sagt Hannah.

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Steck­briefe hel­fen, die pas­sende Kom­bi­na­tion von Fa­mi­lie und Spe­cial­sit­ter zu fin­den. "Das ist so et­was wie un­sere Kar­tei", so Han­nah. In sie kön­nen frei­wil­lig Prä­fe­ren­zen und No-Gos ein­ge­tra­gen wer­den. Dazu kann die Kat­zen­haar­all­er­gie ge­nauso ge­hö­ren wie eine strikte Ab­nei­gung blauer Pull­over. So fin­den Fa­mi­lie und Per­so­nal stim­mig zu­ein­an­der. "In zehn Fäl­len kommt es ein­mal vor, dass wir eine neue Kom­bi­na­tion su­chen müssen."

Raum für Neues schaffen

Ko­or­di­niert wird al­les mit ei­ner ei­gens vom Fir­men­grün­der ent­wi­ckel­ten App. "Wir nut­zen die Di­gi­ta­li­sie­rung für kurze Wege", so Han­nah. Mit dem Fa­mi­lien und ih­ren Mitarbeiter*innen ste­hen sie und Linda bei Nach­fra­gen und Pro­ble­men je­der­zeit via Mes­sen­ger in Kon­takt. Das Credo: Mehr En­er­gie für die Be­lange der Men­schen, we­ni­ger für Bü­ro­kra­tie auf­wen­den. "Wir wol­len Raum für Neues schaffen!"

Schließlich arbeiten wir mit Menschen

Ar­beits­ab­läufe, Per­so­nal, Ar­beits­zei­ten – das al­les zu ge­stal­ten ob­liegt Linda und Han­nah. Sie rich­ten sich da­bei nach den Be­dürf­nis­sen ih­rer Mitarbeiter*innen und der Fa­mi­lien. "Wir ar­bei­ten so, als ob wir selbst­stän­dig wä­ren", sagt Linda. "Nur dass wir eben an­ge­stellt sind." Zum Prin­zip von Spe­cial­sit­ter ge­hört auch eine an­ge­mes­sene Ver­gü­tung. Nie­mand steigt hier nur zum Min­dest­lohn ein. "Schließ­lich ar­bei­ten wir mit Men­schen", sagt Hannah.

Nach oben sei trotz al­ler Vor­züge noch Platz. Ein An­sporn, Spe­cial­sit­ter noch brei­ter aufzustellen.

Wenn die Frauen über ih­ren Be­ruf spre­chen, ge­ra­ten sie schnell ins Schwär­men: "Zwi­schen uns flowt es be­ruf­lich", sind sie sich ei­nig. Han­nah und Linda ken­nen sich seit 14 Jah­ren – mit Pau­sen. "Wir sind ganz un­ter­schied­li­che Ty­pen", sagt Linda. Viel­leicht liegt dort das Ge­heim­nis. "Linda hat an ih­rem ers­ten Tag ein­fach an­ge­fan­gen zu ar­bei­ten. Ich musste sie nicht ein­wei­sen oder so", pflich­tet Han­nah bei.

Spagat zwischen Wachstum und Stabilität

Das Klima bei Spe­cial­sit­ter zieht: "Der Fach­kräf­te­man­gel ist bei uns nicht zu spü­ren", sagt Han­nah über die zahl­rei­chen Be­wer­bun­gen, die bei Spe­cial­sit­ter ein­ge­hen. Spe­cial­sit­ter wurde 2015 von zwei jun­gen Ber­li­ner Un­ter­neh­mern ge­grün­det. Mitt­ler­weile gibt es acht Stand­orte, die auf­grund des ho­hen Gra­des an Selbst­ge­stal­tung un­ter­schied­lich auf­ge­baut sind. Wö­chent­lich spricht man sich in Mee­tings über Ver­än­de­run­gen ab.

Das flinke Wachs­tum des Trä­gers stellt vor ei­nen her­aus­for­dern­den Spa­gat zwi­schen Ent­wick­lung und Sta­bi­li­tät: "Wir wür­den am liebs­ten zu al­len sa­gen: Klar, wir sind mor­gen da!", sagt Linda. Aber (noch) kann Spe­cial­sit­ter nicht den ge­sam­ten Be­darf abdecken.

Es gilt, die gute Qua­li­tät von Spe­cial­sit­ter sta­bil zu hal­ten – dazu braucht es eine gute Kom­mu­ni­ka­tion. Und re­gel­mä­ßige Fort­bil­dun­gen und Fall­be­ra­tun­gen. "Da hat uns Co­rona na­tür­lich auch ge­trof­fen", sagt Han­nah. Per­sön­li­che Be­ra­tun­gen und Tref­fen seien eben doch et­was ganz an­de­res als Online-Meetings.

Selbstbestimmtes Wohnen ist die Zukunft

Nichts­des­to­trotz steht das Jahr 2021 im Zei­chen des Vor­wärts: Die gro­ßen The­men sind Woh­nen und länd­li­cher Raum. "Wir er­le­ben ge­rade ei­nen Ge­nera­tio­nen­um­bruch", er­klärt Linda. "Viele Men­schen mit Be­hin­de­rung im Al­ter um die 40 Jahre, die ihr Le­ben lang bei den El­tern ge­wohnt ha­ben, möch­ten ein selbst­stän­di­ges Le­ben füh­ren und in eine Wohn­ge­mein­schaft oder eine ei­gene Woh­nung ziehen."

Wenn eine Per­son das nicht selbst rea­li­sie­ren kann, ist es mög­lich, je­man­den da­mit zu be­auf­tra­gen. Da­für kann z.B. das per­sön­li­che Bud­get ein­ge­setzt wer­den. "Selbst­be­stimm­tes Woh­nen ist die Zu­kunft", sind Linda und Han­nah über­zeugt. Un­ter­stützt wird Spe­cial­sit­ter in dem An­lie­gen vom Ver­ein "Jetzt ent­scheide ich".

Der große Bereich nicht-deutschsprachige Familien

In Ko­ope­ra­tion mit Ver­ei­nen soll die Be­treu­ung des länd­li­chen Rau­mes um Dres­den aus­ge­baut wer­den. Und dort hö­ren die Be­darfe längst nicht auf. "Ab­ge­se­hen vom länd­li­chen Be­reich, der in der Ver­sor­gung oft noch kür­zer kommt, gibt es noch den gro­ßen Be­reich der nicht-deutsch­spra­chi­gen Fa­mi­lien, ins­be­son­dere Fa­mi­lien mit Flucht­hin­ter­grund und teil­weise un­ge­klär­ten Auf­ent­halts­sta­tus. Auch diese Kin­der ha­ben An­spruch auf Un­ter­stüt­zung, auch diese El­tern An­spruch auf Ent­las­tung, auch im Asyl­sta­tus zum Bei­spiel", sagt Hannah.

Gemeinsam Hindernisse überwinden

"Un­sere Flyer gibt es mitt­ler­weile auch in an­de­ren Spra­chen, nur kön­nen wir noch nicht im­mer po­ten­ti­elle An­fra­gen ab­de­cken, weil wir selbst die Spra­chen nicht spre­chen und un­sere Mitarbeiter*innen ja auch groß­teils nicht", be­rich­tet sie wei­ter. "Aber das soll und darf kein Hin­der­nis sein. Wir kön­nen Dolmetscher*innen or­ga­ni­sie­ren und wol­len mit den Ver­ei­nen und In­itia­ti­ven ko­ope­rie­ren, die da auch schon Un­ter­stüt­zung an­bie­ten und un­sere An­ge­bote wei­ter­lei­ten können."

Spe­cial­sit­ter hat auch vor, sich po­li­tisch stark zu ma­chen. Zum Bei­spiel für die Ein­hal­tung und Um­set­zung der UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­tion. Die drei gro­ßen Ziele von Spe­cial­sit­ter: "Wir wol­len die Be­treuuung un­kom­pli­zier­ter ma­chen, der beste Ar­beit­ge­ber sein und po­li­tisch Ein­fluss nehmen."

Specialsitter Dresden

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