Die Löbauer Straße – mit Dirk aus Löbau

Die Löbauer Straße weckt kitschige Heimat-Gefühle: Mit einem Fachmann auf Tauchgang in den rauen Charme der Oberlausitzer Seele.

Nein, um auf Expedition in das Oberlausitzer Hügelland zu gehen, braucht es keine Fahrt in einen anderen Inzidenz-Bereich. Die Löbauer Straße in der Radeberger Vorstadt, Parallele der Zittauer Straße, lädt zu einem Kuschelkurs mit der (setzen Sie hier eine beliebige Zahl ein)-schönsten Stadt Ostsachsens ein.

Selbsternannter (Löbau)Botschafter und Bürgermeister-Anwärter in spe Dirk aus Löbau. Er kommt aus Löbau. Foto: Philine
Selbsternannter (Löbau)Botschafter und Bürgermeister-Anwärter in spe Dirk aus Löbau. Er kommt aus Löbau. Foto: Philine

Lehrgang im Löbauern

„Der schlauste Bauer ist der Löbauer“, heißt es – oder so ähnlich. Deshalb begleitet den Spaziergang der Künstler und Schriftsteller Dirk aus Löbau, der seit 13 Jahren in Dresden lebt. Wenn ihm die große Kreisstadt seiner Geburt besonders zum Fehlen kommt, entkorkt er ein kühles Löbauer Bergquell Pilsner fein-herb, lässt sich auf eine Bank an der Löbauer Straße nieder und träumt sich in die „Stadt am Berge“, bis die getrockneten Tränen in seinem Bart bizarre Salzkristalle bilden.

Ein Mann auf einer Bank an der Löbauer Straße. Foto: Philine
Ein Mann auf einer Bank an der Löbauer Straße. Foto: Philine

Der bekannteste Löbauer

An der Kreuzung zu Stolpener Straße und Bischofsweg lädt zu solchen Zwecken ein kleines Rondell mit Blick auf neue und alte Villen ein. Mit Kennerblick stellt Dirk sofort die ungewöhnlich hohe Dichte an Herrnhuter Sternen hinter Fenstern und auf Balkonen fest: „Auf der Zittauer Straße sind bestimmt nicht so viele.“

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Kleine Neckereien wie diese klären auch außerhalb der Umgebindehaus-Zone die Rangordnung im Vorland des Dreiländerecks und werden von Dirk mit erfrischender Nonchalance immer wieder eingestreut.

Mit allen Löbauer Wassern gewaschen

Dirk aus Löbau hegt zu seiner Heimat eine Liebe, die man getrost als Besessenheit bezeichnen kann – aber eine vorbildliche, sozial akzeptable, die in keinster Weise besorgniserregend ist. Seine Finger spielen mit dem Anhänger der Kette um seinen Hals. Sie zeigt das Wahrzeichen Löbaus, den König-Friedrich-August-Turm. „Der Turm ist der einzige noch erhaltene gusseiserne Aussichtsturm in Europa und wahrscheinlich der älteste gusseiserne Turm überhaupt“, erklärt Dirk. „Mein Schatz!“, entfährt es ihm.

Auf der Löbauer Straße würde sich ein massiver Metallturm auch gut machen. Foto: Philine
Auf der Löbauer Straße würde sich ein massiver Metallturm auch gut machen. Foto: Philine

„Mein Ziel ist es, der bekannteste Löbauer zu werden. Daran setze ich alles“, fährt er fort. Derzeit hat diesen Titel ein anderer Sohn der Stadt, nämlich der Hitlertagebuch-Fälscher Konrad Kujau, inne. Für den zweifelhaften Ruhm des Titel-Verteidigers kann Dirk wenig Verständnis aufbringen: „Sich beim Fälschen erwischen lassen. Tz.“ Lobend hebt er dagegen die kleinkriminellen Hobbys seines Vaters hervor: „Vor dem Hotel Honigbrunnen am Löbauer Berg war immer ein Gehege mit Meerschweinchen. Dort hat mein Vater als Kind sein altes Meerschwein immer gegen ein jüngeres eingetauscht.“

Sticht selbst ins ungeübte Auge: Der Löbauer Turm. Foto: Philine
Sticht selbst ins ungeübte Auge: Der Löbauer Turm. Foto: Philine

Löbauer Possen

Es sind herzerwärmende kleine Geschichten wie diese, die die Verbundenheit und den Kenntnisreichtum des Löbauers Dirk aus Löbau auszeichnen und die treue Fan-Kultur, besonders seiner Eltern, nachvollziehbar machen. Ein ganzes Potpourri Löbauer Anekdoten mit dreifach aufgetragenem, hieb- und stichfestem Lokalkolorit hat Dirk in der Lesung „Löbauer Possen – Unrecherchiert und Unreflektiert“ zusammengefasst, die vor Pandemie-Zeiten im Hole of Fame zahlreiche Betroffene und Interessierte anlockte und online nachzuschauen ist.

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Dirk geht es um den Unterhaltungswert seiner Heimat, aber er schreckt auch vor ihren Abgründen nicht zurück. Ausschweifende Exkurse zur Historie, vorgetragen in näselnd-dozierendem Singsang, sind Dirk dagegen fremd. Stattdessen nestelt er mit zitternden Fingern einen gut gebügelten Prospekt aus dem Löbau-Fan-Beutel und setzt auf Eigeninteresse: „Hier, falls du dich belesen willst.“ In einem Stadtführer zeigt Dirk sein Elternhaus an der Bahnhofsstraße. In direkter Nachbarschaft: Der Traditionsbetrieb Stempel Keßner, ehemals Schmorrde. Prominenz an allen Ecken und Enden – das ist Löbau.

Ein mystischer Kopf durchbricht die schöne Grasnabe. Foto: Philine
Ein mystischer Kopf durchbricht die schöne Grasnabe. Foto: Philine

Der Liebreiz der Villen mit Einfriedung

Das Löbauern steckt an. Schon bei der ersten Begegnung mit einer Passantin verfallen wir in’s vertraulich-nachbarschaftliche Grüßen, das je nach Betonung und Blickintensität wohlwollendes Interesse oder bedrohliches Hintergrundwissen signalisiert, wie Dirk erklärt. Mitten in der Stadt und doch ganz weit draußen, denke ich, als ich ein freundliches Hallo in eine Baugrube rufe und dabei übertrieben nicke. Am anderen Ende der Löbauer Straße wird gebuddelt und gebaut – bekommen die hier auch Breitband? Dirk unterbricht meine Gedanken mit Tipps, wie ich noch an meiner Körpersprache arbeiten könnte, um die ansässige Bevölkerung nicht zu verprellen.

Sternhagel auf der Löbauer Straße. Nicht nur die Herrnhuter schimmern hier. Foto: Philine
Sternhagel auf der Löbauer Straße. Nicht nur die Herrnhuter schimmern hier. Foto: Philine

Die Sehnsucht nach Löbau – ein Löbauer Phänomen

Die hat sich an diesem Tag zum größten Teil hinter Gardinen und Zäunen verborgen. Fünf Villen mit Einfriedung auf der Löbauer Straße stehen auf der Liste der Kulturdenkmäler, doch auch die restlichen recken stolz ihre Brust in Richtung Gehweg. Eine künstlerische Existenz vermuten wir in einer Villa mit wildromantischem Garten, aus dessen Wiese ein antiker Kopf ragt. Auch andere lauschige Ecken ziehen unsere Blicke auf sich. Ein Seufzer entfährt Dirk beim Anblick von solchem Liebreiz. Ihn überwältigt das Heimweh.

Bequemlichkeit für Sportliche an der Löbauer Straße. Foto: Philine
Bequemlichkeit für Sportliche an der Löbauer Straße. Foto: Philine

Oft kommt Dirk auf die Löbauer Straße, um in sie Charakteristika seiner Heimatstadt hinein zu interpretieren. Kopfsteinpflaster, abschreckende Hunde-Warn-Schilder, Baum-Alleen, Bienenstöcke – die Illusion scheint perfekt. Ganz am Ende der Straße steht sogar eine Villa leer wie ein Versprechen …

Seinen Ruhestand hat Dirk schon geplant: Er möchte auf seine alten Tage Bürgermeister von Löbau werden. Ein bisschen Stammtisch, ein halber Satz da, eine Einweihung dort: „Das kann ich mir gut vorstellen.“

Die Löbauer Straße

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3 Ergänzungen zu “Die Löbauer Straße – mit Dirk aus Löbau

  1. Meine Stimme hat Dirk auf jeden Fall sicher! ;)
    Schön, dass ihr ihn mit diesem Artikel unterstützt, damit sein Traum der bekannteste Löbauer zu sein, wahr werden kann :)
    Hierbei sei erwähnt, dass es wirklich sehr viele Menschen in der Neustadt gibt, die gebürtig aus der Oberlausitz stammen (mich eingeschlossen).
    Die Meisten haben sich gut integriert… trotzdem bekommt man ein weiches Herz, wenn man Mal wieder jemanden im Dialekt reden hört <3

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