Aus der Kafétraum?

Seit neun Monaten betreibt Josi den Kafétraum an der Königsbrücker Straße. Anfang Oktober muss das Café ausziehen. „Jetzt spüre ich die Gentrifizierung am eigenen Leib“, sagt Josi.

Klein, sympathisch, solidarisch, zu 95 Prozent vegan führte Josi neun Monate lang den Kafétraum gegenüber der Schauburg. Sie überstand die Corona-Krise und die Kündigung der Räumlichkeiten der Fleischerei Augst nebenan, die ausgezogen war und zu deren Räumen das Café gehört.

Josi mit Torte - hoffentlich gibt es bald Erfolg bei der Suche zu feiern. Foto: PR
Josi mit Torte – hoffentlich gibt es bald Erfolg bei der Suche zu feiern. Foto: PR
„Das ist alles korrekt abgelaufen“, sagt Josi. Um weiter mit ihrem Miniatur-Café am Platz bleiben zu können, stand sie daraufhin in Verhandlungen für ein weiterführendes Nutzungsrecht mit den Hausvermietern.

Neues kleines Lokal in Hecht oder Neustadt gesucht

Überraschend erreichte sie kürzlich die schlechte Nachricht: Der Kafétraum muss bis Oktober ausziehen. „Ich weiß schon, wer die Nachmieter sind“, sagt Josi. „Die haben auf jeden Fall schon zwei oder drei Lokale.“ Die Räume von ehemaliger Fleischerei und Kafétraum, die nebeneinander liegen, sollen nicht zu unterschiedlichen Konditionen gesplittet vermietet werden. „Bei den Mieten kein Wunder“, sagt Josi, die den Tränen nahe ist.

Josi sucht händeringend nach einem neuen Lokal in Neustadt oder Hecht. „Weiter weg geht nicht, wegen meiner zwei Kinder“, erklärt sie. Besonders bitter ist, dass vor Kurzem ihre Siebträger-Maschine kaputt gegangen war und sie in eine neue investiert hatte. Maschine und Mädchen stehen bald ohne Laden da. „Es ist so schade wegen meiner Kundschaft“, sagt Josi. „Die sind alle so klasse.“

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Aufs Stichwort kommt eine Joggerin herein: „He, Josi! Deine gestrige Tarte war groß!“ – „Heute gibt es eine mit Kokosboden, Erdnuss-Frischkäse-Creme und Schokolade“, antwortet Josi. Über ihre Pläne für die Zukunft sagt sie: „Nicht mehr heulen.“

Kafétraum

  • Königsbrücker Straße 72, 01099 Dresden
  • täglich 8 bis 16 Uhr, am Wochenende geschlossen
  • Kontakt via Facebook
Josi mit neuer Maschine. Ab Oktober braucht der Kafétraum eine neue Bleibe. Foto: Philine
Josi mit neuer Maschine. Ab Oktober braucht der Kafétraum eine neue Bleibe. Foto: Philine

17 Kommentare zu “Aus der Kafétraum?

  1. Das Putzige ist, dass genau solche Läden, die sich populären Konzepten wie „Bio“ oder „vegan“ verschrieben haben und mit einem bewusst falsch konstruierten Markennahmen („Kafé“) eine bestimmte Klientel bedienen, Teil der „Gentrifizierung“ sind, die sie dann irgendwann auffrisst. Das kann man überall auf der Welt genau so beobachten und auch die Definition „Gentrifizierung“ stellt dies fest.

  2. @“Korrektur“

    Und wo wir schon dabei sind: …und heute gibt es „einen“…

    DIE Tarte !

    Natürlich schade um den sympatischen Laden. Hoffentlich geht es woanders weiter.

  3. Hier eine Zuschrift, die ich aufgrund des von mir geteilten Artikels bekommen habe:
    „Ich habe einen kleinen Laden am Schillerplatz zu vermieten, 30 qm klein und hochwertige Einrichtung zu günstigen Konditionen. Vielleicht hat die junge Frau Interesse, du könntest meine Telefonnummer weiterleiten, Carolin Kierner 0172-1686699
    Herzlichen Dank und Grüße „

  4. @someone else
    Ich hab das Cafe inkl des Namens übernommen und habe diesen weitergenutzt, weil es eine Hommage an die ehem. Besitzerin ist. Des Weiteren habe ich mich nicht dem „veganem“ und dem „bio“ hundertprozentig verschrieben, wie du dem vorhergegangenen Artikel entnehmen könntest (dort wird mein Konzept näher erläutert), wenn du nicht nur am rumpöbeln wärest – vielleicht spricht dich dies ja mehr an, wenn nicht, dann nicht.

    @Kerstin
    Danke für den Tipp! Leider muss ich innerhalb des Viertels bleiben :-/

  5. @Josi, der Someone Else wird langsam alt und wunderlich, ich bitte diesbezüglich um Nachsicht. Warum Dein Lädchen so heißt, wurde schon vor zwei Jahren hinreichend erklärt. In der Definition der „Gentrifizierung“ ist übrigens von falschen Namen nichts zu lesen. Und der Hype, wenn es denn einer ist, von vegan und Bio hinkt in der Neustadt der Gentrifizierung aber ordentlich hinterher.

  6. Someone Else hat aber generell schon recht. Solche kuscheligen, persönlichen Lädchen und Büdchen steigern den Lebensstandard. Daher zieht es viele Menschen zum Leben in die Gegend. Die Preise für Wohnraum steigen daher. Damit setzt bei der Bewohnerschaft schon die Gentrifizierung ein. Da sich nur etwas wohlhabendere die Wohnungen leisten können, kommt mehr Finanzkraft ins Viertel. Damit kann halt der vegane, gentechnikfreie Biosoja-Machiato auch 5 oder 6 Euro kosten. Da sind wir nicht mehr weit weg von Star Bucks. Das haben die großen Ketten dann schon auf dem Schirm und schöpfen dieses Potential ab. Die Kette wird dann wieder durch den Vermieter geschröpft, da die Kette ja besser skaliert als das kleine Lädchen und damit mehr Marge macht. Es gibt keinen guten Grund auf Geld zu verzichten. Es gibt vielleicht 1 in 100 oder 1 in 1000 Idealisten, die das tun. Nach der Spieltheorie wird aber anders gehandelt. Und die Spieltheorie ist das was uns alle am ehesten treffend beschreibt. Und so nimmt die Kaskade der Gentrifzierung ihren Lauf. Die Frage ist, ob man diesen Kampf kämpfen sollte. Er ist meiner Meinung nach nicht zu gewinnen.
    Am Anfang steht also schon das kleine, gemütliche, freundliche Kaffelädchen. Es ist unfreiwillig einer der Auslöser der Kaskade und es kann über kurz oder lang die eigene Verdrängung kaum vermeiden, außer das Lädchen schafft es, dass Eigentum an der Gewerbeimmobilie zu erwirtschaften. Das dauert aber so zwischen 20 oder 30 Jahren, wenn das Geschäft gut läuft. Das wäre ein Weg. Dem Wandel der Bewohner wird das aber nicht entgegenwirken. Die Preise der Immobilien werden steigen, weil viele dahin wollen damit steigen auch die Preise für die Güter und Dienstleistungen in dem Viertel.

  7. @kafetraum: Ich pöbel weder rum, noch bin ich „alt und wunderlich“(Warum so missmutig, Herr Frintert?), sondern weiß eben, wie bestimmte Entwicklungen so ablaufen, wie Sie bei „Uwe“ sehr gut formuliert erklärt bekommen haben. Sie mögen darin irgendeinen Vorwurf oder eine Häme finden, aber darum ging es mir nicht, ganz sicher nicht.
    Es tut mir auch tatsächlich leid, dass Ihnen die Felle davon schwimmen, aber ich wollte Ihnen nur erklären, wie sehr Sie Teil von etwas sind, dass Sie dann irgendwann auffrisst. Ich finde das ehrlich gesagt ganz spannend, so philosophisch und soziologisch.

  8. @Someone Else: Ich bin nicht missmutig, aber Du kommentierst hier schon seit mehr als 11 Jahren, Du bist einfach alt geworden und wenn Du in dem Zusammenhang von „falsch konstruierten Markennahmen“ schreibst, biste auch wunderlich.

    @Uwe: Grundsätzlich vieles richtig, bis auf zwei Dinge. Die großen Ketten kamen bisher nicht und werden auch nicht kommen, weil die mehr Laufkundschaft brauchen und größere Flächen. Und zweitens am Anfang der Gentrifizierung steht nicht das gemütliche Kaffeelädchen, am Anfang stehen in der Regel (so war es auch in der Neustadt) die jungen Kreativen, die sich die Freiräume in einem heruntergekommenen Viertel suchen (Hausbesetzer, Künstler, Musiker) – siehe Entwicklung 1980 bis 1995. Diese erste Phase hatte hier durch die Ausweisung als Sanierungsgebiet noch einen Sonderschub erhalten. Die hübschen Lädchen kommen in der Regel erst in Phase II. Und in den meisten Vierteln überleben auch die, siehe Prenzlberg in Berlin.

    Ich sehe durchaus Potenzial für den Kafétraum, wenn sie etwas in der Nähe findet. Und der Laden ist aus meiner Sicht auch kein Opfer der Gentrifizierung geworden, sondern eher dem Umstand geschuldet, dass es das Doppelmietverhältnis mit der Fleischerei gab.

  9. Ich möchte hier mal eine Lanze brechen für den kleinen „Kaffeetraum“. Der Kaffee ist wirklich richtig gut (und das sage ich als Teetrinkerin) und Josi ist eine Sonne – es wäre wirklich sehr schade, wenn die Neustadt das Lädchen verlieren würde!
    Und was das Thema Gentrifizierung angeht.. Das sehe ich beispielsweise doch eher nebenan im Elbsalon etc.. Nicht wahr?

  10. @Anton: Nun ja, älter geworden zu sein, bedeutet ja nicht automatisch, den Puls der Zeit nicht mehr zu bemerken, der auch in unserer kleinen Neustadt schlägt, und älter werden wir alle (Binsenweisheit).

  11. Für den einen bedeutet der Biosojalatte Fair Trade und Gesundheit. Für den anderen ist es ein Lifestyle Accessoire dessen Nutzung eher Außenwirkung zeigen soll. Speziell letztere haben meist mehr Finanzkraft und bewegen sich in den oberen Ebenen der Bedürfnispyramide (Selbstverwirklichung/Anerkennung). In Dresden habe ich das noch nicht so krass erlebt, aber in anderen Städten habe Leute kennengelernt, die nicht wissen, warum sie Biosojamilch statt H-Milch trinken. Hauptsache teuer und Zeitgeist für damit das Außenbild stimmt. Das Motiv für die Produkte erfolgt aus gänzlich anderen Gründen. Wie gesagt, ich empfinde das hier nicht so. Ich erlebe immernoch mehrheitlich autentische Menschen, die wissen, warum sie wie handeln. Kann auch sein, dass ich den anderen Menschen unrecht tue. Meine Verwunderung war nur sehr groß. Aus den Gesprächen hat sich dann auch ergeben, dass sie nach Eigentumswohnungen in hippen Stadtteilen suchen. Das waren Leute aus Stuttgart und Freiburg. Daher hatte ich meine Schlüssel zu Gentrifizierung gezogen. Ich mag autentische Lädchen. Ich gehe auch mal zu Starbucks, weiß aber danach warum ich danach ein Jahr nicht mehr dort hingehe. Der Karottenkuchen ist trotzdem gut. Aber den gibt’s zur Hälfte des Preises vielleicht auch im Lädchen. Und da schließt sich der Kreis. Der Kietz macht’s. Und auch die Struktur der Leute. Wandeln die sich, wandeln sich auch die Geschäfte über kurz oder lang, denke ich. Auch wird man älter und die Erfahrung kann dazu führen, dass man andere Werte für wichtig erachtet. Selbst damit vollzieht sich ein Wandel.

  12. Liebe Josi / Kafetraum,
    Ich habe vor ein paar Tagen gesehen,dass der kleine Näh-Laden(Pfaff) unten an der Bautzner alles von innen mit Folie abgeklebt hat. Es sah (leider) nach einer Schließung aus. Vielleicht wäre das interessant? Ist zwar sehr na am Oswaldz,aber Konkurrenz belebt ja das Geschäft und da hättest du definitiv viel Laufkundschaft…
    Viele Grüße aus der Maskerade / Alaunstraße!

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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