Societaetstheater lüftet den Vorhang

Wie bleibt man als Oma Punk? Sind wir uns alle zu einig? Von welchem Dämon ist mein Schreibtisch besessen? Was soll Theater? Das Societaetstheater stellt in der kommenden Saison die richtigen Fragen. Und feiert rauschende Feste. Unter anderem das des Todes. Freikarten winken aber für eine andere Veranstaltung.

Heiki Ikkola bei der Pressekonferenz. Trotz aller Widrigkeiten die Zukunft "sportlich sehen!"
Heiki Ikkola bei der Pressekonferenz. Trotz aller Widrigkeiten die Zukunft „sportlich sehen!“
Eineinhalb Stunden reichten auf der Pressekonferenz des Societaetstheaters nur mit Mühe, um einen Überblick über das anstehende Programm zu geben. Premieren und Perfomances voll Punk und Philosophie erwarten das geneigte Publikum unter der neuen Leitung durch Heiki Ikkola.

Pralles Programm, reduzierte Sitze

Geravte Schillerballaden mit Philipp Hochmaier und der „Elektrohand Gottes“, „Blut am Hals der Katze“ – ein Stück mit neun lebensgroßen Puppen und zwei Spielern, ein iranisches Kulturfestival – und das alles bei Corona bedingt begrenzten Plätzen.

Im großen Saal werden sich maximal 75, im kleinen Saal 12 und im Garten 100 Gäste aufhalten dürfen, was dem Erleben der Veranstaltungen einen exquisiten Touch gibt.

Um das auszugleichen, wartet das Socie mit etlichen Performances im öffentlichen Raum auf, so wie mit der Premiere von „Asphaltwelten“ von „the guts company“ am vom 24. bis 26. September.

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Es droht ein Jahr Sanierungs-Pause

Corona und die drohende Kürzung der Mittel durch die auferlegte Haushaltssperre sind ernst zu nehmende Probleme, die auch auf politischer Ebene ausgefochten werden. Ein weiteres naht durch die Einschätzung der Bauaufsichtsbehörde, die kürzlich nach einer Begehung des Hauses eine einjährige Sanierung prophezeite.

Es bestehen Wasserschäden und der Brandschutz ist veraltet. Heiki Ikkola wolle den Herausforderungen „sportlich“ entgegen blicken, sagt er, wobei er die Aufgabe als Teamsport begreife. Wann die Sanierung erfolgen soll, steht noch nicht fest.

Zirkus FahrAway. Foto: Tilmann Pfäfflin
Zirkus FahrAway. Foto: Tilmann Pfäfflin

Mit Glück kostenfrei „Das Wunder der Liebe“ erleben

Den Auftakt der neuen Spielzeit und Ära gibt ein Theaterfest am Freitag. Es ist gleichzeitig der würdigende Abschied von Andreas Nattermann und das Willkommen für Heiki Ikkola. Die neue Handschrift ist bereits spür- und sichtbar, nicht nur beim neuen Design. Die Ansage war: Mehr Platz für die freie Szene, für Experimente und Genre-Mixturen. Das lebendige Theater-Museum „Le Parcours“ war ein erster Vorgeschmack – das Fest klingt nach Sahnehaube mit Kirsche.

Alle inneren und äußeren Räume werden bespielt und weil „wir nicht in unserem barocken Häuschen warten wollen, bis Gäste kommen“ (Ikkola) findet eine Straßentheater-Parade mit dem ZirkusFahraway am Goldenen Reiter, im Alaunpark und in Prohlis (wo das Socie mit dem Quartiersmanagement zusammenarbeitet) statt.

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Bei gutem Wind könnte am Sonnabend auch der Schall der Alphörner und Riesentrommeln zu vernehmen sein, die die Dresdner Sinfoniker von den Hochhausdächern in den  „Himmel über Prohlis“ senden.

Als geheimer Höhepunkt des Wochenendes wird der Performance-Künstler Daniel Cremer gehandelt, der am Sonnabend im Socie gemeinsam mit dem Publikum „Das Wunder der Liebe“ geschehen lassen wird. Dafür werden an dieser Stelle zwei Freikarten verlost. Bitte wie gewohnt unten kommentieren.

Das Wunder der Liebe. Foto: Melanie Bonajo
Das Wunder der Liebe. Foto: Melanie Bonajo

Den Abschluss macht am Sonntag eine Konzertperformance von der Schweizer Band „Les Reines Prochaines“, die die essentielle Frage aufwerfen, wie man punkig altern kann.

Besessene Möbel und eine umstrittene Buchhändlerin

Ein Podium bekamen bei der Konferenz auch Vertreter*innen der Companies, die bei der Residenzausschreibung ausgewählt wurden.  Max Schumacher leitet gemeinsam mit Hiroko Tanahashi das Post Theater. Er lobte das Konzept als „kunstfreundlich, innovativ und pragmatisch“ und führt aus:  „Wir sind normalerweise global unterwegs und immer nur kurz an einem Ort. Mit einer Residenz wird es möglich, tiefere Einblicke in das Spektrum des Schaffens der Künstler zu gewinnen.“

Max Schumacher vom Post Theater
Max Schumacher vom Post Theater
Das Stück „Spookai“ des Post Theaters nähert sich der Frage, warum im Gegensatz zu Deutschland in Japan eine weitaus höhere Technikaffinität verbreitet ist. Der Titel ist eine Zusammensetzung der Wörter „spooky“ und „ai“. Letzteres bezeichnet einen Dämon, der in Dinge fahren kann, wenn sie missachtet werden. In der animistischen Kultur Japans gelten auch unbelebte Dinge als beseelt, weswegen die Menschen einen anderen Bezug für aus unserer Perspektive „tote Dinge“ – wie auch Roboter – haben, erklärt Schumacher.

Die vier Damen des Puppen-Menschen-Theaters Quadriga hingegen setzen im September als Corona-Stewardessen zum Trockenflug an, lassen Erich Kästner aus Skat-Karten wahrsagen, erforschen den „Dracula Komplex“, lieben im November wie „Paul und Paula“ und servieren im Rahmen einer Late-Night-Show an wechselnden Orten in der Stadt Geburtstagstorte zu Ehren großer Frauen.

Wird in Fassbinders Theatervorlage "Blut am Hals der Katze" zum Leben erweckt: Motorradfahrer-Puppe
Wird in Fassbinders Theatervorlage „Blut am Hals der Katze“ zum Leben erweckt: Motorradfahrer-Puppe

Groß im Sinne von bekannt und umstritten ist auch die Loschwitzer Buchhändlerin Susanne Dagen, deren Phänomen sich Kathleen Gaube in ihrem Stück „Die Buchhändlerin“ widmet, während Oda Jekaterina und Philipp Lux gemeinsam mit MaryMacLane die Ankunft des Teufels erwarten …

Late Night Show „Denkzeit“ und Fest des Todes

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen bleiben auch inhaltlich präsent. Eine Late-Night-Show mit dem Titel „Denkzeit“ wird Stipendiat*innen des gleichnamigen Förderprogramms in Diskursrunden präsentieren. Mit dabei ist z.B. Mirco Glaser aus dem Blue Note, der mit dem Blue Note TV allabendlich live aus seiner Konzert-Bar sendete und Dresdner Kulturschaffende präsentierte.

Über Tanz-, Performance- und Puppentheater neigt sich das Jahr dem Ende entgegen. Ende Oktober feiert das Socie den großen Gleichmacher Tod mit einem Fest. Der November steht mit einem Theater- und Musikfestival im Zeichen des Iran und der Jüdischen  Theaterwoche Dresden, bevor es im Dezember bei „Ox und Esel“ wild weihnachtet.

Societaetstheater Dresden – Programmauszüge

  • Theaterfest in allen Räumen und am Goldenen Reiter, 11. September ab 18.30 Uhr
  • Schiller Rave mit Philipp Hochmair & Der Elektrohand Gottes, 19. und 20. September um 20 Uhr
  • Denkzeit Late Night Show, Start am 17. September um 20 Uhr
  • Blut am Hals der Katze, Stück mit neun Puppen von Cie.Freaks und Fremde nach Vorlage von Rainer Werner Fassbinder, 9. Oktober, 20 Uhr
  • Ich erwarte die Ankunft des Teufels / Mary MacLane von Oda Jekaterina und Philipp Lux, 22. Oktober, 20 Uhr
  • Paul und Paula – eine Legende, Puppentheater mit Quadriga vom 5. bis 7. November, 20 Uhr
  • Iranisches Theater- und Musikfestival vom 10. bis zum 15. November
  • Das komplette Programm

5 Kommentare zu “Societaetstheater lüftet den Vorhang

  1. Oh, ein Wunder, ein Wunder der Liebe, möchte ich kennenlernen.
    Gern auch mit Daniel Cremer und wenn möglich, mit Freikarten…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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