Die Welt will betrogen sein

Und nicht nur die Welt. Vor allem aber die Männerwelt. Sagen wir es mal so, sie, die Männer, merkten es in den seltensten Fällen. Ein gutaussehendes, wohlgeformtes Fräulein brauchte nur mit den Wimpern klimpern und schon schaltete sich der Verstand bei den Männlichkeiten aus, bei den meisten jedenfalls. Und nahm man noch die misslichen Umstände der jungen Weimarer Republik nach Erstem Weltkrieg und der Revolution mit ihren Rationierungen, hohen Mieten und wachsender Arbeitslosigkeit im Jahr 1920 hinzu, dann wunderte es einen nicht, dass einige Weibsbilder der Versuchung nicht widerstehen konnten, ihre Lebensumstände in der Weise zu verbessern, indem sie die Mannsbilder abmolken, wo und wie es nur ging.

Diebin mit hoher Qualifizierung

Eine dieser „fleißigen Melkerinnen“ war die nicht mehr ganz taufrische 30-jährige Marie Margarete Quiek (die hieß wirklich so). Alter und Name taten ihrer Erfolgsquote jedoch keinen Abbruch. Schließlich hatte sie „langjährige Berufserfahrungen“. Wegen Diebstahls und Betrug war sie seit den Zeiten vor dem Krieg den Ordnungshütern und der Justiz kein unbeschriebenes Blatt.

So raubte sie (als Gesellenstück sozusagen) ihren Eltern wertvollen Schmuck. Der Inhaberin eines Schokoladengeschäfts in Riesa klaute sie um die 200 Mark aus der Kasse und als sie schon im süßen Laden war, nahm sie auch noch Schokolade mit. Vermutlich wegen der Glückshormone.

Vogelwiese auch bekannt als "liederliche Woche"
Vogelwiese auch bekannt als „liederliche Woche“

Besondere Erfahrungen sammelte sie jedoch auf dem Gebiet der „gewerblichen Unzucht“. Dafür diente ihr auch die jährlich stattfindende Vogelwiese in Dresden, im Volksmund auch „liederliche Woche“ genannt. Dort blühten Kriminalität und Prostitution. Und bis zum Krieg (der von 1914 bis 1918) war es auch einer der Orte, wo Marie ihrem Gewerbe nachging. Während des Krieges pausierte sie zwangsweise wegen fehlender Mannsbilder und das erste Fest fand dann wieder 1920 statt. Marie brauchte also mehrjährige Überbrückungen und neue Einnahmequellen.

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Das Geld dort abholen, wo es rumliegt

Da kam ihr zugute, dass sie eben kein junges, spindeldürres und unerfahrenes Ding mehr war. Sie logierte sich in Hotels ein und lies sich von den lüsternen Männern aushalten. Natürlich trat sie nicht unter ihrem bürgerlichen Namen auf. „Fräulein Quiek“ war wahrlich nicht verkaufsfördernd. Im Hotel „Zur Reichspost“ in Dresden quartierte sie sich als Frau Major von Winckwitz ein.

Hotel Reichspost
Hotel Reichspost

Selbst die grünschnäbligen Kellnerlehrlinge mit Pubertätspickeln im Gesicht wickelte sie um den Finger. Insgesamt 700 Mark erbeutete sie dort. Davon konnte man nicht schlecht leben. Mehrfach nannte sie sich in anderen Häusern auch Frau von Hohnstein. Um das Personal in Sicherheit zu wiegen, schrieb sie sich selbst Briefe und Karten.

Das erschwindelte Geld, nebst den „Leistungen“ von diversen Herren, die die sich weltgewandt und sexy gebenden Dame von ihnen „erborgte“, verjubelte sie mit einem anderen „Freund“ aus dem kriminellen Milieu. Dessen Namen verriet sie jedoch nicht. Nun, irgendwann kam man der „Freifrau von und zu“ dennoch auf die Schliche, denn einer der Galane aus den Hotelbars schämte sich nicht, dass er von ihr finanziell und samentechnisch erleichtert wurde und zeigte sie an.

Zudem lagen schon mehrere Anzeigen von Besitzern Dresdner Hotels vor. In einem Prozess im Januar 1920 verurteilte das Amtsgericht sie zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis. Und darüberhinaus zu der denkwürdigen Strafe: drei Jahre Ehrenrechtsverlust.

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Unter der Rubrik „Vor 100 Jahren“ veröffentlichen wir in loser Reihenfolge Anekdoten aus dem Leben, Handeln und Denken von Uroma und Uropa. Dafür hat der Dresdner Schriftsteller und Journalist Heinz Kulb die Zeitungsarchive in der Sächsischen Landes- und Universtätsbibliothek durchstöbert.

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