Was Holz und Stoff gemeinsam haben

Lorna Mattev steht in ihrem Schneiderladen auf der Förstereistraße, die Stoffe reichen bis unter die Decke. „Die Frühjahrsmonate sind für mich die verkaufsstärksten Monate. Ich habe einen Klopfservice, aber so richtig wissen wir Händler alle nicht, wo der anfängt und aufhört. Ich hoffe nun auf Zuschussgelder.“

Weberin Lorna Mattec hat sich in Zeiten von Corona auf Mund-Nasen-Masken spezialisiert.
Weberin Lorna Mattec hat sich in Zeiten von Corona auf Mund-Nasen-Masken spezialisiert.

Der Tischler Dominique Donner dagegen freut sich, dass er endlich mal mit der Büroarbeit vorankommt. Die Druckerei WDS Pertermann führt nun ein Besuchertagebuch. „Damit können wir die Meldekette zurückverfolgen“, erklärt Leiter Thomas Pertermann. Das vor allem für „Putzi“ bekannte Unternehmen Dental-Kosmetik lässt derzeit keine Besuche zu. Die Zahnpastaproduktion ist trotz Corona gesichert.

Neustädter Unternehmen in Zeiten von Corona

Das Neustadt-Geflüster hat sich vier Unternehmen rausgesucht. Vier Unternehmen, die unterschiedlicher nicht sein können, gegenwärtig aber ein ähnliches Schicksal teilen. Sie stehen als Beispiel für all die anderen Neustädter Betriebe, die in den Hinterhöfen und Nebenstraßen der Neustadt arbeiten. Sie alle müssen jetzt einen Umgang finden. Einen Umgang mit dem Wort, das seit einigen Wochen durch die Medien kursiert: Corona und die damit einhergehenden Beschränkungen. Und weil die Unternehmen so verschieden sind, reicht auch ihr momentaner Handlungsspielraum von so normal wie möglich bis begrenzt unmöglich.

Der Tischler Dominique Donner in der Tischlerwerkstatt Foto: Alexander Fuhrmann
Der Tischler Dominique Donner in der Tischlerwerkstatt Foto: Alexander Fuhrmann

Möbel trotz Virus

Wie kann man in Zeiten einer Pandemie Möbel herstellen? Die Tischlerei Dominique Donner versteckt sich auf dem Bischofsweg und ist noch relativ jung. Ein junges Unternehmen mit jungen Menschen und jungen kreativen Ideen. Diese Ideen lassen Holz in Kunstwerke verwandeln – seien das Schreibtische oder Kinderbetten. Zu dritt fertigen sie Designermöbel aus Holz, Stahl, Stein oder Linoleum. „Wir sind nicht Ikea, hier wird alles persönlich an den Kunden angepasst“, erklärt Inhaber Dominique Donner, „es gibt keine Kataloge.“

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Bevor das Möbelstück gefertigt wird, führt er bis zu sechs Kundengespräche. „Wir versuchen in den Gesprächen, den Kunden dazu zu bringen, selbst zu designen. Das Möbelstück soll genau zu unseren Kunden passen.“ Solch ein persönliches Möbelstück hat aber auch seinen Preis, da kann ein Schreibtisch schon mal 600 Euro kosten.

600 Euro für einen Schreibtisch

Vielleicht ist das aber auch die Konsequenz der heutigen Möbelindustrie, in der nur noch Individualität herausstechen kann. Was ist nun aber mit der Corona-Krise?

Dominique Donner: "Jetzt schaff ich endlich auch mal die Büroarbeiten." Foto: Alexander Fuhrmann
Dominique Donner: „Jetzt schaff ich endlich auch mal die Büroarbeiten.“ Foto: Alexander Fuhrmann

„Vor Corona ist es gut gelaufen und auch während Corona läuft es gut“, erklärt der Tischler. Aber schwieriger sei es schon. Persönliche Kundengespräche könnten nur noch per Telefon geführt werden. Auch die Lieferungen würden länger dauern. „Problematisch wird es, wenn wir die Möbel in die Wohnung einbauen wollen“, erklärt der Tischler. „Wir schicken die Leute dann zum Spazieren, um die Wohnung auszumessen“.

Solche Hausbesuche habe er deswegen weitestgehend eingestellt. In der Werkstatt arbeiten sie trotzdem jeden Tag, genügend Aufträge haben sie bisher. „Wir sind gesund, jung und munter. Außerdem bleibt jetzt etwas mehr Zeit für die Büroarbeit.“

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Beratung in der Schneiderei

Für Lorna Mattev vom Zic Zac ist es etwas schwieriger. Der Laden hat offiziell geschlossen. Stoffe verkaufen darf sie nicht, das Schneidern ist ihr aber erlaubt.

Seit 1996 betreibt die Weberin und Textiltechnikerin den Laden in der Förstereistraße. Ein Laden der bis obenhin mit Stoffen gefüllt ist – alle aus Naturfaser. Normalerweise ist der Stoff-Verkauf ihr wichtigstes Standbein. Aber schon immer hat sie auch geschneidert und Änderungen angenommen. Wer sich selbst im Nähen ausprobieren möchte, kann in normalen Zeiten einen ihrer zahlreichen Nähkurse besuchen.

"Stoff muss man anfassen", so Lorna Mattev.
„Stoff muss man anfassen“, so Lorna Mattev.

Online-Vertrieb: Nein danke

Nun aber sieht alles anders aus: Zwar kann man während der Öffnungszeiten an ihren Laden klopfen und kurz hineinschlüpfen, aber eine umfangreiche persönliche Beratung ist nicht möglich. „Dieser Laden lebt von seiner Individualität, ich kann keine Stoffberatung übers Telefon machen.“ Auch ein Online-Vertrieb kommt für sie nicht in Frage: „Man muss den Stoff anfassen und dann sagt er: Nimm mich – oder nimm mich nicht.“

Bekleidung habe man den ganzen Tag an. Da muss man fühlen, ob das zu einem gehört. „Dass ich keinen Online-Vertrieb habe, fällt mir jetzt vielleicht auf die Füße.“ Weil der Stoffverkauf also momentan keine Einnahmen bringt und auch die Nähkurse bis auf weiteres ausfallen, hat sich Lorna auf etwas anderes spezialisiert: Mund-Nasen-Masken.

 Mund-Nasen-Masken statt Nähkurse

„Mundschutzmasken darf ich sie nicht nennen, weil sie kein medizinisches Produkt sind. Und bei Gesichtsmasken bekomme ich bestimmt Probleme mit den Kosmetikerinnen“, sagt sie augenzwinkernd. Die Mund-Nasen-Masken hat Lorna eigens entworfen. Für 7,90 Euro kann man ein Stück käuflich bei ihr erwerben. Zwei Masken kosten jeweils 5,90 Euro. Der Entwurf sei gar nicht so einfach gewesen. „Ich hätte nie gedacht, wie lange man über Mund-Nasen-Masken philosophieren kann“, sagt sie lachend. Da gibt es etliche Fragen zu klären: Welchen Stoff nimmt man? Mit oder ohne Draht? Und welches Schnittmuster ist das Beste?

Woche des guten Lebens als Chance

Eine große Chance sieht sie für die kleinen Neustädter Läden in der „Woche des guten Lebens“. Im Spätsommer soll in einer Art Großexperiment unter dem Motto „Woche des guten Lebens“ die Äußere Neustadt weitestgehend ohne Autos auskommen. „Das wäre genial, wenn diese im September stattfindet“, sagt Lorna Mattev. „Das ist etwas Neues, da kann sich die Neustadt wieder präsentieren und wir Händler können zeigen: Wir leben noch, wir sind weiter für euch da.“ Bis dahin bleibt die Schneiderin positiv. Sie hofft auf die Zuschussgelder und wünscht sich, dass nach der Corona-Krise die Menschen wieder in ihren Laden kommen. „Es wird sich erst dann zeigen, ob die Leute onlineverliebt bleiben.“

Am Freitag dann die Dental-Kosmetik und die Druckerein WDS Pertermann

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