„Weltraumaffen“ im Projekttheater

Es gibt Dinge, über die man viel zu selten nachdenkt: Das Postwesen zum Beispiel. Die Sabotage am eigenen Chef. Oder wie es wäre, alle Toiletten in einem Bankgebäude zu verstopfen. Christiane Guhrs neues Stück „Weltraumaffen“ im Projekttheater inspiriert dazu. Ein gewohnt virtuoses Sci-Fi-Medley mit dystopischer Würze.

Eine monotone Siri-Stimme aus dem Off, rot pulsierendes Licht, Wolkenkratzer aus Zeitungsstapeln, die wie der dünne Firnis der Zivilisation langsam zerfleddern, wenn es unter Menschen ums Eingemachte geht: Mit postapokalyptischer Drohgebärde legt auch das neue Stück der Frei-Spieler den Finger in den Riss, durch den das Chaos unter der glatten Haut des Fortschrittversprechen schimmert. Motivisch tritt das Ensemble in die großen Fußstapfen von Chuck Palahniuks Roman „Fight Club“ und ordnet sie zu neuen Schrittfolgen.

Wetteifern der Simulanten um die eigene Therapiegruppe: Der Kolumnist und Marla. Foto: projekttheater

Ein namenloser Protagonist ist dem Alltags-Stakkato einer Zeitungsredaktion unterworfen. Obwohl er für philosophische Kolumnen engagiert wurde, muss er sein Talent für das Ausschlachten quotenbringender Meldungen einsetzen: Ein Bombenleger macht die Stadt unsicher. Und mit Blut und Tränen lässt sich Geld verdienen.

Ein Zweikampf ist auch „was mit Menschen“

Zum Ausgleich macht der Kolumnist in seiner Freizeit gerne etwas mit Menschen: Er fährt Trittbrett in einer Therapiegruppe, weil er es mag, dass sich deren Teilnehmer*innen gegenseitig zuhören und umarmen. Wärme tut gut, auch wenn sie nur abgezapft wird.

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Dann begegnet er Tyler und seinem Konzept nach Ausbruch aus dem System: Zwischenmenschlichkeit wird hier handfest interpretiert. Gegenseitig vermöbeln sich die Teilnehmer*innen des „Nullpunkts“ bei geheimen Treffen in dunklen Kaschemmen bis ins Delirium. Die Treffen sind elitär gehaltene Fluchten zu ekstatischen Erlebnissen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Tyler schart zusehends mehr Mitglieder um sich und beginn wie ein egomaner Marionettenspieler, die Gruppe zu radikalisieren und zu uniformieren. Im Rausch immer drastischerer Aktionen, schrauben sich die Akteur*innen hinauf in eine Hybris, die einen Sturz unvermeidbar erscheinen lässt …

Revolution als Abenteuer: Tyler inspiriert zu Abwegen. Foto: Projekttheater

Kalendersprüche zum Unwohlfühlen

Das zentrale Thema des Stückes ist Kontrolle. Ist es möglich, das System durch seine kontrollierte Sabotage zu entmachten? Wie viel zählt der Wille, wenn er nicht aus dem eigenen Ich gewachsen ist? Verträgt Rebellion Selbstzweck? Sind Grenzen fort, indem man sie sprengt? Das Kollektiv reißt das Publikum von der Tristesse des Bürostuhls in die Euphorie der Auflehnung und den freien Raum nach dem Fall. Geschickt puzzelt sich „Weltraumaffen“ aus häufig unchronologisch angeordneten einzelnen Szenen zu einem Ganzen zusammen. Der Zuschauer wird zum Collageur. Die Kenntnis des Klassikers „Fight Club“ ist keine Grundvoraussetzung zum Verständnis – allerdings ist das das Urteil einer Testgruppe aus drei Personen, die die Verfilmung kannten …

Im Vordergrund steht die Thematik, die Botschaften, die Fragen, die durch Verknüpfungen zu aktuellen Zeitgeschehnissen an Brisanz gewinnen. Es ist nicht zuletzt dem anspruchsvollen Einsatz von Licht und Ton sowie dem durchdachten Bühnenbild geschuldet, dass das Stück seinen eindrücklichen Charakter entfalten kann – ebenso wie die Kostüme ein Ergebnis der Zusammenarbeit mit theaterrelevanten Studiengängen der HfbK.

Kuscheln in der Therapiegruppe – nirgends ist die Zuneigung echter. Foto: Projekttheater

Zwischen den Polen Korsett und Chaos stößt „Weltraumaffen“ zur Auslotung des eigenen Freiheitsbegriffes an. Schlagsätze fallen wie knallharte Kalendersprüche zum Unwohlfühlen:  „Du kannst nichts dafür, aber du bist ein Schaf“, „Jegliche Hoffnung verlieren heißt Freiheit“, „Alles, was du hast, hat irgendwann dich“. Sie hallen noch lang wider.

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„Weltraumaffen“

  • Nächste Vorstellungen: 21. und 22. Februar; 26. und 27. März
  • im Projekttheater, Louisenstraße 47, 01099 Dresden
  • Hier geht es zum Stück

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