#raumkon19: Stadtraum als Zukunftsschutzgebiet

Zu Beginn der Woche startete die Stadtraum-Konferenz  #raumkon19 in Dresden. Noch bis zum 23. Juni lädt der Konglomerat e.V. Bürger*innen ein, den „Zement der Zukunft“ mitzumischen. Es geht um Bauen, Boden, Kultur und Mitgestaltung – kurz: Um die Zukunft der Stadt. Zu erleben gibt es vielzählige Diskussionen, Präsentationen und Workshops zum Thema Stadtraum. Am Mittwoch fand eine Stadtraum-Safari mit anschließender Pressekonferenz am Neustädter Markt statt.

Stadtführung mal anders: Die Stadtraum-Safari

Erhitzt, aber gut gelaunt trafen die Diskutanten am Mittwoch nach einer eineinhalbstündigen Stadtraum-Safari ein. Wie Moderator Mario Krause entschuldigend einräumte, aufgrund des Stadtverkehrs zwanzig Minuten später als geplant.

Von der Könneritzstraße führte die alternative Stadtbesichtigung zu den Stationen Rosenwerk, Robotron Kantine, Gemeinschaftsgarten Johannstadt, das Plattenpark-Areal in der Johannstadt, den Brückenpark unterhalb der Waldschlößchenbrücke, Elixier-Verein, Geh8 und den zerstörten Freiraum Elbtal. Die Tour zeigte einen Querschnitt von in Dresden existierenden, potenziellen, gefährdeten und dem Profit zum Opfer gefallenen Räumen und damit verknüpften Akteur*innen.

Rege Beteiligung bei der Pressekonferenz. Im Anschluss an die Häppchen wurde der Wettbewerb zur Gestaltung der Neustädter Marktes vorgestellt.

Auf der anschließenden Presseveranstaltung diskutierten Monika Thomas (Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung, Wohnen und öffentliches Baurecht im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat), Stefan Szuggat (Amtsleiter Stadtplanungsamt Landeshauptstadt Dresden), Julia Mertens (Ufer e.V.) und Fridolin Pflüger (Konglomerat e.V.) über Wege, Stadträume kreativ, effektiv und innovativ zu nutzen und dabei Bedürfnisse der Zivilgesellschaft und Entscheidungen der Stadt aufeinander abzustimmen.


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Potenziale der Zivilgesellschaft nutzen

Fridolin Pflüger kritisierte, dass häufig die Potenziale und bestehende Strukturen von der Stadt nicht gesehen bzw. nicht ernst genommen würden. „Das Kulturhauptstadtbüro hat uns bespielsweise als Verein nicht zugetraut, eine Veranstaltung wie diese auf die Beine zu stellen“, sagte er. Er fragte Stefan Szuggat, warum die Stadt sich nicht vehementer dagegen einsetze, dass Flächen zur profitorientierten Bebauung verkauft werden und nannte als Beispiel die Brache gegenüber des Rosenwerks, deren Nutzung selbiges in Betracht gezogen hatte.

Infotafel am Neustädter Markt

Szeggat argumentierte, dass die Stadt rationalistische Entscheidungen treffe, für deren Nachvollziehbarkeit oftmals die Transparenz fehle. Als Inspiration habe er von der Stadtrundfahrt mitgenommen, die Bespielung von Brachflächen durch Projekte nicht ausschließlich als zeitlich begrenzt wahrzunehmen, sondern in Betracht zu ziehen, dass es sich bei den entstandenen sozialen und baulichen Konstruktionen um verstetigbare Projekte handeln könne. „Der Stadtplaner ist und bleibt der Anwalt der Bürger“, so Szuggat.

Engere Zusammenarbeit als Chance

Er musste jedoch auch eingestehen, dass die Stadt Dresden über keinerlei Strategien zur Nutzung privater und städtischer Flächen verfügt. „Die Stadt reserviert natürlich Flächen für Kitas, Grundschulen und Grünflächen“, sagte er. Die Umsetzung alternativer Nutzungsideen sei dabei nicht inbegriffen und müsse stets kleinteilig erarbeitet werden. Die bürokratischen Abläufe seien oftmals langwierig und aufwendig. Brandschutz, Sicherheit, Nachbarschaft sind Faktoren, die es zu tarieren gilt.

Im Fokus bei der Nutzung von „Brachen“ stehe für Szuggat die „funktionale Mischung.“ Als positives Beispiel für den Erhalt kreativwirtschaftlicher Standorte nannte er die Geh8 und hob den Stadtrat-Beschluss zur Kooperativen Baulandentwicklung hervor. Man war sich am Rednerpult einig, enger zusammen arbeiten zu müssen, um bedarfsgerechte Lösungen zu finden. Ein Redner aus dem Publikum forderte von der Stadt ein radikaleres Einschreiten beim Schutz von Frei- und Lebensräumen.

An den gelben Info-Tafeln haben Bürger*innen Mitsprache-Möglichkeiten

In Dresden wurden beispielhaft der Neustädter Markt, die Robotron-Kantine, das Plattenwerks-Areal und der Leipziger Bahnhof als Beispiele herausgegriffen. Hier befinden sich (Brach-)Flächen, die möglichst vielfältig belebt werden sollen. Es entspinnen sich die gängigen Fragen: Wer finanziert das? Wie können finanzielle Ansprüche und zivilgesellschaftliche Bedürfnisse zusammengebracht werden? Wie können behördliche und gesetzliche Hürden minimiert, vorhandene Räume gestaltet und bestehende Projekte gehalten werden? Die #raumkon19 möchte Beteiligte und Bürger*innen zusammenbringen und gemeinsam Ideen finden.

Die Raumkonferenz des Konglomerat e.V. ist Ideen- und Zukunftsschmiede

An den jeweiligen Brennpunkten stehen Informationstafeln. Sie dienen nicht nur dazu, Vereine und Initiativen aus Deutschland, die sich visionär mit Stadtplanung auseinandersetzen, vorzustellen, sondern laden dazu ein, Ideen und Wünsche zu sammeln. Das „Problem Stadt“ ist kein lokales Phänomen. Der galoppierende Markt gefährdet bezahlbaren Wohn-, Gewerbe- und Kulturraum in Groß- und Kleinstädten deutschlandweit. Mit der Raumkonferenz richtet der Konglomerat e.V. einen Appell an alle Bürger*innen: Mischt euch ein!

#raumkon19: Zukunftsschutzgebiet Stadtraum

  • Raumkonferenz und Aktionstage zur Zukunft unserer Städte
  • 17. bis 23. Juni 2019
  • Themenschwerpunkte Lebensqualität & Gemeinwohl // Engagement & Mitgestaltung // Boden & Eigentum // Planen & Bauen
  • gesamtes Programm
  • Tipp: Donnerstag um 16:30 Uhr findet im Lichthof der Blauen Fabrik eine Diskussion zwischen Lisa Marie Zander, Architektin ESSO-Häuser/PlanBude Hamburg und Martina Pansa, Regionalgeschäftsführerin Süd-Ost der VONOVIA SE zum Thema Beteiligung im Planungsprozess statt

3 Kommentare zu “#raumkon19: Stadtraum als Zukunftsschutzgebiet

  1. Bei der Suche nach „Wallschlößchenbrücke“ in einer weltweit tätigen Suchmaschine wird nur dieser Artikel aus Neustadt-Geflüster gefunden. ???

  2. bei der suche nach wallschlößchenbrücke in einer weltweit tätigen suchmaschine gibt es noch einen beitrag von den grünen 2006
    @klaus
    immer an die inhalte denken, nicht so viel an die buchstaben. kennste

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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