Der Ton zum Sonntag

Am letzten Tag ist die bunte Republik immer am gemütlichsten. Deshalb flanierte ich zum BRN-Ausklang durch die Gassen und lauschte ein paar Konzerten. Dabei gab’s Neuentdeckungen und kleinere Enttäuschungen.

Frivolé spielten Electro-Magic-Rock beim "Lollatalooza" auf der Talstraße.
Frivolé spielten Electro-Magic-Rock beim „Lollatalooza“ auf der Talstraße.

Wie bei vielen BRN-BesucherInnen ist auch mein Akku zum Sonntag bei weniger als 25 Prozent. Der Kater vom Vortag (man wird älter) krallt sich noch immer in meinem Rücken fest und die sengende Hitze zwingt mich zum Schnecken-Tempo. Also brauch ich etwas Musikalisches zum Entspannen. Als Erstes begegne ich den Musikern von „Frivolé“ auf der Talstraße beim „Lollatalooza“, angelehnt an das amerikanische Musikfestival „Lollapalooza“.

Der Look der Musiker (runde Sonnenbrillen, bunte Hemden, die aber schnell fallen gelassen wurden) lässt psychedelische Klänge vermuten. Yes! Eben noch am Sound checken, legen die vier auch gleich darauf los. Der erste Song trifft genau meinen Geschmack. Psychedelisch und gitarrenlastig. Sehr schön. Doch dann wird die Musik mit jedem Lied bunter, bis ich verstehe, warum die Band sich im „Electro-Magic-Rock“ einordnet. Mir ist diese stilistische Dreifaltigkeit eine Spur zu viel, weshalb es für mich weiter geht. Die Sonne ist mittlerweile wieder bei 100 Prozent, die Leute am Schnaufen und Wedeln.

The Shy Knees aus Leipzig

Von der Talstraße auf die Louisenstraße, schnell vorbei an Techno-Spots. Schnelle und harte Bässe brauch ich nicht mehr zum BRN-Sonntag. Weiter in Richtung Scheune, wo ich mich aufgrund einer musikalischen Vorahnung in den Hinterhof begebe. Und siehe da: Genau das, was ich und mein Kater vom Vortag brauchen! Zwei junge Männer, einer an den Drums, der andere an den Turntables. Und ein Sound, der gleich wie eine Spa-Behandlung wirkt.


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Groovige, zum Teil psychedelische, elektronische Beats, perfekt zum langsamen Dahintanzen. Dass sich abgesehen von mir aber keiner so recht bewegen will, kratzt mich in dem Moment wenig. Dafür gefällt mir die Musik von „The Shy Knees“ zu gut. Das Duo aus Leipzig ist mein persönliches BRN-Überraschungsei, vor allem auch weil das Programm nichts über den Gig der Zwei verriet.

Lovesongs bei Morty Sanchez

Nach den schüchternen Knien leiten meine Ohren mich weiter die Louisenstraße hoch. Dort höre ich „Morty Sanchez“ mit seiner Akustik-Gitarre vor dem Mondfisch. Der Dresdner punktet sofort bei mir mit seinem zurückhaltenden, melodischen Sound. Seine Stimme erinnert an Morrissey von den Brit-Rock-Legenden „The Smiths“. Dennoch kein Anlass, um an Sanchez‘ Authentizität zu zweifeln. „Das nächste Lied ist ein Liebeslied“, verkündet der Singer-/Songwriter. Ich muss zugeben, dass alle seine Lieder wie Liebeslieder klingen, doch das liegt wohl an der zarten Stimme und der unausweichlichen Melancholie in Sanchez‘ Sound.

Spontaner Blues-Rock bei Heliod

Auf der Louisenstraße performten Heliod kurzerhand ihren Blues-Rock.
Auf der Louisenstraße performten Heliod kurzerhand ihren Blues-Rock.

Nach Gitarrengeklimper von Sanchez hör ich aus nur ein paar Metern Entfernung, wie es härter zugeht. Genre-Wechsel also. Ich folge der Musik und lande vor der „HD Rock- und Metalbar“. Hier sind gerade „Heliod“ zu Gange, die durch Zufall noch einen Spontan-Gig auf der BRN einheimsen konnten.

Mit ihrem Blues-Rock-Sound treffen die vier Musiker gleich meinen Geschmack und ich beschließe zu bleiben. Da bin ich nicht die Einzige, denn mittlerweile hat sich eine große Traube vor der HD-Bar gebildet. Die ein oder andere Passage erinnert mich an Incubus, eine meiner Lieblingsband aus Teenagerzeiten. Der Gesang erinnert mich allerdings zu sehr an Metallica, weshalb ich meinen Konzert-Spaziergang fortsetze.

Die letzten Sekunden bei Twins In Colour

Trotz langem Fußmarsch durch die Straßen und Hinterhöfe finden meine Ohren nichts zum Verweilen. Bis ich wieder beim „Lollatalooza“ auf der Talstraße lande. Verträumter Synthiesound, lieblicher Gesang. I like. Als ich gerade den Band-Namen an der Tafel suche, ist das Konzert leider auch schon vorbei. Wer zu spät kommt … „Twins in Colour“ aus Lepizig habe ich trotzdem auf meinem Merkzettel für künftige Konzertgänge gespeichert.

Wir halten fest: Dieses Jahr kommt die beste Musik bei der Bunten Republik Neustadt aus Leipzig. Aber wollen ja eh alle nach Leipzsch, wa? Meine Akkuladung beträgt mittlerweile weniger als fünf Prozent und dann ertönt an der Ecke Talstraße/Schönefelder Straße auch noch „Miami Pieschen“ von „Gossenboss mit Zett“. Klares Signal für mich, den Heimweg anzutreten. Raus aus der bunten Republik, zurück ins gemächliche Pieschen.

Musikalische Impressionen vom BRN-Sonntag

6 Kommentare zu “Der Ton zum Sonntag

  1. Ich möchte mich bedanken für die tolle Nachbarschaftshilfe im Vogelschutzgebiet… Danke an Euch kleinen Breakdancer die so agil, voller Enthusiasmus und Energie und tänzerischer Vielfalt, 3h durchgehalten haben…. danke an das Empanada Team für die Bereitstellung der Soundanlage und an die Kulturpaten, Kuchennadine /Beerandmixery /Brühkaffee, die Töpferei und natürlich an Opa6eurorammsteinbier für die Bereitstellung und Verlegung des Tanzteppichs ;) :) klasse, danke!!

  2. „…erinnert mich allerdings zu sehr an Metallica…“ wird zu Ehekrach führen. Ansonsten, Laura, lass uns heiraten. :-)

  3. Sonntag ab sieben vor der Scheune war viel besser! ;-)
    Punk s not dead!
    Venusshells!! Thx Franzi, Yvonne & Butterfly!

  4. Sach ma Alter. Kommste am Saloon gar nich mehr lang? Schade. Hast da einiges an unglaublich guter Musik verpasst. Bist aber leider auch nur ein Mann auf zwei Beinen. Ganz liebe Grüße und danke für die Impressionen. GLG Bösi

  5. Gewinner „Bunte Palme“
    Die Bunte Luzie – den Preis für die ausgefallenste Dekoration erhielt die Süßwasserfischpassage. „Hier steppt die Maus“ – der Preis für das beste Programm ging an das Drop-Out in der Insel „An der Einfallschneise“ vor der Scheune und „All together now“ – der Preis für die nachbarschaftlichste Insel ging an das Vogelschutzgebiet.

    Quelle: Neustadt-Geflüster

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