Die Pulsnitzer Straße

Die 200 Meter lange Straße von der Bautzner vorbei am Martin-Luther-Platz zur Louisenstraße hatte schon viele verschiedene Namen. Anfangs nannte man sie Heideweg. Wann das genau war, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es werden schon etwa 370 Jahre sein, die Menschen diesen Weg entlang gehen. Später hieß die Straße Judengasse, nach dem jüdischen Friedhof, der 1751 neben dem Weg angelegt wurde. Das stieß bei den Anwohnern damals aber auf wenig Begeisterung und so wurde 1861 dem Weg der heutige Name gegeben: Pulsnitzer Straße.

altes Straßenschild "Pulsnitzer Straße"
altes Straßenschild „Pulsnitzer Straße“

Dabei führt die Straße gar nicht in die 25 Kilometer entfernte Kleinstadt vor den Toren Dresdens, sie zeigt noch nicht einmal in die Richtung. Nicht einmal Pfefferkuchen kann man in der Bio-Bäckerei „Kuchenglocke“ kaufen. Dafür gibt es allerhand anderes Naschwerk aus biologisch angebauten Zutaten.

Steht man am südlichen Ende der Straße, dort wo Bautzner-, Pulsnitzer- und Löwen-Straße aufeinander treffen, fällt einem die riesige Hauswand ins Auge. Die ist zur Zeit blau mit Autowerbung bemalt. Immer wieder wird sie umgestaltet und mit großflächiger und auffälliger Reklame versehen. Gegenüber der Wand liegt am Eck das Café Neustadt. Das Café mit dem eingewachsenem blauen Schild ist bei kleinen Kindern besonders wegen des Soft-Eis beliebt, bei Größeren wegen des schmackhaften Mittagstischs.

Ladenschild wird von Pflanzen verschlungen
Ladenschild wird von Pflanzen verschlungen

Nach ein paar Schritten findet man an der Hauswand ein Graffito mit der Aufforderung „wählt Liste 1“. Der Schriftzug, der für die SPD warb, wurde vermutlich schon 1932 angebracht und hat bis heute dort überdauert.


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Graffiti "Wählt Liste 1"
Graffiti „Wählt Liste 1“

Einige wenige Meter weiter liegt links der Martin-Luther-Platz. Die Wiese hinter der Kirche ist in letzter Zeit jedoch zunehmend zum Hundeklo verkommen. Auf der anderen Straßen-Seite befindet sich das Büro des Vereins Hatikva. Der Name des 1992 gegründeten Vereins leitet sich von der israelischen National-Hymne „ha Tikva“ ab. Man versteht sich als Begegnungs- und Bildungsstätte für jüdische Kultur und pflegt den benachbarten jüdischen Friedhof. Er ist der älteste erhaltene in Sachsen und kann bei Führungen, die der Verein regelmäßig ausrichtet, besichtigt werden, dabei sollten Männer aber an eine Kopfbedeckung denken.

jüdischer Fridhof
jüdischer Fridhof

Im frisch sanierten nördliche Teil der Straße sticht ein kleines grünes Haus hervor. Es ist niedriger als die Übrigen aber ragt dafür etwa einen halben Meter weiter in die Straße hinein als die Nachbarn. Unter den Fenstern der ersten Etage steht in großen, historisch anmutenden Druck-Buchstaben „Glaserei und Bautischlerei Franz Feustel“. Noch heute wohnt hier, dem Klingel-Schild zufolge, ein Tischler. Das Haus ist mit Bildern von Vögeln, Schlangen und riesigen Insekten bemalt, die jedoch mit Graffiti in jüngerer Zeit überschmiert wurden. Das 1850 errichtete Haus mit dem schmucken Holzfenstern wurde von der Stiftung Äußere Neustadt als beispielhaft saniert anerkannt, wie eine bunte Plakette neben der Eingangstür stolz verkündet.

Haus von 1850
Haus von 1850

Nur noch 30 Meter sind nun übrig, bis man auf der Louisenstraße steht und 200 Meter Neustadt hinter sich hat, auf dieser Straße, die „nur“ die Bautzner- mit der Louisenstraße verbindet.

Die Pulsnitzer Straße

Straßen und Plätze im Stadtbezirk Neustadt

3 Kommentare zu “Die Pulsnitzer Straße

  1. Der Tischler wohnt nicht in der Puls. 11. Er hat seine Werkstatt seit 19 Jahren im Hinterhofgebäude. Für eventuelle Nachfragen stehe ihnen gern zur Verfügung.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Tischlerei Jan Otto
    0172 9499891
    Info@tischlerei-otto-dresden.de

  2. Der Beitrag ist sehr gut geschrieben. Nur eine kleine Anmerkung. Die Wiese hinter der Lutherkirche wird schon ab und an als WC benutzt. Die meisten Hundebesitzer nehmen aber die Exkremente der Hunde mit. Was man aber von den partywilligen Menschen nicht behaupten kann. Es verkommt zur Müllkippe. Sie urinieren an die Kirche, machen Lärm. Da könnten die Schilderkünstler der schicken Hundebilder sich ja mal was neues einfallen lassen.
    Sonst was der Beitrag gut geschrieben

  3. Gut geschrieben, kann schon sein. Aber. Das ist das Shanghai Dresdens, bitte nicht weitersagen – die schönste Straße der Stadt.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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