Hütten bau’n in der Heide

Sie ist die grüne Lunge der Neustadt, eines der wichtigsten Ausflugsziele und ganz nebenbei ein wunderbarer Wald – die Dresdner Heide. Sie ist einer der flächenmäßig größten Stadtwälder Deutschlands. Mit rund 6000 Hektar nimmt sie circa 17 Prozent der Stadtfläche Dresdens ein.

Der Wald wird intensiv genutzt. An schönen Wochenenden schlendert die halbe Neustadt mit Hund und Kinderwagen die Prießnitz entlang. Sportler*innen sind unterwegs mit Laufschuh oder Fahrrad und immer wieder auch abenteuerlustige Jugendliche. Die haben an den Hängen des Prießnitzgrundes etliche Hütten und Baumhäuser errichtet.

Bude oder Müllhalde?
Bude oder Müllhalde?

„Solange dafür herumliegendes Holz verwendet wird, ist dagegen auch nichts einzuwenden“, sagt Konstantin Schanze vom Sachsenforst. Doch in den vergangenen Wochen haben seine Kollegen in der Heide immer wieder Hütten entdeckt, die zum Teil mit Plastikplanen, Zelten und allerlei Campingutensilien gebaut sind.

Gefahr für Tiere

„Davon geht eine große Gefahr für die Vögel und Tiere im Wald aus“, erklärt der Förster. Vögel holen sich Teile der Planen und bauen damit Nester – und der Nachwuchs verheddert sich in den Fasern oder frisst davon. Auch den anderen Tieren in der Heide schaden diese Müllansammlungen und die nächtliche Beunruhigung. Im Prießnitzgrund brüten viele seltene Vogelarten. Eine ständige Belästigung, gerade auch durch laute Musik und Feuer, kann zum Verlust der Brut führen.


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Zwar stehen an den Hütten meist liebevolle Hinweise auf Tafeln, die einen guten Willen zur Sauberhaltung und Rücksichtnahme erkennen lassen, aber um die Hütten herum sieht es schlimm aus. Manch Hütte erweckt den Eindruck, als ob da richtig jemand drin wohnt.

Konstantin Schanze, Sprecher des Forstbezirks Dresden.
Konstantin Schanze, Sprecher des Forstbezirks Dresden.
Obdachlose habe er bei seinen Rundgängen aber noch nicht angetroffen, berichtet Schanze. Er kann verstehen, dass Jugendliche Freiräume haben wollen. In diesem Falle gehe es aber auf Kosten der Natur. „Die Erhaltung des Prießnitzgrundes als Erholungsgebiet – für alle Dresdner – ist uns ein wichtiges Anliegen“, sagt er.

Feuer im Wald

Dann zeigt er auf eine Badewanne, die muss irgendwer hierher geschleppt haben, oder sie wurde von oben die Böschung herabgeworfen. Besondere Sorgen bereiten Konstantin Schanze aber die Feuerstellen, die er an und in den Hütten findet. „Feuer im Wald – das ist nicht nur im Hochsommer problematisch“, sagt er. Erst kürzlich hat er eine Stelle gefunden, an der die Besucher offenbar das Feuer nicht mehr unter Kontrolle hatten. Eine Hütte ist abgebrannt und die Feuerwehr musste zum Löschen in den Prießnitzgrund ausrücken.

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung wollen die Mitarbeiter*innen des Sachsenforsts nun die Hütten entfernen. Nur die aus reinem Holz können stehen bleiben.

6 Kommentare zu “Hütten bau’n in der Heide

6 Gedanken zu „Hütten bau’n in der Heide

  1. Hallo,
    Ich wäre vorsichtig mit der Annahme, es handle sich um Jugendliche. Beruflich habe ich viele Berührungspunkte mit Wohnungslosen Menschen und weiß auch von Betroffenen, um die Möglichkeiten, in der Heide unter zu kommen.

  2. Ich hab beim Pilze finden mal ne Drei-Sterne-Bude gefunden, inklusive Plumpsklo & Erdkühlschrank mit Käse, Wurst und Brot drin. Sah auch nich nach Jugendlichen aus ;)

  3. Wer weiß wann das entrümpelt wird, mittlerweile wird das immer mehr. Feuerstellen, Grillreste, Flaschen. Dreck.

  4. Danke für diesen Beitrag! Wenn man sich im stadtnahen Prießnitzgrund umschaut, kann man den Eindruck gewinnen, hier haben verschiedene Gruppen ihre Treffpunkte geschaffen und sich mit Sperrmüll u.ä. häuslich eingerichtet. Möglicherweise halten sie sich sogar für naturverbunden, gehen Freitags fürs Klima protestieren und kaufen im Bio-Laden ein. Ich verstehe die Leute, dass sie sich einen Rückzugsort schaffen und einen Hauch von Freiheit in der Natur erleben wollen. Doch so verwandelt sich der Wald mit der Zeit in eine Müllhalde, von Ruhestörung und Waldbrandgefahr mal ganz zu schweigen. Die Einsicht, dass sich in diesem Fall Einzelinteressen denen der Allgemeinheit unterordnen sollten, entspricht dem Gedanken der Nachhaltigkeit und müsste sich bei den „Waldsiedlern“ wieder durchsetzen. Sonst würde die Natur auch nur zu einem Konsum- und Verbrauchsgut, mit dem man verfahren kann, wie es beliebt. Der Wald ist eine kostbare Quelle von Lebensqualität, verkraftet diese Entwicklung aber auch nur bedingt.
    Am kommenden Sonnabend, 13.4.19, findet ab 13:00 eine Müllsammelaktion im Rahmen des Dresdner Frühjahrsputz „Sauber ist schöner“ statt. Treffpunkt ist die erste Steinbrücke (Neuer Brückenweg – führt zur Marienallee). Material wird gestellt. Kommt und beteiligt euch zahlreich!

  5. Noch eine Korrektur zum vorigen Post: Müll sammeln im Prießnitzgrund beginnt am kommenden Sonnabend um 16:00!

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