Verfahren im Fall der verunglückten Radfahrerin eingestellt

Am Amtsgericht Dresden wurde heute das Verfahren vorläufig eingestellt.

Am Amtsgericht Dresden wurde heute das Verfahren vorläufig eingestellt.

Heute fand die abschließende Verhandlung im Fall der im Februar 2016 an der Kreuzung Bautzner-/Rothenburger Straße verunglückten Radfahrerin am Amtsgericht Dresden statt. Das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen den angeklagten Berufskraftfahrer Steffen K. wurde gegen die Auflage einer Zahlung vorläufig eingestellt.

Am 8. Februar 2016 war eine 26-jährige Frau an der Kreuzung von einem Betonmisch-Fahrzeug angefahren und schwer verletzt worden, die Frau verstarb kurze Zeit später im Krankenhaus.

Mithilfe der Aussagen von drei Augenzeugen und dem Gutachten eines Sachverständigen der Dekra wurde versucht, den Ablauf des Unfalls genau zu rekonstruieren. Der Angeklagte war offenbar vorschriftsmäßig bei grünem Lichtzeichen losgefahren und hatte die Radfahrerin, die sich neben ihm auf der Fahrbahn befand, hinter der Kreuzung erfasst.

Das Ghostrad wurde an der Unfallstelle aufgestellt.

Ein Ghostrad erinnert an der Kreuzung an den Unfall. Foto: Archiv 2016

Wie genau dies ablief, konnte auch mithilfe der Zeugenaussagen nicht bis ins Detail geklärt werden, da keiner von ihnen den tatsächlichen Hergang beobachtet hatte. Fest steht, dass Radfahrerin und Fahrzeug einer gleichförmigen Bewegung folgten und die Verengung der Straße maßgeblich zum Vorfall beitrugen. Der langjährig erfahrene Kraftfahrer fuhr nicht zu schnell und eine Änderung der Fahrtrichtung (Abdrängen) konnte nicht nachgewiesen werden.

Der Verteidiger Ulf Israel schlug vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Dem folgte Richter Ullrich Stein, auch die Staatsanwaltschaft stimmte zu.

Auflage: Zahlung von 1.500 Euro

Entsprechend der wirtschaftlichen Situation des Angeklagten einigten sich Verteidiger und Staatsanwaltschaft auf einen zu zahlenden Betrag in Höhe von 1.500 Euro, die dem Diakonischen Werk Freiberg e. V. zugute kommen sollen.

Beim Prozess anwesend war auch ein Freund der Familie des Opfers. Er gab in Vertretung der Eltern der verunglückten Anne G. eine Empfehlung zu Verwendung des Geldes ab. Die Eltern hatten nach seiner Aussage eine Teilnahme an der Verhandlung nicht über sich bringen können.

Der Angeklagte, der nach dem Unfall mehrere Monate seinen Beruf nicht ausüben konnte, stand während der Verhandlung unter hohem emotionalem Druck und brach mehrmals in Tränen aus. Er habe die Radfahrerin nicht gesehen, beteuerte er.

Er hat nun ein halbes Jahr Zeit, der Zahlungsverpflichtung nachzukommen, dann gilt das Verfahren auch offiziell als eingestellt.

Kreuzung umgebaut

In Folge des Verkehrsunfalls wurde die Kreuzung im Herbst 2016 umgebaut und die Engstelle entschäft (Neustadt-Geflüster vom 30. September 2016)

Geisterrad an der Kreuzung Rothenburger-/Bautzner Straße

Umgebaute Kreuzung mit Ghostrad – Foto: Archiv 2016

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19 Kommentare zu “Verfahren im Fall der verunglückten Radfahrerin eingestellt

  1. KK
    8. August 2017 at 22:11

    Der ADFC hat bereits vor dem Umbau der Kreuzung auf den Mangel hingewiesen und auch in dem Jahr vor dem Unfall mehrmals. Eine wesentliche Mitschuld am Tod der Frau hat ein absolut leichtsinniges Verwaltungshandeln der zuständigen Planungsabteilungen, namentlich des Leiters des Dresdner Straßen- und Tiefbauamts, Reinhard Koettnitz. Wieso hat die Staatsanwaltschaft gegen ihn keine Ermittlungen aufgenommen? Hier liegt meiner Meinung nach eine grobe Form der Fahrlässigkeit vor. Der ADFC hat auf seiner Webseite die Vorgeschichte der Kreuzung dokumentiert: http://adfc-dresden.de/index.php/neuigkeiten/2151-der-fall-bautzner-rothenburger

  2. Fidel
    9. August 2017 at 00:53

    Möge die Radfahrerin nun endlich in Frieden ruhen, nachdem sie von einigen Ideologen posthum ausgenutzt wurde.

  3. DieKreuzungWarSchuld
    9. August 2017 at 01:03

    Und?

    Schaut er demnächst in den Spiegel?

    „Ich habe sie nicht gesehen“ ist ja nicht gleich bedeutend mit „Ich *konnte* sie nicht sehen“

    Wurde die Situation mit dem gleichen Mischer mal vor Ort nachgestellt? Mal geguckt, wie das Sichtfeld denn so ist vom Fahrersitz aus?

    Leider wurde der Prozess zu schnell abgewürgt, bevor alles auf den Tisch kam.

    Ach ja, ich vergaß: „Die Kreuzung war ja schuld. Die war ja so dämlich gebaut.“

    1a-Verteidigungsarbeit bei einem schwachen Richter.

  4. bob
    9. August 2017 at 08:45

    DieKreuzungWarSchuld

    Ich empfinde die Frage, ob der Fahrer noch in den Spiegel schauen kann und er die Radfahrerin nicht doch irgendwie hätte sehen können in diesem Zusammenhang als zynisch und unangemessen. Ganz offensichtlich ist dem LKW Fahrer das wahrlich nicht egal.

    Diese junge Frau hat ihr Leben verloren. Das ist furchtbar tragisch.

    Allerdings passieren leider jeden Tag solche Unfälle. Wenn immer alle Beteiligten unter den jeweiligen Umständen alles richtig und perfekt gemacht hätten, würden Unfälle nicht passieren. Und dem LKW Fahrer entgegen der Meinung eines deutschen Gerichts und der Staatsanwaltschaft grobe Fahrlässigkeit zu unterstellen ist doch wohl ziemlich gewagt.

    Ich schliesse mich Fidel an, und hoffe, dass auch die Eltern jetzt endlich zur Ruhe kommen.

  5. Steffen Gräfe
    9. August 2017 at 09:50

    @DIEKREUZUNGWARSCHULD:
    Schon mal was vom toten Winkel gehört, Scheiße aber den gibts!

  6. Andreas
    9. August 2017 at 10:46

    Das Urteil (1500 EURO für ein Menschenleben) ermutigt jeden LKW-Fahrer zu größerer Rücksichtslosigkeit gegenüber Radfahrern.

    Man sollte in der Konsequenz Dresden für LKWs sperren.

  7. Stefan E.
    9. August 2017 at 11:49

    Es gibt eine Vielzahl von Varianten, wie es sich damals abgespielt haben kann und offenbar ist man nicht mehr in der Lage, eindeutig nachzuvollziehen, wie genau es war. Jetzt kann man jede Menge Theorien aufstellen (gern auch zur Unterstützung der eigenen Meinung), aber letztlich sind es dann doch nur Vermutungen. Also sollte man es dabei belassen, der Tod der jungen Frau ist tragisch und der LKW-Fahrer ist, unabhängig von seiner tatsächlichen (nicht mehr feststellbaren) Schuld, ganz bestimmt auch genug bestraft für sein weiteres Leben.

  8. 9. August 2017 at 14:56

    > Das Urteil (1500 EURO für ein Menschenleben) ermutigt jeden LKW-Fahrer zu größerer Rücksichtslosigkeit gegenüber Radfahrern.

    Man kann ja vieles behaupten – aber das ist schon nahe an Idiotie.

    Ich bin mir ziemlich sicher dass niemand absichtlich sowas herbei führt, auch wenn er noch so sehr über Radfahrer schimpft oder mies drauf ist.

    Rücksichtslosigkeit? Gefährdung? Beides jederzeit… es gibt genug Idioten und das sieht man offensichtlich jeden Tag.

    Aber jemanden absichtlich umzufahren? Frei nach dem Motto „Sind ja nur 1500€, bei 3000€ hätte ich vorsichtiger gehandelt!“? Das glaube ich nicht.

    Aber das ist sicher wieder die „Schärfere Strafen!“-Fraktion, die bei jedem Gerichtsurteil aus den Löchern kommt und ihre ewig-gleiche Forderung blöhken muss.

    Hingegen: die Stadtplaner, welche von der gefährlichen Kreuzung wussten und nichts dagegen getan haben – diesen eine Teilschuld zu geben eine noch so geringe Strafe aufzubrummen. Das fänd‘ ich mal sinnvoll.

    Es ist ja nicht so als wäre das ein einzelner, völlig überraschender Vorfall und in Dresden würde sonst nie ein Radfahrer geschädigt. Im Gegenteil, jedes Jahr passiert sowas und die Infrastruktur muss anders geplant werden um diese Fälle zu reduzieren. Das lohnt sich aber offensichtlich nicht (womit wir wieder bei monetären Entscheidungen waren, die man dann doch mit höhe der zu erwartenden Strafe beeinflussen kann)

  9. bob
    9. August 2017 at 15:19

    Lieber Dr. Azrael Tod,

    würdest du ab und zu mal BLOGS zu anderen Themen lesen, wüsstest du, dass ANDREAS auch anderweitig ziemlich skurrile Meinungen vertritt….Interessant auch der Vorschlag, Dresden für LKW zu sperren…..

  10. Ecki
    9. August 2017 at 17:58

    In meiner Arbeit habe ich gelegentlich mit Leuten zu tun, durch deren Zutun z.B. im Straßenverkehr jemand zu Tode gekommen ist. Denen geht es selber hinterher furchtbar. Manche kommen nie darüber hinweg.
    Das macht niemanden wieder lebendig – aber ich finde es geschmacklos, wenn dann hier dermaßen respektlos drauf los geschrieben wird. Und wer jemals so einen LKW gelenkt hat, weiß, wie schwierig das ist und welche Verantwortung daran hängt. Nicht umsonst braucht man dafür einen extra Führerschein.
    Also kommentiert hier bitte nur Sachen, von denen Ihr wirklich Ahnung habt. Danke!

  11. Marcus
    9. August 2017 at 19:47

    Ich habe selber einen schlimmen Unfall vor Jahren als Radfahrer gehabt.

    Ich habe durch Arbeitskollegen erfahren, wer der Autofahrer war, und wie es ihm ging.
    Ich denke, die Frage, die bleiben, wenn die Schuld nicht geklärt werden konnte (Mein Fall) oder das Wissen, jemanden mit einem Fahrzeug (Ohne Schuld vielleicht) umgebracht zu haben, wiegen schwer.
    Die meisten Menschen werden nach so einem Unfall nicht zur Tagesordnung übergehen.

    Ich bin froh, Dass ich nach Jahren und Traumata wieder bereit bin solche Sachen rational zu sehen und frei Fahrrad zu fahren.

    Leider sehe ich hier im Forum als auch im Straßenverkehr, dass es verhärtete Fronten gibt.

    „Witzig“ wird es dann, wenn es um das Versagen der Stadt geht, das die Parteien aufreibt.

    http://www.neustadt-ticker.de/56624/aktuell/nachrichten/radstreifen-und-tempo-30-am-bischofsplatz

    Also immer nett ans Gesetz halten und auf die Schwächeren aufpassen!

  12. bob
    9. August 2017 at 20:51

    Dieser Blog gewegt mich. Daher melde ich mich noch einmal. Ich musste vor ein paar Jahren in meinem persönlichen Umfeld erleben, wie nach einem Unfall zwischem einem einem PKW und einem Zweirad eine Bekannte vor Gericht zur Rechenschaft gezogen wurde, die objektiv betrachtet, diesen Unfall nicht verschuldet hatte. Das hat auch das Gericht so gesehen. Sie hatte sich nicht fehlverhalten. Fehlverhalten hat sich der Zweiradfahrer. Erwiesenermassen. Sie ist bestraft worden aufgrund der Tatsache, dass Sie der „stärkere“ Verkehrsteilnehmer war.

    IST DAS FAIR ?

  13. ein anderer Stefan
    9. August 2017 at 23:13

    @Anton: ich würde vorschlagen, zu diesem Thema keine weitere Kommentierung zuzulassen. Es ist alles gesagt, was zu sagen ist, und so ein tragischer Unglücksfall sollte nicht als Ausrede für Diskussionen dienen, die ganz andere Hintergründe haben.

  14. _
    10. August 2017 at 09:44

    Mal halb OT. Wer hat eigentlich diesen provisorischen Umbau der Kreuzung verbrochen? Ich hab es jetzt endlich mal geschafft da lang zu radeln und bin mir sicher, dass das Unfallrisiko nicht wirklich gesunken ist. Als Radfahrer muss man nun im sehr spitzen Winkel auf schräg abgeschliffene Granitplatten fahren. Etwas Regen oder gar Schnee drauf und man liegt unweigerlich. Es sei denn man fährt einen kleinen Bogen auf die Strasse (wo ja die LKW fahren) um den Auffahrwinkel zu vergrößern.

  15. Nichtfidel
    17. August 2017 at 11:16

    Stadtverwaltung hätte auf der Anklagebank sitzen müssen …

  16. Thomas
    18. August 2017 at 10:02

    @bob:

    Ja ich denke das ist es. Ein PKW wiegt mittlerweile um die 1.2 -1.8 Tonnen, ein Radfahrer ist sein Eigengewicht + 15-20kilogramm ist also pi mal daumen 15 mal leichter als ein Auto. Von einem LKW fange ich jetzt gar nicht erst an.
    Diese Gewichtsmasse und die Kraft eines Fahrzeuges machen es zu einem komfortablen Fortbewegungsmittel, aber gleichzeitig wird daraus eine Waffe wie leider sehr eindrucksvoll in Charlottesville zu sehen, 18 Menschen verletzt eine Frau getötet, weil ein verantwortungsloses rassistisches Arschloch in eine unschuldige Menschen Masse rein fährt und wieder raus fährt und das ganze in nicht mal 1er Minute.
    Mit dem Fahrrad wäre es ihm unmöglich gewesen so etwas zu tun.

    Nur weil es eben Gewohnheit ist sich schnell mit dem Auto von A nach B zu bewegen, wiegt die Verantwortung, die gerne durch Komfort vergessen wird, nicht weniger. Und ja es ist genauso fair, wie vor 20 Jahren und wenn es geändert werden würde, während Autos schwerer, unübersichtlicher und schneller werden, wäre es unfair.

  17. Franzl Lang
    18. August 2017 at 22:57

    Witzig, Thomas, dass du von Charlottesville redest, wo doch gerade Barcelona ein aktuelleres Beispiel gewesen wäre?

  18. mm
    19. August 2017 at 15:33

    Aber völlig unwitzig, statt dessen äußerst unpassend und krude, diese Vorfälle in den Zusammenhang mit nicht beabsichtigten Verkehrsunfällen zu bringen.

  19. JEns
    24. August 2017 at 15:19

    Die Gefahr die von LKWs im innerstädtischen Straßenverkehr ausgeht ist extrem groß. LKWs nehmen oft die gesamte Fahrspur ein ( das merkt man auch als PKW Fahrer) und haben somit viel zu wenig Platz um rücksichtsvoll Radfahrer zu überholen. Wer dann Ausversehen unter einen LKW kommt hat nur sehr geringe Überlebenschancen – denn da hilf auch kein Helm , wenn der Körper breit ist. Daher ist ein LKW Verbot – bzw. nur mit extremen Ausnahmen Sondergenehmigungen für Stadtverkehr unumgänglich. Doch neben den LKWs geht eine immer größere Gefahr von PKWs aus – im speziellen SUVs und weitere Formen gepimpter Sportkarossen. Die Fahrer derartiger PKWs sehen den Straßenraum zunehmend als Sportstrecke und überholen besonders gern Radfahrer, die schneller an der Kreuzung beschleunigen, oder aus ihrer Sicht im Weg rumstehen weil sie „nur“ 20-30 km/h fahren. Derartige Aktionen finden natürlich weniger in der Neustadt Stadt – sondern eher in Randbezirken und an viel befahrenen Straße mit schlechten ( oder gar keinen) Radwegen. Einzige Maßnahme dagegen – mehr Kontrollen von derartigen PKWs. Es sind die PKW Fahrer die Radfahrer potentiell gefährden und nicht die Radfahrer die PKW Fahrer gefährden ! Und das schreibe ich als PKWfahrer & Radfahrer

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