Jens Hoffsommer – Bündnis 90/Die Grünen

Jens Hoffsommer - Bündnis 90/Die Grünen

Jens Hoffsommer – Bündnis 90/Die Grünen

Heimspiel könnte man meinen. Die Grünen holen seit Jahren in der Neustadt sensationelle Wahlergebnisse, mit fünf Vertretern sitzen sie im Ortsbeirat. Lockenkopf Torsten Schulze und Stadtteilhaus-Chefin Ulla Wacker sind bekannt wie bunte Hunde. Doch ganz oben auf dem Wahlzettel steht Jens Hoffsommer. Der Sozialpädagoge hatte sich in der letzten Zeit rarer gemacht, familiärer Nachwuchs hatte etwas mehr Aufmerksamkeit gefordert. Seit 1995 lebt der gebürtige Franke in der Neustadt.

Seit 2004 ist er für die Grünen im Stadtrat, seine Schwerpunkte: Kinder-, Jugend- und Sozialpolitik sowie Erinnerungskultur und der Kampf gegen Rechtsextremismus. Ich treffe Hoffsommer im Café Neustadt, von hier hat er es fünf Minuten bis zur Arbeit und ebenso viele bis nach Hause und auf dem Weg kann er seine Tochter in der Kita abgeben. Diese Fußläufigkeit macht für ihn die Neustadt lebenswert und natürlich die vielen kleinen Geschäfte und die kulturelle Vielfalt.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es in der Neustadt immer wieder Raubüberfälle, was könnte man Ihrer Meinung nach tun?
Aus meiner Sicht haben wir kein Kriminalitätsproblem in der Neustadt. Dass es an Orten, an denen sich viele Menschen treffen, dass es da zu Kriminalität kommt, ist klar. Das Thema Sicherheit hat mit Gefühl zu tun. Für mich ist die Neustadt einer der Stadtteile in dem ich mich am sichersten fühle. Es gibt ein paar Ecken, an denen man was tun muss. Der Alaunpark zum Beispiel ist ein Konfliktpunkt, dass dort Jugendliche überfallen werden, dass dort Auseinandersetzungen zunehmen. Da muss man sich Gedanken machen, zum Beispiel den Hauptradweg am Spielplatz vorbei könnte man doch beleuchten.

Ordnung und Sauberkeit auf dem Alaunplatz, was ist Ihr Konzept?
Als Politiker könnte ich jetzt sagen, ich muss auch nochmal mit einem Müllbeutel durch den Park hopsen und Schokolade verteilen. Solche Aktionen sind gut und richtig, dass man die Leute drauf hinweist. Ich finde es auf der anderen Seite hervorragend, was der Ortsamtsleiter André Barth da mit dem Gewerbeverein an den Tag legt, mit der Aktion für mehr Mülleimer. Als Anwohner habe ich beobachtet, dass vor allem die kleinen Tonnen von den Jugendlichen benutzt wurden. Diese Rollkisten zum Mitnehmen haben für mehr Sauberkeit gesorgt.

Wie sollte Ihrer Meinung nach die Königsbrücker Straße ausgebaut werden?
Ich werde weiter für einen stadtteilverträglichen, bestandsnahen Ausbau der Königsbrücker Straße sein. Die jetzigen Pläne lehne ich ab. Diese ganze Köni-Geschichte ist eine Farce. Das sind weiterhin massive Eingriffe, der Straßenraum verdoppelt sich. Letztlich ist es ein vierspuriger Ausbau, der da passiert, in dem an vielen Stellen auch noch die Straßenbahn zurückgedrängt wird. Dagegen werden wir alle möglichen Maßnahmen ergreifen.
Ich hätte gern ein Gleisbett für Bahn, möglichst weitestgehend eigenständig. Rechts und links eine Spur für die Autos, ein breiter Radweg, dass ist mein Bild. Ich befürchte, dass die aktuelle Variante im Planfeststellungsverfahren wieder keinen Bestand haben wird und das Drama wird von vorne losgehen.

An der Leipziger Straße soll ein Kaufhaus gebaut werden, wie ist Ihre Meinung dazu?
Dagegen spricht zum Beispiel das Verkehrsgutachten, das ist kein Nahversorger, das ist keine Kleineinheit. Das ist ein Markt in der Größe von zehn Aldi-Filialen in etwa. Das sind alles Aspekte, bei denen ich dann sage: Wozu brauchen wir an dieser Stelle ein so riesig dimensioniertes Einkaufszentrum? Das Gutachten aus der Verwaltung, das Verkehrsgutachten, das Zentrenkonzept – alle sagen, dass ist kein kluger Bau, das ist keine kluge Planung. Dennoch gab es dafür eine gewisse politische Lobby, um das durchzubekommen. Das hat was mit Verbindungen zu tun, mit einem Architekten, der einst CDU-Stadtrat war. Wenn das kommt, brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir dann in der Inneren Neustadt Probleme bekommen, zum Beispiel bei der Markthalle.

Mietentwicklung in der Dresdner Neustadt, sollte man die bremsen oder dem freien Markt überlassen?
Ich befürchte, dass wir für die Neustadt wenig Instrumente haben werden. In der Neustadt ist zu beobachten, dass die gesunde Durchmischung schon verloren geht. Wenn die Wohnungen leer gezogen werden, wird die Miete erhöht. Das Dilemma ist, hier in der Neustadt sind uns mit dem Woba-Verkauf fast alle Wohnungen abhanden gekommen. Da hat man wenige Möglichkeiten, die Mietgrenzen im Griff zu halten. Es sind die Mietpreisbindungen ausgelaufen, das ist durch. Da gibt es auf Bundesebene Instrumente, die diskutiert werden. Die Frage ist, ob man Mietsteigerungsgrenzen einführt. Das kann aber der Stadtrat nicht beschließen. Stadtweit können wir versuchen, wieder städtisches Wohneigentum zu schaffen. Dafür haben wir einen runden Tisch mit den Wohnungsgenossenschaften vorgeschlagen. Bei den wenigen Flächen, die der Stadt in der Neustadt noch gehören, sollte man sich ganz genau überlegen, was man da tut.

    Herr Hoffsommer, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch fand im Café Neustadt statt.

Das Gespräch fand im Café Neustadt statt.

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21 Kommentare zu “Jens Hoffsommer – Bündnis 90/Die Grünen

  1. Sigrun
    21. Mai 2014 at 08:15

    „Aus meiner Sicht haben wir kein Kriminalitätsproblem in der Neustadt.“ Herr Hoffsommer lesen Sie keine Zeitung?

    Allein hier auf neustadt-ticker.de sind genügend Beweise das die Neustadt damit ein Problem hat:

    -Handy-Raub und Wohnungseinbruch 12.05.
    -Betrunkene Frauen treten Polizisten 06.05.
    -Raub, Diebstahl und Brand 22.04.
    -Zwei Raubüberfälle am Sonnabend 07.04.
    -Einbrüche in Büros und Lagerhalle 17.04.
    (Dies ist nur ein Auszug und die ganzen Sachbeschädigungen an Gebäuden und Autos werden ja schon garnicht mehr gemeldet)

    Selbst Sie als Grüne waren dagegen das die Polizeiwache Neustadt (BautznerStr. auf die Stauffenbergallee zieht um die Sicherheit zu gewährleisten)

    Aber so kennen wir die Grünen heute hü und morgen zum selben Thema hot.Vielleicht sollten Sie ja nach Franken zurückkehren wir brauchen keine Wessi die uns die Stadt kaputtregeieren.

  2. Kaiser
    21. Mai 2014 at 08:48

    @Sigrun
    „Wessi“/“Ossi“, in was für Kategorien denkst Du denn? Mauer im Kopf?
    (Sagt einer, der sich von Deinem Kommentar nicht persönlich angegriffen fühlen kann, da gelernter DDR-Bürger.)

  3. Booby
    21. Mai 2014 at 08:49

    Ehrlich jetzt? 2014 und immer noch die Ost-West-Schranke im Kopf?

  4. Sigrun
    21. Mai 2014 at 09:29

    @Kaiser und Booby
    kommt mal in die Realität zurück!1. In Dresden sitzen viele Westdeutsche in Führungsebenen die im Westen keine Chancen mehr hatten und denken Sie können hier groß Karriere machen.
    2.Westdeutsche Unternehmen kaufen zu 90% keine in Ostdeutschland hergestellten Waren (zb. Möbel …) also besteht ja auch bei den Westdeutschen noch die Mauer!

  5. _
    21. Mai 2014 at 09:33

    @Sigrun: Bitte zurück an den Frühstückstisch und ’nen Liter Mokka eintrichtern. Vielleicht wirst du dann mal wach und merkst dass diese Ost-West Kacke ein Relikt aus dem letzen Jahrtausend ist.

    Wie im Interview schon erwähnt ist die Kriminalitätsrate in der Neustadt eben nur eine gefühlte. Wenn Anton nicht regelmäßig den Polizeibericht zitieren würde, dann hättest du deinen Kommentar wahrscheinlich nicht geschrieben.

    Mir ist ein sog. (nach deinen Worten) Wessi jedenfalls lieber als die Amigos, die derzeit im Rathaus das sagen haben.

  6. E-Haller
    21. Mai 2014 at 09:49

    Hä? „Ich werde…für einen…bestandsnahen Ausbau der Königsbrücker Straße sein.“ „der Straßenraum verdoppelt sich“ „Ich hätte gern ein Gleisbett für Bahn, möglichst weitestgehend eigenständig. Rechts und links eine Spur für die Autos, ein breiter Radweg“

    Vielleicht rechnet er mal zusammen, was bei seinem Wunsch für eine Breite rauskommt? Wenn alles regelgerecht gebaut wird, dann dürfte es auch eine Verdopplung sein…

    Das stört mich inzwischen an der ganzen Köni-Diskussion: es gibt nur Rufe nach „Bestandsnah“ und „Verträglich“ – aber noch keine echte, tragfähige Alternative. Allein die Radstreifen „fressen“ schonmal 4m – und auf die will doch niemand wirklich verzichten?

  7. Booby
    21. Mai 2014 at 09:58

    @Sigrun: Ich sitze weder in einer Führungsebene, noch hatte ich im Westen keine Chance, sondern frühzeitig die Gelegenheit ergriffen den Osten der wiedervereinten Republik kennenzulernen, rückblickend die beste Entscheidung meines Lebens.
    Aber hier gilt wohl wie so oft das Pispers-Zitat: „Wenn man weiß wer der Böse ist hat der Tag Struktur!“

  8. Meister Proper
    21. Mai 2014 at 10:12

    @Sigrun: Und sonst so?

  9. manacerace
    21. Mai 2014 at 10:41

    @Sigrun: Mauern in den Köpfen sind so 80er.

    Und zur Köni: Ich kann dieses Hin und Her auch nicht mehr hören. Immer dieser „bestandsnahe“ Ausbau. Das scheint die Bezeichnung für die Mogelpackung zu sein. Wäre doch sehr für einen Ausbau im Bestand. Also so, wie sie jetzt ist, nur mit einer ordentlichen Asphaltdecke, ect. Ich als Radfahrer, der täglich in Dresden ist, bin kein Fan von Radstreifen. Ich fahre lieber im Verkehr mit. Dann rast wenigstens keiner mit 50 und mehr kmh an mir vorbei, während ich noch Angst vor einer sich öffenen Autotür haben muss. Ein Ausweichen ist dann fast unmöglich.

  10. ein anderer Stefan
    21. Mai 2014 at 10:51

    Da ist Sigrun doch in bester Gesellschaft. Ich bin „Wessi“ und Neu-Dresdner seit ein paar Jahren, und ich habe von einer Kollegin hier den Spruch abgekriegt, ich wäre ja gar nicht so arrogant wie ein typischer Wessi – anno 2011.

  11. Stefaaan
    21. Mai 2014 at 12:19

    @ E-Haller:

    Stimmt, habe mich auch gefragt, wo da jetzt in der Breite der große Unterschied zur zuletzt beschlossenen Variante 7 herkommen soll. Ich glaube mich zu erinnern, dass die Grünen so ca. zwischen Katharinenstr. und Bischofsweg Straßenbahn und MIV auf einer gemeinsamen Spur abwickeln wollen. Dafür soll die Straßenbahn dann auf den restlichen Abschnitten ein eigenes Gleisbett bekommen. Eine wirklich schmalere Variante würde es nach den Vorstellungen der Grünen also auch nur in dem erwähnten Abschnitt geben.

  12. _
    21. Mai 2014 at 13:24

    Ich frag mich eh schon die ganze Zeit warum man die Straba zwischen Louisenstrasse und Bischofsweg nicht einfach einspurig macht. Verschiebt man die Haltestelle Louisenstrasse komplett nach Süden und Bischofsweg komplett nach Norden, ist das STück dann 400m Lang. Da sollten die 2:30Min im Berufsverkehr ausreichend sein.

  13. 21. Mai 2014 at 13:43

    Hi,

    kommt denn noch ein Interview mit der Partei Die PARTEI?

  14. 21. Mai 2014 at 14:04

    @TeaTime: Ist für Freitag geplant.

  15. anni
    21. Mai 2014 at 17:41

    zumindest habe ich Jens Hoffsommer auch in der Straßenbahn mit seinem Kind fahren sehen— ist also demnach kein abgehobener Politiker. :D

  16. Lampenschirm
    21. Mai 2014 at 17:47

    Na Sigrun, immer noch Jammerossi? Fühlen wir uns von den ach so pöhsen Wessis okkupiert, ausgebeutet, annektiert und zurückgesetzt? Auch von denen die schon 20 Jahre hier sind wie der Herr Hoffsommer? Klar alles zugereiste Besatzer, die due macht an sich gerissen haben und uns nun knechten….
    Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.
    Sagt ein Ossi
    (wahrscheinlich vom westlichen System schon geistig unterwandert, spießig und selbstgefällig)

  17. anni
    21. Mai 2014 at 19:15

    zum Wohnungsmarkt: da sollte die wenigen Grundstücke/Flächen nicht mehr billig von der Stadt verkauft werden!

    Köni: es würde bestimmt ein Fahrradweg auf der Seite Schauburg-Post ausreichen wozu unbedingt auf beiden Seiten. Auf der Geschäfts-Ladenseite würde ich nicht unbedingt einen breiten Radweg planen- es ist da besser und angenehmer einen extra breiten Fußweg zu lassen-wie jetzt vorhanden. es reicht schon, wenn man gemütlich als Fußgänger da entlang geht, dass da die Autos vorbeidröhnen—- dann noch extra rasende Radfahrer an den Geschäften und Cafes und Bistros? das ist dann nur noch ein einziges Gerase!!! :-(

  18. E-Haller
    21. Mai 2014 at 23:27

    @ anni: Also,

    1. ein Radweg auf nur einer Seite ist gefährlich, da an den Einmündungen dann Radler aus beiden Richtung kommen und von abbiegenden Autos beachtet werden müssen.

    2. Sind auch Radler Kunden. Deshalb sollten sie Geschäfte auch erreichen können.

    3. Müssten die Radler mehrfach die Straßenseite wechseln: einmal am Albertplatz auf die linke Seite, dann z.B. an der Schauburg wieder auf die rechte. Jedesmal mit Wartezeit an den Ampeln verbunden. Das schafft ein Großteil der Radler ja z.B. auch nicht zwischen Neustädter und Albertplatz. Ergebnis: die meisten werden wieder auf dem Gehweg fahren.

    und, trörö:

    4. Sind Radstreifen geplant, d.h. es findet kein „Gerase“ vor Geschäften und Cafes auf dem Gehweg oben statt (Falschfahrer ausgenommen), sondern schön unten auf der Fahrbahn – baulich getrennt vom Fußgänger.

  19. anni
    22. Mai 2014 at 21:06

    ja da hast du Recht. ich dachte nur: die Radfahrer sollen dort nicht auch noch so schnell langrasen am engeren Fußweg—– ich dachte: lieber der breite Fußweg bleibt- mit ein paar langsamen Radfahrern—– ist so irgendwie angenehmer.

  20. Stefaaan
    23. Mai 2014 at 09:41

    @ anni: Auf der Geschäftsladenseite wird der Fußweg bei der zuletzt beschlossenen Variante 7 seine jetzige Breite behalten! Und der Radstreifen kommt extra noch dazu! Dafür rückt die ganze Straße halt auf die – stadtauswärts gesehen – linke Seite, wo die Fußwege dann auch keine 4 oder 5 m breit sein werden, wo sich aber eben auch nur wenige Geschäfte befinden.

  21. Dirk
    23. Mai 2014 at 09:46

    Immerhin gibt es eine klare Antwort zu den Raubüberfällen, wenn auch meiner Meinung nach nicht ausreichend, wäre es ein Anfang.

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