Weichenstellen am Alten Leipziger Bahnhof

Luftbild vom Gelände - Foto: 2013, Allianz für Dresden, Dietrich Flechtner
Luftbild vom Gelände – Foto: 2013, Allianz für Dresden, Dietrich Flechtner
Von einer „Weichenstellung für Wohnungsbau“ schreibt der Grünen-Pressesprecher. Na, Weichen werden dort wohl nicht mehr gestellt, aber eine Richtungsentscheidung könnte es doch sein, was Linken-Fraktionschef André Schollbach heute mitteilte.

Seine Stadtratfraktion will am Alten Leipziger Bahnhof einen Standort mit einer hohen Zahl an preisgünstigen, familienfreundlichen und behindertengerechten Wohnungen entwickeln. Einen entsprechenden Antrag präsentierte Schollbach heute auf einer Pressekonferenz. Außerdem wird Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) aufgefordert, „unverzüglich, spätestens jedoch bis zum 15. August“ über den Stand der Suche nach einem alternativen Standort für den Globus SB-Markt zu informieren.

André Schollbach - Fraktionsvorsitzender Die Linke
André Schollbach – Fraktionsvorsitzender Die Linke – Foto: Archiv
Überrascht von diesem Vorstoß zeigten sich SPD und Grüne. Bisher habe die Linke-Fraktion gemeinsam mit CDU und FDP verhindert, dass Globus auf einen anderen Standort umgelenkt wird, erklärte Thomas Löser, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat: „Das Thema Globus am Leipziger Bahnhof begleitet mich nun, seit ich im Stadtrat bin, also seit neun Jahren.“ Seit dieser Zeit setzen sich die Grünen in der Fraktion und in den Ortsbeiräten Pieschen und Neustadt dafür ein, dass dort ein neues Stadtgebiet mit Wohnungen und Flächen für Kreative und Kleingewerbe entstehen kann.

Auch SPD-Fraktionschefin Dana Frohwieser begrüßte die Entscheidung der Linken. „Ich freue mich außerordentlich, dass unsere Partner von der Linken jetzt zur Vernunft gekommen sind und sich unserer gemeinsamen Forderung aus der Kooperationsvereinbarung nach Bebauung mit Wohnungen, Kleingewerbe, öffentlichen Flächen, Grün, Sport etc. auf dem Areal in der Leipziger Vorstadt nicht länger in den Weg stellen“, sagte sie. Warum sie nun „nicht einfach gemeinsam mit uns den vorliegenden Masterplan verabschieden, der genau das ermöglicht, wird ihr Geheimnis bleiben“, zeigte sie dagegen wenig Verständnis für den Alleingang, in dem die Linke-Fraktion den Antrag eingebracht hat.

Löser stimmte zu und bezeichnete das Vorgehen der Linken „als schwierig“. Er freut sich dennoch, dass die Fraktion Die Linke jetzt ebenfalls der Meinung sei, dass es besser wäre, Globus an einer anderen Stelle in der Stadt anzusiedeln. „Umso mehr hoffen wir jetzt, dass wir schnell zu Entscheidungen kommen und beispielsweise den Masterplan zur Leipziger Vorstadt ohne Globusmarkt beschließen können“, so Löser.


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Die Globus-Holding hat ein Büro auf ihrem Gelände am Alten Leipziger Bahnhof. Foto: W. Schenk
Die Globus-Holding hat ein Büro auf ihrem Gelände am Alten Leipziger Bahnhof. Foto: W. Schenk
Ein kurzer Blick zurück erklärt die Verwunderung in den Reihen von Grünen und SPD auf. Als der Stadtrat am 6. März 2014 den Aufstellungsbeschluss für Globus mit 32 zu 30 Stimmen verabschiedete, hatten fünf Stadträte der Linken dies mit ihrer Stimmenthaltung erst möglich gemacht. Grüne und SPD hatten schon damals für Wohnungen und mehr Grün am Alten Leipziger Bahnhof geworben. Seit es nach der Kommunalwahl im Mai 2014 eine Mehrheit von Linke, SPD und Grünen im Stadtrat gibt, versuchen die drei Partner den Konflikt zu lösen.

Informationen über den aktuellen Stand der Suche nach einem alternativen Globus-Standort sind rar. Bekannt ist nur, dass drei Standorte in der engeren Auswahl sind. Einer davon soll sich in Klotzsche am Standort des Globus-Baumarktes befinden. „Ich bin optimistisch, dass ein alternativer Standort gefunden wird“, sagte Schollbach heute.

Der Artikel ist mit Unterstützung von Winfried Schenk von www.pieschen-aktuell.de entstanden.

Der Alte Leipziger Bahnhof, zur Zeit mit einem Schutzdach gesichert.
Der Alte Leipziger Bahnhof, zur Zeit mit einem Schutzdach gesichert.

9 Kommentare zu “Weichenstellen am Alten Leipziger Bahnhof

  1. Alles nur Wahlkampfgetöse.
    Die neue Woba bekommt bis zur Stadtratwahl keine fertige Wohnung hin,
    da muss eben viel Zukunftslärm gemacht werden.
    Ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Grundstück nicht der Stadt
    gehört.
    Und ob Anwohner an anderen Standorten Globus haben wollen,
    ist mehr als fraglich.

  2. @Lärmer volle Zustimmung! Da helfen auch keine Artikel im Propagandamedien wie pieschen-aktuell und Neustadt-Ticker. Die Stadt plant wieder auf fremden Grundstücken ihren RotRotGrünen spinnereien die dann der Steuerzahler ausbaden darf.

  3. Nach einem Vierteljahrhundert CDU-Spinnereien sponsore ich mit meinen Steuern gern mal das Konkurrenzprodukt. Warum soll man im Vorfeld schon einen neuen Gestaltungsversuch verteufeln, wenn seit Jahrzehnten kein vernünftiger Plan besteht?

  4. Mein Favorit wäre der riesige Marktkauf im Seidnitz-Center gewesen, optimal gelegen, aber nach Abzug von Marktkauf kam auch dort Platzhisch Kaufland rein. Am Besten wäre, einen Bestandsmarkt zu ergreifen, wo ein Wechsel ansteht. Im Kaufpark-Nickern sollte doch der Bau&Gartenmarkt oder so zumachen. Dort wäre auch Raum für ein Riesenparkhaus. Denkbar wäre auch eine Teilung in zwei oder drei kleine Globusse.
    Eine der 3 geheimen Alternativflächen ist anscheinend neben dem Globus-Baumarkt in Rähnitz an der A4. Wäre auch denkbar, es geht ja um regionale Reichweite eines Globusstandorts. Die Anwohner da oben sind unterschiedlicher Meinung. Während Hase, Reiher, Fuchs und Meise noch skeptisch sind, argumentiert mein Kumpel Karl, Karl der (Birnenpracht)Käfer, welcher zuletzt noch auf der Hechtstraße bei Frau Fisch wohnte, damit, daß das Resteangebot der Globusmülltonnen doch von besonderer Qualität sei und es mal etwas anderes wäre. Das überzeugte letztlich auch Herrn Reh, Storch Rainer und Ilse Igel vom Ortswiesenrat zur Zustimmung. Der Rähnitzer Ortsamtsleiter Windrich Wurmdobler wird die Anwohnerposition durch kräftiges Bohren bei Globus vorbringen.

  5. Ist natürlich auch politisches (Wahlkampf-)getöse, aber einen 10.000 m² Supermarkt mit 1000 Parkplätzen inkl. entsprechendem Verkehrsaufkommen an dieser Stelle finde ich wenig optimal, einerlei wer es propagiert.

    Planen auf fremden Grundstücken? Ja natürlich, nennt sich kommunale Planungshoheit. Es ist eine ureigene Aufgabe der Kommune, Planungen zu erstellen, die sich naturgemäß auch auf fremde Grundstücke bezieht, um zu einer geordneten und (hoffentlich) einigermaßen vorteilhaften Entwicklung der Stadt zu kommen. Wenn das anders wäre, könnten die Investoren noch mehr machen was sie wollen. Das wird dann nicht besser werden – außer für die Investoren.

  6. @nepumuk:
    wo isn im seidnitz-center en kaufland? o.O
    bis jetz hab ich ausser rentnern nur rewe & aldi entdeckt, haben beide mit kaufland nix am hut.
    a propos:
    gehört das kachelfabrikgelände nich kaufland? gibts da zukünftige planungen, in welcher richtung auch immer?

  7. Was ist denn eigentlich aus dem Kaufland geworden, was ein paar Meter weiter auf der anderen Brache entstehen sollte?

  8. nepumuk meinst du den Kaufpark? Dort ist Kaufland ja, im Seidnitz Center wurde aus dem Marktkauf ein Aldi und Rewe. Vorallem den Rewe wird SEHR gut angenommen.

  9. Ich war seit Auszug von Marktkauf nicht mehr dort, dann waren es wohl nur Gerüchte mit Kaufland in Seidnitz. Ist also jetzt Rewe und Aldi drin – und genau das hätte eben auch Globus sein können, wenn… ja wenn. Man hatte sich damals noch gar nicht drum geschert, also ist es wurscht. Kaufpark nennt sich das Center in Nickern, wo auch hin und wieder umstrukturiert wurde. Ich gehe davon aus, daß man die Optionen im Bestand mitprüft. Globus machte das bisher nicht, alte Hallen selbst zu nutzen ist ja nicht so optimal, aber notfalls ginge es über Abriß und Neubau. Warum nicht den Praktiker-Heidenau? Liegt verkehrsmäßig optimal zwischen Pirna und DD. Da braust viel lang. Da hinten wäre auch Platz im interkomm. Gewerbegebiet Sporbitz-Heidenau. Vielleicht kann man dem Baumarktfritzen, welcher schon seit Jahren an Hamburger Str./Flügelweg bauen möchte, diese große Brachfläche abkaufen? Bisher wurde da ja nichts, jetzt wird mal wieder der B-Plan geändert. Dort gäbe es auch kaum Anwohner, außer Frosch, Lurch, Drossel, Hörnchen und Reichsbahn-Schotter-Assel. Nichts gegen Asseln! Also wenn alle Stränge scheitern, dann bitte da oben in Rähnitz anbauen, das ist sehr gut zumutbar, ausreichend lukrativ gelegen.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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