St. Pauli Ruine: „Sommer der Leidenschaft“

Das Motto „Sommer der Leidenschaft“ wird für den Verein TheaterRuine St. Pauli zu einem wortwörtlichen Unterfangen. Trotz einer finanziellen Lücke von rund 20 000 Euro versucht der Verein nach vorn zu blicken und sein Programm in gewohnter Manier zu füllen. Ein Ausblick auf einen leicht bewölkten Theatersommer im Hause St. Pauli.

Seit der Überdachung des Gewölbes 2011 zeigt die Statistik steigende Besucherzahlen.

Seit der Überdachung des Gewölbes 2011 zeigt die Statistik steil ansteigende Besucherzahlen.

Der Wegfall eines Drittels der gewohnten Fördersumme, der vergangenen November bekannt wurde, war für Jörg Berger und die 92 Mitglieder des TheaterRuine St. Pauli e.V. ein Schock. „Wir sind kein Laientheater“, sagt Jörg Berger „sondern Objektbetreuer.“ Zu den jährlich ca. 150 Veranstaltungen im Theater kämen 450 weitere im soziokulturellen Zentrum St. Pauli Salon. Die Stadt hatte eine neue künstlerische Profilierung und ein Gesamtkonzept für die Spielstätte gefordert. Das Konzept mit einem Umfang von 50 Seiten liege bereits vor, erklärte Berger beim gestrigen Pressefrühstück.

Die Kürzungen überschatten das aktuelle Programm. Beispielsweise müsse man diesen Sommer auf teure Gastspiele verzichten und das geplante Musical „Into the woods“ wird nicht umgesetzt. Die Anzahl der Workshops des St. Pauli Salons werden reduziert und Ausstellungen werden entfallen. Die Hoffnung liegt noch bei dem eingelegten Widerspruch gegen die Kürzungen, auf dessen Erfolg Jörg Berger aber nicht setzt.

Es ist geplant, sich um die kommunale Förderung einzelner kleiner Projekte zu bemühen. Die Besetzung einer halben Verwaltungsstelle soll bei der Öffentlichkeitsarbeit entlasten. Vom Oberbürgermeister ging eine Spende über 1000 Euro ein. „Wenn wir es schaffen, weitere Förderungen einzutreiben, ist es rein rechnerisch zu schaffen“, sagt Berger. „Wir sehen das als Überbrückungsjahr. Sollte es bei der gekürzten Fördersumme bleiben, müssen wir nächstes Jahr gravierende Konsequenzen ziehen.“

Der Raum der St. Pauli Ruine eignet sich akustisch besonders für den Genuss von Chorkonzerten

Der Raum der St. Pauli Ruine eignet sich akustisch besonders für den Genuss von Chorkonzerten

Der Spielbetrieb des Theaters gewährleiste den Betrieb des St. Pauli Salons mit monatlich 8000 Euro. Dies sei mit einem gekürzten Fördersatz nicht möglich. „Der Verzicht auf den Salon wäre durch die bestehenden Synergien und die Stadtteilarbeit undenkbar“, sagt Berger. Als Neuerung für dieses Jahr ist das im Hechtviertel oft angefragte Kiez-Theaterprojekt für Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 22 Jahren geplant, das in drei Phasen stattfinden soll.

Der erste widmet sich dem Kennenlernen und Selbst-Erfahren von Theater, der zweite der Frage „Was ist Theater?“ mit dem Vorstellen einzelner Sparten und dem Besuch von Stücken. Der dritte Block wird die eigenständige Entwicklung eines Stückes sein, um das erworbene Wissen anzuwenden. Ob das Projekt stattfinden kann, hängt vom Ausgang des Dresdner Entencups am Stadtfestsonntag ab. Die Finanzierung eines Internationalen Sommertheaterfestivals könnte durch die Stattgabe von Fördermitteln aus dem Kulturhauptstadtbüro gelingen.

Wie jedes Jahr gehen in dieser Saison zwei Neuinszenierungen an den Start: „Der Bürger als Edelmann“ von Molière und Aristophanes‘ „Lysistrata“. Ein Stück über die Frauen der kriegsführenden Männer zur Zeit des peloponnesischen Krieges, die die Akropolis besetzen und sich ihren Männern verweigern, bis diese das Schwert niederlegen.  Zum Theaterfest am  27. April werden die laufenden Stücke in Szenen vorgestellt.

"Die Ukrainiens" eröffnen die Saison in der St. Pauli Ruine mit mitreißendem Speedfolk

„Die Ukrainiens“ eröffnen die Saison in der St. Pauli Ruine mit mitreißendem Speedfolk

Am 20. April eröffnet das Sommertheater St. Pauli Ruine seine Spielzeit  mit Eastern Speedfolk. Dank des neuen gläsernen Schallschutzdaches werden „Die Ukrainiens“ beim Publikum für zuckende Tanzbeine und bei den anliegenden Nachbarn für ungestörte Nachtruhe sorgen. Weitere musikalische Highlights bis Juni sind die Auftritte der „Gospel Passengers“ und das Doppelkonzert des Limestone College Chorus „At the River“ gemeinsam mit dem Neuen Chor Dresden.

Nächstes Jahr begeht der Verein TheaterRuine St. Pauli seinen zwanzigsten Geburtstag. Es wird hoffentlich eine Feier mit einem rosigen Ausblick nach vorn.

Hier geht es zur Onlinepetition „Rettet St. Pauli!“

TheaterRuine St. Pauli e.V.

  • Theater St. Pauli Ruine: Königsbrücker Platz, 01097 Dresden
  • Adresse Büro: Hechtstraße 32, 01097 Dresden
  • www.pauliruine.de
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