Zum Lachen in den Keller gehen

Die sächsische Landeshauptstadt wurde am vergangenen Mittwoch von einer Invasion Comedians heimgesucht. Fünf Humor-Künstler tourten durch fünf Kneipen. Das ganze Spektakel nennt sich „Komische Nacht“ und ist in vielen anderen Städten längst etabliert. Nun gab es in drei Neustädter Lokalen und zweien auf der anderen Elbseite die Premiere.

Das Konzept ist einfach. Das Publikum kann es sich in einer Kneipe gemütlich machen und die Komiker pendeln zwischen den einzelnen Lokalitäten. Das ist mir zu einfach. Ich starte im „Alten Wettbüro“ mit einer Ulknudel namens Erasmus Stein. Der hat sich nicht nur in einen schmucken Anzug geworfen sondern hat auch gleich ein Seil dabei. Na, wenn das nicht fesselnd wird.

Erasmus Stein in Wenzels Prager Bierstuben - Foto: Max Patzig

Erasmus Stein in Wenzels Prager Bierstuben – Foto: Max Patzig

Ich schau mich um, neugierige Gesichter, leicht nach oben gezogene Mundwinkel. Das Publikum ist zum Lachen bereit. Und da springt auch schon der erste Witz von der Bühne. Erasmus hat die Lacher auf Kosten seiner eingeschränkten Körperhöhe auf seiner Seite.

Geschickt spielt er mit dem zweigeteilten Raum. Die Zauber-Tricks mit dem doppelten Seil gehen flüssig von der Hand. Als krönenden Höhepunkt bittet er eine attraktive Anita aus dem Publikum auf die Bühne, die ihn in eine Zwangsjacke einpackt – aus der er sich dann fast wie der große Houdini herauspellt.

Erasmus in der Zwangsjacke im alten Wettbüro

Erasmus in der Zwangsjacke im alten Wettbüro

Die Mischung aus Magie und Komik kommt an. Das Publikum lässt sich zu Schmunzlern und Prustern hinreißen. Am Ende schaut Erasmus stolz in die Runde, er muss nun weiter zur „Lila Soße“, ich eile hingegen zu den Prager Bierstuben auf die Königsstraße.

An der Dreikönigskirche bimmelt es gerade zur achten Nachmittagsstunde. Ich flaniere vorbei an geschlossenen Läden und gut besuchten Lokalen. Im Wenzels hat Stefan Danziger schon aufgebaut. Das Publikum ist willig und gibt ihm einen warmen Vorschuss-Applaus. Seine Berlin-Storys kommen gut an und spätestens als er von seiner Flucht von Reick nach Moskau berichtet, ist das Eis gebrochen und der Saal ist begeistert.


Ich eile weiter in den Kunsthof, weil ich auf der Alaunstraße ein bisschen getrödelt habe, komme ich etwas zu spät, finde aber noch ein Plätzchen in der hintersten Ecke des „Lila-Soße-Kellers“. Hier sind also die, die zum Lachen in den Keller gehen.

Vorn auf der Bühne berichtet Benni Stark von Konsum-Erlebnissen und der nicht immer einfachen Beziehung zwischen Verkäufern und Kunden. Seine Stimme klingt schon ziemlich mitgenommen, als hätte er ein Reibeisen im Hals stecken. Dabei ist das erst die dritte Show. Die Kellergäste sind reserviert. Benni schafft es aber doch, den einen oder anderen Lacher rauszukitzeln.

Cloozy im Keller der "Lila Soße" - Foto: Max Patzig

Cloozy im Keller der „Lila Soße“ – Foto: Max Patzig

Ich bleib erstmal sitzen, denn nun kommt die einzige komische Dame des Abends – Cloozy. Ihr Scherze über blickdichte Blusen und Bürogeschichten ziehen beim Publikum hier gar nicht. Später erfahre ich, dass sie in den anderen Lokalen größere Lacher geerntet hat, aber hier im Lach-Keller. Naja, tapfer hält sie durch.

Einer der Tourbegleiter wird mir später erzählen, dass dieses Format für Komiker das wohl schwierigste ist. Denn erstens ist die Gruppe stets ziemlich klein. Es waren immer so zwischen 20 und 50 Gäste.

Bei großen Shows gibt es immer welche, die lachen, prusten oder klatschen – das reißt die anderen dann mit. Nicht so bei dem Kleinformat.

Außerdem tritt jeder Künstler fünfmal vor ein anderes Publikum. Der Gag, der eben noch funktionierte, klappt im nächsten Laden vielleicht gar nicht. Cloozy hat sich gerettet, als sie sich spontan entschied, lieber mit dem Fotografen zu flirten, statt starr im blickdichten Büro-Programm zu bleiben. Das Publikum verabschiedete sie mit einem warmen Applaus.

Stefan Danziger im Alten Wettbüro - Foto: Max Patzig

Stefan Danziger im Alten Wettbüro – Foto: Max Patzig

Ich eile zur letzten Station. Nochmal ins Wettbüro. Stefan Danziger hab ich zwar schon gesehen, aber vielleicht ist es ja diesmal anders.

Tatsächlich. Denn erstens sitzt bei mir am Tisch ein sehr lachfreudiger Mann mit kräftiger Stimme und zweitens höre ich den Comedian hier viel besser. Gags, die mir beim ersten Auftritt entgangen sind, werden jetzt verständlich und auch mir treibt er mehrfache Schmunzler ins Gesicht.

Der Veranstalter war mit der Auftaktveranstaltung zufrieden und berichtet, dass die Besucher jenseits der Elbe wohl mehr gelacht hätten. Die komische Nacht soll auf jeden Fall wiederholt werden. Ich jedenfalls ziehe meinen Hut vor der Leistung der Entertainer und sag mal laut und deutlich danke.

Komiker vs. Comedian

Vor Jahren hatte ich mal die Gelegenheit die Begriffe zu ergründen. Ein Weiser der Branche, Jürgen von der Lippe, sagte mir: „Ein Komiker erzählt komische Geschichten, während ein Comedian komisch Geschichten erzählt“. Keiner der Künstler am Mittwochabend passte meiner Meinung nach in eine von beiden Kategorien.

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