Von einer gesperrten Straße und einem Einkaufsbummeltraum

Ein Ungetüm von einem Kran versperrt die Alaunstraße. Blau und mächtig ragt der Ausleger über die Häuser. Ein Haus wird saniert. Für einige Tage wird die Straße zur Sackgasse. Radler und Fußgänger nehmen es gelassen. Links und rechts ist noch genügend Platz. Einige Autofahrer wenden missmutig ihre Mobile und kehren zur Bautzner Straße zurück.

Die Straße strahlt auf einmal eine ungewohnte Ruhe aus und ich komme ein bisschen ins Träumen. Das sollte erlaubt sein.

Die Straße ist vollkommen frei von knatternden Mobilen. Mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen stellen eifrige Kellner wacklige Tische vor ihre Cafés. Einige vergnügungssüchtige Touristen wollen ihre müden Füße ausstrecken und lassen sich am Café Kästner nieder. Espresso und Milchkaffee. Andere schlendern weiter nutzen die ganze Straßenbreite – kein Auto, dass den Weg versperrt. Da ein nostalgisches Schild, alte Lotto-Reklame. Ein findige Geschäftsfrau hat hier ein Bistro eröffnet. Die kleinen Tischchen und die Sonnenschirme sind alle im Retro-Lotto-Design. Oma Krause, auf dem Rückweg vom Gemüseladen trinkt hier, wie jeden Tag, ihren Tee. Auch heute hat sie den selben Spruch wie immer auf den Lippen. „Geh lieber arbeiten.“ Der Spruch hilft, wie immer, und Punker-Otto zieht von dannen.

Ein mildes Lüftchen weht. Der Geruch von frischen Brötchen und Kaffee macht sich breit. Gemütlichkeit hat die Oberhand. Ein Glück, dass die Stadt diese Bummelmeile für den Verkehr gesperrt hat.

„Passen Sie doch auf.“ Der Bauarbeiter fuchtelt wild mit den Armen. Beinahe wäre ich gegen einen Bauzaun gelaufen. Stimmt, das gemütliche Gässchen ist ja nur ein Traum. Dabei könnte es doch so einfach sein. Einfach die Alaunstraße zwischen Bautzner und Böhmischer Straße für den Durchgangsverkehr sperren. Anlieferungen darf es geben, aber bitte nur vormittags. Bleibt nur ein Problem, wohin mit den Autos der Anwohner? Wie wäre es denn mit der Freifläche neben der Scheune. Ansatzweise gibt es dort doch schon einen Parkplatz, der müsste nur mal richtig ausgebaut werden. Besser wäre natürlich ein Parkhaus. Da könnten auch die Besucher der Neustadt ihre Karosse knöllchenfrei parken.


Anmerkung 2012
Das Café Kästner gibt es nicht mehr. Und neben der Scheune wird nun eine Turnhalle mit ein paar wenigen Stellplätzen in einer umstrittenen Tiefgarage gebaut.

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