Von aufheulenden Motoren und kreischenden Trennschleifern

Der Motor heult auf. Mit lautem Krachen rastet der zweite Gang ein und das Auto macht einen Satz nach vorn und prescht mit mehr als 60 Stundenkilometern die Straße entlang. Nein, ich habe keinen Ausflug zum nagelneuen Lausitzring unternommen, ich stehe auch nicht neben einer Autobahnauffahrt. Ich wollte eigentlich nur gemütlich schwatzen bei einem Tässchen Espresso vor dem „Copas y Tapas“. Doch statt Gemütlichkeit rast hier ein Auto nach dem anderen vorbei. Dabei ist in der Äußeren Neustadt Tempo 30 angesagt. Mag sein, dass hier und dort vielleicht ein Schild fehlt, doch allein die Beschaffenheit der Straßen sollte den vernünftigen Auto-Fahrer bremsen. Oder sollen hier irgendwelche Achs- und Stoßdämpferfirmen zu neuen Umsatz-Rekorden animiert werden.

Apropos Straßen und Beschaffenheit: Seit einigen Tagen sind emsige Arbeiter dabei, Bordsteine rauszureißen und Straßenecken neu zu pflastern. So weit ist das noch alles in Ordnung, ich bin sicher der letzte der etwas dagegen hat, dass die Neustadt hübscher wird. Doch wenn zwei Meter neben meinem Ohr dicke Gehwegplatten mit wassergekühlten Trennschleifern zerlegt werden, kann ich nur noch flüchten.

Überhaupt der Lärmpegel in der Neustadt ist extrem hoch. Und durch die engen Straßen werden die Geräusche noch gebündelt und zurückgeworfen. Wenn beispielsweise an einem zarten Vormittag ein riesiges Müllauto durch die Böhmische Straße donnert, dann zittern die Fenster in den obersten Etagen mit. Die auf den Dächern schlummernden Spatzen suchen ängstlich das Weit. Doch selbst ohne Müllwagen verstummen die Geräusche nie ganz. Dort ein Hämmern, da ein Bohren, ein paar Häuser weiter fällt eine Tür ins Schloss, ein Kind weint, eine Mutter schreit, alles Quellen des Lärms. Ruhestörung.

Nun hat der gemeine Neustädter zwei Möglichkeiten. Entweder er ignoriert den Lärm oder übertönt ihn gar durch eigene Geräusche oder er flüchtet in die Heide. Doch da dieses Ausflugsziel schon ziemlich bekannt ist, wird er auch dort kaum Ruhe finden. Da hilft nur ein kühner Sprung ins Auto und mit Vollgas und krachendem zweiten Gang die Neustadt verlassen.

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