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„Licka“ – versöhnliche Ode an die Menschlichkeit

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Am heutigen Freitagabend findet im Dresdner Societaetstheater zweifelsohne der Neustädter Höhepunkt der 28. Tschechisch-Deutschen Kulturtage statt, denn das neue Werk von Olek Konrad Witts Theaterperformance-Company namens „re-Publik“ gastiert (vorerst einmalig) hier: „Licka – Tanz im Schatten der Geschichte“.

"Licka" im Soci (Szenenfoto: PR)
„Licka“ im Soci (Szenenfoto: PR)

Es reflektiert mit zehn jungen Damen und einer Ballerina die wahre Jugendgeschichte von Alice Flachová-Pastorová, die als Prager Jüdin den Holocaust überlebte und später das slowakische Nationalballett prägte und sie anno 2006 fast mit ins Grab nahm. Die vollste Doppelpremiere im Trachauer „Rudi“ Anfang September ward großartig gefeiert und nach 70 Minuten getanzter Ode an die Menschlichkeit sensibel reflektiert, blieb aber (wie just zu viel) nahezu unbeleckt von Presse oder gar Politik- und Kulturprominenz, die sich zwei Wochen nach den Ferien wohl noch im kollektiven Sommerschlaf befanden oder das Thema nicht mögen.

Versöhnender Höhepunkt

Die Geschichte der Pragerin des Jahrgangs 1928, die 1951 als Solistin am Slowakischen Nationaltheater in Prokofjews „Aschenputtel“ debütierte, „Schwanensee“ als Höhepunkt empfand und später als Choreografin und Dramaturgin weiterwirkte, kommt nun als Produktion von re-Publik in Zusammenarbeit mit dem Taneční a pohybové studio FRI.DA Děčín zur dritten Aufführung, wobei der Ansatz zur Versöhnung in der Jugend gesehen wird: Denn es stehen je fünf junge Damen aus Děčín und Dresden auf der Bühne – die Elbe als verbindendes Element.

"Licka" im Soci (Szenenfoto: PR)
„Licka“ im Soci (Szenenfoto: PR)

Fünf Damen stiftete Tanzlehrerin Adéla Ernekerová, die auch die Profisentenzen der älteren Licka mittanzt; die fünf Tanzelevinnen aus Dresden schulte Olimpia Scardi in ihrer Art, die gemeinsam mit Alessandra Giuriola sowie mit der slowakischen Autorin Dr. Agata Schindler und Regisseur Witt das Leitungsquartett bildet, während Marie Göhler und Ru Steinmetz das Kostümbild schufen.

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Licka flog mit 13 Jahren nach dem deutschen Einmarsch als jüdische Tschechin zuerst über Nacht von der Prager Ballettschule („meine erste Ohrfeige“), um später sowohl Theresienstadt als auch Auschwitz, Groß-Rosen und Bergen-Belsen zu überleben und nach der Befreiung in katastrophalem körperlichem Zustand nach Prag zurückzukehren, um dann den Kampf gegen die Tuberkulose zu gewinnen.

Elf Freundinnen müsst ihr sein

Ihrer Schwester offenbarte die hochdekorierte Primaballerina erst kurz vorm Tode die handgeschriebenen Zeilen. Dr. Agata Schindler, Musikwissenschaftlerin in Bratislava, widmete ihr ein ganzes Kapitel in „Maličká slzička. Der Nationalsozialismus und seine verheerenden Folgen im Leben mitteleuropäischer Musiker“ von 2016, wobei vor allem die Szenen von Kunst im größten Leid in Theresienstadt und die Schilderung der verheerenden Umverlegungen mit Gewaltmärschen oder in offenen Güterwaggons schwer schlucken lassen. Schindler ließ dieses Schicksal keine Ruhe; auf eine Ausstellung 2018 in Lickas Nationaltheater an der Donau folgte das Theaterstück „Tänzerin Licka“, wonach sie dann lange suchen musste, bis sie auf Witt für die nunmehr binationale Uraufführung traf und sich beim Publikumsgespräch nach der Rudi-Premiere begeistert zeigte.

Es entstand daraus natürlich kein Handlungsballett, sondern eine biografische Zeitreise mit immer neuen Episoden als Bilderreigen durch das Leben, doch die Grundlage ist immer die sachlich grundierte, oft poetische, aber überaus tragische Textgrundlage, die jederzeit zweisprachig dargeboten wird – aber in klaren Formationen und eleganten Bewegungsformen in großer Harmonie gipfelt – dabei sind alle immer „Licka“ und der Weg zum schwarzen Schwan bleibt immer das große Ziel.

Genuss oder Lektüre

Und wer Witt kennt, weiß um dessen Qualitätsanspruch: Wir erinnern uns gern an den 10. November 2018 und seine Ausrufung der „Zärtlichen Republik Sachsen“ am Originalschauplatz von 1918, an die 2021er „Un-Ruhe“ (inspiriert von Tadeusz Różewicz) oder an die Geburtsgrüße an die hundertjährige Nobelpreisträgerin via „Szymborska Projekt“ (2023) – man stelle sich Dresden ohne diese vor: eine entsetzliche, weil unersetzliche Lücke im Kulturkalender der in Sachen Selbstbewusstsein so überheblichen wie glatt geleckten Hochkulturstadt.

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"Licka" im Soci (Szenenfoto: PR)
„Licka“ im Soci (Szenenfoto: PR)

Und weil weitere Dresdner Vorstellungen zwar gewünscht und buchbar, aber noch nicht terminiert sind, sollte man heute die Chance nutzen. Oder man muss (sicher publikumsbeobachtend sicher noch spannender) nach Dipps (Parksäle am 27. Januar) oder Děčín (ins Theater am 16. Februar). Die anderen sollten das grausame Original von Schindler lesen (müssen), wobei es dank Übersetzungstechnik keine Ausreden mehr gibt. Möge die Geschliffenheit dabei verschwinden, die Tragik bleibt – und ist noch weit härter als hier darstellbar.

Denn Versöhnung ohne Vergesslichkeit ist das Ansinnen.

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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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