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Auf der Kippe

Schwer atmend haucht ein Tenorhorn den letzten Ton aus. Ein Vorhang aus Folie raschelt – und der Klangfrosch schweigt. Eine Stimmung zwischen Aufbruch und Melancholie durchweht diesen Probenbesuch im Hinterhaus des Projekttheaters. Denn „Der fette Hamlet“ von Utz Pannike und Alwin Weber könnte auch der letzte Hamlet auf dieser Bühne sein.

Jung, studiert, perspektivlos, gewalttätig

„Wie wird aus einem gebildeten, liebevollen Kind ein Täter, der über Leichen geht?“ Die Militarisierung von Männern – nicht nur in der Armee – wo kommt das her? Die Spurensuche nach faschistoiden Verhaltensmustern habe Theatermacher Utz Pannike ursprünglich anhand der Geschichte von Jason und seinen Argonauten angehen wollen, erinnert er sich. Aber die wirkten so weit weg. Dann kam ihm der Hamlet ein. Eigentlich sei das Stück viel clownesker angelegt gewesen, ähnlich dem „Bouffon“, seiner letzten Inszenierung vor Corona, sagt er. Aber dann habe sich mehr Ernsthaftigkeit eingeschlichen. Pannike inszeniert Shakespeares tragischen Helden zum Repräsentanten einer übersättigten Zivilisation, die ihren Zenit überschritten hat – und taumelt.

Komik lost in space – der fette Hamlet. Foto: Amac Garbe
Komik lost in space – der fette Hamlet. Foto: Amac Garbe

Freaky, aber nicht affektiert

Für den Klangingenieur Alwin Weber verschmelzen in der Hamlet-Space Opera politische Brisanz und eigene Biografie. Im Projekttheater machte er 2002 ein Praktikum und lernte Utz Pannike kennen. Der hatte sich vom klassischen Theaterbetrieb mit seinen Hierarchien und Regularien abgewendet und hier sein freies „Panisches NOtheater“ etabliert. Für beide ist es nicht die erste Kooperation, aber möglicherweise die letzte im Projekttheater, das finanziell auf der Kippe steht. „Mich kickt die Energie dieser besonderen Situation“, sagt Weber und macht deutlich: „Es geht um Macht, Männlichkeitsperformance, Auflehnung – und das ganze dann musikalisch gespiegelt im Punk.“ Webers elektronischen Sounds und Percussions tragen Hamlet auf seiner Odyssee durch das System und dem verzweifelten Versuch hineinzupassen: „Freaky, aber nicht affektiert.“

Utz Pannike in seinem Stück "Der fette Hamlet". Foto: Amac Garbe
Utz Pannike in seinem Stück „Der fette Hamlet“. Foto: Amac Garbe

Visionärer Eskapismus

„Für mich kommt da vieles zusammen“, erklärt Weber. „Hamlet steht vor einer düsteren Zukunft, trägt diese Last seines Vaters, ist auf sich allein gestellt. Das kannst du auf die Zeit während Corona übertragen, auf die prekäre Situation der Kulturszene gerade, auf die Lage der Jugend. Wir leben in einer Zeit, in der normale Lebensziele wie Haus und Kind in Anbetracht globaler Krisen surreal wirken – und trotzdem von Konventionen eingefordert werden.“ Was bleibt? Visionärer Eskapismus, Komik lost in space. Utz Pannike hat für das Stück verschiedene Schablonen übereinander gelegt: den reformatorischen Zeitgeist zur Entstehung des Stückes Hamlet um 1600, seine eigenen Erfahrungen der Wende 1989, den Aufstieg des Trump’schen Machismus.

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Zwischen Kollaps und KI

Entstanden sei eine Farce, eine wilde Forschungsreise zwischen Kollaps und KI, beschreiben die Stückentwickler. Lange lag der Stoff und reifte, erzählt Utz Pannike. Er musste Corona und eine schwere Krankheit überdauern, Förderungen abwarten – und hat jetzt Premiere, in einer brodelnden Zeit der Ungewissheit. „Der fette Hamlet“ spielt mit der Unsicherheit – die Bühne, ein Drahtseilakt. Sein oder nicht sein.

Der fette Hamlet – Space Opera von und mit Utz Pannike und Alwin Weber

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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