Prießnitz – trügerische Ruhe

Haus unter Wasser, das Hinterhaus der Genossenschaft ist überflutet.
Haus unter Wasser, das Hinterhaus der Genossenschaft ist überflutet.
Wer an der Nordstraße unseren geliebten Bach überquert, könnte annehmen, dass sich die Lage entspannt hat. Unter der Brücke ist viel mehr Luft als noch gestern. Die Erklärung ist einfach: Der Regen hat aufgehört, es kommt nicht mehr so viel Wasser aus der Heide nach. Aber das Problem kommt nun von vorn, von der Elbe. Die hat in den letzten Stunden nochmal einen ordentlichen Pegel-Sprung gemacht: 13.45 Uhr wurden 7,61 Meter gemessen. Die amtliche Prognose liegt zwar immer noch bei „nur“ 8,85 Metern, aber das ist nur der Ausblick bis Donnerstag.

An der Prießnitzstraße wird unterdessen geackert, die Anwohner räumen ihre Keller leer. Neben dem Stadtteilhaus ist das erste Wohnhaus schon überflutet. Die Prießnitz steht mitten im Wohnzimmer. Rund um den Biergarten des Oosteinde wurde in den vergangenen Stunden ein Wall hochgezimmert. Ob er hält? Die wackeren Arbeiter zucken nur mit den Schultern.

An der Mündung hat sich das Bächlein in einen See verwandelt, die am Sonntag aufgestellten Big Bags sind längst überflutet, die Straße gesperrt. Die Bautzner Straße ist ruhig wie selten. Auch im Büro des Neustadt-Geflüsters musste der Keller geräumt werden. Ich versuche trotzdem euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten.

Der Prießnitzsee unterhalb des Diakonissenkrankenhauses
Der Prießnitzsee unterhalb des Diakonissenkrankenhauses

Barriere hinterm Stadtteilhaus
Barriere hinterm Stadtteilhaus

Ruhe, wo gestern das Wasser toste, im Prießnitzbogen
Ruhe, wo gestern das Wasser toste, im Prießnitzbogen

Sandsäcke auf der Prießnitzstraße
Sandsäcke auf der Prießnitzstraße

Unter der Nordstraßen-Brücke ist mehr Luft als gestern.
Unter der Nordstraßen-Brücke ist mehr Luft als gestern.

Die Anwohner rüsten mit Sandsäcken und Pumpen.
Die Anwohner rüsten mit Sandsäcken und Pumpen.

Wilder Dschungel hinterm Hinterhaus des Neustadt-Geflüsters
Wilder Dschungel hinterm Hinterhaus des Neustadt-Geflüsters


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29 Kommentare zu “Prießnitz – trügerische Ruhe

  1. das ist die Ruhe vor dem Sturm wen die in Prag schon aufgeben die 9.5 Meter was kommt da noch zu uns 12,5 Meter

  2. Wird irgendwo in der Neustadt noch Räumungshilfe benötigt, FB wird unübersichtlich…wollten dann nach der Arbeit bisschen helfen.

  3. @Anton Launer
    Na mit Panik hat das nichts zu tun, aber wenn plötzlich aus den, durch die Behörden vorhergesagten, 8.50m in 24h 9m + X werden, es in Tschechien noch immer regnet und der Scheitelpunkt der Moldau in Prag auf sich warten lässt, sehe ich eine gewisse Sorge als berechtigt. Aber richtig ist natürlich, das Panik weder angemessen noch besonders hilfreich ist.
    So, und ich werde mir jetzt erst einmal selbst einen Überblick verschaffen, wie die aktuelle Lage ist, wo ich vielleicht mit anfassen kann, bis später!

  4. Laut Sächsischer Zeitung heißt es aus dem Hochwasserlagezentrum, dass die Elbe wohl auf maximal 9 Meter bis 9,40 Meter am Pegel Dresden anschwellen wird.

  5. Ich würde vor allem gern wissen, wer Erfahrungen mit voll gelaufenen Kellern gemacht hat. Ich wohne jetzt auf der Louisenstraße (Höhe Planwirtschaft) und bin mir unsicher, ob ich den Keller beräumen muss. 2002 wohnte ich bsp. auf der Görlitzer Straße (Höhe Kunsthof) und da waren die Keller voll mit dem aufsteigendem Grundwasser. Wäre super, wenn hier jemand seine Erfahrungen aus 2002 mitteilen könnte.

  6. tja was soll man sagen es steigt und steigt zwar nicht mehr so schnell wie heute Mittag aber es steigt ob man will oder nicht das Wasser kommt und lässt sich nicht aufhalten wenn es zu lange da ist .

  7. Lars: Mit Verlaub: Du bist ein Idiot!

    Lagebericht Sebnitzer Straße – zwischen Kamenzer- und Alaunstraße:
    2002 (940 cm): Kein Wasser, nicht einmal im Keller!

    Gerne: Weitere [auch verzweifelte, aber bitte halbwegs vernünftige] Fragen an mich.
    Notfalls auch Notunterkunft für 2 Personen, z.B. vom unteren Teil der Sebi … Prießnitz.
    Und auch, wenn ihr in der Nähe Hilfe benötigt.
    [Habe keine Gummistiefel, bitte stellen]

    s.ebnitzer@gmx.eu

  8. Ein guter Indikator, was das Problem Grundwasser betrifft, ist die Rudolfstraße im, äh, Scheunenhofviertel, Leipziger Vorstadt. Diese ist sozusagen tiefergelegt. Und zumindest heute Nachmittag, gegen 16 Uhr war dort – im Gegensatz zu 2002 – noch kein H20.

  9. Wir haben heute so viele Sandsäcke dahin gebracht und hätten gern weiter geholfen, die Sandsäcke waren aus auf der Hansastraße! Galerie 3 wollte keine Hilfe, auch gut. Sand alle, Hoffnung noch lange nicht alle und wenn es morgen hilft – wir sind dabei! Auch wenn unsere eigenen Keller gerade voll laufen, hier ist nichts mehr zu helfen!

  10. @Manuela: Wo ist denn euer Keller?
    Dein Bericht klingt ein klein wenig hysterisch, aber immer noch viel besser, als die letzte Kraft nur in die Tasten zu hau’n.

  11. Hallo? Der Pegel Dresden ist gesunken, obwohl der Pegel in Schöna steigt. Wie ist das möglich, frage ich dich? :-P
    Dobrou noc (Labe) — gute Nacht (Elbe)!

  12. Habe gehört, dass durch das leerpumpen des Kanalnetzes neuralgische Punkte – wie z.B. Rudolfstraße – nicht mehr unbedingt vollaufen. Aus dem selben Grund ist das Durchsickern von Wasser durch Sandsackwälle (eh nicht zu verhindern…) nicht kritisch, wenn es dahinter in die Kanalisation kommt.

  13. @ Anton: „Damals“ kam es bei vielen durch den Ablauf…

    Man hat eh das Gefühl, dass diverse Schutzmaßnahmen ganz gut funktionieren – und fast schon vor zuviel Hilfe geschützt werden müssen.

  14. Komme gerade von der Leipziger. Wie kann es eigentlich sein dass das Wasser was durch den Deich kommt fröhlich in der Kanalysation abläuft, obwohl die doch viel tiefer liegt. Ich meine wo läuft das hin, wo ist es tiefer als da und noch Platz?

  15. @Jonk: Deine Frage wurde doch oben schon beantwortet. Wobei ich mir schlecht vorstellen kann, wie das funktioniert.
    Ich habe das Phänomen in der Leipziger Straße auch beobachtet.

  16. @ Jonk/ Sebnitzer: Hier ein Link für das Teil in Johannstadt, da wird alles erklärt: http://bit.ly/14Fs3DZ

    Einfach gesagt: da das Wasser im Netz weggepumpt wird, funktioniert die Kanalisation nicht mehr zu 100% über Gefälle/ Schwerkraft bis in die Elbe – sondern das Wasser wird aus dem Netz in die Elbe gedrückt und ist somit auch vom Elbepegel unbeeinflusst.

    Damit fällt eine Gefahr weg: 2002 kam das Wasser „hintenrum“ über die Kanalisation. Jetzt hingegen fängt die Kanalisation das Wasser, welches durch die Sandsäcke läuft, einfach auf und bringt es weg…

  17. Die einzigen Stellen wo es das Wasser teilweise noch von hinten herausdrückte waren die Kabelschächte der Telekom.

  18. Danke, Herr Haller!

    Braucht jetzt oder demnächst jemand Hilfe beim Aufräumen?
    Ich habe noch Reserven und meistens ab nachmittags gegen 15 Uhr Zeit.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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