Pünktlich zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar eröffnet die Ausstellung „Von der Vergangenheit in die Gegenwart“ in der Synagoge Dresden-Neustadt.

Auch wenn die Erinnerung an den Holocaust eine immerwährende Aufgabe bleibt, findet jüdisches Leben in der Gegenwart statt.
Daraus ergeben sich Fragen:
Wie kann eine jüdische Gemeinde ein gegenwartsbezogenes Gemeindeleben gestalten, wenn ihre Synagoge am Ende des Bahnsteigs des ehemaligen Deportationsbahnhofs „Alter Leipziger Bahnhof“ liegt?
Wie gelingt dies der Jüdischen Kultusgemeinde Dresden, obwohl dieser Ort bei vielen Mitgliedern schmerzhafte Erinnerungen an ihre Familiengeschichte hervorruft?
Die 25 Tafeln der Ausstellung geben Einblicke in das vielfältige Leben der Gemeinde. Die Fotos und dazugehörigen Texte thematisieren unter anderem Erinnerung und Gedenken, den mit eigenen Kräften ausgebauten heruntergekommenen Raum zu einer Synagoge, die gut besuchten Gottesdienste, die Einbeziehung und religiöse Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sowie ausgelassenen Tanz und ein fröhliches Kostümfest.
Die meisten dieser Aktivitäten finden im Rahmen jüdisch-religiöser Fest- und Gedenktage statt. Sie verdeutlichen, wie Traditionen bewahrt und zugleich lebendig gestaltet werden können. Sie zeigen, wie religiöse Praxis, Gemeinschaft und Lebensfreude miteinander verbunden sind.
Darüber hinaus macht die Ausstellung auch die Verbindungen zur Stadtgesellschaft sichtbar. Die Gemeinde versteht sich nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern als aktiver Teil Dresdens. Es gibt Begegnungen mit den Nachbarn der Gemeinde und mit nichtjüdischen Initiativen.
Kooperationen sowie besondere Aktivitäten wie das gemeinschaftliche Anlegen eines Gartens verdeutlichen ein sich öffnendes, dialogorientiertes und zukunftsgerichtetes jüdisches Leben. Die Vorstellung von Gemeindemitgliedern unterschiedlicher Nationalitäten, Altersgruppen und Lebenswege unterstreicht die Vielfalt innerhalb der Gemeinde.

Die tolerante Grundhaltung der Gemeinde tritt besonders klar hervor an den Beispielen des Pride-Schabbats (Schabbat für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion) und einer gleichgeschlechtlichen Hochzeit. Diese Offenheit ist nicht nur Ausdruck eines modernen Selbstverständnisses, sondern auch eine bewusste Haltung, die aus den Erfahrungen mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung während der NS-Zeit erwachsen ist.
Besucher können sich ein eigenes Bild davon machen, wie Erinnerung und Gegenwart miteinander verbunden sind und wie sich aus der Geschichte ein selbstbewusstes, vielfältiges und lebendiges jüdisches Gemeindeleben entwickelt hat.
Von der Vergangenheit in die Gegenwart
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann ausgeliehen werden. Zielgruppen sind Schulen, Bildungsstätten, Kirchgemeinden und öffentliche Institutionen. Kontakt: herbert@jk-dresden.de
Ein Gastbeitrag von Dr. Herbert Lappe. Der 1946 in London geborene Sohn jüdischer Emigranten übersiedelte mit der Familie in die DDR nach Dresden. Der IT-Berater war langjähriger Mitarbeiter im Vorstand der jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dresden und wesentlich verantwortlich für den Bau der Neuen Synagoge in Dresden (2001).



















