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Dissidenten verhindern Ausweitung von Carsharing-Angebot

Es waren nur zwei Striche in einem umfangreichen Antrag. Die führen nun aber dazu, dass der mitteldeutsche Carsharing-Anbieter teilAuto sein Angebot in Dresden nicht um die Option eines Carsharings, dass unabhängig von festen Stationen funktioniert, ausbaut.

Teilauto-Station am Neustädter Bahnhof
Teilauto-Station am Neustädter Bahnhof

Aktuell funktioniert Carsharing in Dresden derart, dass man in einer Station, zum Beispiel an einem der Mobipunkte, sein Auto ausleiht und auch direkt wieder dort zurück gibt. Der Anbieter wollte das Angebot nun ausweiten, um eine sogenanntes Freefloating-Carsharing. Dabei sind Einweg-Fahrten von A nach B möglich. Der Wagen kann an einem Punkt geliehen und an anderer Stelle innerhalb eines bestimmten Geschäftsgebiets wieder abgestellt werden.

Sharingleitlinien beschlossen

Dafür wurden in der letzten Stadtratssitzung „Sharingleitlinien“ beschlossen. Unter anderem geht es dabei auch um das Abstellen auf Autos in Gegenden mit Parkgebühren. Für Carsharing-Angebote sollte da eine Ausnahme gelten, der jeweilige Anbieter muss statt der stündlichen Gebühren nur eine Jahresgebühr in Höhe von 100,20 Euro oder eine Monatsgebühr von 8,35 Euro pro Monat und Fahrzeug zahlen. In der Vorlage der Stadtverwaltung war die Altstadt von dieser Befreiung schon ausgenommen.

Dank der zwei Striche des Dissidenten-Antrags ist das vergünstigte Carsharing-Parken nun auch in der Äußeren Neustadt nicht möglich. Das bedeutet das Aus für diese Variante des Carsharings in ganz Dresden. „Gerade in der Neustadt, wo der Parkdruck hoch ist, könnte man mit kombiniertem Carsharing sicher eine Menge erreichen. Jetzt werden Gemeinschaftsautos verhindert, während private Pkw dort weiterhin parken dürfen. Das ist für uns ein herber Rückschlag“, sagt Marcus Buchfeld, Dresdner Regionalleiter bei teilAuto. „Ohne die Äußere Neustadt ergibt ein Start in Dresden keinen Sinn. Deshalb wäre es wichtig, dass dieses Gebiet wieder in den Parklizenzbereich aufgenommen wird.“

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Kurz nach Erscheinen der Pressemitteilung reagierte Martin Schulte-Wissermann von den Dissidenten. „Es sollte beim Carsharing darum gehen, das Sharing und nicht das Car attraktiv zu machen“, sagt er und erläutert: „Stationsgebundenes Carsharing hat den entscheidenden Vorteil, dass ich mir für jede Fahrt genau überlegen muss: ‚Brauche ich das Auto?‘ Free Floating verführt dazu, dass auch kurze Wege mit dem Auto zurückgelegt werden“. Es sei nicht Ziel des Carsharing, in Konkurrenz zu Fuß-, Rad- und Öffentlichem Verkehr zu treten.

Unterstützung von AfD, CDU und Linken

Spannenderweise erhielten die Dissidenten für Ihren Änderungsantrag Unterstützung von der CDU, AfD und Linken. Die so geänderten Sharing-Leitlinien erhielten eine deutliche Mehrheit im Stadtrat. Details im Ratsinfosystem der Stadt Dresden.

Der Sharinganbeiter teilAuto ist von der Entscheidung ziemlich enttäuscht. „Das Konzept wurde von den Verkehrsbetrieben mitgetragen, in Leipzig können wir sehen, dass unser Angebot keine Konkurrenz zu ÖPNV, Rad- oder Fußverkehr darstellt“, sagt Buchfeld.

Teilauto-Station auf der Louisenstraße
Teilauto-Station auf der Louisenstraße

Deutlicher wird der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Stefan Engel: „Während private SUVs weiterhin für jährlich 30 Euro überall abgestellt werden dürfen, wird dies Carsharing-Anbietern verwehrt. Dabei sorgt Carsharing nachweislich dafür, dass Menschen auf ihr eigenes Auto verzichten und so der Parkdruck abnimmt.“ Es sollte, so Engel, eigentlich im Interesse des Stadtrats liegen, solche Angebote zu stärken. Die Beschlussempfehlung des Bauausschusses sah auch vor, nach zwei Jahren eine Evaluation der Leitlinien vorzunehmen, um ungewünschten Entwicklungen begegnen zu können. „Das Verbot des stationslosen Carsharings in der Äußeren Neustadt ist ein fatales Signal. Wer an dieser Stelle den Wunsch nach einer „autofreien Neustadt“ ins Feld führt, wirft politische Nebelkerzen“, sagt Engel.

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Die Dissidenten wollen auch die Anwohner-Parkgebühren erhöhen, ob sie dabei auch auf die Zustimmung der CDU zählen können, ist fraglich, Veit Böhm, Sprecher für die Themen Verkehr und Umwelt bei der CDU, hatte seinerzeit in einem Bericht der Sächsischen Zeitung angekündigt, seinen Fraktionskollegen die Ablehnung der Dissidenten-Idee zu empfehlen.

Cityflitzer in Leipzig - Foto: teilAuto
Cityflitzer in Leipzig – Foto: teilAuto

Cityflitzer funktioniert in Leipzig

„Seit wir in Leipzig gestartet sind, werden wir gefragt, wann Cityflitzer endlich nach Dresden kommt“, erklärt teilAuto-Geschäftsführer Patrick Schöne. Dennoch scheitert der Aufbau des Angebots immer wieder am Thema Parklizenzen. In den innenstadtnahen Wohngebieten gibt es in Dresden deutlich mehr Parkraumbewirtschaftung als in Leipzig. Deshalb sind entsprechende Parklizenzen Grundvoraussetzung, um ein Freefloating-Angebot überhaupt betreiben zu können. Seit 2018 gibt es in Leipzig das Freefloating-Angebot „Cityflitzer“.

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25 Ergänzungen

  1. In zwei Jahren hat sich das Thema mit den ausgemusterten alten Zauseln erledigt.
    So lange muss man in Dresden eben mit den Querdenkern leben und den Stillstand ertragen.

  2. Da beisst sich die Katze in den Schwanz. Das kommt davon, wenn Ideologie über Hirn und Verstand siegt… Rückwärts immer, vorwärts nimmer….

  3. @Guardian
    Nö, ich fühle mich noch sehr jung und agil und kann noch richtig lange durchhalten, deswegen stelle ich mich auch zur Wahl. ;)
    Spass beiseite, ich begrüße die Entscheidung sehr.
    Dissidenten, CDU, AfD und Linke haben dabei überhaupt nicht quer gedacht sondern wirtschaftlich, sozial und sachbezogen. Ein typisch erbärmlicher Versuch der Diskreditierung.

  4. Bis dahin könnten die „alten Zausel“ Tretroller spielen und zahlreiche der Leihroller/Scooter mit einem legeren Schwupps übers (teils doppelte) Brückengeländer final zu entsorgen helfen. Das diente dem Fuß-, Rad- und ÖPN-Verkehr und obendrein der Volksgesundheit deutlich mehr, als mal wieder solche fachfernen Bauchentscheidungen gemäß Eigenfantasie.

  5. Ich finde das traurig und die Begründung ist nicht überzeugend. Nächstes Jahr muss ich meine Leasing-Kiste abgeben und hätte es vielleicht mal ohne eigenes Auto probiert, meistens fahre ich eh mit dem Rad. Wenn diese sinnvolle Sharing-Erweiterung nicht verhindert worden wäre, gäbe es sicher einige TeilAuto-Fahrzeuge mehr und man hätte eher die Chance, kurzfristig noch eins zu bekommen.

  6. @Guardian: Genau! Bloß wie lange sollen wir noch ertragen?

    Die fixen Stationen sind – so höre ich viele reden – ein wesentliches Hemmnis für Teilauto. Für mich ebenfalls. Daher vermutlich: Wieder eine verpasste Chance die Individualmotorisierung zu verschlanken…

  7. Wer möchte kann den Abschnitt auf „msw“ Website „Wofür stehe ich im Stadtrat?“ lesen. Und laut losprusten. :-)

  8. man muss den Dissidenten ja nicht zustimmen, aber ihre Entscheidung ist ordentlich begründet und keiner hier hat inhaltlich irgendeine Widerlegung gebracht. Der SPD-Kritik (SUV parken billig..) ist ja nun anders als mit free floating besser abzuhelfen.

  9. @Schulze
    na dann erzählen Sie doch mal, wie Sie den überbordenden Automassen entgegenwirken wollen.
    BTW, klar ist €100 gegenüber dem normalen Parkpreis vergünstigt, aber im Vergleich zum Anwohnerparkausweis doch um einiges teurer.

    Al.

  10. Der Stadtrat ist demokratisch gewählt und ja, auch mir passt nicht jede Entscheidung die dort gefällt wird, aber nur weil das so ist, würde mir nicht einfallen hier auf übelste die Stadträte zu verunglimpfen. Das zeugt alles andere von einer demokratischen Kultur, derer sich die Damen und Herren Neustädter ja immer so rühmen.

    PS: Kunde bei TA bin ich seit mehr als 15 Jahren, seit ich mein Auto abgeschafft habe.

  11. Fakt ist, dass ein gutes Carsharing-Angebot immer ein starkes Argument gegen ein privates Kfz ist. Je breiter und flexibler CS verfügbar ist, desto mehr Menschen verzichten auf ein eigenes Auto. In Leipzig sieht man seit Jahren, dass die Cityflitzer eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den Teilauto-Stationen darstellen, weil das die reservierungspflichtige Flotte um ein flexibles und im. Notfall auch mal kurzfristig verfügbares Angebot ergänzen.
    Ich bin selber seit über 10 Jahren autofrei und Kunde bei Teilauto. Das Fahrrad ist in unserem Haushalt das meistgenutzte Verkehrsmittel, aber es lässt sich nunmal nicht jeder Weg mit dem Fahrrad erledigen. Auch nicht innerhalb der Stadt.
    Die Argumentation der Dissidenten leuchtet mir daher an keiner Stelle ein. Warum soll sich der Parkdruck erhöhen? Ein geshartes Auto ersetzt doch vielmehr mehrere private Autos. Wird das den Parkdruck zumindest mittelfristig nicht sogar entlasten? Die Preise von Teilauto sorgen ja jetzt schon dafür, dass Fahrrad, Fuß und ÖPNV nicht obsolet werden.
    Mit ihrem Antrag haben die Dissidenten nur den verkehrspolitischen Status quo zementiert. Blechlawinen und Aggressivität auf allen Seiten. Ein Schuss ins Knie. Die Wähler:innen werden es sich hoffentlich merken. Ich auf jeden Fall.

  12. @Pieschener jede innerstädtische Autofahrt lässt sich mit einem Fahrrad ersetzen. Wenn das eigene an seine Grenzen stößt, gibt es für jeden denkbaren Fall freie Lastenräder in den vielen Städten, auch in Dresden. Ich kann msw nur Zustimmen, nicht mit mehr Autos gegen mehr Autos vorzugehen. Für Menschen, die sich nach einer echten Verkehrswende sehnen entwickelt er sich langsam zu einer Art Halbgott.

  13. CDU mal wieder erfolgreiche ihre rückwärts gewandte konservative Politik unter Beweis gestellt. Da bekommt man im wahrsten Sinne das Kotzen. Entschuldigung für die drastische Wortwahl. Aber Infrastruktur Angebote wie Teilauto sind Mosaiksteine, welche Dresden zu einer lebenswerten Stadt macht. Gerade in solchen Punkten muss und sollte man Innovation zeigen, um sich weiterhin erfolgreich sich gegen andere Städte in (West)Deutschland zu etablieren.

    Ich bin seit bald 10 Jahren Teilauto Kunde und ich kann bestätigen, dass das Freefloating eine sinnvolle Ergänzung für das Angebot darstellt. Vorallem – wenn man eben kein eigenes PKW besitzt.

    Das stationsbasierte Carsharing sollte jedoch weiterhin den Vorzug genießen.

  14. @Linie3 Das stimmt, das versuche ich auch immer hoch zu halten. Eine Bürgerbeteiligung, wie hier zu lesen, sollte auch Teil davon sein.

  15. Wir wollten jetzt auf‘s TeilAuto umsteigen, da unsere alte Möhre den Geist aufgegeben hat. Nach diesem verheerenden Beschluss werden wir jetzt einen Neuwagen anschaffen und da wir kein Geld für einen E-Wagen haben, wird es ein Dieselfahrzeug, wenn auch mit den neuesten Abgasnormen.

    Dresden zeigt wieder einmal, das es nicht daran interessiert ist, den Autoverkehr und die Anzahl der Pkw‘s zu vermindern, ganz im Gegenteil, der Ruf einer rückwärtsgewandten Betonkopfstadt wird wieder einmal der Öffentlichkeit präsentiert.
    Es zeigt sich wieder einmal, das Leipzig als Landeshauptstadt wesentlich besser geeignet wäre.

    Das I-Tüpfelchen ist der Zusammenschluss von Leerdenkern, Nazis und CDU, nicht zu vergessen die Linke, die inzwischen auch nur noch gegen alles ist.

    Weiterhin stellt sich die Frage, ob eine „Einflussnahme“ auf so manche Mitglieder durch die grossen Mietwagenfirmen stattgefunden hat, denen durch dieses System des TeilAutos beträchtliche Einnahmen entgehen würden.

    Ein schwarzer Tag jedenfalls für die Umwelt in Dresden.

  16. Ich kann die Entscheidung zwar nicht ganz nachvollziehen, aber noch viel weniger kann ich einige Kommentar hier verstehen. Es gibt kein Menschenrecht auf einen Parkplatz direkt vorm Haus. Gerade in der Neustadt ist doch mindestens ein Carsharing-Parkplatz keine zehn Fußminuten von zuhause entfernt. Und ganz ehrlich: Das eigene Auto würde u.U. auch nicht näher geparkt werden können. Also: Die Bequemlichkeit wurde durch diese Entscheidung vielleicht nicht gefördert, aber ein Argument gegen Carsharing ist sie keinesfalls.
    Übrigens: Das Problem mit den Parkgebühren haben wir auch. Relativ regelmäßig mieten wir ein Auto. Doch aufgrund des wechselnden Fahrzeugs können wir – obwohl wir Anwohner sind – keinen Anwohnerparkausweis nutzen. Schade, dass das nicht berücksichtigt wurde. Oder habe ich da etwas übersehen?

  17. Schaut man sich die Debatte um stationsbasiertes Carsharing versus Freefloating von der Umweltschutzseite an, spricht sehr viel GEGEN Freefloating. Eine Studie zeigt, dass stationäre Carsharing-Nutzer/innen häufiger auf das eigene Auto verzichten als Freefloating-Nutzer (vom Bundesverband Carsharing, daher nicht ganz unabhängig). Freefloating wurde maßgeblich von den großen Autofirmen Mercedes und BMW in den Markt gedrückt (drivenow, car2go, jetzt share now), um die Leute mit flexiblem Autofahren zu locken, nicht um Autofahren zu vermeiden. In Berlin kann man den Effekt von viel Freefloating und wenig stationsbasiertem Carsharing bewundern – dort sind die Entlastungseffekte für den Verkehr geringer als in den teilAuto-Städten Leipzig und Dresden (wie ich aus eigener Forschung und Anschauung schließe). TeilAuto hat mit den Stationen ein super System aufgebaut. Wenn das engmaschig weiter ausgebaut wird, braucht es keine Cityflitzer oder dergleichen Bequemlichkeits-Lockangebote.

  18. @Anton: Nein, die Plakette wird neutral, d.h. für ein „Carsharing-Fahrzeug“ ausgestellt

  19. Es wäre eine umweltschonende und Ressourcen sparende Möglichkeit gewesen, das sich vielleicht viele die Anschaffung eines Wagens genau überlegen, wenn sie die Möglichkeit haben, von Dresden z.B. an die Ostsee zu fahren und den Wagen dort ohne weitere Kosten wieder abzugeben.
    Durch diesen weltfremden Beschluss werden auch zukünftig Pkw, neu und gebraucht, zugelassen, Stellflächen benötigt, Luftverschmutzungswerte erhöht, etc., etc.
    Der Zusammenschluss von sogenannten Dissidenten, AfD, CDU und ausgerechnet den Linken verleiht dem Ganzen noch ein besonderes Geschmäckle und lässt erahnen, was noch an dubiosen Entscheidungen auf uns zukommt – in einer Stadt, wo die Bürger das freie Wahlrecht nicht besonders zu schätzen wissen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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