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Der Trauer Raum geben

Die LOM-Therapeutin Britta Fahr bietet in ihrem Atelier Mal-Kurse für Frauen mit Kindsverlust an. Trauer, sagt sie, erfährt zu wenig Geltung in unserer Gesellschaft. 

Britta Fahr bietet in der Neustadt therapeutisches Malen an. Foto: PS
Britta Fahr bietet in der Neustadt therapeutisches Malen an. Foto: PS

„Ich habe es schon als Kind als falsch wahrgenommen, dass Probleme, Unangenehmes, Trauer ausgeblendet werden. Zum Leben gehört auch der Tod. Ich kann das aushalten.“

Britta Fahr ist Kunst-Therapeutin und macht ein in Dresden bis dato einzigartiges Angebot: In ihrem Atelier können Frauen mit Kindsverlust ihren Gefühlen malend Ausdruck verleihen und auch im Austausch mit anderen Entlastung erfahren. „Der Verlust wird liebevoll in das Leben integriert. Die Frauen dürfen spüren: ‚Ich bin Mutter.‘ Auch wenn das Kind nur wenige Minuten, Stunden oder Tage da war.“

Allein mit den Gefühlen

‚Jetzt muss auch mal wieder gut sein‘ – mit diesem Duktus sehen sich viele Frauen mit Kindsverlust häufig konfrontiert, beobachtet Fahr. Schon nach wenigen Wochen soll das einschneidende Erlebnis verkraftet sein. „Früher gab es den Konsens des Trauerjahrs. Eine von der Gesellschaft mitgetragene Periode der Stille.“ In der modernen Leistungsgesellschaft verkürzten sich diese Zeiträume. Schnell stehe wieder das Pensum im Vordergrund: „Ein Ausfall ist nicht gewollt. Die Trauer hat nicht den Raum, den sie braucht, um zu wirken.“

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Mit Trauer umzugehen ist eine Kompetenz, die allgemein schwindet. Frauen, die einen Kindsverlust erleben, seien viel zu häufig allein mit ihren Gefühlen. „Sehr oft empfinden Frauen eine Schuld, ein Versagen. Sie verlieren das Vertrauen in ihren Körper und damit in sich selbst.“ Die Maltherapie helfe, einen Zugang zu sich selbst zu finden, verschüttete Gefühle wieder wahrzunehmen und erfahrbar zu machen.

Ein Netzwerk schaffen

„Selbst in einer großen Stadt wie Dresden gibt es kaum Angebote im Falle eines Kindsverlusts. Die Frauen müssen in ihrem Leid noch lange Recherchen anstellen“, kritisiert Britta Fahr. Deshalb hat sie gemeinsam Ärzte*innen und Therapeut*innen ein stadtweites Netzwerk angestoßen. „Auf einer Webseite sollen alle speziellen Angebote in diesem Belang versammelt sein“, schildert sie. Die Umsetzung ist derzeit im Gange.

Die Therapeutin setzt sich schon viele Jahre mit dem Thema auseinander: Als gelernte Tischlerin ermöglicht sie es Trauernden, Grabhölzer selbst zu gestalten. „Der Tod wird immer mehr zu einem entfremdeten Prozess. Um ihn zu verarbeiten, müssen wir jedoch Anteil daran haben.“ Ein Grabholz ist eine Alternative zum Grabstein und kann mit eigenen Symbolen entstehen. Diese Tätigkeit ist ein Teil der Bewältigung. Mit dem langsamen Verwittern des Holzes könne über die Jahre auch der Schmerz weichen, erklärt Fahr.

Die Malwand wird von Stunde zu Stunde farbiger

Während der Pandemie bot die Therapeutin gemeinsam mit der Hebamme und Trauerbegleiterin Heike Erlenkämper einen Kurs für Frauen mit Kindsverlust an – mit einem Teil Malen und einem Teil Körperarbeit. Eine Premiere, die große Resonanz erfuhr. Bis ein Kurs in dieser Kombination im Herbst wieder stattfindet, möchte Britta Fahr den Faden nicht abreißen lassen und lädt in ihr Atelier zum Malen ein. „Das ist eine wunderschöne Arbeit, um den Erfahrenen einen Ausdruck zu geben und in das eigene Erleben einzubinden.“

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Blaue Stunde im Kupferstichkabinett

Offener Malabend für Frauen mit Kindsverlust

  • Schnupperstunden am 21. Juni und 5. Juli, ab Mitte August regelmäßig dienstags zwischen 18 und 21 Uhr
  • Dammweg 15, 01099 Dresden
  • www.atelierdammweg.de
  • 0351 4469280
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