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Moritz Simon Geist: Der Ruhelose

Co­rona hat den Ro­bo­tik-Künst­ler Mo­ritz Si­mon Geist be­grenzt – ört­lich, aber nicht in sei­ner Krea­ti­vi­tät. Er ar­bei­tet mit sei­nem Team par­al­lel an sie­ben Pro­jek­ten. Dar­un­ter sein bis­lang kom­ple­xes­tes, das kurz vor der Voll­endung steht.

Es ist der Krise zu ver­dan­ken, dass der in­ter­na­tio­nal ge­fragte Künst­ler Mo­ritz Si­mon Geist seit knapp ei­nem Jahr in Dres­den re­si­diert. Gar nicht so übel, be­fin­det er. Das kleine Stu­dio auf der Prieß­nitz­straße ist die Ober­flä­che ei­nes Werk­statt­rau­mes, der für Laien et­was Al­che­mis­ti­sches ha­ben mag. Hier kommt der Geist in die Maschine.

Moritz Simon Geist macht Klangkunst - hier mit Popcorn. Foto: Philine
Mo­ritz Si­mon Geist macht Klang­kunst – hier mit Pop­corn. Foto: Philine

Digitalisierung als Antwort

Mo­ritz emp­fängt im Wild­kat­zen-Über­wurf. Es ist kalt, auch drin­nen. Und wir be­fin­den uns erst in der Hälfte ei­nes lan­gen Ta­ges, da hilft ein di­ckes Fell. Vor ei­ner wei­ßen Wand ste­hen ver­schie­dene In­stru­mente und eine Brat­pfanne mit Pop­corn. Das ist die Bühne, auf der Mo­ritz den nächs­ten In­sta­gram-Hit prä­sen­tie­ren wird. Mit ei­nem Kol­le­gen dis­ku­tiert er De­tails wie Be­leuch­tung und An­ord­nung. Von oben ein Spot, den Hin­ter­grund dun­kel ver­hängt. "Gut, dann bis Frei­tag!" Viel Ar­beit für 30 Se­kun­den Auftritt.

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist ein wich­ti­ges Stand­bein in der Krise. "Ich habe ver­gan­ge­nes Jahr zwan­zig Strea­ming-Kon­zerte ge­ge­ben", be­rich­tet Mo­ritz. Na­tür­lich längst kein Er­satz für reale Kon­zerte, aber eben ein Weg, das Pu­bli­kum zu erreichen.

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Klänge aus der heißen Pfanne

Mo­ritz und sein Team ha­ben par­al­lel In­sta­gram aus­ge­baut. Ein "unt­o­xi­sches" Me­dium, wie er sagt. Bild­ba­siert, ohne zu viele Kom­men­tare. An dem Clip mit dem Pop­corn muss noch ge­tüf­telt wer­den. Das Pop­corn poppt nicht, wie es soll. Als Ur­sa­che wird die Pfanne ver­mu­tet. Über den Pfan­nen­rand lu­gen wie Füh­ler kleine Mi­kro­fone, die mit den un­ter­schied­li­chen In­stru­men­ten ver­bun­den sind. Wer­den sie an­ge­poppt, gibt es ei­nen Ton und ei­nen Lichtblitz.

Moitz Simon Geists Klangkunst wird in Konzertsälen und Museen gehört. Foto: Philine
Moitz Si­mon Geists Klang­kunst wird in Kon­zert­sä­len und Mu­seen ge­hört. Foto: Philine

Cu­thead be­tritt das Stu­dio mit ei­nem Schwall kal­ter Luft und ei­ner Brat­pfanne. "Das ist die schmut­zigste Pfanne, die ich je ge­se­hen habe", stellt er fest und ver­schwin­det in den Ka­ta­kom­ben. Für die Klang­kunst scheint sie ge­eig­net, für's Ko­chen nicht be­nö­tigt. Mo­ritz sagt: "Ich mag gar kein Popcorn."

Bis­lang habe er ein "ver­steck­tes" Stu­dio in Dres­den ge­habt, weil er oh­ne­hin stän­dig rund um den Glo­bus un­ter­wegs war, er­zählt er. Seit 2010 gibt er jähr­lich zwi­schen 50 und 60 Kon­zerte. In der not­ge­drun­ge­nen Sess­haf­tig­keit sieht er po­si­tive Aspekte wie die Syn­er­gien mit den Künst­ler­kol­le­gen im Haus.

Der Auftritt des Neuronen-Hirns

Auf dem Ar­beits­tisch im Stu­dio ste­hen die Pro­to­ty­pen für sein bis­lang kom­ple­xes­tes Pro­jekt ver­sam­melt. Ein ro­bo­ti­sches Vi­bra­fon aus 36 Tei­len, des­sen Kom­po­nen­ten zu­fäl­lig im Raum an­ge­ord­net wer­den sol­len: "Der Grund­ge­danke wa­ren Welle und Schwarm." Zwei Jahre Ar­beit ste­cken darin. Ge­spielt wird es von Mo­ritz. "Oder von ei­nem Neu­ro­nen­ge­hirn." Das komme ganz auf die Stätte des Auf­tritts an. "Im Kon­zert spiele ich, im Mu­seum der Kom­po­si­ti­ons­al­go­rith­mus." Er­tüf­telt und ge­baut wer­den die fu­tu­ris­ti­schen Ele­mente vor Ort. Es ist Betrieb.

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Musik hat einen Kern

We­gen der Pan­de­mie habe er je­der Pro­jekt­an­frage zu­ge­sagt, be­rich­tet Mo­ritz. Jetzt sind es sie­ben auf ei­nen Streich. "Pau­sen gibt es nicht", sagt er und at­met durch.

Mo­ritz kommt aus ei­ner mu­si­ka­li­schen Fa­mi­lie. Er lernte Gi­tarre, Kla­vier und Kla­ri­nette und spielte spä­ter in ei­ner Punk­rock­band. Sei­nem Bü­ro­job im Fraun­ho­fer-In­sti­tut kehrte der In­ge­nieur zu­guns­ten sei­ner pro­gres­si­ven Kunst den Rü­cken. Er gilt als Pio­nier der Ro­bo­tik-Mu­sik. Was ihn an­treibt, ist die Su­che nach dem Neuen. "Ge­ne­ri­sche Sa­chen lie­gen mir nicht. Aber Mu­sik hat ei­nen Kern. Und wenn der da ist, höre ich al­les. Von Klas­sik bis De­ath Metal."

Moritz Simon Geist – Medienkünstler, Robotik-Musiker, Ingenieur

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