Offener Brief eines Dresdner Vaters

Seit Mitte Dezember befinden sich die Schülerinnen und Schüler in Sachsen in der sogenannten häuslichen Lernzeit. Ein Neustädter Vater hat jetzt seine Erfahrungen, die er mit dieser Form des Unterrichts gesammelt hat, in einem Brief an die bildungspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen zusammengefasst. Die Antworten der Politikerinnen ließen teilweise erkennen, dass die am liebsten der Direktorin der Schule die Schuld in die Schuhe schieben würden.

Daher hat sich der Unterzeichner entschlossen, den Brief zu veröffentlichen. Damit es keine Rückschlüsse auf die Schule gibt, wird sein Name hier nicht genannt.

Schulen bleiben mit Ausnahmen bis zu den Winterferien geschlossen.
Leeres Klassenzimmer – Symbolbild.

Sehr geehrte Bildungspolitiker,
nach dem Weihnachtsfest wünsche ich Ihnen nun zunächst einen guten Start in ein hoffentlich glücklicheres Jahr 2021.

Das Anliegen meines Schreibens ist jedoch ein sehr ernstes. Für viele Schüler kann man das vergangene Jahr leider nur als ein verlorenes Jahr bezeichnen. Und nach dem Jahreswechsel wird sich wohl daran auch so schnell nichts ändern.

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Im Frühjahr wurde der Lockdown aufgrund von Corona sicherlich überraschend erforderlich. Das anfängliche Chaos – nicht nur in der Bildung – möchte ich insofern nicht kritisieren. Doch nach dem Sommer kam die Notwendigkeit eines Lockdowns im Winter sprichwörtlich „mit Ansage“. Politik, Verwaltung, Schulleitungen und die Lehrer hatten mehr als ein halbes Jahr Zeit, sich darauf vorzubereiten.

Doch wie sieht es heute aus? Als Beispiel möchte ich dazu den Schulalltag beschreiben, wie ich ihn mit meiner Tochter erlebe. Sie lernt mit unserer Hilfe zuhause. Die Aufgaben werden zwar per E-Mail verschickt, aber nicht kontrolliert. Vieles können meine Frau und ich auch nicht lehrplangerecht erklären, da wir in der Schule Lösungswege teilweise anders gelernt haben. Hinzu kommt, dass wir nicht auf eine pädagogische Ausbildung zurückgreifen können und uns daher das Wissen über das Vermitteln von Lerninhalten fehlt.

Die Schüler haben einmal am Schultag 30 Minuten Zeit, in einer virtuellen Klassen-Runde Fragen an die Lehrerin zu stellen. Dieses virtuelle Treffen findet aufgrund elterlicher Initiative und unter Nutzung elterlicher Ressourcen statt. Die Schule leistet dazu keinen Beitrag.

Der soziale Kontakt zu den Mitschülern kann nur dank privater Elterninitiativen per Zoom-Konferenzen aufrecht erhalten bleiben. Die Schule leistet dazu keinen Beitrag. Die Eltern haben sich selbst um die notwendige Technik für digitales Lernen gekümmert, die Schule leistete dazu keinen Beitrag. Die Eltern haben der Lehrerin die Grundlagen für virtuelle Treffen vermittelt, die Schule leistete dazu keinen Beitrag.

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Wir Eltern der Klasse nutzen YouTube-Videos aus Berlin und Nordrhein-Westphalen, um unseren Kindern den Lernstoff besser vermitteln zu können. Sachsen leistet dazu keinen Beitrag. LernSax steht übrigens für die vierte Klasse meiner Tochter nicht zur Verfügung und wäre aber sowieso kein vollwertiges Digitales-Lernen-Instrument.

Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung. Der Staat und seine Institutionen sind für Aufgaben wie z. B. Sicherheit, Infrastruktur und vor allem Bildung zuständig. Um das gewährleisten zu können, werden Steuern erhoben. Diese Steuern zahle ich gern, da ich die Notwendigkeit verstehe. Von diesem Geld werden Institutionen der Politik und der Verwaltung sowie natürlich die Lehrer bezahlt, um diese Aufgaben wahrzunehmen. Der aktuelle Stand ist aber, dass ich ganztags einer steuerpflichtigen Tätigkeit nachgehe und trotzdem „nebenbei“ die Bildung meiner Tochter übernehmen soll. Da läuft doch etwas schief, finden Sie nicht auch?

Wie und wann kann sich hier etwas ändern? Wie und wann wird digitales Lernen wirklich praktiziert? Wie und wann werden die Voraussetzungen für – zumindest wechselnden – Präsenzunterricht geschaffen? Wie und wann sollen und können die Kinder den mittlerweile umfangreichen fehlenden Lernstoff aufholen? Und was können wir Eltern dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen?

Ich freue mich auf Ihre Lösungsvorschläge und verbleibe mit freundlichen Grüßen.

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44 Kommentare zu “Offener Brief eines Dresdner Vaters

  1. Sachlich / inhaltlich sehr, sehr gut formuliert und vor allem
    nicht derartig verweinerlichtes gejammer wie man es bereits
    monatelang von Koronaleugnern & Konsorten kennt. Respekt.
    Auf Antwort(en) gespannt….

    PvZ

  2. So sehr ich die Wut aus diesem und dem anderen offenen Brief (Unternehmer) verstehe, so wenig wird darauf befriedigend geantwortet werden können, denn es gibt wohl gerade keine einfachen Lösungen bzgl des „wann“. Dessen sollte man sich bewusst sein.

    Nützt alles nischt, da müssmer jetzt durch!
    …würde meine 85-jährige Oma sagen.

  3. Das ist ein sehr angenehmer offener Brief und fasst gut zusammen was derzeit im Bildungsbereich los ist, als Papa von zwei Kindern bin ebenfalls der Meinung, dass sonst die Schulpflicht sehr ernst genommen wird, die jedoch in beide Richtungen funktionieren sollte. Es hat sich einiges entwickelt, doch unser sächsisches Kultusministerium versagt hier bei ganz vielen Punkten, es wurde ein ganzes halbes Jahr mal richtig verschlafen und so kann ich dem offenen Brief nur zustimmen.

    Festhalten möchte ich, dass es wie im ganzen Schulleben so ist, dass die/der jeweilige Klassenlehrer*in der wichtigste Motor für ihre Schüler*innen ist … in unserem Fall leistet die Klassenlehrerin meines größeren Sohnes einen supertollen Job und ermöglicht somit ein wirklich ein ausgezeichnetes Homeschooling. Und damit nicht alles so anonym bleibt – in unserem Fall: die gut organisierte Regenbogengrundschule in der Neustadt.

  4. Statt „Die Schule leistete dazu keinen Beitrag.“ muss es vielmehr „Sachsen leistete dazu keinen Beitrag.“ heißen.

  5. Dieser offene Brief ist milde formuliert. Um es knapp auszudrücken: Das homeschooling ist katastrophal umgesetzt. Wir haben ein Kind in der Grundschule und zwei an verschiedenen dresdner Gymnasien (Sek I). In der Grundschule ist es halbwegs okay, weil das meiste in der Hand einer Lehrerin liegt und daher etwas strukturiert ist (Tagesplan). An den Gymnasien sieht das anders aus. Die Kinder werden mit einer Vielzahl an chaotischem Material zugeschüttet, das teilweise unvollständig ist, verspätet kommt oder technisch überhaupt nicht funktioniert (z.B. überforderte LernSax-server). Die Kinder haben noch kaum fundierte Computerkenntnisse, sollen aber alles selbständig multimedial erledigen. In der Praxis sieht das so aus, dass ich alle fünf Minuten gucken komme, warum das Dokument nicht aufgeht, diese PowerPoint sich nicht drucken lässt, warum der Link nicht geht … Dazu ist es im LernSax absolut unübersichtlich welche Aufgaben bis wann erledigt werden sollen, da werden die Materialien in falschen Ordnern abgelegt, Fristen kurzfristig geändert … Wie man es aus der Uni kennt – aber nicht aus der Schule :)
    Die Kinder leiden unter dieser Flut chaotischer Anforderungen. Von der Schule heißt es lapidar: Sie müssen eben selbstverantwortlich lernen sich zu strukturieren. Genau! Aber dann sollen die Schulen bitte mit gutem Beispiel vorangehen. Diese Art homeschooling, wie sie derzeit stattfindet, kann von den Kindern nicht allein bewältigt werden. Es kann nicht sein, dass die Verantwortung einseitig auf Eltern und Schüler abgewälzt wird. Die Eltern sind keine Lehrer! Sie sind nicht entsprechend ausgebildet, bekommen dafür kein Gehalt aber müssen ihr eigenes home office hintanstellen. Zudem belastet es die Eltern-Kind-Beziehung enorm…
    Liebe Eltern, haltet die Ohren steif!

  6. Ja man verlangt immer nur das Eltern und auch Grosseltern für Kinder und Enkelkinder da sind auch was Schule anbetrifft, aber wie es zu schaffen ist da fragt die Politik nicht. Wie ist es aber bei Familien wo sich die Eltern nicht oder Alleinerziehende die digitale Technik nicht leisten können bzw.haben. Danach fragt keiner wie sie es machen sollen. Hilfe und Unterstützung gibt es auch nicht. Warum ist Notbetreuung nur für bestimmte Berufszweige,es gibt auch noch andere Tätigkeiten die nicht Homeoffice machen können.

  7. „Die Antworten der Politikerinnen ließen teilweise erkennen, dass die am liebsten der Direktorin der Schule die Schuld in die Schuhe schieben würden.“

    Dann wollen die Politiker bestimmt, dass ihre Antworten veröffentlicht werden. Und erst dann darf man die Antworten auch veröffentlichen. Wo kämen wir sonst in unserem schönen Sachsen hin, wenn unsere tollen Politiker ohne deren Zustimmung kritisiert werden würden?

  8. Der Brief spricht mir aus der Seele – sitze mit zwei Grundschulkindern in der gleichen Situation. Die Lehrerinnen sind zwar sehr engagiert- allerdings im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Das Land Sachsen versagt hier mal wieder auf ganzer Linie und ausbaden dürfen es Lehrer/Eltern und Kinder. Darf man den Brief als Vorlage nutzen und entsprechend erneut versenden?

  9. Leider stimmt der Beitrag zu fast 100% mit meinen Erfahrungen überein. Eine Videokonferenz mit Lehrerin kam erst nach Initiative der Eltern zustande. Alle Teilnehmer haben es technisch hinbekommen, bis auf die Lehrerin. Wir hoffen, es klappt vielleicht diese Woche…
    Wir haben einen Wochenplan, aber ich frage mich ernsthaft, was man erwartet wenn man Viertklässlern solche Aufgaben vorgibt: „Denke dir selbständig etwas aus und übe fleißig.“ (Ich bin kein Pädagoge, aber habe an der Uni mal Lehrveranstaltungen gehalten und denke, nicht wenige der Studenten hätten bei soclchen Ansagen auch nichts zustande gebracht – zum Glück sind die meisten gestellten Aufgaben konkreter) Generell scheinen die Lehrer überhaupt keinen Zugang zu digitalen Arbeitsweisen zu haben, angeblich wurden sie ja geschult… Wenn ich dann als Wochenplan ein Word-Dokument geschickt bekomme, in dem ich erst mal Zeilen- und Seitenumbrüche zurechtfriemeln muss, weil keiner den Lehrern beigebracht hat, dass man Seitenumbrüche nicht erzeugt, indem man so oft auf Enter drückt, bis es umbricht, dann wundert mich auch nicht mehr, wenn ich Unterlagen von der Schule im in Schönschrift handadressierten (einschließlich Absender) Umschlag bekomme.

  10. Es ist eben ganz einfach so, dass das deutsche Bildungssystem sowohl die Ausbildung der Schülerinnen und Schüler in Sachen Eigenverantwortung/eigenverantwortliches Lernen als auch in Sachen Umgang mit digitalen Medien seit langer Zeit mehr oder weniger vernachlässigt. Die Lehrpläne und Methodenkompetenz vieler Lehrer lassen das gar nicht zu. Es kann also von vornherein nur schlecht funktionieren in der aktuellen Situation ohne das Engagement der Eltern. Das zuzugeben werden Sie keinen einzigen Politiker von überzeugen können. Und es wird sich auch nach Überwinden dieser Pandemie nichts ändern, wenn nicht massiv Druck ausgeübt werden kann, endlich das Konzept der Schule zu modernisieren.

  11. Den „Schutz des geistigen Eigentums und von Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen“ in der behördlichen Antwort auf diese Anfrage kann ich nicht erkennen. Wenn die personenbezogenen Daten geschwärzt werden kann es möglich sein, aber da müsst Ihr natürlich selber drüber entscheiden.
    Siehe z.B. /Informationsfreiheitsgesetz – IFG

    Der Datenschutz ist zunächst mehr in die andere Richtung in Bezug auf Daten der Bürger geregelt.

    Abzuwägen ist auch die Frage der persönlichen Beziehung für eine zukünftige Zusammenarbeit (sollte dies der Fall sein), aber den Brief ohne die Antwort zu veröffentlichen ist… naja.

    Einen offenen Brief (wie letztens eines Unternehmers) schreibt man ja auch, um eben den Druck zur Reaktion (z.B. des Ministerpräsidenten) zu erhöhen.

    Es ist aber letztlich die Entscheidung der Redaktion, das öffentliche Interesse in diesem Fall abzuwägen.

    Ich kann mir die Reaktion z.T. schon vorstellen, ein Verweis auf die „höhere Gewalt“ einer Pandemie dürfte auch nicht wundern…

    Was sollte der offene Brief hier bewirken?

  12. Zitat: „Kann ich noch nicht sagen. Hängt davon ab, ob die entsprechenden Politiker das wollen. Wir prüfen das.“

    Das soll doch wohl ein Witz sein!?
    Hab 3 Kinder, wovon eins z.Z. Berufsschule per ständig abstürzendem Lernsax hat, einem 2Klässler und einer 5Klässlerin(ebenfalls Lernsax). Ich hab jetzt die Woche vor Weihnachten und die letzte Woche im Urlaub neben den normalen Aufgaben eines „Hausmannes“ versucht meinen Kindern auch ein guter Lehrer zu sein. Das muss jetzt ab 11.01. wieder meine Frau übernehmen (die so ganz nebenbei noch bisschen arbeiten geht) da ich als Berufskrsftfahrer die ganze Woche Europaweit unterwegs bin.
    Unbezahlt zu Hause bleiben kann sich niemand leisten, Homeoffice ist bei uns nicht möglich (Frau arbeitet in einer Bäckerei, ich fahre LKW), Großeltern wohnen außerhalb der 15km Regelung, Nachbarn haben ähnliches Problem, Notbetreuung bekommen wir nicht….

    …und jetzt kommen Sie und müssen die Politiker fragen ob Ihre Antworten hier gezeigt werden dürfen?! Ernsthaft?!?!

  13. Guten Tag,

    Ich muss sagen, dass unsere Grundschullehrerin alles soweit sehr gut organisiert hat. Wir arbeiten mit LernSax täglich online und wir dürfen sie auch immer anrufen.

    Wenn ich jedoch mit dem Kind lerne, bleiben die beiden Kita Kinder, eins davon I, auf der Strecke. Homeoffice mache ich nachts.
    Neben der Dauerbelastung komme ich auf 4h Schlaf.

    Diese erweiterten Kindkrank Tage sind keine Option. 1. gibt es weniger Geld, 2. müsste ich mit allen 3 Kindern zum Arzt, 3. bleibt die Arbeit liegen und ich habe danach vielleicht noch 2h Schlaf. Andere Kollegen sind auch Eltern. Niemand kann den anderen vertreten.

    Macht die Kindergärten auf.
    Und endlich saftige Strafen für Tagesausflügler.

  14. Der Brief des Vaters war an einige Politiker gerichtet, die Antworten waren, da teils auch eine Bekanntschaft besteht, eher persönlicher Natur. Daher werde ich die hier nicht veröffentlichen.

    Ich werde aber aus den Anmerkungen hier und dem Brief eine Interviewanfrage an das Kultusministerium entwickeln. Denn von dort sollten die Antworten kommen.

  15. Verstehe nicht, weshalb in Schulen nicht per Videokonferenz gelehrt wird. Seid Frühjahr wird das in vielen Betrieben umgesetzt. Funktioniert einwandfrei. Der Lerneffekt bei den Kindern wäre um einiges höher, als das reine Abarbeiten von irgendwelchen Hausaufgaben, die von den Eltern mehr oder weniger gut übermittelt und korrigiert werden. Zudem fehlt das Feedback von den Lehrern ebenso.

    Familien mit mehreren schulpflichtigen Kindern müsste man eben schnellstmöglich mit zusätzlichen Computern versorgen, falls nicht vorhanden.

    Auf meinen Vorschlag hin hat die Lehrerin meiner Tochter letzte Woche wenigstens mal die Klassenleiterstunde per Teams ausprobiert. Das hat super funktioniert. Ich hoffe da tut sich auch wenigstens in den versetzungsrelevanten Schulfächern etwas!

  16. Ich arbeite in der IT. Leider nicht im Bildungssektor, war aber jahrelang in einem Unternehmen, welches Multimediainhalte macht.
    Und ich habe in der Verwandtschaft Lehrer und Schulleiter.

    Ich kann die Politiker-Aussage nachvollziehen: Digitalkonzepte umsetzen MUSS die jeweilige Schule. Also Lehrkräfte ausbilden, befähigen und Zum sogenannten „Onboarding“ der Schüler kompetent machen und dann natürlich den Lehrstoff transferieren.
    ABER – und das ist das fette ABER:
    Damit es in der Schule umgesetzt werden kann, braucht man als Schule Geld, Coaches (also welche, die mehr Ahnung von Digital haben als so manche lehrer, um sie auszubilden), die such Geld kosten UND ein Angebot an Konzepten für digitalen Unterricht.

    Es geht schon damit los, dass rein statistich je 60 Schüler:innen ein Kind in Armut lebt und gar kein Gerät (laptop/tablet – handy gibts meist schon) für homeschooling hat. Dann müssen enorme bürokratische Hürden genommen werden, damit das Kind was bekommen kann („und wer bezahlt den internetanschluss?“). Also wird der Remote-Unterricht auf „e-Mail“ runtergebrochen, damit zumindest diese e-mail mal kurz irgendwo heruntergeladen und ggf. Gedruckt werden kann. Also versteht mich nicht falsch, ich möchte Armut nicht ausgrenzen, sondern im Gegenteil: die Bedürftigen sollen relativ ungefragt alles bekommen, damit alle Schüler homeschooling machen können. Dafür haben wir auch die Mehrwertsteuer: je mehr leute ihr Internet selbst bezahlen können , desto mehr können in solchen Notsituationen es von den steuern bezahlt bekommen. Da dürfen jetzt aber die, die es vielleicht mit ach und krach bezahlen können nicht auch noch anfangen, einen Anspruch darauf zu erheben. Zumindest nicht jetzt. Was Politik hier tun kann, ist ein faires Modell zu entwickeln. Und? Gibt es eins!? Gibt es Ideen dazu? Mindestens eine steht hier gerade!

    Die Schulleiter:innen haben ständig Konferenzen mit dem Kultus und die Aussagen sind alle genauso wischiwaschi, wie man sie in den Zeitungen liest. Niemand kann nachvollziehen, warum es da keine Entscheidungskompetenz gibt. Das Problem ist für dieSchulleitenden: Soll ich nun mit meinen Lehrkräften weiter das homeschooling ausarbeiten oder sollen wir uns auf ein verschärftes Hygienekonzept vor Ort konzentrieren? Beides geht nicht. Oder lassen wir jetzt Lehrer auch einfach mal 60h/Woche schieben und bezahlen sie auch?
    Ach so, ja sie haben mit den Ferien eh mehr Urlaub, und können die Überstunden abgelten!? Was bitte!?

    Und was ich aus Erfahrung auch sagen kann: Für den technischen Betrieb und Entwicklung der Lernplattformen sind Firmen zuständig, die Ahnung von IT haben. Allerdings wurde auch hier damals gespart und die Auswirkungen spürt man jetzt. Solide Entwicklung und Betrieb von Plattformen mit großem Ansturm erfordern Erfahrung, die meist nur die teuren und großen Firmen haben.

    Was die inhaltliche Gestaltung angeht… Tja, da sind wir ALLE mitschuld. Diejenigen, die ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht mitteilen, und diejenigen, die das nicht in digitale Konzepte antizipieren können. Youtube ist nur eine Plattform. Dass ein Video so aufbereitet und geschnitten wird, dass man es gerne guckt, das können auch nur wenige oder Teams. Bestimmt nicht frau Müller aus Klasse 3b, die jahrelang Kinder unterrichtet. Die braucjt jemanden an der Hand, um das so zu gestalten, um die Kamera aufzubauen, licht auszuleuchten und vielleicht die ein oder andere Animation rauszusuchen und reinzuschneiden…

    Es gibt viele Bürgerinitiativen, auf eine möchte ich aufmerksam machen:
    https://wirfuerschule.de/

    Danke.

    Bei allem Frust und aller Versäumnisse – es ist nun mal die Situation, in der wir uns befinden und wir können die Fehler jedes einzelnen nur heranziehen, um zu überlegen, wie sie in Zukunft vermieden werden. Also, Zähne zusammenbeißen und durch. Hat niemand gesagt, wir brauchen nur warten, bis es vorbei ist. Aber es ich auch nicht richtig, die Maßnahmen zu boykottieren.

  17. „Offener Brief“, aber die Antworten sind „persönlicher Natur“. Da beißt sich die Katze ordentlich in den Schwanz, nicht wahr?

  18. Nein, lieber Volker Sielaff. Es war ein persönlicher Brief an Politiker. Da der Verfasser von den Antworten enttäuscht war, hat er sich entschlossen, den Brief zu veröffentlichen.

  19. Felix, Ihr Beitrag stellt die Situation m. E. am besten dar. So lange Schülerinnen und Lehrerinnen mit vorsintflutlichen „Lernplattformen“ wie OPAL oder Lernsax operieren müssen, brauchen wir weder über die Qualifikationen der Lehrerinnen noch die digitalen Kompetenzen der Schülerinnen diskutieren. Der Freistaat bzw. das Bundesland muss funktionierende Software schaffen und nicht auf völlig antiquierte Billiglösungen zurückgreifen, sowie für ausreichende Hardware (bei Lehrerinnen und bedürftigen Haushalten der Schülerinnen) sorgen. Das ist der grundlegende Punkt. Alle anderen Fragen (faule oder fleißige Lehrerinnen usw.) sind davon abhängig.

  20. @ Piwizzard: Die Software ist längst vorhanden. Es gibt wunderbare sowohl quelloffene als auch proprietäre Lern- und Lehrmöglichkeiten. Wir kennen sie alle. JedeR von uns kann mit vorhandenen Werkzeugen Videos drehen, schneiden, hochladen, Lektionen u.s.w. erstellen. Das ist längst keine Raketenwissenschaft mehr.

    Aber es gibt zu wenig Lehrende, die wissen (bzw. genug Kreativität habe), wie man Lehrstoff mit diesen Werkzeugen vermittelt.

    Abgesehen davon ist Schule eh eine hirntötende Institution. Ist besser, wenn die Kids mal bisschen Ruhe davon haben.

  21. Wenn Poliker, ob Staat oder Land nur selber nur rumjammern und Verbote erlassen, nach der Devise, mal schauen was passiert. Sind vollkommen fehl am Platze. Eine klare Strategie wird benötigt und eine Generalstabsmässige Führung. Dazu ist Frau Merkel nicht in der Lage auch ein Söders nicht.

  22. Bei uns ist es eine ähnliche Situation. Ein total über strspaziertes lernsax. Extrem überforderte Lehrer. Ich bin die ganze Woche auf Montage unterwegs und mein Mann hat auch nen Vollzeitjob Job der nicht im home Office erledigt werden kann. Wir haben zwei Kinder am Gymnasium 6 und 9 klasse. Die Kinder werden zugeschüttet mit teilweise neuen stoff zum selbst erarbeiten. Was natürlich nicht wirklich machbar ist. Wir haben leider nur eine wirklich engagierte Lehrerin die sich auch sonntags mal Zeit nimmt in einer extra Konferenz den Stoff zu erklären. Aber das ist ein absoluter Einzelfall.auch unsere Schulzeit ist schon ne Weile her so das wir den Kinder nicht einmal die Lösungsansätze richtig erklären können.da wir das ganz anders gelernt haben. Des Weiteren haben wir auch kein Abitur und sind daher eine sagen wir sehr beschränkte Hilfe für die Kinder. Der lockdown kam mit Ansage und in einem halben Jahr hat weder das Kultusministerium noch die Schule etwas geschafft damit das homescooling nicht so chaotisch wird wie im Frühjahr. Es ist einfach nur sehr traurig. Dabei brauchen wir doch so dringend gutes Personal in vielen Bereichen welches sich jetzt nicht entwickeln kann weil es schon in der Schulzeit nicht funktioniert. Wie sollen die Kinder jemals eine ordentliche Ausbildung machen bzw. Schaffen

  23. > Verstehe nicht, weshalb in Schulen nicht per Videokonferenz gelehrt wird. Seid Frühjahr wird das in vielen Betrieben umgesetzt. Funktioniert einwandfrei.

    Ist das so? Bei uns (IT-Firma) war das immer wieder eine mittlere Katastrophe. Bei Skype oder Teams -Meetings gab es ständig endlose Probleme sich Einzuwählen, mit Ton- und Audioaussetzern und Verbindungsverlusten. Je mehr Leute teilnahmen, desto schlimmer. Damit eine Schulklasse unterrichten, wo alle 5 Minuten irgendwer ein technisches Problem, das er – im Gegensatz zu uns Nerds – nicht gleich selbst lösen kann? Na viel Erfolg!

  24. Online lernen ist immer schwer. Für die Grundschüler auch als Video Konferenz.
    Wir haben die Erfahrung gemacht. Die Ablenkung ist einfach gross.
    An unserer Grundschule läuft es bisher gut. Ohne Stress mit Wochen Plan per Email im Lernsax.
    Für höhere Klassen funktioniert das online als Konferenz eher. Selbst das sogenannte „Armenhaus EUROPAS“ – Bulgarien hat das auf die Reihe bekommen. Dort wird per Videokonferenz gelernt… ohne Lernsax. Die nehmen einfach Microsoft Teams.

  25. @Pfuhland: Für Bildung sind Merkel und Söder nicht zuständig. Das ist Ländersache. Im PISA-Weltmeisterland Sachsen ist Christian Piwarz zuständig. Bzw. er wäre es eigentlich.

    @Jemand: „Die nehmen einfach Microsoft Teams.“ – ist in Sachsen wahrscheinlich verboten. Was ich nicht schlecht finde, Microsoft ist einfach ne Datenkrake. Es gibt aber ähnliche DGSVO-konforme Anbieter. Würde mich interessieren, ob die verwendet werden dürfen.

  26. Frage am Rande: Erinnert sich noch jemand an das Bildungsfernsehen des Bayrischen Rundfunks?
    Das wäre Digitalisierung in der einfachsten Form, denn Fernsehen ist ja heutzutage auch digital (wenn es schon nicht mit den „modernen“ Medien funktioniert). Einen Fernseher hat fast jede Familie und das Vormittagsprogramm von ARD und ZDF sowie der dritten Programme sollten problemlos genügend Sendezeit frei machen können, um zumindest den Kindern das Interesse am Lernen nicht abhanden kommen zu lassen. Es würde ja reichen, das die Kinder und Jugendlichen sich wenigstens nicht zurück entwickeln und das Lernen verlernen. Der Aufwand eine pädagogisch wirklich wertvolle Sendung für die ganze Republik zu erstellen, ist am Ende geringer, als tausende Lehrer damit zu beauftragen, Kinder zu beschäftigen. Denn eigenständig lernen ist zumindest in den unteren Klassenstufen nicht möglich, da ein Kind schlicht dazu nicht in der Lage ist.
    Aber der Föderalismus ist uns ja heilig und GEZ-Gebühren sind für den Fußball und das Traumschiff da…

  27. MS Teams ist nicht verboten aber auch nicht zu empfehlen.
    Office 365 mit dem Kernelement „Teams“ kann nach Einschätzung der Datenschutzbeauftragten grundsätzlich nicht regelkonform eingesetzt werden:
    https://www.heise.de/news/Microsoft-Office-365-Die-Gruende-fuer-das-Nein-der-Datenschuetzer-4919847.html

    (Sachsen hat sich dieser Einschätzung übrigens nicht angeschlossen, wie auch im Artikel nachzulesen.)

    Letzteres kann ich nach tieferem Einblick in Office 365 über die vergangenen 3 Monate (Einführung im Unternehmen, Verhandlung eines Betriebsvereinbarung zu den gegebenen Möglichkeiten der Verhaltens- und Leistungskontrolle durch Office 365 und Vorstellungen des Unternehmens mit US-amerikanischer Mutter, was man damit alles machen möchte) nicht nachvollziehen. Wer bei Facebook & Co. der ganzen Welt alles über sich erzählen möchte – OK, seine Entscheidung. Wenn das so nebenbei ganz automatisch durch die erzwunge Nutzung bei MS abfällt und von vielen Leuten abgefragt werden kann, ist es eben nicht mehr meine Entscheidung.
    Bequem mag MS Teams ja sein, aber jeder soll sich über Konsequenzen bewusst sein, bevor er Entscheidungen trifft.

  28. Ohne Schulabschluss geht es auch.
    Kleine Auswahl:
    George Washington: President der Vereinigten Staaten von Amerika,
    Abraham Lincoln: President der Vereinigten Staaten von Amerika,
    Harry Truman: President der Vereinigten Staaten von Amerika,
    Grover Cleveland: President der Vereinigten Staaten von Amerika,
    Zachary Taylor: President der Vereinigten Staaten von Amerika,
    Andrew Johnson: President der Vereinigten Staaten von Amerika,
    John Glenn: Astronaut, U.S. Senator,
    Barry Goldwater: U.S. Senator,
    Benjamin Franklin: U.S. Ambassador,
    Winston Churchill: Premierminister von England,
    John Major: Premierminister von England,
    Robert Frost: Dichter,
    Florence Nightingale: Nurse,
    Buckminster Fuller: Zukunftsdenker und Erfinder,
    George Eastman: Gründer von Eastman Kodak,
    Ray Kroc: Gründer von McDonald’s,
    Dave Thomas: Gründer von Wendy’s,
    Ralph Lauren: Fashion Designer und Unternehmer,
    Doris Lessing: Nobelpreisträgerin für Literatur,
    George Bernard Shaw: Dramatiker / Showman,
    Peter Jennings: Nachrichtensprecher der ABC,
    Christopher Columbus: Weltentdecker,
    TD Jakes: Pastor,
    Joel Osteen: Pastor,
    John D. Rockefeller: Gründer von Standard Oil,
    Karl Rove: Präsidentenberater,
    Ted Turner: Gründer von CNN,
    Quentin Tarantino: Filmdirektor,
    Peter Jackson: Filmdirektor (Lord of the Rings),
    Mark Twain: Buchautor,
    Leon Uris: Buchautor,
    Carl Bernstein: Reporter der Washington Post,
    Carly Fiorina: CEO von Hewlett Packard,
    Charles Dickens: Buchautor,
    Andrew Carnegie: Industrie-Unternehmer,
    William Faulkner: Nobel und Pulitzer-Preisträger,
    Li Ka Shing: Der reichste Mann in Asien,
    Richard Branson: Gründer von Virgin Atlantic Airways und Virgin Records,
    Enzo Ferrari: Gründer von Ferrari,
    Henry Ford: Gründer von Ford Motor Company,
    J. Paul Getty: Gründer von Getty Oil,
    Jack London: Buchautor,
    Larry Ellison: Gründer von Oracle,
    Tom Anderson: Gründer von MySpace,
    Mark Zuckerberg: Gründer von Facebook,
    Steve Jobs: Gründer von Apple,
    Steve Wozniak: Gründer von Apple,
    Bill Gates: Gründer von Microsoft,
    Paul Allen: Gründer von Microsoft,
    Ringo Starr: Beatle
    Und dazu kommen noch 20% der Bundestagsabgeordneten, die es an der Uni nicht geschafft haben.

  29. In den Wochen nach dem 1. Lockdown war an einen Ausbau des E-Learning erst mal gar nicht zu denken. Natürlich, alle Lehrer merkten wo es hapert, aber nun hatten wir uns schon wieder auf Neues einzustellen. Fast wöchentlich änderte sich das Beschulungskonzept, immer wieder mussten neue Regeln zum Aufenthalt im Haus, auf dem Hof und im Unterricht erarbeitet und etabliert werden. Auch das neue Schuljahr hielt ständig neue Herausforderungen dieser Art bereit. Die Schule richtete in der Zeit Lernsaxzugänge ein und schulte das Personal in diesem Bereich. Aber:
    1.Die meisten Eltern sind jünger als viele Lehrer- das liegt in der Natur der Sache- und sind mit dem PC größtenteils aufgewachsen, die Grundkenntnisse lernen die älteren Kollegen nicht von heut auf morgen, da hilft auch keine kurze Schulung.
    2. Die Schule ist technisch nicht ausgestattet, einige Lehrer auch nicht.
    3. Die jüngeren Lehrer sind gleichzeitig auch Eltern mit Kindern im Homescooling… und das mit dem Homeoffice während der Beschulung eigener Kinder….. weiß ja jeder.
    4. An unserer Förderschule kommt dazu, dass die meistens außer einem Smartphone nicht über Geräte für ein E-Learning verfügen und selbst wenn sie die mal eben bekämen könnten sie sie nicht so mirnichtsdirnichts bedienen.
    Die Kinder sollten sobald wie möglich wieder in die Schule und zwar dringend!

  30. wie es auch anders geht zeigt
    https://www.wbstraining.de/wbs-learnspace-3d/

    Ich habe mit dieser Software in der WBS eine Weiterbildung gemacht(geht auch von zu Hause aus!) und es hat wunderbar geklappt, der Lehrer/dozent arbeitet von daheim und man geht als „mensch“ in ein digitales Haus… man hat einzelzimmer und eben Konferenzräume, eine große bespielbare Wand mit 3 Displays an der Wand die der Dozent aber auch der Schüler nutzen können.
    Die Arbeitsmaterialien kann man sich auf von einem Server holen und von daheim arbeiten.

    Das einzige was man wirklich brauchte war ein Headset(das ist nun wirklich keine riesige Investition) und das wars. Die technik wurde einem wenn das Amt mitgespielt hat sogar für die Zeit für zu hause komplett! gestellt, einzige was man brauchte war halt Internet.

  31. Der Brief deckt sich stark mit meinen Erfahrungen und auch mit den Schreiben, die ich ans Bildungsministerium und die Schule geschrieben habe. Mein Sohn hat nicht einmal die 30 min Onlineunterricht, in denen er seine Lehrer etwas fragen könnte. Man kann sich aber jederzeit per E-Mail melden. Warum von 5. Klässlern erwartet wird so proaktiv auf Lehrer zuzugehen anstatt Fragestunden oder – verrückte Idee – echten Onlineunterricht wie in der Schule nach Stundenplan anzubieten, erschließt sich mir nicht. Förderunterricht für Kinder mit zusätzlichem Bedarf findet gar nicht statt. Und „nebenbei“ darf ich noch ein Kindergartenkind betreuen und arbeiten. Mein Mann und ich fühlen uns ziemlich allein gelassen. Und ich Frage mich, welcher Betätigung unsere Lehrer aktuell tagtäglich nachgehen.

  32. „@Erich: Angebot der ARD zum Homeschooling im Überblick.“

    @Anton: Danke für den Link!
    Das hatte ich bisher noch nicht gefunden, evtl. auch weil viele der Sendungen erst seit heute eingestellt wurden. Ich werde das gleich mal der Schule weiterleiten…

  33. Ich bin selbst Fachlehrerin an einer Förderschule und möchte ein paar meiner Gedanken beitragen: Ich habe zwei Söhne (15, 12) und seit zwei Jahren arbeite ich in unserem Schulsystem. Ich teile das Unverständnis vieler Eltern: Das was jetzt von den Lehrern nicht kommt, muss ich kompensieren. Und da geht es mir nicht nur um die Vermittlung des Wissens. Die Kinder brauchen eine Bezugsperson, die sie beim Lernen begleitet. Das kann auch die beste digitale Versorgung nicht leisten. Was das angeht, müssen wir eben das Beste draus machen. Vielleicht auch schauen, was können wir den Kindern jetzt beibringen und vorleben, wie man mit so einer Ausnahmesituation kreativ umgeht. Weniger jammern und streiten, Schuldige suchen und mehr selbst aktiv werden! Andererseits erlebe ich sehr engagierte Kolleg*innen, die angesichts der politischen Entscheidungen in Sachsen und Deutschland immer wieder die Köpfe schütteln. Die Personal- und Sachausstattung an den Schulen ist nach wie vor schlecht. Ein Medienbildungskonzept zur Verbesserung der Lage haben wir im Kollegium quasi nebenbei erarbeitet. Es dürfte mindestens noch ein Jahr ins Land gehen, bis die Schule wirklich ausgestattet wird. Das ändert sich leider auch nicht in der aktuellen Situation. Bezüglich der Mediennutzung bilden wir uns im Team weiter. Fazit: Es ist seit Jahren kein Geheimnis, dass Bildung politisch recht weit unten steht auf der Prioritätenliste. Durch persönliches Engagement ist die Situation an den Schulen unterschiedlich. Was können wir tun? Fragt sie doch mal persönlich, was sie gerade tun, die Lehrer eurer Kinder. Ohne von vornherein Vorwürfe zu machen. Helft ihnen mit technischen Problemen. Macht politisch mehr Druck. Engagiert euch in den Schulen, wenn Lehrer fehlen. Statt Steuern zu zahlen, könnt ihr euer Knowhow auch ehrenamtlich einbringen.

  34. Mein Sohn geht in die 5. Klasse der Universitätsschule Dresden und sitzt täglich vor seinem von der Schule gestellten Laptop in 2 einstündigen Videomeetings mit der Lehrerin und hat von 8 bis 13 voll zu tun. Es geht also, wenn man will. Können sich andere Schulen eine große Scheibe von abschneiden oder vllt. einfach mal die Kollegen fragen wie sie das gemacht haben.

    @eine Lehrerin.. Es ist eine Schande, dass einige Lehrer immer noch behaupten: Ja ihr seid ja mit der Technik aufgewachsen, ich kann das nicht wissen, ich bin alt… Entschuldigung, aber das zählt für mich nicht. Spätestens seit 1995 sind PCs auch in Privathaushalten schon wegen des Internets weit verbreitet und eine heute 60jährige Lehrerin war damals 35 Jahre alt und eigentlich jung genug für den Computer… Laptops gibt es heute ab 300 Euro Neupreis, viele Handys sind da teurer. Also von daher ist das Argument der fehlenden Ausstattung ebenfalls unhaltbar. Einfach mal bei Cyber Port, Saturn oder Media Markt vorbeischauen oder wenn der Geldbeutel schmal eben bei eBay Ein neues Handy gibts bei den meisten auch aller 2 Jahre. Warum nicht mal einen PC. Allein die Tatsache, dass einige Lehrer zu Hause keinen Pc haben… naja, das das macht mich eigentlich echt sprachlos.

  35. Auf die Gefahr hin von allen kritischen Beitragenden zerrissen zu werden: Ich kann alle Lehrkräfte und Schulleitungen nur loben für die in kurzer Zeit erstellte Organisation des Schulunterrichts unter diesen erschwerten Bedingungen. Wir können mal ganz entspannt unsere Ansprüche als Eltern an die möglichst perfektionierte Bildung unserer Kinder herunterschrauben. Es wird keine verlorene Zeit sein, wenn wir dieser komplizierten Herausforderung einfach mal Zeit geben. Angesichts dieser lauten und besserwissenden Kritik wähne ich mich wie in Elternabenden, wo ich vor genau diesen WortführerInnen immer wieder in Kinderstühlen versinken und unter Schultischen vor Fremdschämen verschwinden wöllte. Einfach mal entschleunigen und auch Unperfektes akzeptieren. ( ein 5facher Vater und kein Lehrer )

  36. Hallo, auch ich bin Lehrer und arbeite an einer Dresdner Oberschule. Ich freue mich zu lesen, dass es hier viele engagierte Eltern gibt. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich nur sagen, an unserer Schule hat jeder Lehrer die entsprechende Technik zu Hause. Ohne würde es nicht mehr gehen, dazu ist die Schule schon zu digitalisiert mit digitalen Notenbüchern, digitalen Tafeln, Beamertechnik…. Zukünftig kommen noch digitale Klassenbücher hinzu. Jeder Lehrer und Schüler besaß schon vor der Coronazeit einen Zugang zu Lernsax.
    Mein Problem ist zum einen die Störanfälligkeit (die Peinlichkeit) dieser Lernplattform. Ausweichen auf eine andere wie z.B. Moodle war ein Versuch wert, scheiterte aber, da anscheinend die Lehrerkarawane geschlossen dahin umzog….! Bei Zoom oder MS Teams ist man sehr vorsichtig, da in Thüringen und Brandenburg Lehrer bangen, abgemahnt zu werden von Datenschutzbeauftragten oder findigen Anwälten. Problem zwei: Eine Videokonferenz ist besser als nichts, aber kein Vergleich zu einem Unterricht in der Schule. Technische Probleme wurden ja schon benannt.
    Problem 3: Unsere Schüler und ihre Eltern haben teilweise keine oder nur begrenzte Technik zu Hause. Ich mache schon gar keine Arbeitsblätter, da die wenigsten einen Drucker besitzen. Übrigens haben die Schulen ein Kontigent an Laptops für solche Schüler bereitgestellt.
    Problem 4: Was nützt aber die Technik, wenn man am anderen Ende der Leitung keinen erreicht. Leider gibt es neben vielen engagierten Eltern auch Eltern, die existenzielle, oder zeitliche Probleme haben, oder einfach mit sich selbst zu tun haben und ihren Kinder nicht helfen(können).
    Bei den Videokonferenzen habe ich, wenn es hochkommt, 7 von 27 Schülern vor dem Monitor. Soll ich jetzt mit der Note „6“ um mich schmeißen?
    Ich hoffe ganz schnell auf ein Ende der Pandemie und wenigstens die teilweise Öffnung der Schulen. Dann wird es mir auch weiter ein Bedürfnis sein, gegen Leugner, Verweigerer und Idioten zu unterrichten.

  37. @Noch ein Vater
    Schön, dass es bei Deinem Sohn funktioniert. Die Probleme mit Lernsax (geht gar nicht, geht, aber Anmeldung geht nicht, Videoserver überlastet..) dürften aber auch dort auftreten.
    Grundschüler, besonders Erst- und Zweitklässler können kaum selbst am Rechner arbeiten, d.h. da hängts doch sehr davon ab, dass Eltern helfen können. Da müssen die Lehrer schon den Unterricht so aufbereiten, dass es auch ohne Computer lernbar ist. Und das ist dann eben wirklich extra-Arbeit.
    Dass 1995 PCs wegen des Internet verbreitet waren, ist falsch. Guck mal selber, ab wann das hier einigermaßen verfügbar war.
    Lehrer sollten selbstverständlich mit Computern umgehen können, und fast alle werden das auch. Dass bisher (und hoffentlich auch künftig) der Unterricht auf Präsenz ausgerichtet ist, heißt aber auch, dass es schlicht kaum gute, für alle Kinder gleichermaßen nutzbare Digitale Angebote und Didaktik gibt.
    An der Regenbogenschule (wo recht engagiert versucht wird, die Schüler beim zu-Hause-Lernen zu unterstützen), gibt es 10 Leih-Laptops für Schüler. Da habt Ihr an Eurer Schule doch Luxus.
    Die Kollegen fragen klingt gut, aber vermutlich haben Lehrer hauptsächlich Kontakt zu Lehrern der eigenen Schule. Die Organisation des Erfahrungsaustauschs wäre aber ganz klar eine Aufgabe des Kultusministeriums. Das hat aber – soweit sichtbar – die Zeit seit Seuchenbeginn komplett vertrant.
    Die fehlende Ausstattung.. Ein Lehrer sollte seine private Technik eigentlich nicht für die Arbeit benutzen müssen. Klar kann die Situation da sein, dass das nicht vermeidbar ist, aber in fast jeder Firma gäbe es Ärger, wenn man dienstliches auf seinen Privatrechner tut. Insofern ist der Verweis auf den Preis von Rechnern überflüssig.

  38. Mein Sohn geht in die 9te Klasse Hauptschule. Es ist erstmal schon nicht toll das Hauptschüler mit Realschülern in einer Klasse sitzen. Im Homeschooling braucht mein Sohn normalerweise Hilfe aber ich bin Alleinerziehende und arbeite 6 Tage die Woche. Es es gibt nur Aufgaben für alle Schüler der Klasse ohne zu unterscheiden ob Hauptschule oder Realschule. Es werden in allen Fächern nur Aufgaben über Aufgaben gestellt die selber erarbeitet und im Internet recherchiert werden müssen. Die Lehrer unterrichten in dem Sinne nicht sondern verlangen nur. Es ist nicht machbar für einen Schüler alleine die ganzen aufgaben zu bewältigen und ich finde es eine riesen sauerei das es dafür Noten gibt und sich die Kinder ihr zeugnis deswegen versauen. Unfair finde ich es das manche Kinder Hilfe bekommen, weil Eltern Harz 4 beziehen u den ganzen Tag helfen können oder Eltern die in Kurzarbeit sind und mehr Zeit haben gegenüber den Eltern die arbeiten gehen. Kinder dafür gute Noten bekomm woher will der Lehrer wissen wer eigentlich die aufgaben gemacht hat ob Kind oder oma. Also ich finde Homeschooling unfair.

  39. @Michael Neumann

    Gut dass Du mich jetzt so klar widerlegt hast. Ich hab natürlich voll unrecht. Schule muss sich nicht weiterentwickeln. Kann alles so bleiben. Wir müssen auch nicht spontan neues ausprobieren wollen. Oder mal was eigenes neben Lernsax entwickeln wie z.B Edutec das auch funktioniert wenn lernsax tot ist. Ohne immer nach dem Kultus zu jammern, sondern mit der Elternschaft. Gibt sicher einige Informatikereltern an der Rainbowschool. Und by the way… ach komm, lassen wir das… juckt doch eh keinen ob wir uns hier aufregen. Ändern wird sich nichts…

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