Diskurs über Sicherheit und Gewalt

Wofür, und vor allem für wen ist eigentlich die Polizei da? Eine Frage, die sich die wenigsten von denen stellen, die selbst noch keine Erfahrung mit der so alltäglichen und selbstverständlichen Institution gemacht haben. Dass es jedoch wichtig ist, ihr auf den Grund zu gehen, und wie das geschehen kann, zeigt die momentane Ausstellung „safe?“ im Hole of Fame.

Kritik am Polizeigesetz

Es ist das Künstler*innenkollektiv Polizeiklasse Dresden, das dort noch noch bis zum 18. Oktober eine Arbeit vorstellt, die auf ausführlicher Dokumentation basiert. Die Gruppe hat sich letztes Jahr anlässlich des neuen Sächsischen Polizeigesetzes nach dem Vorbild der Polizeiklasse München zusammengeschlossen, um sich künstlerisch mit autoritärer Staatsgewalt, Faschismus und der Neuen Rechten auseinanderzusetzen.

Die Aktion "Gedenkweltmeister" des Künstler*innenkollektivs im Februar. Foto: Polizeiklasse Dresden
Die Aktion „Gedenkweltmeister“ des Künstler*innenkollektivs im Februar. Foto: Polizeiklasse Dresden

Bisher geschah das vor allem durch Präsenz in den sozialen Medien und im öffentlichen Raum, im Form von Performances oder der Beteiligung an Demonstrationen und Kundgebungen. Nun findet mit der Ausstellung zum ersten Mal eine längere Aktion statt, die Raum schaffen will für Stimmen, die in der Öffentlichkeit wenig Gehör finden. Das Ziel dahinter ist neben Aufklärung das Anregen eines gesellschaftlichen Diskurses.

Auf mehreren Bildschirmen werden in den nächsten Tagen Videos zum Nachdenken anregen.
Auf mehreren Bildschirmen werden in den nächsten Tagen Videos zum Nachdenken anregen.

Wer die mit Triggerwarnung ausgestattete Tür des Hole of Fame passiert hat, bekommt zur Einführung über Kopfhörer eine kurze Zusammenfassung des Themas. Parallel laufen auf verschiedenen Bildschirmen Videos ab, die teilweise von den Künstler*innen in Trickfilmart gestaltet wurden, teilweise Aufnahmen im Stadtraum zeigen, die die starke Präsenz der Polizei verdeutlichen.

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Ernüchternde Bestandsaufnahme

Auf der anderen Seite der Installation gibt es die Interviews, aus denen die Einführung zusammengeschnitten ist, in ganzer Länge zu hören. Unterschiedliche Menschen aus allen sozialen Schichten, darunter zum Beispiel ein Notarzt, ein Hausbesetzer und ein Bildungsreferent, erzählen hier über ihre Erlebnisse. Beim Lauschen ihrer Geschichten wird klar: es gibt kein Grundvertrauen zwischen der Polizei und den Bürger*innen. Da muss sich etwas ändern.

In einzelnen Audioaufnahmen erzählen Menschen von ihren Erfahrungen und Ansichten.
In einzelnen Audioaufnahmen erzählen Menschen von ihren Erfahrungen und Ansichten.

Das findet zum Beispiel einer der Erzähler, der selbst Opfer von Staatsgewalt wurde. Er schildert, wie er als Kind erstmals in Kontakt mit der Polizei kam. Wie begeistert er war, als er auf dem Polizeimotorrad sitzen durfte. Wie er dann später aber immer mehr Gewaltsituationen um sich herum wahrnahm. Bis er selbst wegen der Teilnahme an einer angemeldeten Anti-Nazi-Demonstration von drei maskierten und bewaffneten Männern aggressiv durchsucht und festgehalten wurde. Wie hilflos er sich dabei fühlte.

Zeit, Kindheitsvorstellungen zu entzaubern

Nur eines von unzähligen Beispielen für Hilflosigkeit, demütigende oder anderweitig negative Erfahrungen und Zweifel an der Kompetenz der Behörde in unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. Dem gegenüber das heroische Bild des „Freund und Helfers“, die Normalität von Spielzeugautos und sogar -waffen.

Der Polizeiporsche sorgt für Begeisterung - warum eigentlich?
Der Polizeiporsche sorgt für Begeisterung – warum eigentlich?

Die Auseinandersetzung damit, wie hilfreich und freundlich die Polizei tatsächlich ist, trägt zu einer differenzierteren Wahrnehmung bei. Die Polizeiklasse Dresden liefert dafür Informationen, wie etwa zur Geschichte der Polizei oder der Bedeutung des neuen Polizeigesetzes. Außerdem organisiert sie im Rahmen der Ausstellung zwei Vorträge und einen Workshop.

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Das Projekt sei noch lange nicht abgeschlossen, betont das Kollektiv. Die Debatte rund um Struktur und Funktion der Polizei müsse sich noch viel weiter entwickeln, viel mehr Menschen haben noch Geschichten zu erzählen. Auch in der Ausstellung gibt es die Möglichkeit, die eigene Erfahrung aufzuschreiben und abzuheften.

Projektion in der Scheibe des Hole of Fame. Foto: Amelie
Projektion in der Scheibe des Hole of Fame. Foto: Amelie

Safe? Eine Ausstellung der Polizeiklasse Dresden

  • 9.-19. Oktober im Hole of Fame
  • 11.und 14. Oktober Vorträge im Hörsaal der HfbK Dresden
  • 17. Oktober Workshop im Malabeo
  • Anmeldungen zu den Veranstaltungen und Platzreservierungen für die Ausstellung unter safe-polizeiklasse@riseup.net
  • mehr Infos unter Hole of Fame, Facebook oder Instagram

3 Kommentare zu “Diskurs über Sicherheit und Gewalt

  1. „Wofür, und vor allem für wen ist eigentlich die Polizei da? Eine Frage, die sich die wenigsten von denen stellen, die selbst noch keine Erfahrung mit der so alltäglichen und selbstverständlichen Institution gemacht haben.“
    Zum Problem wird dabei leider, dass diese Leute jedoch meist schon ihre dogmatische Antwort verinnerlicht haben, aber eben ohne sich je gefragt zu haben, die von ihnen auch gar nicht reflektiert werden will. Recht und Gesetz sind für diese Leute ein Ding, für das es eben 2 verschiedene Wörter gibt.
    Ich behaupte, bei den allermeisten dieser Leute, also jenes angesprochenen Personenkreises, finden wir des Öfteren sehr viele Charakter-Ähnlichkeiten mit jenem gewissen Diederich Heßling …
    (http://de.web.img3.acsta.net/c_300_300/medias/nmedia/18/77/80/27/19429930.jpg).

    Deshalb kann auch ein pseudo-christlicher Seehofer diese für die Opfer jedoch anmaßende und unverschämte Haltung an den Tag legen und sogar Recherchen zu Rassismus in der Polizei als Diffamierungsversuch darstellen. Die selben Reflexe können übrigens stets dann beobachtet werden, wenn es um ein Antikorruptionsgesetz für Abgeordnete geht. Eine Verunglimpfung armer braver Polizisten bzw. Politikern, grundsätzlich geborene Gutmenschen. Einige Cops sind offenbar sogar so arm, dass sie im „Zweitjob“ noch als Fahrradhändler arbeiten müssen.

    Nicht nur Heinrich Manns Werk „Der Untertan“ ist aktuell.

    Kurt Tucholsky schrieb:
    „Dieses Buch Heinrich Manns, heute, gottseidank, in aller Hände, ist das Herbarium des deutschen Mannes. Hier ist er ganz: in seiner Sucht, zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Roheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolganbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit. Leider: es ist der deutsche Mann schlechthin gewesen; wer anders war, hatte nichts zu sagen, hieß Vaterlandsverräter und war kaiserlicherseits angewiesen, den Staub des Landes von den Pantoffeln zu schütteln.“

    H. Mann sagte es einmal so: „Man muss an sich zweifeln gelernt haben, um jemals aufzusteigen.“
    Damit dürfte eines weiteres vorherrschendes Grundproblem auf den Punkt gebracht haben.

    Nebenbei gesagt, ist der Umstand, dass den Cops ein Sonderstatus zugesprochen wurde, welcher über dem aller anderen Bürger liegt, etwas, was es meines Wissens sogar im faschistischen 3. Reich unter den Nazis so nicht gab (PUNKT)

  2. Zu „Nebenbei gesagt, ist der Umstand, dass den Cops ein Sonderstatus zugesprochen wurde, welcher über dem aller anderen Bürger liegt, etwas, was es meines Wissens sogar im faschistischen 3. Reich unter den Nazis so nicht gab“

    Der Staat hat ein Gewaltmonopol inne, welches insbesondere die Polizei als ausführendes Organ nutzt, um die Umsetzung der hoffentlich fairen parlamentarischen Beschlüsse sicherzustellen. Insofern besitzt die Polizei einen Sonderstatus.

    Der Unterschied des dritten Reichs zu heute besteht in den Schlägertrupps, die neben der „klassischen“ Polizei existierten. Somit hatte die Polizei für sich keinen alleinigen Sonderstatus. – Ist es das, was Sie meinten?

  3. Leider sehr einseitig kommentiert. Die Medallie hat aber zwei Seiten…

    Das Ideal wäre eine Welt ohne Probleme, Verkehrsunfälle und Kriminalität. Wenn ich mich so umschaue entspricht diese Welt aber nicht jenem Ideal. Ich kann mir auch einen Polizisten mit seiner persönlichen Angst vorstellen, wenn er von mehreren Personen angegangen wird.. (Demo eben)…

    Die Ausstellung schau ich mir an, eventuell ist die etwas weitsichtiger…

    Wäre Ideal, wenn sich alle im friedlichen Diskurs bewegen würden, ist aber auf allen Seiten eher selten…

    Die Polizei steht da auch oft als Puffer zwischen den Fronten und wird dann zum Ersatzfeindbild…

    Wenn die Polizei Demos absichert, die im Zuge der freien Meinungsäusserung zugelassen wurden (entscheiden andere Stellen) sollten dies auch alle Seiten entsprechend respektvoll würdigen, anstatt sich im Feindbild zu vergreifen… dabei wird sicher auch der eine oder andere Polizist getriggert….

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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