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Interview mit Ulla Wacker vom Stadtteilhaus

Zu­ge­ge­ben, ich war schon ein we­nig neu­gie­rig dar­auf zu er­fah­ren, was man denn nun wirk­lich im Stadt­teil­haus tun kann. Ulla Wa­cker gibt hier die Ant­wor­ten und er­zählt ne­ben­bei ihre ganz ei­gene Ge­schichte, wie sie und das bunte Haus vol­ler Men­schen zu­sam­men gehören.

In wel­chem Be­zug ste­hen Sie zum Stadt­teil­haus? Auf Ih­rer Web­site kann man le­sen, dass Sie Pro­jekt­ko­or­di­na­to­rin sind und so­zu­sa­gen die Fä­den in der Hand hal­ten. Wie sind Sie zu die­sem Job ge­kom­men, was ver­bin­det Sie mit die­sem Haus?

Ulla Wacker hat von ihrem Arbeitszimmer einen guten Blick über die Louisenstraße.
Ulla Wa­cker hat von ih­rem Ar­beits­zim­mer ei­nen gu­ten Blick über die Louisenstraße.
Das ist eine län­gere Ge­schichte, ei­gent­lich ganz wit­zig. Zur BRN 1994 habe ich zu­sam­men mit drei Freun­den ein Haus be­setzt. Von die­sem Haus wa­ren da­mals ge­rade erst durch die Stesad die Er­ben er­mit­telt wor­den und in Zu­kunft sollte hier also Ord­nung und Sau­ber­keit herr­schen. Zu die­ser Zeit war das Haus aber noch von ei­nem bun­ten Hau­fen Men­schen be­wohnt. Mu­si­ker, Künst­ler, Punks und An­ar­chis­ten. Alle leb­ten un­ter die­sem Dach. Wir muss­ten ver­si­chern, dass wir das Haus nur diese drei Tage be­set­zen. Noch im­mer war das Haus al­ler­dings vol­ler Men­schen und auch ein grau­haa­ri­ger Mann saß von Zeit zu Zeit da. Ich fragte ihn, wer er sei und er meinte ein Mit­ar­bei­ter des Ka­ta­stro­phen­schut­zes zu sein, er würde sich hier wohlfühlen.

So sah das Haus noch in den frühen 90ern aus. Foto: Stadtteilarchiv
So sah das Haus noch in den frü­hen 90ern aus. Foto: Stadtteilarchiv
Wohl­ge­fühlt ha­ben wir uns hier auch und es wurde der Ver­such un­ter­nom­men mit dem Amt zu re­den und wei­ter im Haus le­ben zu kön­nen. Die In­ter­es­sen­ge­mein­schaft „Äu­ßere Neu­stadt“ hatte die Idee ge­fasst, hier ein Stadt­teil­zen­trum zu er­rich­ten. Grund­le­gende Sa­nie­run­gen wur­den vom Amt vor­ge­nom­men. Von au­ßen war nun eine schöne Fas­sade ge­ge­ben, in­nen war je­doch al­les ge­nauso kahl wie vor­her. Der Ver­ein grün­dete sich, zog im Haus ein und stemmte alle wei­te­ren Sa­nie­run­gen selbst. Bis 1998 wurde hier nur ge­lebt und sa­niert, die ers­ten Ver­eine und In­itia­ti­ven wie der „Ge­rede e.V.“ zo­gen ein. Trotz al­le­dem glich das Haus mehr ei­ner le­ben­di­gen Bau­stelle, als ei­nem Ort des Zu­sam­men­kom­mens. Auch das Hoch­was­ser 2002 und der Dach­brand bei der BRN 2004 sorg­ten da­für, dass das In­halt­li­che meist auf der Stre­cke blieb und alle Kräfte in den Um­bau ge­steckt wer­den mussten.

Kann ich das Stadt­teil­haus mit an­de­ren so­zia­len Zen­tren wie Ju­gend­häu­sern vergleichen?

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Nein, ei­gent­lich nicht. In ei­nen Ju­gend­haus z.B. sind be­stimmte Räume im­mer als An­lauf­punkt ge­ge­ben, das kön­nen wir nicht bie­ten. Un­ser Haus lebt ein­zig und al­lein von der Miete der Räume, wir ha­ben ein­fach nicht die Mög­lich­keit ei­nen Raum aus dem Kon­zept zu neh­men und ihn für Treff­punkte frei zu halten.

Sie ver­mie­ten also ihre Räume?

Ja, wir ha­ben drei Räume, die für Kurse, Be­spre­chun­gen, Ta­gun­gen, Thea­ter­auf­füh­run­gen und ähn­li­chem ge­nutzt wer­den kön­nen. In un­se­rer Sat­zung steht, dass un­sere Ar­beit und so­mit auch die Nut­zung der Räume das An­lie­gen ha­ben, für die Men­schen im Stadt­teil zu wir­ken. Die Räume wer­den also vor­ran­gig für Men­schen, die in der Neu­stadt le­ben, zur Ver­fü­gung gestellt.

Es gibt au­ßer den Ver­ei­nen auch Pro­jekte, die vom Stadt­teil­haus selbst ge­lenkt wer­den. Welche

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Zum Bei­spiel den Blick­win­kel. Aber auch das Stadt­teil­ar­chiv und die Ver­an­stal­tun­gen auf der Bühne Wanne. Der Blick­win­kel ist ein Pro­jekt, das eine Stu­den­tin vor Jah­ren als ihre Stu­di­en­ar­beit ent­wi­ckelt hat. Ihr ist auf­ge­fal­len, dass es lau­ter schöne Orte hier gibt, die aber sel­ten je­man­dem auf­fal­len. Sie hat Sta­tio­nen ent­wi­ckelt, in de­nen man auf ei­ner Art Er­leb­nis­pfad diese Orte er­le­ben kann. Un­ter­stützt wurde es durch die IG Äu­ßere Neu­stadt, die nach der Auf­lö­sung uns das Pro­jekt übertrug.

In­zwi­schen sind die ers­ten Sta­tio­nen ent­stan­den. Da wir je­des Jahr nur eine kleine För­de­rung be­kom­men, wächst das Pro­jekt mit je­dem Jahr. Viele die­ser Sta­tio­nen wer­den von Künst­lern umgesetzt.

2004 hatte es während der BRN im Stadtteilhaus gebrannt. Foto: Stadtteilarchiv
2004 hatte es wäh­rend der BRN im Stadt­teil­haus ge­brannt. Foto: Stadtteilarchiv
Um was geht es ge­nau bei den Stationen?

Es geht um Dinge die mir im ers­ten Mo­ment nicht auf­fal­len, Dinge die ich even­tu­ell nur aus ei­nem an­de­ren Blick­win­kel se­hen kann, des­halb auch der Name. Wir wol­len kei­nen Lehr­pfad mit kom­pli­zier­ten Ta­feln vol­ler Schrift schaf­fen, wir möch­ten, dass man die Mög­lich­keit hat et­was zu ent­de­cken, dass man sich et­was an­schaut und denkt AHA, So ist das also.

Sie sag­ten au­ßer­dem, Blick­win­kel ist ein Pro­jekt das rei­fen kann. Wie sieht es da mit dem Stadt­teil­ar­chiv aus? Was kann ich dort su­chen bzw. finden?

Eine Menge, würde ich sa­gen. Es un­ter­schei­det sich sehr von ei­nem ty­pi­schen Stadt­ar­chiv wo al­les ge­naus­tens do­ku­men­tiert und fest­ge­hal­ten wird. Wir be­wah­ren hier al­les auf, was spä­ter eine wun­der­bare Er­in­ne­rung sein könnte. Von Fo­tos bis zu al­ten Club­pla­ka­ten. Ge­grün­det wurd das Ar­chiv aus ei­nem Ge­schichts- und Ge­sprächs­kreis her­aus. Quel­len wa­ren größ­ten­teils Zeit­zeu­gen, die ihre ei­ge­nen Ge­schich­ten er­zäh­len und fest­hal­ten woll­ten. So kommt es, dass auch per­söhn­li­che Sa­chen wie z.B. Fo­tos zu fin­den sind. Von hier stam­men auch ei­nige Aus­stel­lungs­stü­cke für das BRN-Museum.

Was ist die Bühne Wanne?
Die Bühne Wanne ist ein klei­ner Raum, wel­cher für Thea­ter­auf­füh­run­gen ge­mie­tet wer­den kann und dem es re­gel­mä­ßig von uns or­ga­ni­sierte Ver­an­stal­tun­gen wie Pup­pen­thea­ter gibt. In den Fe­rien wer­den zum Bei­spiel Work­shops für Kin­der an­ge­bo­ten. Sie be­schäf­ti­gen sich eine Wo­che lang mit Thea­ter, be­kom­men nur das Thema ge­ge­ben und kön­nen ihre ei­gene Sa­che auf die Beine stel­len. Ein­mal im Jahr fin­det ein Pup­pen­fes­ti­val „Pup­pen an die Macht“ statt, je­des Mal gibt es ein neues Thema. Wir be­mü­hen uns, den Be­su­chern die Viel­fäl­tig­keit des Fi­gu­ren­thea­ters zu zei­gen. Viele ken­nen nur das klas­si­sche Pup­pen­thea­ter mit dem lus­ti­gen Kas­per, dass aber noch eine ganz an­dere Viel­fäl­tig­keit be­steht, wis­sen nur die Wenigsten.

Es gibt auch Auf­füh­run­gen für die „Gro­ßen“?

Ja, na­tür­lich. Ob­wohl na­tür­lich auch die Er­wach­se­nen viel Spaß ha­ben kön­nen, wenn Kas­per kommt … Spe­zi­ell gibt es aus­ser­dem noch den ro­ten Sa­lon; un­sere un­er­hörte Frei­tags­reihe, die Le­se­lounge, neue Mu­sik, schräge Töne und Theater.

Wür­den Sie sich eine in­ten­si­vere Nut­zung der An­ge­bote wünschen?

Wie ich am An­fang schon er­zählt habe, hat­ten wir an­fangs vor lau­ter Bau­stel­len kaum die Chance uns zu en­ga­gie­ren. Ich bin ei­gent­lich zu­frie­den, wie die Mög­lich­kei­ten der­zeit wahr­ge­nom­men wer­den. Wir müs­sen keine Wer­bung für die Miete der Räume be­trei­ben und sind froh, das Pro­jekt als „Selbst­läu­fer“ be­zei­che­nen zu kön­nen. Na­t­rü­lich sind die Räume nicht im­mer voll be­legt, aber ein Stadt­teil ent­wi­ckelt sich, wächst und auch wir tun das. 

Zum Schluss: Was macht das Stadt­teil­haus für Sie besonders?

Das Stadt­teil­haus lebt von den Men­schen, die hier le­ben und ar­bei­ten. Ich bin stolz, dass wir sa­gen kön­nen: Wir ha­ben es ge­schafft, ein bun­tes Haus zu schaf­fen, und Men­schen ei­nen Ort ge­ben zu kön­nen, in dem sich die Neu­stadt in ei­nem ge­wis­sen Maß wiederspiegelt.

Grund für gute Laune, das Stadtteilhaus ist gut ausgelastet.
Grund für gute Laune, das Stadt­teil­haus ist gut ausgelastet.

Üb­ri­gens: Am Sonn­abend, 21. Juli, fei­ert das Stadt­teil­haus sei­nen 15. Ge­burts­tag. Es wird eine große Fête im Gar­ten ge­ben, an der sich alle Mie­ter des Hau­ses be­tei­li­gen. Live-Mu­sik, Gril­len und Pup­pen­thea­ter wer­den un­ter an­de­rem für gute Stim­mung sorgen.

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8 Ergänzungen

  1. Tol­les In­ter­view! Sehr in­for­ma­tiv. Hebt sich im po­si­tivs­ten Sinne von den gan­zen Kat­zen­mel­dun­gen an :) Ob­wohl es ja die Mi­schung macht und mir klar ist, dass nicht im­mer die Zeit ist solch län­gere Texte zu transkribieren.
    Schö­nen Sonntag!
    Maik

  2. Ich liebe die­ses Haus und seine Men­schen – vor al­lem die Mä­dels aus dem Büro ;)
    Die Wanne kann ich nur emp­feh­len. Die Pup­pen­spiele sind zwar of­fi­zi­ell für Kin­der, aber ich geh da auch als Große gern hin.
    Üb­ri­gens hat das Haus auch ein ei­ge­nes En­sem­ble, die "Wan­ne­bees". Dem­nächst dür­fen wir wie­der ge­spannt sein, was die so treiben…

  3. da hat Anna sich aber auch ganz viel Mühe ge­ge­ben, hab ihr ja auch ziem­lich viel er­zählt (schwa­feln ist eine mei­ner Spe­zia­li­tä­ten). Das ist ja sehr schön ge­wor­den, danke, Du hast toll zu­ge­hört. Hat Spaß ge­macht ei­ner so in­ter­es­sier­ten In­ter­viewe­rin Rede und Ant­wort zu stehen. 

    An­ton sie be­kommt hof­fent­lich eine gute Beurteilung!

    Nur eine ganz klit­ze­kleine Kor­rek­tur muss ich an­brin­gen, den Kas­per ha­ben wir letz­tes Jahr spie­len las­sen. Diese Jahr er­zäh­len die Pup­pen Mär­chen beim Festival!

  4. Wo kann man denn mehr über den Er­leb­nis­pfad er­fah­ren? An­sons­ten: schön, dass diese sym­pa­thi­sche Neu­stadt­be­woh­ne­rin vor­ge­stellt wurde!

  5. @Ulla: Ich habe den Kas­per-Satz mal gestrichen. 

    Möchte hier­mit noch­mal mein gro­ßes Dan­ke­schön an die Au­torin Anne aus­spre­chen. Sie hat bei mir ein Schü­ler­prak­ti­kum ge­macht und in den ver­gan­ge­nen Ta­gen den ei­nen oder an­de­ren Ar­ti­kel bei­getra­gen. Das In­ter­view mit Ulla war so­was wie ihr Ge­sel­len­stück. Ich musste fast gar nichts korrigieren.

  6. Das ist ein klasse Ar­ti­kel! Und Ulla ist gut ge­trof­fen im Fenster ;)

    @Anne: wei­ter so!

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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