Räuberpärchen: Prozessbeginn am Landgericht

Gestern hat am Landgericht Dresden der Prozess gegen eine 18-Jährige und einen 19-Jährigen begonnen. Den beiden wird vorgeworfen im Januar fünfmal Tankstellen überfallen zu haben. Die Esso-Tankstelle an der Leipziger Straße war zweimal Ziel des Pärchens.

Mit dem Foto hatte die Polizei nach der Räuberin gefahndet.
Mit dem Foto hatte die Polizei nach der Räuberin gefahndet.
Die Jugendkammer des Gerichtes hat auf Antrag der Verteidigung die Öffentlichkeit für das gesamte Verfahren ausgeschlossen. Zwar waren beide Angeklagte zum Tatzeitpunkt schon erwachsen, der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel begründete dies mit Reifeverzögerungen und psychischer Instabilität der Angeklagten.

Die Überfälle hatten für Aufsehen gesorgt, weil die junge Frau mit einem Tuch vermummt und einer Pistole in der Hand die Verkäuferinnen bedroht und so insgesamt rund 1250 Euro erbeutet haben soll. Beim Prozessauftakt gestern stellte sich heraus, dass dem jungen Mann noch ein weiterer Überfall zugeordnet wird, am 3. Januar soll er an der Tankstelle an der Wiener Straße mehrere Hundert Euro erbeutet haben.

Ab dem 20. Januar kam dann die junge Frau mit der Waffe ins Spiel. Sie war stets schwarz gekleidet und trug weiße Turnschuhe, dazu einen dunklen Rucksack. Sie ignorierte eventuelle andere Besucher und zog die Pistole und forderte Geld. Jedes Mal erbeutete sie zwischen 300 und 400 Euro. Anschließend verschwand sie wieder. Viermal konnte sie entkommen.

Diese weißen Turnschuhe trug die mutmaßliche Täterin.
Diese weißen Turnschuhe trug die mutmaßliche Räuberin.


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Am Nachmittag des 31. Januar konnte die Polizei einen ersten Ermittlungserfolg erzielen. Nach der Veröffentlichung eines Fahndungsfotos gab es einen Hinweis aus einem Supermarkt an der Prager Straße. Dort war eine Frau aufgefallen, die der Gesuchten sehr ähnlich sah und auch die gleichen Sachen trug. Die Frau war in Begleitung eines jungen Mannes.

Auffällige Jacke

Kriminalisten sicherten die Videoaufzeichnungen des Marktes und werteten sie aus. Der Begleiter trug eine Jacke mit auffälligen Schriftzügen an den Ärmeln. Bei der Sichtung von Videomaterial aus der Linie 13 (kurz nach dem letzten Überfall der Tankstelle an der Dohnaer Straße) fiel den Ermittlern wieder diese Jacke ins Auge. Der Mann war in Begleitung einer jungen Frau, die der Tatverdächtigen stark ähnelte. Nun hatten die Polizisten ein viel besseres Bild der Gesuchten, das sofort intern verbreitet wurde.

Mit diesem Tuch hatte sich die mutmaßliche Räuberin maskiert.
Mit diesem Tuch hatte sich die mutmaßliche Räuberin maskiert.
Am 1. Februar bemerkte eine Polizistin am Pirnaischen Platz das Pärchen. Die beiden stiegen in eine Bahn der Linie 3. Die Mitarbeiterin verständigte die Kollegen und heftete sich an die Fersen der mutmaßlichen Räuber. Wenige Zeit später konnten Einsatzbeamte der Dresdner Polizei das Duo vor einem Wohnhaus an der Hauptstraße dingfest machen.

Die Frau wurde als Haupttäterin festgenommen. Bei ihrer Festnahme trug sie die Hose sowie die Schuhe, die sie auch bei den Überfällen an hatte. Da der 18-Jährige ebenfalls im Verdacht stand, an den Überfällen beteiligt gewesen zu sein, wurde auch er festgenommen.

Cannabisplantage in der Wohnung

Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung des Pärchen stellten die Beamten eine Jacke sowie ein Tuch sicher. Mit den Sachen hatte sich die Frau bei den Überfällen vermummt bzw. maskiert. Zudem stellten die Polizisten in den Räumen eine kleine Indoor-Plantage mit mehreren Cannabispflanzen fest. Außerdem fanden die Ermittler vor Ort Patronen, die zu einer Schreckschusspistole gehören. Jedoch wurden weder die Tatwaffe noch das erbeutete Geld gefunden.

Beweismittel
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