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Schaubuden-Sommer ab Donnerstag

Auf dem Ge­lände der Scheune wird em­sig ge­häm­mert, ge­schraubt und ge­tüf­telt, denn am Don­ners­tag öff­net der 22. Scheune-Schau­bu­den-Som­mer seine au­ßer­ge­wöhn­li­chen Pfor­ten. Kitsch und Kla­mauk, Kri­tik und Klin­gel prä­gen über elf Tage und Nächte den ein­zig­ar­ti­gen Jahr­markt der Klein­künste. Der künst­le­ri­sche Lei­ter Hel­mut Ra­eder er­in­nert sich an die An­fänge und emp­fiehlt in An­be­tracht der an­ste­hen­den Scheune-Bau­ar­bei­ten 2021: "Be­sucht die Schau­bude, so­lange ihr noch könnt!"

Hel­mut Ra­eder und Team ackern noch drei Tage für den un­per­fek­ten Budenzauber

Auf den Wal gekommen

Als vor 22 Jah­ren der erste Schau­bu­den-Som­mer in Dres­den ver­an­stal­tet wurde, "wusste kein Mensch in Dres­den, was eine Schau­bude ist", er­in­nert sich Hel­mut Ra­eder und re­la­ti­viert so­gleich: "Au­ßer viel­leicht Men­schen mit Kennt­nis von Lo­renz­kirch." Denn dort ist das äl­teste säch­si­sche Volks­fest ver­or­tet. Hel­mut Ra­eder ist von frü­hes­ter Kind­heit an ein Freund von Volks­fes­ten. Zu­cker­watte, Geis­ter­bahn, Ab­sur­des, Gro­tes­kes, der Duft der wei­ten Welt. Zu sei­nen ein­drucks­volls­ten Er­leb­nis­sen in die­sem Mé­tier ge­hört "der Wal" in Lauchhammer.

Schaubuden-Sommer 2016
Schau­bu­den-Som­mer 2016

Eine na­hezu my­thi­sche Er­fah­rung, die sich be­son­ders olfak­to­risch ein­prägte und die alle, die sich vor 50 bis 60 Jah­ren auf die Reise in den Be­reich der Jahr­markts­be­geis­te­rung be­ga­ben, ver­bin­det. "Wenn man sich mit In­ter­es­sier­ten über diese Zeit un­ter­hält", sagt Hel­mut Ra­eder "taucht ir­gend­wann die­ser Wal auf."

In Lauch­ham­mer stand ein Zir­kus­zelt, be­rich­tet Hel­mut Ra­eder bild­haft, aus dem ein un­an­ge­neh­mer Ge­stank drang. Über dem Ein­gang lockte ein Schild: "Kom­men Sie, stau­nen Sie: Der Wal". 

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Und das war es dann auch, was Zuschauer*innen er­war­tete: Ein leb­lo­ses, prä­pa­rier­tes rie­si­ges Ori­gi­nal-Ex­em­plar. In die­sem Mo­ment mö­gen alle Sin­nes­ein­drü­cke und Emo­tio­nen in Hel­mut Ra­eder ver­sam­melt ge­we­sen sein, aus de­nen auch der Schau­bu­den-Som­mer be­steht: Die Fas­zi­na­tion, der Schau­der, die Span­nung, das Gru­seln, das Traum­hafte, das Mons­tröse, das Un­per­fekte und die Il­lu­sion. Der Wal.

Schnapszahlen und Glückszahlen

Nun, bald bläst er wie­der. Auf über die Jahre ver­klei­ner­tem Ter­rain, aber nicht we­ni­ger ex­zen­trisch, über­ra­schend und um­wer­fend, als man ihn kennt. Der Weiße Wal Schau­bu­den-Som­mer taucht auf aus den glit­zern­den Ju­li­näch­ten und lockt zur Schnaps­zahl mit ei­ner neuen Mi­schung. "Und jetzt kommt's, ihr Lie­ben", lei­tet Hel­mut Ra­eder den Aus­blick auf das dies­jäh­rige Pro­gramm ein. Über die Hälfte der 40 Com­pa­nys mit 80 Künstler*innen (ohne Bands) ist zum ers­ten Mal vertreten.

die Buden im Abendlicht
Die Bu­den im Abend­licht – Foto: Ar­chiv 2013

Die ma­gi­schen 13 Bu­den bie­ten also Nie­da­ge­we­se­nes und Un­ge­se­he­nes. Da wä­ren Die Grä­fin, ket­ten­rau­chende Kult-Oma aus Stutt­gart, der kno­chen­klap­pernde Tea­tro-Meis­ter Ma­t­ita mit sei­nem de­pres­si­ven Panda, der da­da­is­ti­sche Ping-Pon­ger Jo­han­nes Dul­lin, der preis­ge­krönte Mind-Ha­cker Yann Yuro, Cia.Kimani, ein weib­li­ches Duo aus Spa­nien, das wort­los tan­zend die Be­ses­sen­heit des Kör­per­kults the­ma­ti­siert und die mor­bide char­man­ten ki­ne­ti­schen Ob­jekte von Anushka Ba­bushka im Nie­mands Garten.

Bis in die Puppen

…wird im An­schluss an den Bu­den­zau­ber wie­der ge­tanzt. Zu me­lan­cho­li­schem Mon­tags­blues mit Bro­ther Grimm, Post-Punk mit Short Pa­ris, auf­schüt­teln­dem Hip-Hop-Bal­kan-Beat mit Oa­nsno oder lo­ka­len Schritt­ma­chern wie Ezé Wend­toin.

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Fit together mit Claudia Seidel

Das dies­jäh­rige Pro­gramm­heft er­leich­tert die Ori­en­tie­rung für Besucher*innen mit kör­per­li­cher Be­ein­träch­ti­gung, in­dem mit­tels Sym­bo­len an­ge­ge­ben ist, ob die Pro­gramme er akus­tisch oder vi­su­ell wahr­nehm­bar sind. "Für die kom­plett zu­gäng­li­che Ge­stal­tung des Ge­län­des feh­len uns lei­der ers­tens die Mit­tel und zwei­tens die Mit­tel", be­dau­ert Pres­se­mit­ar­bei­te­rin Dana Bond­art­schuk. Je­doch hoffe man, den Zu­gang mit die­ser Maß­nahme zu erleichtern.

Der erste Sonn­tag des Schau­bu­den-Som­mers, der 14. Juli, ist Fa­mi­lien und Kin­dern ge­wid­met. Ab 15 Uhr öff­nen die Schau­bu­den mit Zu­cker­watte, Eseln, gro­ßer Ma­gie und klei­nen Tricks.
Schaubuden-Sommer - Foto: Foto: André Wirsig/2016

Die Schatten großer Ereignisse

In zwei Jah­ren steht vor­aus­sicht­lich die Sa­nie­rung der Scheune an. Da­mit ist die Ver­or­tung des Schau­bu­den-Som­mers in der Schwebe. "Das ist na­tür­lich ein Thema, das uns die ganze Zeit be­schäf­tigt", sagt Hel­mut Ra­eder. Der Schau­bu­den-Som­mer in der ge­wohn­ten Form könnte also auf die Ziel­ge­rade zu­ge­hen. "Al­les hat seine Zeit", so Ra­eder. Wann und wie ein neuer Ort be­zo­gen wer­den könnte, steht noch in den Ster­nen. Mit dem Bau der neuen Sport­halle hatte das Schau­bu­den-Areal be­reits Ver­luste zu ver­zeich­nen. Hier rollte (oder stand, je nach tech­ni­schem Ver­sa­gen) lange Zeit die Kran­ken­haus­bett-Ach­ter­bahn des gro­ßen Jim Whiting, er­in­nert sich Hel­mut Raeder.

Auf dem ver­blie­be­nen Platz habe sich die Kon­zep­tion des ver­gan­ge­nen Jah­res be­währt, so das Orga-Team, und werde des­halb bei­be­hal­ten. Wie­der­gän­ger ha­ben also eine gute Chance auf Ori­en­tie­rung im Irr­gar­ten der Un­mög­lich­kei­ten – Frisch­linge dür­fen sich auf ver­drehte Köpfe und tur­bu­len­ten Er­fah­rungs­aus­tausch freuen.

Der XXII. Schaubuden-Sommer

  • 11. bis 21. Juli 2019
  • Ge­lände ge­öff­net ab 18 Uhr, 3 Euro Obo­lus für die Platz­ge­stal­tung durch Spa­cke, Mu­riel & Cé­sar und die Mu­sik auf dem Platz und nach Mitternacht
  • Ein­zel­ti­cket 5 Euro, Drei­er­ti­cket 12 Euro, er­mä­ßigt für Kin­der 2 Euro (abends 5 bis 12 Jahre, Fa­mi­li­en­nach­mit­tag 2 bis 12 Jahre)
  • ein­zelne Schau­bu­den kos­ten nur 1 Euro, Aus­hänge beachten
  • am 19. Juli um 18 Uhr gibt es eine zu­sätz­li­che mu­si­ka­li­sche Le­sung des Buch­ma­ga­zins "Stadt­luft Dres­den" mit Cor­ne­lius Poll­mer, Amac Garbe und Ju von Dölz­schen geben
  • hier geht es zum Programm
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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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