Von quälendem Service und masochistischen Gästen
Die Neustadt – Hochburg der gastronomischen Unkultur? Tatort – Scheunecafé, mehrfach von den Lesern eines Stadtmagazins zur Lieblingskneipe gewählt und auch sonst immer ziemlich voll.
Tatzeit – kurz nach 16 Uhr. Im Garten weist ein Schild gleich in vier Sprachen darauf hin, daß die Getränke bitte an der Hütte zu bestellen sind. Zwei Jungs, offensichtlich Studenten, eben angekommen, schauen hoffnungsvoll zur Hütte. Doch die ist verriegelt und verrammelt. Also rein in den Laden. Vielleicht werden sie ja drinnen bedient. Ich folge unauffällig. Nach einer kurzen Weile hoffnungslosen Sitzens am Tisch, stellen sie sich in die Schlange am Tresen, ich bin vorher dran: „Ein kleines Pils, bitte!“ Das kommt sofort und dann ist es auch noch ein großes, wie mir der blonde Kellner bestätigt. Gut, es ist ja auch warm draußen. Ich zahle und setze mich im Garten in die Sonne. Der Täter ist klar, nicht der Gärtner, der Kellner war es. Die Gäste sind Opfer, die überleben.
Das Scheunecafé ein Einzelfall, nein, aber exemplarisch. Erlebt habe ich es fast überall, im Copas y Tapas wartete ich über eine Stunde auf ein Sandwich, im Mona Lisa mußte ich die Kellnerin erst lautstark rufen und im El Perro Boracho bekam ich einen Caipirinha ohne Zucker, sauer.
Vielleicht ist die Geschichte von Steffen, einem ehemaligen Cafébesitzer wirklich war. Er behauptete, Gäste sind Masochisten und wollen gequält werden.
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Anmerkung 2004: Sowohl das Café Mona Lisa als auch das Restaurant Copas y Tapas mussten zwischenzeitlich ihre Pforten schließen. Vielleicht gibt es doch noch so etwas wie eine Gerechtigkeit.
Anmerkung 2005: Im El Perro Boracho ist es immer noch nicht besser geworden, kürzlich steckte der Kellner gar von mir nicht bewilligtes Trinkgeld einfach ein.
Anmerkung 2007: Im Scheunecafe ist es auch noch nicht besser geworden, siehe hier.
Anmerkung 2009: Mit dem kommenden Jahr wird das Scheunecafé vom Scheuneverein betrieben, obs besser wird?



Also, was das El Perro Boracho betrifft, da kann ich nur zustimmen. Als ich da vor ein paar Jahren mal wegen einer Tischreservierung anfragen wollte (war ne Geburtstagsrunde mit so einigen Leuten), knallte der unfreundliche Mensch männlichen Geschlechts am anderen Ende der Leitung einfach den Hörer auf, nachdem er mir verklickert hatte, dass er sich um andere Dinge zu kümmern hätte.
Einfach nur unfreundlich und wenig service-orientiert.
Aber im Scheune-Cafe bin ich bislang eigentlich immer recht zufrieden gewesen, das Essen dort ist echt lecker und lange gewartet hab ich dort eigentlich auch noch nie.