Von Börsenkursen und Käsebrötchen

Impressionen aus dem Raskolnikoff - Foto: Ulrich van Stipriaan

Impressionen aus dem Raskolnikoff – Foto: Ulrich van Stipriaan

Es ist Montag und Sommer. Zeit zum Aufstehen. Zeit zum Frühstücken. Die Kellnerin bringt meine Brötchen und den Kaffee. Ich nicke der Bedienung zu und greife zur Zeitung. In Frankfurt zeichnen sich neue Jahreshochs an der Börse ab. Die armen Jungs in ihren Armani-Anzügen mit ihren Luxus-Handys, wahrscheinlich sitzen sie schon beim Mittagstisch und stopfen hektisch Salat in sich hinein oder einen Hamburger.

Was ist Luxus? Nachmittags zwei Brötchen mit Weichkäse zu bestellen oder in Gedanken schon beim nächsten Umsatzplus zu sein? Ich habe die Brötchen und weiß, dass ich in den nächsten Stunden einfach mal nichts tun werde. Nur so sitzen, träumen – von Frankreich, einem Hügel, einer uralten Linde. In deren Schatten sitzen ein paar Künstler bei Rotwein und Weißbrot. In fetten Lettern steht über ihren Köpfen geschrieben: „Am Morgen überkam uns immer dieses unbeschreibliche Gefühl von Müßigkeit, das meistens bis in die späten Abendstunden anhielt.“ Das Bild von Baum und Rotwein bleibt, ein Duft von frischen Kräutern gesellt sich hinzu. Neben mir plätschert ein munterer Gebirgsbach vor sich hin …

Ein Seitenblick verrät, dass es nur das Wasserspiel im Raskolnikoff ist. Wieso kehre ich immer so schnell in die Wirklichkeit zurück?

Anmerkung 2010: Im Raskolnikoff gibt es leider kein Wasserspiel mehr.

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