Es ist Montag und Sommer. Zeit zum Aufstehen. Zeit zum Frühstücken. Die Kellnerin bringt meine Brötchen und den Kaffee. Ich nicke der Bedienung zu und greife zur Zeitung. In Frankfurt zeichnen sich neue Jahreshochs an der Börse ab. Wahrscheinlich sitzen einige der Händler längst hektisch beim Mittagessen und denken schon an den nächsten Abschluss, den nächsten Kurs, das nächste Plus.

Was ist eigentlich Luxus? Zwei Brötchen mit Weichkäse an einem freien Nachmittag – oder gedanklich schon beim nächsten Umsatzplus zu sein? Ich habe die Brötchen und weiß, dass ich in den nächsten Stunden einfach mal nichts tun werde. Nur so sitzen, träumen – von Frankreich, einem Hügel und einer uralten Linde. In ihrem Schatten sitzen ein paar Künstler mit Rotwein und Weißbrot. Als stünde über ihnen geschrieben: „Am Morgen überkam uns immer dieses unbeschreibliche Gefühl von Müßigkeit, das meistens bis in die späten Abendstunden anhielt.“ Das Bild bleibt. Dazu gesellt sich der Duft frischer Kräuter. Neben mir plätschert ein munterer Gebirgsbach vor sich hin …
Ein Seitenblick verrät, dass es nur das Wasserspiel im Raskolnikoff ist. Wieso kehre ich eigentlich immer so schnell in die Wirklichkeit zurück?
Anmerkung 2010
Im Raskolnikoff gibt es leider kein Wasserspiel mehr.
Anmerkung 2024
Das Wasserspiel gibt es seit einer Weile wieder, jedoch inzwischen kein Frühstück mehr.


















