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Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

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Beschreibung
Das Neustadt-Geflüster von Anton Launer erzählt täglich frische Nachrichten aus dem Kneipen- und Szene-Viertel Dresden-Neustadt. Damit es nicht langweilig wird, werden diese mit Hintergründen, Albernheiten, Gerüchten, Klatsch, Tratsch, Tests und heißen Diskussionen aus der Äußeren Neustadt vermischt. Und natürlich gibt es hier die besten Informationen über die Bunte Republik Neustadt.

Von kleinen Kugeln und einer großen Kneipe

Espitas

Espitas

Rumms. Der Baum fällt um. Mit einem Stahlseil haben ihn kräftige Arbeiter umgerissen. Jetzt liegt er am Boden und ich kann ihn leise weinen hören. Das Ende der dritten Ecke am heimlichen Mittelpunkt der Neustadt naht mit riesen Schritten. Bisher trafen sich hier an der Alaun-/Ecke Louisenstraße junge Leute um sich leidenschaftlich dem französischen Kugelspiel Boules hinzugeben. Nun ist die Kugelbahn weg und die Bäume fallen einer nach dem anderen. Als ich so traurig daneben stehe, feixt einer der Arbeiter und fragt ob ich nicht mithelfen will. Als ich mein Bedauern bekunde, lacht er mich aus: „Dafür bekommt ihr hier doch einen schönen Swimmingpool, da könnt ihr schön baden gehen.“ Sein Kollege sieht, dass ich ihm nicht glaube und springt ihm bei: „Ja, das ist doch toll, ein Pool mitten in der Neustadt, wirst schon sehen.“

Rumms. Der nächste Baum fällt um. Mit der Pool-Lösung könnte ich ja leben. Doch leider weiß ich es besser, denn auch die dritte Ecke wird nun zugebaut. Vor einer kleinen Ewigkeit haben ein paar Architekten diese Entwicklung vorausgesehen und symbolisch goldene Ecken auf den damals vier freien Flächen ausgelegt. Zwei davon sind schon bebaut, die dritte soll nun folgen. Auch in diesem Eckhaus soll es wieder eine Kneipe geben, was mexikanisches diesmal und über zwei Etagen. Als Alternative zum Griechen gegenüber. Dann wird mir bloß noch die Erinnerung bleiben, als ich mit Freunden an dieser Stelle vor zehn Jahren das Dresdner Oktoberfest feierte, mit Glühwein und Fettbemmen. Immerhin, gastronomisch hat die Kreuzung jetzt eine deutlich höhere Qualität.

Rumms. Nun ist auch der letzte Baum gefallen. Der Bauarbeiter grinst noch einmal und raunt mir zu, dass sie nach Kubikmetern bezahlt werden, jetzt das Soll geschafft haben und endlich in ihren wohlverdienten Feierabend ziehen können. Tja, denke ich, fahrt nur heim in eure Stadtrandlage mit schön viel Grün vor der Haustür. Dass wir in der Neustadt jetzt ein Stück weniger davon haben, soll euch ja nicht interessieren.

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Anmerkung November 2004: Das mexikanische Restaurant ist inzwischen fertig, siehe Foto und es heißt Espitas.

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