Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Rauchen gefährdet die Gesundheit

Müde stapfe ich die Straße entlang. Meine schweren Stiefel knirschen im dreckigen Schneematsch. Jede gepflasterte Ausfahrt ist die Hölle. Wenn ich jetzt stürze und mir die Knochen breche, hab ich es wohl nicht besser verdient.
Der Abend war eine Katastrophe und doch so wunderbar. Sicher hatte ich das eine oder andere Bier zu viel – und morgen wird mein Kopf bis zum Bersten voller stichelnder Nadeln sein. Doch das ist es nicht. Nein. Es ist die Gewalt, die unbeherrschte, rücksichtslose Gewalt. Es war auf einem kleinen, aber gut besuchten Konzert. Die Massen drängten sich, ich hatte es bis direkt vor die Bühne geschafft. Vor knapp zwanzig Jahren hatte ich die Band zum ersten Mal gesehen, getanzt, getobt, gerockt.
Auch heute zuckt es mir wieder in den Füßen, der Kopf wippt automatisch mit. Dann kommen die alten Stücke, die Lieder zum Mitsingen. Wild springe ich hin und her, brülle mir die Seele aus dem Leib. Dann ein neuer Song, er beginnt ganz ruhig. Automatisch will ich mir eine Kippe anstecken. Doch in dem Moment schreit mir ein Bursche von hinten ins Ohr:

Hier ist Rauchverbot!

Mir doch egal, ich zünde das Feuerzeug. Eine Hand schnellt mir gegen die Wange, die Kippe fliegt davon. In dem Moment wird die Musik schneller und ich wende mich um, springe auf den Kippenwegschläger los. Ein anderer, einer mit Körpergröße und massiger Fülle und lustigem Rockerzopf und Ziegenbärtchen, er drängt sich dazwischen und mich zurück. Ich lass mich treiben, ich koche, die Wut muss raus. Schimpfwörter rasseln mir durch den Kopf. Das nächste Lied. Es wird noch schneller. Wieder ein Klassiker. Wieder ein Song zum mitschreien. Ich hab mich wieder zur Bühne gedreht, die Kerle in meinem Rücken. Das Geschubse wird heftiger. Als ich mich umdrehe, fliegt der Bärtige gerade auf mich zu. Alle Wut bricht aus mir aus. Ich packe ihn und stoße ihn durch den Raum. Die Brille rutscht mir von der Nase, mit beiden Händen kann ich sie halten. Vielleicht war das sein und mein Glück. Vielleicht wäre sonst Schlimmeres passiert. So bleibt es beim Geschubse. In der Menge der Leiber kann er nicht fallen, aber er weiß jetzt, was ich von ihm halte. Prompt rückt er wieder auf, schreit mich an. Ich schrei zurück, er macht merkwürdige Gesten, zeigt mit seinen Fingern in seine Augen. Kräftige Burschen halten uns auseinander. Trotz aller Wut muss ich nun grinsen. Mir egal, ich dreh mich zur Bühne und bin nun nur noch bei den Songs. Neben mir raucht einer, ich schnorre ein paar Züge, der Sänger vor mir hat sich während der Pause vor den Zugaben auch noch eine angesteckt.
Ich bedanke mich beim Nebenmann fürs Zurückhalten und dränge mich durch den Raum, zum Tresen, zum Bier – nach draußen zum Rauchen.

87 Kommentare zu „Rauchen gefährdet die Gesundheit“

  • Fire sagt:

    So – mehr wollte ich nicht erreichen – Jane sagt Schätz’gen zu mir – Ätsch Ihr Looser!!! Ich hüpf jetzt laut pfeifend von dannen – zur Mehrwegabteilung von Lidl – die ich nimmer nicht und nie abgestritten habe, da ich noch nie bei Lidl war… ;-)

  • Anton Launer sagt:

    @ Fire: Rutsch nicht aus.

  • Hasselhoff sagt:

    zu dem thema hab ich nur zu sagen was ich zum rauchverbot allgemein sage:
    In Gaststätten und Restaurants mit Essen sehe ich das Nicht-Rauchen vollkommen ein, und ich bin Raucher.
    Aber zu sonstigen öffentlichen Veranstaltungen wie in ner Bar sitzen, Disko, Club oder Konzerte hat es vor dem Rauchverbot auch niemanden derart gestört. Und von daher finde ich jegliche Gewalt sowieso dämlich aber sich jetzt derart massiv über Raucher zu beschweren einfach nur lächerlich. Wer auf Massenveranstaltungen geht oder eben orte besucht an denen viele Menschen aufeinander treffen, muss nunmal mit Rauchern rechnen. Und wenn es jemanden derart stört das er es nicht aushält, soll er zu hause bleiben. Fertig. Ich verbiete

  • Jane sagt:

    Fire:

    Dann betrachte es als kleinen Insider-Tip. Scheint ja gewirkt zu haben, denn wenn das Szenario, vor dem Anton warnt, nicht eintritt, wird das ja heute – dank Mehrwegabteilung – deine Lidl-Premiere 8)

  • Jane sagt:

    Hasselhoff:

    Sicher, dass es niemanden wirklich gestört hat, oder ob man sich nicht vielmehr schicksalsergeben in sein Los schickte, weil man ohnehin damals nicht dran rütteln konnte?

    Ich sehe das Problem nicht: Warum soll man zum Rauchen in der Kneipe nicht in den Raum nebenan gehen? Warum müssen wirklich alle jeden Kubikmillimeter Qualm mitschlucken?
    Und was genau ist so toll daran, in einem kleinen Pub bei einem Konzi mit 100 Leuten in einem ralledichten Raum voller Qualm zu stehen, sodass man kaum noch die Hand vor Augen erkennt (geschweige denn die Vorgänge auf der Bühne)?
    Mich hat das z.B. sogar zu meinen Raucherzeiten gestört, dass die Luft immer total beschissen war auf Konzerten.

  • christoph sagt:

    ich schlage vor wir klären alle noch offenen fragen bei ner sachlichen schneeballschlacht im alaunpark…..

  • Fire sagt:

    So Jane – nix Premiere bei Lidl – mit der Kippe im Gesicht aufs Gesicht gefallen – jetzt weiß ich was am Rauchen gefährlich ist – DIE GLUT!!! ;-)

  • Wohoo sagt:

    Mich stören Leute die rauchen. Wenn ich in Raucherkneipen/Clubs unterwegs bin habe ich am nächsten Tag erheblich mehr kopfschmerzen und meine Klamotten stinken. Also wieso soll ich deine Rücksichtslosigkeit tolerieren?

  • Kurt sagt:

    Ich bin nach den ganzen Beiträgen nun so überzeugt vom Nichtrauchen, dass ich alle Raucher einsperren könnte um sie vor sich selbst zu schützen.vermindertes Selbstwertgefühl, fehlende Eigenverantwortung, Autoagressives Verhalten. In gewissen gesellschaftlichen Kreisen steckt man Menschen mit solchen Eigenschaften für ein Jahr auf die geschlossene.

    Raucher, werdet endlich gesund und Menschlich!

    *Hat mal jemand einen Filter?*

  • leni sagt:

    @jane:
    insgesamt gefällt mir deine aggressive, persönlich beleidigende und unsachliche diskutierweise überhaupt nicht!

  • Anton Launer sagt:

    @ Kurt: Dann hat ja wenigstens Dir die Diskussion was gebracht.

  • jane sagt:

    leni:

    *Gelächter*

    Ich glaube kaum, dass du es schaffen wirst, mir eine Stelle herbeizuzitieren, an der ich aggressiv oder persönlich beleidigend geworden bin ;)

  • jane sagt:

    fire:

    Wenn dir das noch ein paarmal passiert, gewöhnst du dir das Rauchen noch ganz von selbst ab, also nix wie raus aufs Glatteis ;)

  • rudi sagt:

    Mehrwegabteilung im Lidl?? Die gibts genauso wenig wie einen Alaunpark im Dresdner Stadtplan!!

  • jane sagt:

    Ah, da war’s eben der rudi, der das seinerzeit abgestritten hatte. Am Neustädter Bahnhof gibts im Lidl selbstverständlich Mehrwegflaschen zu kaufen, und es gibt auch einen Entsprechenden Leergut-Rückgabeautomaten dort.

  • rudi sagt:

    Nö, ich wars nicht, aber im Lidl gibts einfach keine Mehrwegflaschen. Das ist Einwegschrott mit Pfand belastet, damit es nicht mehr der Bürger in den normalen Müll schmeißt sondern der Discounter. Auch die Glasflaschen sind nur Einweg also Müll.

  • jane sagt:

    rudi:
    Im Lidl gibts auch Volvic-Flaschen, ebenso Bierflaschen, also dieselben, die es auch bei Konsum oder sonst einem Supermarkt gibt. Und das sind eindeutig Mehrwegflaschen.
    Dass der Supermarkt hinterher die Flaschen in den Müll schmeißt, ist deine ganz persönliche Theorie, die du vermutlich auch nicht beweisen kannst. Oder?

  • Anton Launer sagt:

    @ Jane: Ich glaube nicht, dass Du Fire aufs Glatteis führen kannst. ;-)

  • jane sagt:

    rudi:
    Du warst es übrigens doch, der seinerzeit die Existenz von Mehrweggut bei Lidl bestritten hatte:

    “auf Lidl und Co kann ich gerne verzichten. Ich brauch keinen Supermarkt ohne Mehrweg-Abteilung und wenn dann noch die Einnahmen zu Scientology fließen …”

    Das waren damals hier deine Worte ;)

    Anton:

    Och, so schnell, wie der sich um den Finger wickeln lässt, sobald ihn eine “Schätz’gen” nennt… ;)

  • rudi sagt:

    Okay, das Zitat stimmt natürlich. Ich dachte aber, es hätte eine längere Diskussion um die Mehrwegabteilung im Lidl gegeben, an die ich mich nicht erinneren konnte, da ich mich daran nicht beteiligt hatte.
    Fakt ist, die Flaschen im Lidl sind nicht Mehrweg und im Konsum gibts halt auch Einweg. Am besten die Flaschen im Lidl noch mal genau anschauen. Lidl und Co. waren es auch, die darauf bestanden haben, nur mit Einwegflaschen beliefert zu werden. Und was sollen die sonst damit machen, außer in den Müll zu werfen? In Tschechien werden aus den Plastikflaschen wenigstens hübsch anzusehende Vogelscheuchen gebastelt, aber hier…

  • Claudia sagt:

    Ohne die schöne Raucher-Nichtraucher-Diskussion endgültig zu einer neuen Lidl- oder gar Einweg-Mehrweg-Diskussion machen zu wollen: Rudi hat recht und das Missverständis, dass es sich bei Pfandflaschen generell um Mehrwegflaschen handelt, führt leider dazu, dass viele Leute jetzt mit gutem Gewissen Einwegflschen kaufen – meiner Ansicht nach ist das das größte Problem des Einwegpfands.
    Einwegflaschen erkennt man übrigens am Logo, siehe auch hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Einwegpfand

  • Fire sagt:

    @Jane: Da hast Du die falschen Schlüsse gezogen. Ja, ich bin tierisch stolz, daß die große Jane mich Schätzgen nennt – nein ehrlich! ;-) Aber Du hast mich mitnichten um den Finger gewickelt – dazu rauchst Du mir zu wenig – lool
    Übrigens, was der Staat und Ihr hier toll kommentierenden Nichtraucher nicht schafft, schafft das Glatteis erst recht nicht – bin ja lernfähig. Das nächste Mal nehme ich meine Hände aus der Tasche und halte mir die Glut vom Leibe… ;-)

  • mirqo sagt:

    @all
    hallo krümelkacker!
    @martin
    seit wann darf man EIER nich mehr ausschreiben? welche lobbyisten stehen da wieder dahinter?

  • casus sagt:

    Leider erst jetzt gelesen. Deshalb ein rauchiger Gruss von der Terasse…

    Was ich wirklich schade finde, sind die neuen Mauern zwischen Rauchern und Nichtrauchern. Ich bin bekennender Genuß-Raucher. Ich rauche gern zu einem Glas Wein, zu einem Bier, zu einem Kaffee. Zum Kaffee eine Zigarette, sonst ein Zigarillo. Ohne die Getränke wird auch nicht geraucht.

    Über ev. wechselnde Anhängigkeiten will ich jetzt mal nicht reden. Mein Freundeskreis ist bunt gemischt mit Rauchern und Nichtrauchern. NSG haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass irgendwann sich die Runde teilte: Raucher draussen oder im Separee, Nichtraucher drinne. Gern auch 20 Minuten, solange dauert ein Zigarillo. Wenn man zu zweit ist (NR und Raucher), wird das für den den NR einsam am Tisch. Als Raucher habe ich immer unterhaltsame Gespräche am Ascher ;-) Not verbindet eben.

    Diese zwangsläufige Trennung find ich schade. Führt dazu, dass ich Kneipen ohne Biergarten insbesondere im Winter zunehmend boykotttiere. Ich vermisse nix. Vielleicht vermissen die Kneipen mich. Kann man Abhängigkeit nennen. Oder Nichtraucherschutz.

    Führt auch dazu, dass ich mein geliebtes Urlaunsland Irland nicht mehr besuche. War so schön da. Aber Urlaub ist auch Genuss. NR-Schutz-Gesetze haben auch hier eine regulierende Wirkung.

    Ich möchte den Kommentar nicht schließen, ohne die erwartete Kritik an Antons Gewaltausbruch zu rügen. Als Gutmensch verhänge ich hiermit eine Strafe nicht unter ein Mittagessen bei Haberland, SuppenBar, etc. PLUS anschließende Raucherpause. Höchststrafe!

  • Jane sagt:

    Lieber Casus,

    dass sich “die Runde teilt”, ließe sich doch aber z.b. auch dadurch verhindern, dass die Raucher mit ihrem Zigarettchen bis zum Heimweg warten. Merkst du denn nicht, wie du quasi den Nichtrauchern indirekt die “Schuld” dafür zuschiebst, dass sich “Runden teilen”?
    Da wird doch aber der Bock zum Gärtner gemacht, wenn du mich fragst. Das Problem, weil Ungesunde, ist doch das Rauchen, nicht das Bedürfnis nach guter Luft und leidensfreiem Feiern der Nichtraucher.
    Außerdem sei nochmal angemerkt: Es gibt in der Neustadt weitaus mehr Kneipen, wo Raucher und schmerzfreie Nichtraucher (da zähle ich mich durchaus auch zu) beisammen sitzen, weil eben kein Rauchverbot greift oder zum Rauchen in eins Separee oder auf die Terrasse geschickt wird.
    Grundsätzlich ist der Nichtraucherschutz aber eine gute Sache – nicht zuletzt führt er auch dazu, dass immer mehr Raucher ihr ungesundes Laster ganz aufgeben.

  • Jane sagt:

    Ach, weil ichs grad noch lese:

    Wegen des Rauchverbotes sogar auf sein “geliebtes Urlaubsland” zu verzichten, da schrillen bei mir schon sämtliche Alarmglocken. Das hat dann mit “reinem Genussrauchen” wohl doch weit weniger zu tun, als du zugeben magst ;)
    Ich jedenfalls bin seinerzeit trotzdem weiter nach Frankreich und Italien gefahren – trotz 100%ig rauchfreier Kneipenlandschaft und Preisen von 7 Euro pro Schachtel Kippen. Weil ich auch mal verzichten und davon lassen konnte, wenn es sein musste – schon meinen überwiegend nicht rauchenden Freunden und einem ebensolchen Partner zuliebe.

  • googlehupf sagt:

    Ohne das Handeln des Autors zu rechtfertigen, kurze Frage:
    Wenn ich jemanden das nächste mal bei einer anderen gemeinwohlschädigenden Ordnungswidrigkeit erwische darf ich dem dann auch eine Scheuern?

  • christoph sagt:

    Ja voll auf die 12……….

  • stefanolix sagt:

    Nach dem Lesen des Artikels und dem Überfliegen vieler Kommentare bin ich ganz froh, dass es ein Gewaltmonopol des Rechtsstaats gibt. Denn auch wenn der bei weitem nicht perfekt ist: die Anwendung eines »Rechts des Stärkeren« wäre wohl auch keine Lösung ;-)

  • Jane sagt:

    Googlehupf:

    Wenn du keine Anzeige wegen Körperverletzung riskieren willst, solltest du davon besser Abstand nehmen ;)

    Aber: Muss man denn wirklich die verbale Aufforderung zum Einstellen des hausordnungswidrigen Verhaltens provokant ignorieren? Und die kam ja vorab, so ich Antons Beschreibung richtig verstanden hatte. Dennoch ist es natürlich nicht akzeptabel, dass dann losgeschlagen wird, statt bspw. das Clubpersonal zu informieren.

  • christoph sagt:

    Ich hätte schön Gänsefüßchen verwenden sollen, aber auf so ne bekloppte Frage kann man doch auch mal platt antworten…
    das Kippe wegschnippen ist mir eigentlich die gängigste bekannte Maßnahme, meistens reicht dann ein scharfer Blick und die Sache ist gegessen.

  • Anton Launer sagt:

    @ casus: Ich lad auch ein. Gib mir mal nen Termin durch.

  • robicon sagt:

    Ist “‘gen” ein sächsischer Diminuitiv?

  • Jane sagt:

    robicon:

    Wie meinen?

    Anton,Casus:

    Vorsicht, man könnte euch beim Wort nehmen ;)

  • robicon sagt:

    Jane: Ob man im Sächsischen “Schatz” zu “Schätzgen” verkleinert. Klingt eher nach meiner rheinischen Heimat, obwohl, da würde man “Schätzeken” sagen.
    Oder ist es antikisierend gemeint, à la “ich hab mein holdes Liebgen im Garten gesehen”?

  • Aquii sagt:

    Fuer alle, die nach dieser hitzigen Diskussion noch Spass am blauen Dunst haben, empfehle ich:
    http://www.querformat-magazin.de/inhalt_rauch.html
    Das sollte alle Zweifel des Nichtrauchens beseitigen ;)

  • Jane sagt:

    Aquii:

    Versteh ich nicht, es ist ja nicht so, dass die Querformat das Rauchen hochjubelt und lediglich seine Vorteile und den “Spaßfaktor” hervorhebt.
    Im Gegenteil, da geht es doch wohl eher um die kulturgeschichtlichen Wurzeln des Rauchens.
    Und was sind denn “Zweifel des Nichtrauchens”? ;)

Kommentieren

Netzwerke
Neustadt bei Flickr