Prießnitzaue: Park statt Gärten geplant

Kleingartensparte "Prießnitzaue" im Hintergrund das Stadtteilhaus.
Kleingartensparte „Prießnitzaue“ im Hintergrund das Stadtteilhaus.

So voll wie am Montag war eine Ortsbeiratssitzung selten. Grund des Interesses: Das Umweltamt stellte die Umgestaltungspläne der Prießnitzaue vor. Auf 36 Parzellen bewirtschaften emsige Kleingärtner die Grünfläche östlich des Neustadt-Bachs. Der hatte sich zuletzt im Juni 2013 in einen See verwandelt. Dabei hat die Strömung so einiges zerstört. Vor allem die sogenannten Berme, die Sandsteine, die das Bächlein in seinem Bett halten sollen. Möglicherweise sind nun die Häuser und auch die Brücke an der Bautzner in Gefahr. Das Umweltamt will den Bach nun verlegen.

Am Prießnitzbogen hinterm Stadtteilhaus
Der Prießnitzsee zum Hochwasser im Juni 2013

Neben dem Hochwasserschutz spielt auch die EU-Richtlinie für den ökologischen Zustand von Gewässern eine Rolle, denn der ist in Bezug auf Fische und Wasserpflanzen derzeit nur mangelhaft. Harald Kroll und Lutz Heubaum präsentierten am Montag Abend ihre Pläne im Ortsbeirat. Nach diesem ersten Plan soll die Prießnitz um fünf bis acht Meter nach Osten verlegt werden und darf Nebenarme ausbilden. Ein kleiner Park inklusive Spielplatz ist vorgesehen.

Die Kleingartensparte Prießnitzaue vom Carte-Blanche-Grundstück aus gesehen.
Die Kleingartensparte Prießnitzaue vom Carte-Blanche-Grundstück aus gesehen.

Zur Not enteignen
Und die 36 Parzellen? Zur Not müsse man enteignen, spitzte Sachgebietsleiter Kroll zu. Die Stimmung im Bürgersaal stieg. Besorgt schauten sich die Kleingärtner die Pläne an und machten ihrer Empörung Luft. Für die Verlegung der Prießnitz und den Hochwasserschutz zeigten sie durchaus Verständnis, aber deswegen müsse doch nicht die gesamte Anlage weichen. Ein Park sei doch nur eine neue prima Gelegenheit für einen Drogenumschlagplatz, argumentierte eine Kleingärtnerin.

Die wild herumliegenden Steine werden Berme genannt und sollen eigentlich den Bach im Bett halten.
Die wild herumliegenden Steine werden Berme genannt und sollen eigentlich den Bach im Bett halten.

Aus Nicht-Kleingärtner-Sicht sehen die Pläne dagegen sehr interessant aus. Denn außer dem Spielplatz soll auch ein Weg entstehen, auf dem man dann von der Bautzner bis zur Hohensteiner Straße entlang wandeln könnte. Ein solcher Weg entlang der Prießnitz ist eigentlich schon seit Jahrzehnten geplant, bislang aber noch nie umgesetzt worden. Und während man früher noch vom Stadtteilhaus bis zur Schule spazieren konnte (Neustadt-Geflüster vom 24. Mai 2000), gibt es heute gar kein Durchkommen mehr. Auf der einen Seite die Kleingärten, auf der anderen haben sich die Grundstücke ausgebreitet, zum Beispiel hinter der Blauen Fabrik, da stehen jetzt Neubauten.

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Noch ist nichts entschieden, der vorgestellte Plan nur ein erster Entwurf. Die Ortsbeiräte rieten den Herren vom Umweltamt mit den Kleingärtnern zu reden. Die sind bislang nämlich nur soweit informiert worden, dass etwa ein Drittel der Fläche für den Hochwasserschutz der Prießnitz benötigt wird. Etwas Zeit ist noch, denn der Baustart ist, so Sachgebietsleiter Kroll, für 2018 angestrebt. Ein Spielplatz auf dem Gelände wäre übrigens auch keine ganz neue Idee. Im Stadtplan von 1927 ist an dieser Stelle ein solcher Tummelplatz eingezeichnet.

Planausschnitt - Anklicken für mehr Details.
Planausschnitt – Anklicken für den ganzen Plan.

Nachtrag: 3. März:
Die Neustadtgrünen haben nach der Ortsbeiratssitzung beim Umweltamt nachgehakt. Das Amt hat daraufhin zugesagt, dass es für die endgültige Planung zu einer Bürgerbeteiligung kommen wird. Abteilungsleiter Jens-Olaf Seifert hat angekündigt, dass Workshops mit betroffenen und interessierten Bürgern durchgeführt werden, bevor eine Vorzugslösung dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt wird.

Dazu erklärt der grüne Ortsbeirat Michael Ton: „Maßnahmen zum Hochwasserschutz erfordern eine Umgestaltung der Prießnitz. Als Grüne wollen wir, dass die Bachufer öffentlich zugänglich werden. Auf die Kleingärtner ist allerdings dort Rücksicht zu nehmen, wo Teilflächen für den Hochwasserschutz nicht benötigt werden. Wir begrüßen die Bereitschaft der Stadt zur Bürgerbeteiligung und werden uns dabei einbringen.“

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20 Kommentare zu “Prießnitzaue: Park statt Gärten geplant

  1. Der Plan an sich ist ja nicht verkehrt, aber Hochwasservorsorge an der letztmöglichen Stelle? (kurz vor der Einmündung) Ich weiß ja nicht. Die Kleingärtner müssen ja jetzt, denke ich jedenfalls, ihre Flächen selber wieder in Ordnung bringen (nach der Überflutung). Wenn es dann öffentliche Fläche ist (Wege, Spielplatz etc.) macht es der Steuerzahler. Ob das wirklich nachhaltiger ist? Wieviel m³ Wasser gewinnen die am Abfluss da wirklich? Gab es dazu Zahlen?
    Habe da keine Parzelle, fahre nur dran vorbei ;-)

  2. @Vorbeifahrer: Das Hochwasserproblem der Prießnitz ist hauptsächlich eines der Elbe. Zwar gab es auch schon hohe Wasserstände am Bach, ohne das der Fluss über die Ufer trat, aber die schlimmeren Folgen hatte zumindest in den letzten Jahren der Rückstau von der Elbe.

    Ich persönlich halte eine Mischgebiet für sinnvoll. So viel wie möglich Kleingärten erhalten, die Sparte für den Durchgangsspaziergang öffnen und den Bach die nötigen 5 bis 8 Meter von den Grundstücksmauern abrücken.

  3. Infolge der Hochwasserschäden vom August 2002 und vom Juni 2013 muss in Kürze die Brücke der Bautzner Straße über die Prießnitz erneuert werden. Das kostet viel Geld, und ob in Zukunft immer wieder Fluthilfemittel des Freistaates Sachsen fließen, ist zweifelhaft. Die geplante Prießnitz-Umgestaltung bis zur Hohnsteiner Straße soll auch dem Schutz der neuen Brücke dienen. Die Verlegung des Bachbettes nach Osten ist notwendig, um die bisherige Steinmauer auf der Westseite der Prießnitz durch Anschütten einer Böschung zu stabilisieren. Eine Erneuerung der Mauer würde nicht den heutigen Anforderungen an eine ökologische Gewässergestaltung genügen. Die Landschaftsgestaltung der Gewässerufer soll so erfolgen, dass die Bachströmung bei Hochwasser verlangsamt wird und möglichst wenige Abflusshindernisse bestehen. Daraus ergibt sich zwingend Platzbedarf zu Lasten der Kleingärten. Ein Weg entlang dieses Prießnitz-Abschnittes muss auch zur Gewässerbewirtschaftung entstehen, z. B. um angeschwemmtes Treibgut beseitigen zu können oder um abgelagerte Sedimente herausnehmen zu können. Die öffentliche Nutzbarkeit dieses Weges wäre dann ein schöner Nebeneffekt. Fraglich ist allenfalls, ob wirklich jede Teilfläche der bisherigen 36 Kleingartenparzellen für den Hochwasserschutz umgestaltet werden muss. Das müsste das Umweltamt sorgfältig begründen.

  4. mal ganz ohne Emotionen gesehen:

    diese Fläche:
    -ist Überschwemmungsgebiet
    -Grün ist für Alle gut
    -die Kleingärten sind,,nur“ für diese wenige Gärtner erlebbar
    -als öffentliches Grün — können dort -sehr viele Menschen davon profitieren/ sich erholen
    -ein Wanderweg entlang der Priesnitz ist eine tolle Sache
    soweit ich davon informiert war- haben sich die dortigen Kleingärtner damals gegen den schmalen Wanderweg ausgesprochen…
    -ob da unbedingt ein voll ausgestatteter Spielplatz hin muss ist fraglich—- da solltedoch mal die Neustadter Leute/Bewohner und Anlieger… gefragt und abgestimmt werden

  5. wen die Pächter Geld sehen wollen geht es ganz schnell das die Gärten weg müssen. Haben das bei unserer Sparte auch erlebt.Nur Glück hatten die Kleingärtner das es nie Bauland wird.Sie dürfen bleiben aber das doppelte an Pacht zahlen ,fiele haben es aufgegeben schade

  6. Die Weißeritz wurde anno dazumal auch verlegt, und hat sich irgendwann, als sie, rot und wild, wie es eben ihre Art ist, der Meinung war, 1 Jahrhundert wäre vergangen, ihren alten Weg gesucht…
    Aber gut: Das Quellgebiet Schönfelder Hochland ist nicht ganz mit dem Erzgebirge zu vergleichen; die Gefahr des problematischen Rückstaues der Elbe dafür wohl höher.
    Ich will es zwar nicht ganz emotionslos sehen, gehe aber ansonsten mit anni und launi d’accord:
    Einen – naturnahen – Spazierweg in Prießnitznähe mit Erhalt von möglichst vielen Kleingartenanteilen würde ich willkommen heißen.
    Einen Spielplatz halte ich für dagegen für entbehrlich, da dieses Areal dann von Natur aus zum Spiele anregen sollte.
    Weiß jemand etwas zu dem Häuschen, das da relativ frisch saniert nicht weit von der Brücke Bautzner Straße ziemlich nah und tief am Bache steht? Sozusagen im Überflutungsbereich.

  7. Kleine Geschichte am Rande: als ich in den späten 80ern auf die 103. POS ging, war allen Kindern bekannt, dass im ersten v errümpelten Garten neben der Brücke ein „Kinderfänger“ wohnt. Vermutlich totaler Quatsch, trotzdem ist man nie so gern allein dort vorbeigegangen…

    Immer, wenn ich dort heute vorbeikomme, muss ich dran denken und grinse in mich rein.

    Zum Thema: niemand wird so gern seinen geliebten Garten abgeben. Zumal die Sparte ja schon idyllisch ist – von der Verschattung mal abgesehen. Eine Öffnung für die Allgemeinheit wäre aber ein feiner Zug – ich sehe schon das nächste inoffizielle Kleinkinderprießnitzbad (neben den einschlägigen Standorten in der Heide und an der Mündung).

  8. Nun erkläre mir mal einer, wie ein Rückstau von der Elbe einen derartigen Schaden an der steinernen Uferbefestigung anrichten kann.

    Falls sich jemand nicht mehr an das letzte Hochwasser erinnern kann, erst kam die reißende Flutwellen von der Prießnitz und erst danach der Rückstau von der Elbe. Wenn man den Back verlangsamen will kann man ja vielleicht mal mit dem Teil nördlich des Bischofsweges bis hin zur Stauffenbergallee anfangen.

    Ich bezweifele ob eine städtische Parkanlage ökologisch besser ist als die Kleingärten. Allerdings wäre eine Öffnung der Anlage für Spaziergänger sicherlich ein Gute Idee.

  9. @S. Ebnitzer: der Vergleich mit der Weißeritz hinkt, weil der Weißeritz vor reichlich 100 Jahren ihr Bett genommen wurde, verlegt von der Weißeritzstraße zum Emerich-Ambros-Ufer. 2002 hat sie sich das gewaltsam zurückgeholt; in der Folge wurde ein Notbett als Rohrleitung unter der Weißeritzstraße geschaffen.
    Die Lage an der Prießnitz ist also eine völlig andere.

  10. Bei uns im Verein gibt es jetzt schon seit mindestens 5 Jahren eine Verordnung das die Wege der Garten sparte am Tage für alle geöffnet bleiben müssen erst 18 Uhr geschlossen werden. Das wäre doch die bessere Lösung .

  11. Ihr möchtet doch auch nicht, dass bei euch ständig fremde leute im hof oder auf dem grundstück sind. die gärtner des kleingartenvereins sind immer bereit gewesen leute von außen mit zu integrieren und haben die türen aufgeschlossen und auch anwohner eingeladen, sich die gärten anzuschauen oder einen spaziergang durch die anlage zu machen.ich höre da leider nur neid und kein wirkliches problem… deswegen muss man ja nicht gleich jahrelanges, geliebtes hab und gut vernichten…sondern lösungen finden, die die gärtner und anwohner gleichermaßen zufrieden stellen! bei den neu gebauten häusern direkt an der prießnitz beschwert sich doch auch keiner..die denn zugang versperren, aber bei gärten, die schon zeit jahrzehnten ihren platz dort haben!

  12. @grün und bunt
    „Ihr möchtet doch auch nicht, dass bei euch ständig fremde leute im hof oder auf dem grundstück sind“
    Die aktuelle Rechtslage ist bekannt?
    § 1 der Rahmenkleingartenordnung:
    Die KGA ist Bestandteil des Grünsystems der Städte und Gemeinden, diese sind grundsätzlich für die Allgemeinheit zugänglich.

    Irgendwelche Nachfragen?

  13. zu Vorbeifahrer:
    Das die KGV-Anlagen öffentlich zugänglich zugänlich zu halten sind, steht auf dem Papier und Papier ist bekanntlich geduldig. Meist sind die Türen doch zu und verschlossen. Mann muss dann schon ,,Insaiter“ sein um zu wissen wo mal eine Tür/Eingang zur KGV-Sparte offen ist.

    Ansonsten gefällt mir die Idee vom Naturbad an der Stelle schon sehr gut. Könnte sicher machbar sein. Oder es wird dann später sowieso dazu kommen :-)

  14. Nachtrag: 3. März:
    Die Neustadtgrünen haben nach der Ortsbeiratssitzung beim Umweltamt nachgehakt. Das Amt hat daraufhin zugesagt, dass es für die endgültige Planung zu einer Bürgerbeteiligung kommen wird. Abteilungsleiter Jens-Olaf Seifert hat angekündigt, dass Workshops mit betroffenen und interessierten Bürgern durchgeführt werden, bevor eine Vorzugslösung dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt wird.

    Dazu erklärt der grüne Ortsbeirat Michael Ton: „Maßnahmen zum Hochwasserschutz erfordern eine Umgestaltung der Prießnitz. Als Grüne wollen wir, dass die Bachufer öffentlich zugänglich werden. Auf die Kleingärtner ist allerdings dort Rücksicht zu nehmen, wo Teilflächen für den Hochwasserschutz nicht benötigt werden. Wir begrüßen die Bereitschaft der Stadt zur Bürgerbeteiligung und werden uns dabei einbringen.“

  15. @Vorbeifahrer (etc.)
    Du zitierst die Sächsische Rahmenkleingartenordnung und da heißt es im nächsten Satz: „Die Öffnungszeiten der Anlage legt der Kleingärtnerverein fest.“
    Da wir aber eine regelungsfreudige Stadt haben, gibt es noch eine „Kleingarten-Rahmenordnung der Landeshauptstadt Dresden“ und die legt unter 3.12 fest, dass Vereinsvorstand und Stadtverband im Einvernehmen mit der Landeshauptstadt eine Regelung treffen. Es ist eine geübte Praxis, die Anlagen nur in der Gartensaison zu öffnen und abends zu schließen. Es gibt auch einige wenige ganzjährig offene, so wie meine. Eine Pflege des Wegesystems – wie bei Grünanlagen – erfolgt durch die Stadt leider nicht, die Verkehrssicherungspflicht (u.a. Beleuchtung, Winterdienst; sichere Wegebeschaffenheit) für die internen Wege liegt bei den Vereinen.
    Die Aussage, die Anlage an der Prießnitz verstoße gegen geltendes Recht, weil unzugänglich, ist falsch, ich bin dort schon öfter herumspaziert, aber erst ab März.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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