Zu jedem Schloss ein Dietrich

Als meine Mitbewohnerin neulich aufgrund eines vergessenen Schlüssels die Wohnungstür auf- und damit den Türrahmen kaputttrat, lautete mein laustarker Vorwurf: „Warum, zum Teufel, hast du keinen Schlüsseldienst gerufen?“ – „Weil der doch so teuer ist!“ kam die schuldbewusste Antwort. Dieses Gerücht blieb in unseren Köpfen bestehen bis zum dem Tag, an dem ich zu Schlüssel Quick fuhr, um ein Interview für die Neustadt-Originale zu führen.

Schlüsselquick-Chef Hans-Dieter Werner

Schlüsselquick-Chef Hans-Dieter Werner

Der Laden auf der unteren Alaunstraße leuchtet in hellem, sauberen Licht. In Reih und Glied liegen und hängen hier Türschlösser, Schließbleche, Schlüssel-Rohlinge, die darauf warten, jemandes Hab und Gut bald vor anderen Jemanden zu verschließen. Inhaber Hans-Dieter Werner („Der Mann mit den drei Vornamen! Aber schreiben brauchen Sie das nicht!“) führt mich vorbei an Apparaturen zum Schlüsselfräsen in sein Büro. Schon recht früh tappe ich mit meiner Erzählung von der türeintretenden Freundin in die Klischee-Falle.

Der Ruf der Branche sei diesbezüglich geschädigt, sagt Werner. Die Zeitungen seien voll mit Anzeigen für den Notfall, die jedoch alle von ein und demselben privaten Anbieter geschaltet werden. „Im Ernstfall werden die Leute panisch und rufen irgendjemanden an, der dann freilich viel Geld verlangt.“ Werner sieht ein bisschen gequält aus, als ich in zehn Minuten über den 24-Stunden-Notfalldienst ausquetsche. Eigentlich hat er doch Schlosser gelernt. Er kann Sicherheitsschlösser und Tresore montieren, kennt sich mit Alarmanlagen und Videoüberwachungskameras aus, kann dafür sorgen, dass Türen sich elektronisch öffnen und Häuser einbruchsicher machen. Der Schlossnotdienst sei nur ein Service.

Im Jahr 1990 gründete er das Geschäft auf der Alaunstraße. Zum Schlossermeister wurde er in Dresden ausgebildet und hatte sich zwischenzeitlich dem Schlagzeugspielen verschrieben. Dann jedoch „musste Geld verdient werden“, weil Nachwuchs ins Haus stand. Zur Eröffnung seines Geschäfts standen die Kunden Schlange, war er doch in Dresden einer der ersten Schlosser nach der Wende.

Zur Zeit hat Werner sieben Mitarbeiter. Einer von ihnen ist sein Sohn. Fünfmal am Tag rückt der Notdienst aus, um verschlossene Türen zu öffnen. In der Nacht etwa siebenmal pro Woche. „Ist es nicht seltsam“ sagt Herr Werner mehr zu sich selbst „erst kommen die Leute und wollen ein perfekt abgesichertes Haus. Und dann fragen sie, ob ich es ihnen auch ohne Probleme wieder öffnen kann. Und wenn die Tür dann offen ist, wollen sie nicht bezahlen.“ Er schaut mich an, als erwarte er eine wirklich gute Antwort.

Da sitzt er. Herr Werner, dessen Lebensaufgabe es ist, verlässliche Sicherheit zu verkaufen, die er dann demontieren muss. „Das ist reine Nervensache“, sagt er. Die Hektik und Panik der Ausgesperrten aushalten, in aller Ruhe und mit Geschick die Tür öffnen – und dann um sein Geld kämpfen. Denn wenn die Tür erst einmal auf ist, verschwinden viele in ihrer Hochburg ohne zu bezahlen. Als ich ihn nach einem bemerkenswerten Erlebnis seiner Laufbahn frage, schildert er mir genau diesen Sachverhalt und blickt mich ratlos an, zwar lächelnd, aber ratlos.

„Herr Werner“, sage ich, „es ist wie beim Froschkönig. Wenn die goldene Kugel wieder oben ist, vergessen fast alle Prinzessinnen ihre Versprechen.“ Er schaut mich prüfend an, ist mit dem Vergleich dann aber doch einverstanden und posiert lächelnd für das Foto. Als ich aus dem Laden gehe, kann er mir mit einer Hand in der Hosentasche winken. Denn die Tür öffnet automatisch.

Informationen und Öffnungszeiten

  • Schlüssel Quick, Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Sonnabend 9 bis 13 Uhr
  • Im Internet zu erreichen unter www.schluessel-quick.de
  • Schlossnotdienst ab 55,- Euro

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17 Kommentare zu “Zu jedem Schloss ein Dietrich

  1. Jubee
    17. Oktober 2012 at 13:17

    Sind wir jetzt schlauer?
    Was der Service von Herrn Werner deiner Mitbewohnerin gekostet hätte, steht weder in diesem Artikel noch auf seiner Homepage.

  2. E-Haller
    17. Oktober 2012 at 13:49

    @ Jubee: War auch mein erster Impuls: Was kostet es denn nun? Gegen „Der Ruf der Branche sei diesbezüglich geschädigt“, tritt man doch nur mit einem entsprechend entkräftenden „Beweis“ an!?

  3. Peter
    17. Oktober 2012 at 15:03

    Ich hatte vor einigen Jahren das Problem, dass das Schloss meiner Wohnungstür defekt war – ich stand natürlich vor der verschlossenen Tür. Zwei Anrufe bei Notdiensten brachten die Erkenntnis, dass es so um die 200 Euro kosten würde zzgl. neuem Schloss und dessen Einbau.

    Mir fiel dann eben jener Laden ein, ich ging vorbei, fragte nach einer Lösung. Eine Stunde später war die Tür offen, ein neues Schloss eingebaut und die Rechnung für ca. 80 Euro geschrieben.

    Ein Hinweis sei noch gegeben: es handelte sich um ein einfaches Schloss in einer alten Holztür, das durch ein genauso einfaches Schloss ersetzt wurde. Also bitte nicht gleich Schlüssel Quick abfackeln, falls bei einem anderen Notdiensteinsatz eine höhere Rechnung gefordert wird … ;)

    Peter

  4. Philine
    17. Oktober 2012 at 15:19

    Hi Jubee,

    die günstigste Tür-Notöffnung gibt es bereits ab 55,- Euro. Ist jedoch immer Schloss- und Türabhängig!

  5. 17. Oktober 2012 at 15:44

    Ich hab das mal im Artikel nachgetragen.

  6. notenlegastheniker
    17. Oktober 2012 at 18:13

    Ich habe bei dem Artikel auch sofort rechnend überschlagen, dass sich diese Branche keine Sorgen machen muss…
    Die Tür-Öffnungs-Preisangabe ist wohl der „offizielle Preis“.
    Als meine Nachbarin eine EINFACHE Öffnung brauchte (Tür war nur durch einen Windhauch in das Schloß geklickt), wurde ihr gleich am Telefon ein MINDESTPREIS von 75 Euronen! UND SOFORT BAR! angesagt.
    Von der Alaunstraße ist es ein ein Anfahrtsweg „um zwei Ecken“.
    Bei der nächsten Öffnung einige Tage später (hier lassen wir mal die Schusseligkeit unkommentiert) erinnerte sich Kollege „Mr.Quicki“ sofort an sie, aber es gab natürlich keinen Mengen-Rabatt.
    Seit dem gegeseitigen Nachbarschafts-Schlüssel-Parking klappt es gut!
    Kann ich nur empfehlen und spart unter Umständen viel Geld und Ärger!

    Ich frage mich allerdings, ob auch die Pflicht des Öffnens besteht, wenn sich bspw. ein Kleinkind gefährdend in einer Wohnung befindet und die Elternschaft nicht SOFORT entsprechende Centhäufchen im nackten Hemd hat…

    Ich will hier auch nicht die Preise einer Zunft kritsieren und kann das Geschäft mit Kompetenz und Freundlichkeit empfehlen, aber ganz zu Unrecht gibt es die Klischees nicht…

    Die Zeiten des Dietrichs sind halt vorbei! :-)

  7. des pudels kern
    17. Oktober 2012 at 19:51

    ich finde die geschichte ganz nett, aber ein wink auf die abzocke würde mehr leuten helfen: das ding ist, dass sich vermeintlich unseriöse gestalten im telefonbuch meinetwegen „aaa-schlüsseldienst“ reservieren und gleichzeitig „bbb-notöffnung“ und „abc-24h-schlüsselgott“. laut telefonlistung sind die dann ganz vorne aber es steckt ein-und-dieselbe person mit wettbewerbsverzerrenden preisangeboten dahinter. und spätestens nach 2-3 preisvorschlägen hat man sich damit abgefunden das es so teuer ist. unter dem aspekt hat man natürlich als „_q_uick“-schlüsseldienst schlechte karten.
    als richtiger neustädter (oder irgendwann, damits nich wieder zu diskussionen kommt) kennt man aber eigentlich seine anlaufpunkte.

  8. 17. Oktober 2012 at 20:33

    @notenlegastheniker: Irgendwie scheinen die Preise in den vergangenen Jahren auch mächtig gestiegen zu sein. Ich kann mich noch erinnern, dass ich weniger als 50 Mark (DM) bezahlt habe, damals gab es auch eine Schlüssel-Öffnungsversicherung, die sich ab der zweiten Öffnung schon gerechnet hätte.

  9. buxi
    17. Oktober 2012 at 21:20

    genau das ist es, anton. wie in vielem anderen sind die preise in den letzten 10 jahren unnachvollziehbar gestiegen. nach einbeziehung aller faktoren wie euro, inflation oder allg. kostensteigerungen etc. ergeben sich dennoch ca. doppelte preise. und man fragt sich, warum die firmen heute unterhalb solcher preise behaupten nicht extistieren zu können. es gibt eben keine bekannte statistik, die da mal transparenz reinbringt. jede branche spricht sich scheinbar intern ab und verlangt dann einfach ein höheres preisniveau, ne echte konkurrenz zugunsten des kunden dann existiert nicht mehr. vielleicht hört aber bei dem thema die freundlichkeit bei quick und anderen auf. denn sie wissen alle wie es läuft und leben sehr gut damit. ist meine vermutung. betrifft wohl viele branchen.

  10. Urs Korbinian
    17. Oktober 2012 at 22:05

    In den Gelben Seiten und bei Google finden sich übrigens ganz viele Schlüsseldienste in der Alaunstraße. Aber nur Quick gibt’s wirklich. Da bin ich mal drauf reingefallen, als ich eigentlich Quick anrufen wollte, den Namen und die Hausnummer aber nicht parat hatte und mich auf die Gelben Seiten-Umkreissuche verlassen habe.

  11. oha
    18. Oktober 2012 at 01:29

    Meine Erfahrung als ich jemanden meine Wohnung zur Urlaubsaufsicht überließ.

    440,- Euro und das 1 Tag bevor ich wiederkam, 1 Tag später und ich hätte nen 2.ten Schlüssel gehabt.

    Der Gutste hat gedacht er hat den Schlüssel verloren und jetzt wird eingebrochen…Nachdem die Tür geöffnet und ein neues Schloss drinne war und er die Rechnung durch Freunde von mir beglich, stellte er fest das der Schlüssel in der Hose war…

    Ich hab dann das Schloss wieder selbst gewechselt in 3 min, weil wer solche Preise aufruft der kommt am Ende auch nochmal unangemeldet wieder…

    Hab alles versucht die Firma ausfindig zu machen, da die nicht einfach das Schloss wechseln können, wenn er keinen Mietvertrag vorlegt. War aber nix zu machen.

    Am besten nen Zweitschlüssel in der Nähe aufbewaren, dann spart man sich das ganze…

  12. Philine
    18. Oktober 2012 at 10:03

    Zu beachten ist jedoch auch, dass der Preis für eine Türnotöffnung sich nicht aus Luft zusammensetzt. Das Equipment, die Mitarbeiter und ihre spezifischen Ausbildungen und nächtlichen Arbeitsstunden fließen da mit rein. Zudem werden auch die Türen und Schlösser immer besser – da passt sich der Preis für eine Öffnung wahrscheinlich notgedrungen an …

  13. Philine
    18. Oktober 2012 at 10:15

    Eines noch: ich habe im Artikel einen inhaltlichen Fehler gemacht, auf den mich Herr Werner hingewiesen hat und den ich gern richtigstellen würde. Die Anzahl der nächtlichen Türöffnungen (zwischen 7 und 10) bezieht sich auf eine Woche, nicht auf jede Nacht!

  14. 18. Oktober 2012 at 12:11

    @Philine: Ich habe das mal im Text angepasst.

  15. Manu
    18. Oktober 2012 at 18:28

    Und wieder tolle Beispiel hier dafür, dass man für Service in Deutschland nichts bezahlen möchte, immer noch die geiz ist geil Gesellschaftschaft . Traurig! Und dann tauchen hier Profis auf wie zur Fussball WM, dann sind fast alle Einwohner Schiedsrichterprofis und wissen es besser als der auf dem Spielfeld, aber so ist das nunmal in Foren!!!! Einer der erwartet, dass in einem Ladengeschäft ein Bereitschaftsmonteur auf einem Stuhl die ganze Nacht hockt und wartet …., jemand anderes der denkt 75 € sind nur für die paar Momente der Türoffnug – da kam ein Auto gefahren – das kostet, drin saß ein Mitarbeiter – der kostet, dann vielleicht noch Nachts oder Feiertags//Sonntags – das kostet, der hat Tag und NACHT Bereitschaft – das kostet…, vielleicht mal ein bisschen drüber Nachdenken und nicht das eigene Verschulden – Schlüssel liegen lassen oder verloren – auf andere abwälzen. Klar ist man nicht froh drüber, für seinen eigenen Bockmist noch Geld zu bezahlen, aber man hat es selbst verursacht! Vielleicht sieht es ja jetzt der ein oder andere ein bisschen mit anderen Augen -Meckerer wird es immer geben, sonst wären die Foren nur halb so voll uund lustig

  16. oha
    18. Oktober 2012 at 19:43

    @manu

    Du glaubst doch nicht wirklich das da einer bei 7-10 Öffnungen in der Woche auf nem Stuhl in der Filiale verbringt und Däumchen dreht….

    Ansonsten geb ich Dir Recht!

  17. Claudi
    25. Oktober 2012 at 12:19

    Bitte nicht sauer sein, über Quick kann man viel sagen aber nicht das Sie für günstige Preise einen Orden verdienen.

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