Ein Glück, dass die DDR pleite war …

Als ich neulich in dem Buch „Die Äußere Neustadt: Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils“ von Una Giesecke blätterte, fiel mir ein Bild besonders ins Auge.

Neustadt-Modell aus den 70er Jahren
Neustadt-Modell aus den 70er Jahren - Anklicken zum Vergrößern.

Auf diesem Bild ist die geplante komplette Umgestaltung der Neustadt zu sehen, während das DVB-Hochhaus links noch steht, sollte der Albertplatz viel kleiner werden, stattdessen sollte in Höhe der Glacisstraße ein Hochhaus mit 30 Etagen, also mehr als doppelt so hoch, wie das am Albertplatz, entstehen mit einem riesigen Platz davor. Auch die Straßen im Innern der Neustadt wurden komplett umgeplant, an Stelle des heutigen Schwalbennestes sollte auch ein Hochhaus entstehen.

Una erzählte mir, dass das Bild beim Stadtplanungsamt im Archiv liegen würde und Thomas Pieper, der dort Sachgebietsleiter ist, war so freundlich es mir zu schicken. Außerdem hatte er noch ein paar Informationen zu diesem Modell. Es handelt sich um eine Studie der TU Dresden, die in den 70er Jahren angefertigt wurde. Man kann daraus erkennen, welche Pläne für den Umbau der Äußeren Neustadt in den Köpfen der damaligen Stadtplaner vorherrschten.

Ausriss aus dem städtischen Leitplan, von der Prießnitz bis zur Rothenburger Straße. Rot sind geplante Neubauten
Ausriss aus dem städtischen Leitplan, von der Prießnitz bis zur Rothenburger Straße. Rot sind geplante Neubauten
Nach Informationen von Pieper muss die Studie spätestens Anfang der 80er Jahre verworfen worden sein. Denn Zum Ende der 80er war zwar für weite Teile des Viertels eine Neubebauung vorgesehen, die sollte aber entgegen dem hier vorliegenden Modell den historisch entstandenen Straßengrundrissen folgen. Dafür wurde 1983 eine „städtebauliche Leitplanung“ verabschiedet. Auf der Böhmischen und in der Alaunstraße wurden in der zweiten Hälfte der 80er Jahre bereits die ersten Häuser abgerissen. Um weitere Abrisse zu verhindern, gründete sich damals die Interessengemeinschaft Äußere Neustadt. Mit der Wende wurden die Abrisspläne verworfen und das Viertel erhielt den Status eines Sanierungsgebietes. Heute sind fast alle Gebäude in der Neustadt saniert und fast alle Lücken bebaut.

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  • „Die Äußere Neustadt: Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils“ ist im Sandstein-Verlag erschienen, hat die ISBN: 3937602712 und sollte in jedem Neustädter Buchladen zu haben sein.

18 Kommentare zu “Ein Glück, dass die DDR pleite war …

  1. Ist/Was ja in Erfurt das gleiche Spiel. Dort sollten auch ganze Stadtviertel verschwinden. Da kann man wirklich nur glücklich sein, dass es anders gekommen ist.

  2. Mir fehlt auf dem Bild noch die Orientierung. Was stellt den jetzt genau den Albertplatz dar? Soll das die runde Fläche mit der Statur (o.ä.) sein? Und welcher Turm ist denn genau das DVB-Hochaus?

  3. Ähnlich hässliche und im wahrsten Sinne des Wortes hochtrabende Pläne gab es auch für das Stadtzentrum, wie man einer Sonderausgabe der SZ vom 04.07.69 entnehmen kann. Bei Interesse schicke ich den Artikel gerne mal per mail als pdf-Anhang.

  4. Die Statur soll das Helmut-Kohl-Denkmal auf dem Platz der Einheit werden. Wird der Platz etwas in Richtung Hoyerswerdaer verschoben oder wird das eine neue Straße? Dazu müsste sich der Marx (sic!) mal äußern. Ansonsten ist viel Platz für Eigentumswohnungen und gut verwertbare Büroräume. Die oberen Wohnungen in den Hochhäusern haben einen Blick auf die Altstadt mit Frauenkirche und werden der totale Verkaufsschlager. Es ist sogar ein Sportplatz vorgesehen. Allerdings müßten auch einige gelungene Nachwendebauten wie das Epple-Haus Ecke Louisenstr./Königsbrücker, der Neubau Bischofsweg/Ecke Königsbrücker oder der Nettomarkt mit Tiefgarage auf der Kamenzer abgerissen werden.

    Vielleicht sollte man bei einigen Entscheidungsträgern mal unauffällig das obere Modell gegen den unteren Plan austauschen. Dann würden sie auch aufhören, den vierspurigen Ausbau der Königsbrücker und der Bautzner zu predigen.

  5. Beim genauen Hinsehen erkennt man, dass das, was auf dem Bild als „Prießnitzstraße mit 4 Spuren“ bezeichnet ist, wohl doch eher die „Bautzner“ im Abschnitt zwischen Martin-Luther-Straße und Pulsnitzer Straße ist (siehe Standort der Martin-Luther-Kirche) und der vordere vierspurige Abschnitt demnach so etwas wie ein Rest Tieckstraße.
    Das Hochhaus hinter der Aufschrift Louisenstraße befindet sich dann wohl wirklich da, wo heute das Espitas steht und an der „Görlitzer“ zwischen Louisenstraße und Bischofsweg rechts vier L-förmige Hochhäuser. Die Hoyerswerdaer Straße gibts nicht mehr.

  6. By the way, Anton haste mal überlegt, welche Meldungen du dann in den Ticker schreiben würdest, wenn es so gekommen wäre?

    „Das Job Center hat jetzt von Montags bis Freitag schon um 12 Uhr geschlossen“ oder
    „Der einzige Konsum im Viertel soll jetzt endlich Konkurrenz durch einen geplanten Lidl Markt an der Priesnitsstr. bekommen. Lediglich die Zufahrt für Linksabbieger ist noch nicht geregelt! Hierzu waere eine Verbreiterung auf teilweise sechs Spuren erforderlich.“

  7. Wenn es so gekommen wäre? Dann gäbe es die DDR heute noch? Vielleicht wären die Baumaßnahmen bis Ende 2010 beendet gewesen. Aber ganz bestimmt gäbe es dann keinen Neustadt-Ticker im freien Internet ;-)

    Andererseits: wenn die Bauten bis 1989 fertig gewesen wären und wenn dann die Mauer gefallen wäre, dann hätte sich das, was heute die Neustadt ist, in einem anderen Stadtteil gebildet. Dann gäbe es wohl so eine Seite für Pieschen oder Löbtau. Oder?

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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