Schaubudensommer vorbei

Die Malerei am Himmel sorgte bei etlichen Besuchern für Nackenstarre.

Die Malerei am Himmel sorgte bei etlichen Besuchern für Nackenstarre.

Der Scheune Schaubudensommer 2018 ist zu Ende. Mit Fanfaren, großen Salti und Verve hat er den ohnehin schon heißen Sommer elf Nächte lang noch ein wenig mehr vergoldet. Fast ein Dutzend Sollkuckstellen rund um die Scheune hatte er aufgebaut und dort über 70 internationale Künstler und Künstlerinnen verstaut. Neben feinsten Multimedia-Shows in Containern, über Strickwelten im Saal, lurchige Weisheiten, melancholischem Puppenspiel, avantgardistischen Performances bis hin zu Mit-Tanz-Zelten hatte er sich große Mühe gegeben der Abwechslung den ersten Platz einzuräumen und Wort gehalten. Der Kosmos aus großer Kleinkunst war ein astreiner Ausbruch aus der Realität und die angekündigte große Chance sich in neue Menschen zu verlieben und schwebend den Platz zu verlassen, wurde dem Hören-Sagen nach unter den rund 20.000 Besuchern und Besucherinnen mehrfach sehr ernst genommen.

Wilder Kerl bei den Buden.

Wilder Kerl bei den Buden.

Dirty Granny Tales aus Griechenland erzählten meisterhafte Geschichten aus unteren und oberen Welten. Michael Hatzius’ Echse gab Einblicke in ihr Innerstes und Maraña aus Chile strickten und fädelten sich einmal um alles, was in ihrer unmittelbaren Nähe war. Anna Mateur & The Ringtones holten das Jamba-Abo aus der Versenkung und telefonierten mit dem Publikum. Julia Raab fand in blau-rot-weiß-karierten Taschen Symbole, Anekdoten und auch traurige Momente. Paul Currie, der schwitzende, bärtige Turboclown aus Belfast war einfach der Knaller. Cie. Tobia Circus balancierte sich durch alle Stühle und fand das Lot der Besen. Exzentrischen Blödsinn, urkomische Mimik, feinen Humor und rasante Jonglage präsentierte Aaron Dewitz und er machte dem Genre Clown mehr als alle Ehre. The Razzzones sind vier Beatboxer und haben nun eine riesige Fan-Gemeinde in Dresden. Mit der rohen Energie des Machos und seinem unglaublichen Charisma, nahm David Eriksson aus Schweden das Publikum mit auf eine verstörende pinke Reise direkt ins Bälleparadies.

DADO aus Kanada präsentierte ein improvisiertes Durcheinander unter Einsatz von Luftballons, Blumen, Dackeln und auch Tischtennisbällen. Die JuWie Dance Company ließ an einer spannenden getanzten Reise nach Kolumbien teilhaben, während TAMTAM objektentheater aus den Niederlande Alltagsgegenstände in lebendige Bilder und Geschichten verwandelten und dem Schaubudensommer die Poesie wiederbrachten. Ariel Doron aus Israel führte ein tierisches Experiment mit Mausi durch und Ursula von Rätin erzählte überraschend rattige Geschichten. Pelele aus Frankreich fragten sich, ob man beim Stierkampf dem Tod von der Schippe springen kann und suchten natürlich dabei auch die Liebe. Unglaublich beweglich und pantomimisch hoch begabt zeigte sich Elias Elastisch und ließ Cartoons im Fernsehen alt aussehen. Mit großer Freude können wir auch verkünden, dass The Equipment nach jahrelangen Welttourneen endlich Zeit gefunden hatte bei uns die besten Shows der Welt zu spielen.

20.000 kamen zu den Buden

20.000 kamen zu den Buden

Howool Baek aus Südkorea fragte sich nach der Normalität und nach der Schönheit im Alltäglichen, während Klatsch + Muff in einen besonnenen Raum voller Welt einluden und Meta-Glitzer versprühten. Die fünf sehr jungen Schauspieler*innen von Liebe Knall Yoga All suchten während des Um-Sich-Kreisen den Sinn von Performance und von Gegenwart überhaupt und waren ein wahrer Schatz des Festivals. Moravska Entertainment & Fruchthof Teplice präsentierten die Jindrich Staidel Combo und ließen alle Fäden los für die beste Musik am Strick. Butoh und seine ungeheure Energie und Kraft zeigte Valentin Tszin aus Russland gemeinsam mit dem englischen Musiker Daniel Williams.

Compagnie Buffpapier aus der Schweiz und brachte nicht nur Elefanten auf die Bühne, sondern auch absurdesten Humor. Die go plastic company veranstaltete ein Erlebnis der Sinne und luden zur Silent Disco. Das Kollektiv Young Boy Dancing Group aus der Schweiz zeigte mit seinen zeitgenössischen Tänzern und Tänzerinnen eine Mischung aus Queer-Show und Techno-Futurismus. Einen Menschheitstraum erfüllten Instant Enlightenment dem Publikum: Total Perfection in 30 Minuten dank bester Life-Coaches. Wer hingegen ein bisschen Aggressionen abbauen wollte, konnte das bei der Tanz-Prügelei von Joshua Monten aus der Schweiz tun. Pocket Fluff Productions aus Großbritannien sind ein ganz besonderes Paar und verzückten mit akrobatischen Höchstleistungen. DEREVO improvisierte sich dem Himmel ein Stück näher und performte open air. Georg Traber ist Till und der wiederum ist Messerwerfer und der traf am liebsten seine Assistentin. Kaspar & Gaya zeigten eine Revue, in der sich zwei Clowns und ein Haufen wilder Phantasien zu einem Spektakel kuriosester Art vereinen. Aus den Niederlanden brachte Jaap Slagman die Geschichten der Maus und des Grashüpfers und des riesigen Abenteuers mit.

Wenn die Haue zur Tanzperformance werden.

Wenn die Haue zur Tanzperformance werden: Show von Joshua Monten aus der Schweiz

The Missies luden zur Platzierung in ihrem morbiden Hot House und bitten darum sich überraschen zu lassen. César y Muriel zeigten Scheu-Schein-Chao im Container und genauer lässt sich das auch nicht erklären. the guts company baute einen interaktiven Erfahrungsraum, den man betreten konnte und drinnen im Honig watete oder auch durch die Nacht skatete. Yvonne Burmann legte wieder allen Mutigen die Karten und fand Antworten auf brennende Fragen. Lutz Fleischer stellte in der kleinsten Galerie der Neustadt ungeheuer große Kunst aus.

Um abschließende Worte zu finden: Schade, dass es nun zu Ende ist, aber so wie den Schwimmringe tragenden Platzbeleuchtern nicht die Luft ausgegangen ist, freut sich die Crew auf den nächsten Sommer mit Scheune-Schaubuden.

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