Von heißer Suppe an kühlen Tagen

Sie ist heiß, sie ist sogar so heiß, dass ich mir die Finger verbrannt hätte. Aber wer steckt schon seine Finger in eine Kartoffel-Lauch-Suppe. Stattdessen war es nur der Gaumen. „Du musst pusten.“ Die mir gegenüberstehende junge Dame lächelt mich an, auch sie rührt in einer Suppe.

Lächelnd führt sie den Löffel zum Mund, spitzt ihn und pustet. Eigentlich haucht sie den Suppenlöffel eher an, denn kein Kleckschen der roten, ich  tippe auf Tomaten-Suppe tropft herunter. Dann klappt ihr Mund auf und schwupps verschwinden Löffel und Suppe darin.

Andächtig rühre ich in meiner gelb-grünen Kartoffel-Lauch-Kreation, ich schiebe die kleinen Wurststückchen hin und her. „So geht das, siehst Du?“ Jetzt lächelt sie schon wieder und blickt mich auffordernd an, nun muss ich wohl auch pusten, aber ich rühre gedankenverloren noch ein wenig in meiner Schüssel herum und schaue mich um.

Die Idee, mitten in der Neustadt billiges, oder sollte ich besser sagen, preiswertes Essen anzubieten, scheint gut anzukommen. Die Suppenbar auf der Görlitzer Straße ist jetzt am Mittag an einem ganz normalen Arbeitstag proppevoll. Und dabei zieht sich die Kundschaft durch alle Schichten und Strömungen des Viertels in meinem Rücken steht ein grauhaariger Mann, mit strenger Rille und schwarzem Anzug.


Anzeige


Mit seinem Gegenüber scherzt er leise und zynisch, zwei Anwälte. In einer Ecke sehe und höre ich zwei Architektur-Studenten, die sich lautstark über irgendein Projekt unterhalten, auf der anderen Seite ist der Tresen, alle zwei bis drei Minuten wird hier eine neue Suppe verkauft, trotzdem bildet sich schon wieder eine Schlange, das kann aber auch daran liegen, dass der so geschäftige Besitzer eines Neustädter Szenelokals statt zu bestellen, lieber telefoniert und so den Verkaufsfluss aufhält. Die junge Mutter hinter ihm wird wohl gleich böse werden.

Doch ich muss mich nun endlich wieder meiner Suppe zuwenden, denn die junge Frau gegenüber hat mich schon am Ärmel gezupft. „Jetzt brauchst du wohl nicht mehr pusten, müsste eh schon kalt genug sein.“ Und tatsächlich, jetzt kann ich förmlich zusehen, wie sich Löffel für Löffel mein Schälchen leert.

3 Kommentare zu “Von heißer Suppe an kühlen Tagen

  1. hast du die Kunstwerke in der Suppenbar nicht gesehen? Die dort als Muffins verkauft werden ;)… wunderschön und lecker…

    Der „Sushi“ Laden gegenüber ist auch nicht zu verachten. Wenn er auch „Mixery“ heißt, was bei mir Vorurteile weckte… Das Essen kam schnell und schmeckte ;)

    grüße

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.