Reformationsfest auf dem Luther-Platz

Am kommenden Dienstag, 31. Oktober, wird es auf dem Martin-Luther-Platz ein Reformationsfest für Kinder und Familien geben. Laut dem veranstaltenden Kirchspiel Dresden-Neustadt sollen Martin Luther und seine Ideen rund um die Kirche kreisen.

Außerdem gibt es Livemusik, Kesselsuppe (gegen ca. 18 Uhr), Turmbesteigung zur vollen Stunde, an der Thesen-Tür können „aktuell-reformatorische“ Anliegen angebracht werden. Und es gibt das schon zur BRN gern gesoffene „Luther-Bier“.

Reformationsfest auf dem Martin-Luther-Platz

Reformationsfest auf dem Martin-Luther-Platz

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17 Kommentare zu “Reformationsfest auf dem Luther-Platz

  1. Marcus
    26. Oktober 2017 at 19:39

    Als eher agnostisch angehauchter Mensch sehe ich es trotzdem mit viel Vergnügen, was Ecki und sein Team als Stellvertreter der evangelischen Kirche leisten.

    Sorge um die Neustadt und die Bewohner, Engagement für das BRN, gute Konzerte (Höhepunkt für mich Katja Kettler, deren elektronische Musik enorm von Akustik und (getragener) Umgebung profitierte), usw…

    Turmbesteigung kann ich sehr empfehlen. Vor allem Abends hat man einen grandiosen Blick über die beleuchtete Stadt!

    Idealisten bei der Arbeit! :o)

  2. Seldon
    27. Oktober 2017 at 07:46

    Hoffentlich kreisen die Ideen langsam genug, um sie auch einer kritischen Betrachtung unterwerfen zu können…
    Apropos kreisen:
    Die Astronomie des Kopernikus lehnt Luther ab, weil sie der Bibel widerspricht: „Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hieß Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!“ Wo Schrift und Verstand einander widersprechen, ist Luther immer für die Schrift und „will doch meinen Verstand gefangen nehmen unter den Gehorsam Christi“. Luther verhilft dem Fundamentalismus zum Sieg über den aufklärerischen Humanismus. Die Vernunft bezeichnet Luther als „des Teufels Hure“.
    Von Antisemitismus, Autoritätshörigkeit, Hexenwahn, Frauenbild usw ganz zu schweigen! Hatten wir ja auch hier schon:
    https://www.neustadt-ticker.de/55736/aktuell/luthersprueche-zum-anfassen

    cit: „Das ganze Leben solle Buße sein.“ Luther will die Menschen nicht von ihrer Angst befreien, sondern die Angst zum ständigen Lebensbegleiter machen. Dass der Mensch nichts tun könne, um der Verdammnis zu entgehen, dass er „ein Stück Scheiße“ sei, ist der zentrale Glaubensartikel Luthers, die Ergänzung seiner Lehre von der unverdienten Gnade Gottes.

    Indem er den Menschen die Möglichkeit nimmt, sich von der Strafe freizukaufen, unterwirft er sie einer masochistischen Auffassung vom rechten Leben: „Daher bleibt die Strafe, solange der Hass gegen sich selbst – das ist wahre Herzensbuße – bestehen bleibt … Aufrichtige Reue begehrt und liebt die Strafe. Die Fülle der Ablässe aber macht gleichgültig und lehrt sie hassen …“ Selbsthass statt Befreiung: Was für eine finstere Lehre!
    https://www.welt.de/kultur/article126395361/Neuneinhalb-Thesen-gegen-Martin-Luther.html

  3. Ecki
    27. Oktober 2017 at 08:20

    @Marcus: Danke für die Blumen! Ich gebe sie weiter an „mein“ Team.

  4. studi
    27. Oktober 2017 at 08:54

    Von wann bis wann werden Turmbesteigungen möglich sein?

  5. 27. Oktober 2017 at 09:19

    @seldon: neulich hörte ich die Theorie, dass Luther nicht antisemitisch, sondern antijudaistisch war.

    Und wenn ich mir diesen Aufsatz zum Thema Antisemitismus durchlese, bin ich geneigt, dem zuzustimmen.

    http://m.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37945/antisemitismus?p=all

  6. Seldon
    27. Oktober 2017 at 09:54

    Hallo Anton, Luther geht schon über bloße religiöse Judenfeindschaft hinaus, indem er Juden mit dem Wucher und damit den von ihm abgelehnten Erscheinungen des Frühkapitalismus in Verbindung bringt bzw identifiziert:
    Luther hat das Bild vom ehrlich arbeitenden Deutschen und die Überzeugung, dass Juden keiner produktiven und „ehrlichen Arbeit“ nachgingen, popularisiert. Er erweiterte die antijüdischen Stereotypen zum Bild vom „arbeitsscheuen“, „faulen“ und „ausbeuterischen Juden“. In dieser Zeit war ein Tiefpunkt der jüdischen Geschichte in Deutschland erreicht. Die jüdischen Gemeinden waren zerschlagen, die Familien auseinandergerissen, ihnen blieb nur die ständige Migration von Stadt zu Stadt. Doch Luther schrieb: „Jawohl, sie halten uns Christen in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein … sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.“
    https://www.conne-island.de/nf/88/24.html
    http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/wirtschaft-im-16-jahrhundert-wie-martin-luther-den-kapitalismus-reformierte/19174888.html
    http://www.taz.de/!5018250/

    Indem Luther Kredit- (Wucher-)Kapital dem Kaufmannskapital gegenüberstellt nimmtr er im Übrigen die latent antisemitische Trennung von schaffendem und raffendem Kapital vorweg, die sich bis in die naive Kapitalismuskritik von attac mit der Fokussierung auf’s böse Finanzkapital zieht.

    In einer Phase des Umbruchs, ersten Schritten des (zu seiner Zeit) fortschrittlichen Kapitalismus, war Luther wie in vielen anderen Zusammenhängen auch rückwärtsgewandt, konservativ im schlechtesten Sinn, fortschrittsfeindlich und antirevolutionär, was die Bauern, die seine Reformideen zu ernst nahmen, zu allererst zu spüren bekamen. Ein „Reformator“ halt, der den status quo versucht zu erhalten, indem er „Auswüchse“ und „Abweichungen“ des eigentlich ja doch Funktionierenden bekämpft. Im Grunde eher der Schutzpatron der SPD, wenn man’s recht bedenkt…

  7. Seldon
    27. Oktober 2017 at 10:19

    Am kommenden Dienstag, 31. Oktober, wird es auf dem Parkplatz vorm McDonalds Burgerfest für Kinder und Familien geben. Laut der veranstaltenden Filiale sollen Ronald McDonald und seine neuesten Produktideen rund um die Filiale kreisen.

    Außerdem gibt es Livemusik, Kesselsuppe (gegen ca. 18 Uhr), Hüpfburg zur vollen Stunde, an der Eingangs-Tür können neue Rezeptideen angebracht werden. Und es gibt das schon immer gern gesoffene Bier.

    (oder ist das jetzt zu hart?)

  8. Ecki
    27. Oktober 2017 at 16:07

    Ach Seldon, da hat der Anton Dir eine goldene Brücke gebaut – aber Du wütest weiter und machst genau das, was Du Luther vorwirfst: andere pauschal aburteilen.
    Luther allein aus heutigem Blickwinkel zu beurteilen, ist zu einfach. Auch er war ein Kind seiner Zeit.
    Ich bin ein scharfer Kritiker Luthers, und vor allem einer unreflektierten Luther-Verehrung. Aber wie Du rumwütest, zwingst Du mich zum bloßen Verteidigen eines auch mit Fehlern behafteten Menschen, der sich 500 Jahre später nicht selber (gegen Dich) wehren kann.
    Hoffentlich ist in 500 Jahren niemand so unbarmherzig mit Dir.
    Wenn Du den Mut dazu hast, lade ich Dich am Dienstag gern auf ein Luther-Bier ein. Dann können wir in Ruhe reden.

  9. Ecki
    27. Oktober 2017 at 16:11

    @studi: Turmbesteigung ab 17 Uhr zur vollen Stunde; auf jeden Fall auch 18 und 19 Uhr; 20 Uhr – mal sehen, je nach Wetter und Publikum.
    Grundvoraussetzung: Fahrtauglichkeit!

  10. bob
    27. Oktober 2017 at 16:25

    @Ecki

    Danke für die Mühe. Aber um ehrlich zu sein, habe ich trotz mehrmaligen Lesens nicht so recht begriffen, wogegen Seldon in seinen 3 sehr ausführlichen Beiträgen jetzt eigentlich ist. Gegen Luther ? Gegen den Reformationstag ? Gegen das Fest vor der Martin Luther Kirche ? Oder die Art des Festes ? Gegen die SPD ? Gegen attac ?

    @Seldon: Was möchtest Du der Welt denn nun mitteilen ?

  11. DDHecht (H&K)
    27. Oktober 2017 at 17:05

    „Religion bringt Rassismus und Rassismus den Krieg.“ lautet eine Textzeile der Band „Die Allergie“ und dem habe ich nur wenig hinzuzufügen, außer:

    Müssten diese Sektengebilde sich nur aus Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren, dann gäbe es diesen mafiösen Zusammenschluss von Erbschleichern schon längst nicht mehr. Für einen säkularen Staat, ohne Sonderrechte für heuchlerisch-psychotische Sektierer.

    Religion ist nur etwas für verständnisschwache Menschen, die sich entweder selbst noch nicht gefunden, oder schon wieder verloren haben.

    @Ecki

    http://symptomat.de/Wahnvorstellungen_(Paranoia)

    „(…) Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben und schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät (Gesellschaft). Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. … Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks. … Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf.“

    Karl Marx

  12. Seldon
    27. Oktober 2017 at 17:16

    Hallo Ecki,
    wie schon im oben verlinkten früheren Luther-thread:
    ich wüte hier keineswegs! Da aber sowohl im letzten als auch diesem thread nur von unkritischer Luther-Abfeierei die Rede ist, ergänze ich aus meiner Sicht wichtige kritische Punkte. Wenn Du persönlich Luther auch kritisch siehst ist das ja schön, allerdings hier nicht erkennbar. Wer auf dem Fest über eventuelle kritische Bemerkungen stolpert, freut sich vllt, diese einodnen zu können, wer nicht, fragt anlässlich meiner Bemerkungen vllt nach…
    Nochmal die Frage, wo Du Pauschalisierung siehst: Nein, ich bin sicher kein Freund von Religion, von Luther oder dem real existierenden Kapitalismus. Ich weiß aber sehr wohl um die historische Rolle und Bedeutung sowohl religiöser Texte als auch Personen oder Gesellschaftsordnungen. Eine Einordnung und Bewertung erfolgt natürlich aus aktueller Sicht, darf aber wohl trotzdem kritisch sein. Speziell zu Luther ist nun im Lutherjahr recht viel zu hören und zu lesen, was eher ahistorisch, unreflektiert und unkritisch daherkommt. Meine Kritik richtet sich nun aber genau nicht gegen Lutheraner (höchstens, indem ich ihnen eben dieses vorwerfe: unkritisch usw zu sein), sondern macht sich an der Person Luthers und seinen Texten und den Folgen fest. Was den Antisemitismus angeht, hab ich Antons goldener Brücke ja versucht den Lack abzukratzen, was aber kaum interpretiert werden kann als pauschale Verurteilung aller Lutheranhänger. Davon ab ist auch solch schäumend vorgetragener Antijudaismus nicht unbedingt unkritischer zu sehen…
    Wie auch immer, pauschale Urteile, auch Interpretationen wie „wütend“ sind in Diskussionen nie besonders zielführend. Ich denke schon, dass man mit Dir ganz gut diskutieren könnte, leider nicht am Dienstag. ..Anton gibt Dir zwecks Terminfindung bestimmt meine mail Adresse…
    @bob hilft das weiter, sonst frag nochmal.

  13. Peter
    27. Oktober 2017 at 17:24

    @bob 27. Oktober 2017 at 16:25
    „@Seldon: Was möchtest Du der Welt denn nun mitteilen ?“
    => Ich bin nach jahrelangem Lesen seiner/ihrer Kommentare zum Schluss gekommen: „seine Weltsicht“.
    Empfehlung: Lesen, hinnehmen, ggfs. amüsieren / mit dem Kopf schütteln / dankbar sein und dann irgendwas anderes machen.

    Beste Grüße
    Peter

  14. Seldon
    27. Oktober 2017 at 18:22

    Hallo Peter, ist ja gar nicht mal so falsch. Ich würd’s eher als Diskussionsbeitrag auf Grundlage einer bestimmten Weltsicht oder Standpunkts bezeichnen, aber gut…Allerdings liefere ich imho immer auch das eine oder andere Argument mit. Das kann man zutreffend oder falsch finden, im besten Fall widerlegen. Klappt am Besten mit stichhaltigen Argumenten…
    Hier also: Luther bietet viele Gründe, ihn und die von ihm (mit) angestoßene Entwicklung kritisch zu sehen. Kann man andrrs sehen oder ihn einfach zum Anlass für Bier und Kesselgulasch nehmen. Im ersten Falle könnte man dann entsprechend argumentieren …

  15. bob
    27. Oktober 2017 at 18:22

    @Peter

    Zu dem Schluss bin ich auch schon gekommen. Aber manchmal übersieht man ja was.

    @Seldon

    NEE. Keine Fragen mehr. Peter hat es treffend beschrieben.

  16. DDHecht (H&K)
    27. Oktober 2017 at 21:50

    @Peter Weltsicht…richtig! Wo liegt dabei der Unterschied zu deinen Kommentaren? Wessen Weltsicht gibst du denn zum Besten? Mir gruselt …oh, wie mir gruselt…

  17. ein anderer Stefan
    1. November 2017 at 20:14

    Ich denke, dass Luther angesichts seiner Aussagen zu den Juden, seiner Haltung zu den aufständischen Bauern und seiner Aussagen über Frauen (hier sind einige seiner Aussagen nachzulesen: http://www.martin-luther-2017.de/) heute wohl kaum als Vorbild, geschweige denn als zu verehren angesehen werden kann, auch wenn man ihn als „Kind seiner Zeit“ begreifen muss – wobei ich mal unterstelle, dass manche seiner Aussagen auch damals schon auf Widerspruch gestoßen sind. Gerade wenn man ihn als Kind seiner Zeit begreift, muss man sich kritisch mit seinen Aussagen auseinandersetzen und deutlich machen, wie wir uns heute davon unterscheiden und von vielen Aussagen auch deutlich distanzieren.

    Dazu dann noch: Der Protestantismus war ja eigentlich ein „Unfall“, seine Absichten waren ja anders gelagert.

    Seine Aussagen heute nicht mehr gesellschaftsfähig, seine große Leistung von ihm nicht beabsichtigt – was bleibt dann noch? Natürlich, die Folgen seines Handelns und Schreibens waren nachhaltig – und haben zu erbitterten Kriegen geführt, die erst vor kurzem weitgehend beendet werden konnten (wobei mir klar ist, dass Religion nur wohlfeiler Vorwand für Macht via Gewalt ist). Heute? Die beiden Religionen dienen bigotten Spießern beider Seiten immer noch als Merkmal, um sich vom jeweils anderen abzugrenzen. Dafür „kann“ er natürlich nichts. Sind die Worte einmal in der Welt, kann man sie nicht wieder einfangen, und nicht kontrollieren, was andere draus machen.

    Ich will dabei gar nicht in Abrede stellen, dass Menschen, die sich vom Neuen Testament inspiriert sehen, viel Gutes geleistet haben und dies immer noch tun. Aber dafür Luther als Gewährsmann und Urheber heranziehen? Nein, das scheint mir verfehlt. Da sollten sich die Menschen lieber auf sich selber besinnen, anstatt so ein zweifelhaftes Vorbild zu nehmen.

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