Christiane Rösinger im Konk-Klub

Christiane Rösinger - Foto: PR/Dorothea Tuch
Christiane Rösinger – Foto: PR/Dorothea Tuch
Am Sonnabend tritt die Sängerin Christiane Rösinger im Konk-Klub auf. Das Neustadt-Geflüster verlost Freikarten.

Die Älteren unter uns werden sich sicher noch mit Vergnügen an die Lassie Singers und ihre Konzerte unter anderem im damaligen Star-Club und in der Scheune erinnern. Christiane Rösinger hatte gemeinsam mit Almut Klotz und Funny van Dannen die Band 1988 gegründet. Zehn Jahre später gründete sie die Band Britta, schreibt für Zeitungen und auch Bücher. Im Oktober 2010 veröffentlichte Rösinger ihr erstes Soloalbum „Songs Of L. And Hate“.

Ja, fast hat man das Gefühl eines Comebacks: Christiane Rösinger ist zurück! Dabei liegt ihr Debütsoloalbum gerade mal ein paar Jahre zurück. Und es ist ja nicht so, als sei die Musikerin und Autorin in der Zwischenzeit komplett von der Bildfläche verschwunden. Zwei Bücher sind in der Zwischenzeit erschienen („Liebe wird oft überbewertet“, und „Berlin-Baku“ im Fischer Verlag), Hörbücher wurden aufgenommen, es wurde ausgiebig getourt, die monatliche Flittchenbar kuratiert, durch den Kiez flaniert und der eigene Garten bestellt.

Nun also endlich das zweite Solo-Album mit neuen Liedern aus der Feder von Christiane Rösinger, instrumentiert, aufgenommen und produziert von Andreas Spechtl (Ja Panik). Ging es auf dem Vorgänger-Album und seinem Titel mit dem Buchstaben „L“ vor allem um die Liebe, dreht sich nun alles um das Leiden. Wobei Liebe und Leid ja oft genug eng beieinander im Bett der Pärchenlüge liegen.


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Aber Moment mal: „Lieder ohne Leiden“? Christiane Rösinger und Lieder ohne Leiden?! Wie soll das nur gehen?! Wer den Titelsong hört wird schnell feststellen: Gar nicht. Es bleibt ein Wunsch.

Der Wunsch einer sensiblen Künstlerin, eben nicht schon wieder leiden zu müssen, um daraus ein wundenleckendes Lied zu machen. Aber schon gleich im Album-Opener „Kleines Lied zum Anfang“ verrät uns Frau Rösinger ihr bewehrtes Erfolgsrezept: Sie ist nun mal ein melancholischer und musikalischer Charakter. Und zwangsläufig entstehen so neue Lieder.



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Der Sound des Albums ist dabei aber opulenter und farbenfroher geraten, als die zum Teil noch bedrückendere Film Noir-Stimmung auf „Songs Of L. And Hate“. Die Musik der 1960er Girl-Combos à la Shangri-Las, aber auch die Musik der Beach Boys und Burt Bacharach galten Andreas Spechtl als Vorbild für den Klangteppich auf „Lieder ohne Leiden“.

Im Gentrifizierungs-Stampfer „Eigentumswohnung“ hat man fast das Gefühl, die alten Lassie Singers wieder zu hören, die ja auch immer viel 1960er-Bubblegum in ihre Musik zu injizieren wussten.

Inhaltlich ist „Lieder Ohne Leiden“ bei aller für Christiane Rösinger typischer Lakonie eine messerscharfe Gegenwartsanalyse zwischen dem Leben im Prekariat und der Rendite der Generation Erben. Und dem gedanklichen Raum dazwischen, in dem auch schon mal der „stumpfen Arbeit“ ein Lob ausgesprochen wird, um sich vom narzisstisch-gestörten Kreativzwang unserer Zeit zu befreien.
Am Ende aber halten alle Lieder – wie schon in Heinrich von Kleists Reflexion über die Steine im Rundbogen – fest zusammen. Das Gebäude steht, weil alle Steine gleichzeitig einstürzen wollen. Bei Kleist Grund für eine epistemologische Beunruhigung. Bei Rösinger werden wunderschöne Lieder draus.

Und es bleibt ein tröstlicher Gedanke: Wenn alles niederzustürzen droht, stürzt womöglich nichts darnieder: „Dass auch ich mich halten würde, wenn alles mich sinken lässt“, singt sie im Abschlussstück „Das gewölbte Tor“. Leiden dürfen wir trotzdem.

Christiane Rösinger im Konk-Klub

  • Sonnabend, 28. Oktober, 20 Uhr, Konk-Klub, Industriegelände, Hermann-Mende-Straße 1, 01099 Dresden
  • Das Neustadt-Geflüster verlost zweimal zwei Freikarten. Bitte eindeutiges Interesse in der Kommentarspalte bekunden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

7 Kommentare zu “Christiane Rösinger im Konk-Klub

  1. Starke Platte! Diese Stimme hat es mir schon lange angetan! Eine Stimme der Großstadt: Einsamkeit und Rotzigkeit, made in Berlin!

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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