Von Kaufrausch und berauschten Käufern

„Eckhart!“ Nervös schaut die Frau durch ihre randlose Brille. Weit und breit kein Eckhart zu sehen. „Eckhart! Schnell! Das Geld.“ Sie nestelt an ihrer Handtasche herum und lächelt verlegen erst die Kassiererin, dann die hinter ihr stehende Wartegemeinschaft an. Dann taucht er endlich auf mit Halbglatze und roten Bäckchen sieht er wie ein beim Schummeln ertappter Schüler aus. „Das Geld? Ach so.“ Flink zieht er seine Brieftasche und gibt sie seiner Frau.

Für mich ist diese kleine Episode das Ende eines nervenaufreibenden Einkaufes. In der Neustadt hat der geneigte Konsument schließlich verschiedene Supermärkte zur Auswahl, ich persönlich wechsle sehr häufig, da jeder irgendwo so seinen Vorzug hat. Im Sparmarkt auf der Alaunstraße beispielsweise grüßt mich der Chef immer sehr freundlich, außerdem ist die Käsetheke gut sortiert. Im Plus auf der Königsbrücker ist es schön billig und im Konsum auf der Alaunstraße treffe ich jedes Mal irgendwelche Bekannten. Das ist zwar prinzipiell ganz nett, allerdings verlängert es die Einkaufszeit gewaltig. So war es auch dieses Mal. Erst muss ich mich zwischen Möhren und Blattsalat über die Party des Vorabends unterhalten, dann treffe ich bei den Tütensuppen noch einen Kneipenwirt, der sich mal wieder lang und breit darüber auslässt, dass der Umsatz immer schlechter wird. Normalerweise stehe ich solchen Gesprächen ziemlich offen gegenüber und freue mich über die regen Kontakt im Viertel. Doch heute soll es eigentlich schnell gehen, immerhin hab ich Hunger und der Einkauf soll der Anfang eines herzhaften Essens werden.

Nun bin ich für die wenigen Zutaten, die mir noch fehlten schon eine knappe halbe Stunde unterwegs und pralle voll Entsetzen auf die Kassenschlange. Beim Versuch clever die schnellere Kassiererin auszumachen, unterläuft mir ein strategischer Fehler, der nicht vorauszusehen war. Bis auf drei Positionen vor mir läuft alles glatt, doch dann ruft die Dame an der Kasse zu ihrer Kollegin: „Weißt Du, was die Radieschen kosten?“ Weiß sie nicht. Also springt die Ruferin auf und eilt zum Gemüseregal. Inzwischen wäre ich an der anderen Kasse dran gewesen. Der nächste Kunde ist fix abkassiert, auch bei der folgenden Frau scheint es keine Probleme zu geben, bis sie anfängt verlegen zu lächeln und durch ihre randlose Brille schaut. Schließlich komme ich doch noch an die Reihe und kann meine Zutaten bezahlen. Prompt in diesem Moment wird die dritte Kasse eröffnet und alle Nachfolgenden können mit geringeren Wartezeiten rechnen. Doch darüber kann ich jetzt nur noch hilflos lachen.


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Suppenwirtschaft, Königsbrücker Straße 40

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