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Von Baulärm und anderen Widrigkeiten

Der Presslufthammer wird direkt auf meinen Kopf angesetzt. Ein hämisch grinsender Bauarbeiter legt den Schalter um und das Gerät rattert los. Nach dem ersten Einschlägen hört er auf, grinst noch dreister und meint zu mir, dass auf der Baustelle schließlich Helmpflicht besteht. Dann rattert er weiter. Schlag für Schlag dringt er in die Schädeldecke ein.

Schweißgebadet wache ich auf. Es war nur ein Traum, doch der Lärm bleibt. Kurze gepresste Schläge, die unangenehme Vibrationen nach sich ziehen. Zu dem Presslufthammer gesellt sich nach einer Weile die etwas höher tönende Schlagbohrmaschine. Dann ist plötzlich wieder Ruhe, doch der Morgen ist für mich gelaufen. Hoffentlich muss ich heute zu niemandem freundlich sein.

Mein Nachbarhaus wird jetzt schon seit ein paar Monaten saniert. Nachdem vergangene Woche die Gerüste gefallen sind und mich der hübsche Anblick etwas versöhnte, hegte ich Hoffnung auf ein Ende des Lärmes, aber irgendwas haben diese Männer wohl immer zu bohren. An manchen Tagen hatte ich den Eindruck, dass mir gleich der eine oder andere Ziegel entgegen geflogen kommt. Und tatsächlich, ein wenig Putz ist schon abgefallen, der Vermieter hat versprochen sich zu kümmern.

Normalerweise habe ich bei Beginn des Lärmes immer das Weite gesucht, das habe ich auch heute vor. Immerhin scheint draußen eine fröhliche Sonne und vereinzelte Cafés laden zum draußen sitzen ein. Doch nun ist es schon über eine Stunde ruhig, so lange kann keine Frühstückspause dauern. Also mach ich mich frisch ans Werk, setze guter Hoffnung einen Kaffee auf und werfe Brötchen in den Ofen. Die dicke Staubschicht auf dem Balkon ignorierend, räume ich Tisch und Stuhl in das morgendliche Sonnenlicht. Wenige Sekunden später sitze ich und träume von einem Arbeitstag im Grünen, als plötzlich der Presslufthammer wieder einsetzt und leichte Vibrationen den Kaffee überschwappen lassen. Ich blicke nach nebenan, da steht er, der Mann aus meinem Traum. Zwar grinst er nicht, einen Helm hat er auch nicht auf, dafür ein riesiges Paar Ohrenschützer. Ich lasse alles stehen und liegen und verschwinde von diesem furchtbaren Ort.

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