Von Dialekten und Rockern

Fünf Tage Urlaub, 600 Kilometer Fahrt und dann sitze ich in einem Café und denke an die Neustadt. Der Milchkaffee schmeckt mir trotz reichlich Sahne nicht, die Leute hier reden einen lustigen, aber schwer verständlichen Dialekt, und es dauert ewig, bis ich auch mal eine Bestellung aufgeben kann – obwohl kaum andere Gäste da sind. In dem schicken, aber teuren Lokal einer blitzsauberen Altstadt, irgendwo zwischen Frankfurt am Main und tiefster Pfalz denke ich an die Alaunstraße und den Bischofsweg. Meine Bestellung führt zu Verständnisproblemen auf beiden Seiten: Woher soll ich wissen, dass „Grumbeere“ Kartoffeln sind.

Die Preise sind hoch – als würde hinter den Zahlen nicht ebenfalls Euro stehen. Vor der Kneipe ist nicht die nächste, sondern nur Geschäfte, die alle das Gleiche anbieten und zwei Kirchen.

Dabei geben sich meine Bekannten wirklich Mühe – sowohl mit dem Stadtrundgang als auch mit dem Inn-Lokal. Wenn ich dort die Augen schließe, ist es fast wie zu Hause. Leider bemühen sich am Nebentisch zwölf nicht mehr ganz taufrische Intellektuelle um ein 68’er Flair. Sie lachen laut und ungehemmt über langweilige Geschichtchen. Sie halten sich drei Stunden an einem Bier fest, und jede Minute klingelt ein anderes Handy am Tisch.

Einige Tage und Hunderte Kilometer später sitze ich wieder in Dresden. Ich überlege, wie oft ich schon an genau diesem Fenstertisch mit Schieferplatte gesessen habe. Zu meinen Füßen liegt ein riesiger Hund vom Nachbartisch und lässt sich von den herumtollenden Kindern kraulen. Sogar einen Trinknapf mit frischem Wasser holen sie ihm – es ist fast, als wäre man bei Freunden zu Besuch. Mein Bagel mit Schinken und Paprika schmeckt vorzüglich, und ich bezahle nur die Hälfte, weil der Salat gerade aus war. Entspannt genieße ich die Müßigkeit meines letzten Urlaubtages, während ich durch die Panoramascheiben des Café Reale blicke. In zwei Stunden zähle ich 23 Hunde mit Herrchen an mir vorüberziehen, zwölf Mütter mit ihren Kindern und mindestens drei verliebte Paare. Neustädter und ihre Gäste unterhalten sich gedämpft, an allen Tischen sächselt es vertraut. Jazzige Musik säuselt aus den Boxen; der Milchkaffee ist cremig. Die Bedienung versteht mich auf Anhieb und bringt mir zu dem nachbestellten Espresso auch ein Glas Wasser. An meinen Tisch setzt sich ein Kurzhaariger mit zwei Freunden. Er spielt in einer Heavy-Metal-Band und hat im Juni seine erste große Tour vor sich. „Delusive Dawn“ nennt sich die Combo, und in Kamenz werden sie zuerst einheizen. Irgendwann sehe ich sie vielleicht im Starclub oder im Bunker, vielleicht auch zur Bunten Republik Neustadt.

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Meinen nächsten Kurzurlaub habe ich schon geplant: Auf der Kamenzer Straße gibt es eine Kneipe, in der ich noch nicht war, und auf dem Alaunplatz wollte ich Fußball spielen.

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